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„Happy Birthday Mister President“ – Er entfernte die Abgeordneten, nicht die Akten

VonRainer Hofmann

Juni 13, 2026

Trump ließ die Republikaner stürzen, die für die Freigabe der Epstein-Akten stimmten, doch pünktlich zu seinem achtzigsten Geburtstag öffnet in Washington ein Leseraum mit seinem und Epsteins Namen, drei Millionen Seiten in mehr als 3.400 Bänden. In der Mitte stehen vierzehnhundert Kerzen für die Opfer!

Während Donald Trump einen Käfig für den Faustkampf auf den Rasen des Weißen Hauses setzen lässt und einen großen Jahrmarkt plant, um den zweihundertfünfzigsten Jahrestag des Landes und seinen eigenen achtzigsten Geburtstag zu feiern, droht eine Ausstellung am anderen Ende der Stadt, ihm die Schau zu stehlen. Sie heißt Donald J. Trump and Jeffrey Epstein Memorial Reading Room, ein Gedenk-Leseraum, und sie lädt die Besucher ein, die Epstein-Akten mit eigenen Augen zu lesen, gedruckt und gebunden.

Ersonnen haben sie der Kurator David Garrett und das Institute for Primary Facts. Auf zwei Stockwerken an der Adresse 737 7th Street NW liegen über drei Millionen Seiten, die das Justizministerium im Dezember und Januar herausgegeben hat, im Vollzug des Epstein-Akten-Transparenzgesetzes, das der Kongress im vergangenen Jahr fast einstimmig beschloss. Man hat die teils geschwärzten Dokumente über Epstein und seinen mächtigen Bekanntenkreis zu Büchern von je achthundert Seiten gebunden, mehr als 3.400 Bände, die man aus den Regalen nehmen und nach Belieben lesen kann. In New York öffnete die Schau am 8. Mai, nun ist sie in der Hauptstadt, fünfhundert Menschen kamen am Eröffnungsabend, einem Dienstag. Fünf Häuser in New York und ein Dutzend in Washington hatten sie abgelehnt, Garrett aber hofft, sie noch in fünf oder sechs weitere Bundesstaaten zu tragen.

Bei allem Spott, den die Umstände verdienen, ist der ernste Mittelpunkt nicht zu übersehen. Die Ausstellung beginnt mit einer Zeittafel dessen, was über die Begegnungen des Präsidenten und des verstorbenen Finanziers bekannt ist, belegt durch Dokumente, und zeigt Arbeiten von Maria Farmer, einer der Frauen, die Epstein des sexuellen Missbrauchs beschuldigten. Vierzehnhundert Kerzen erinnern an die Opfer. Es gehe nicht um Protestkunst, sagt Garrett, sondern darum, den Lärm im Netz zu übertönen und den Menschen Raum zu geben, über den Ernst von Epsteins Verbrechen nachzudenken und über das Leid seiner Opfer, das bis heute andauert, während sie ihren Kampf um Gerechtigkeit fortsetzen. Die erklärte Strategie derer, die offenbar die Demokratie zu Fall bringen wollten, sei es, alles mit Lärm zu überschwemmen, sagte er. Dies halte das Weiterwischen an.

Epstein, der milliardenschwere Finanzier und Kinderschänder, starb im August 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle, der amtlichen Darstellung nach durch Suizid, während er auf seinen Prozess wartete. Über Trumps zweite Amtszeit liegt sein Schatten, seit dessen Justizministerium und die Bundespolizei FBI einen Schlussstrich ziehen wollten, mit einem knappen gemeinsamen Vermerk, der wegen Sexhandels Verurteilte habe keine Kundenliste hinterlassen, und es gebe keinen Hinweis, dass er ermordet worden sei. Erreicht hat die Behörde damit nur, dass die Forderung lauter wurde, seine noch lebenden Mittäter vor Gericht zu bringen, gerade in Trumps eigener Anhängerschaft, die lange mit Verschwörungstheorien gefüttert worden war. Förmlich beschuldigt wird der Präsident in der Sache nicht, doch Fragen nach seiner früheren Freundschaft mit Epstein verfolgen ihn, einer Freundschaft, die nach seiner Darstellung 2004 zerbrach, als er Epstein vorwarf, ihm in Mar-a-Lago Personal abgeworben zu haben.

Wer aber für die Veröffentlichung der Akten eintrat, bekam Trumps Zorn zu spüren. Am Dienstag verlor die Abgeordnete Nancy Mace aus South Carolina die republikanische Vorwahl um das Gouverneursamt, auch weil Trump die Vizegouverneurin Pamela Evette unterstützt hatte. Mace führte ihre Niederlage darauf zurück, dass sie sich der parteiübergreifenden Initiative der Abgeordneten Thomas Massie und Ro Khanna angeschlossen hatte, die eine Abstimmung über die Freigabe der Epstein-Akten erzwingen sollte. Pikant ist, dass sie während des Verfahrens den Medien ausdrücklich gesagt hatte, niemand habe ihr gedroht, der Präsident habe ihr nicht gedroht und sie auch nicht gebeten, von der Initiative abzulassen.

Nancy Mace

Mace, selbst Opfer einer Vergewaltigung, war sichtlich erschüttert, nachdem sie Überlebende aus Epsteins Umfeld getroffen hatte, und trat daraufhin für die Freigabe ein. Dieselbe Mace, von der gemäßigten zur MAGA-Republikanerin gewandelt, hatte zuvor die Abgeordnete Sarah McBride drangsaliert, das erste offen transgeschlechtliche Mitglied des Kongresses. Nach Washington wird sie nun nicht zurückkehren. Mace ist die dritte republikanische Abgeordnete, die nach einem Aufbegehren gegen Trump in der Epstein-Frage ihre Vorwahl verlor. Massie unterlag im vergangenen Monat, und Marjorie Taylor Greene trat vor Monaten zurück, nach einem öffentlichen Bruch mit Trump in derselben Sache, und nannte ihn rundheraus einen Verräter im Umgang mit den Akten. Bereits jetzt nimmt Trump die Abgeordnete Lauren Boebert ins Visier, weil sie Massie unterstützt hat, obwohl die Frist, sie herauszufordern, längst verstrichen ist.

Die Reihe der Vergeltung gehe weiter, sagte Massie dem Independent am Mittwoch. Das Gute sei, dass diese drei Frauen ihm geholfen hätten, ein Gesetz durchzubringen. Keine Vorladung, keine Entschließung. Der Präsident habe es unterschrieben. Auf die Frage, ob er Mittäter Epsteins im Plenum beim Namen nennen werde, antwortete er, man solle dranbleiben, man habe ja noch sieben Monate. Mace und Massie bleiben bis zum Jahresende im Kongress und können weiter Lärm machen.

Wie viel Zeit Trump darauf verwendet, den Aufruhr in der eigenen Partei zu dämpfen, soll ein Auszug aus dem neuen Buch von Jonathan Swan und Maggie Haberman zeigen, der am Mittwoch bekannt wurde. Demnach berieten engste Vertraute im Lagezentrum des Weißen Hauses, wie mit Epstein umzugehen sei, der Vizepräsident JD Vance und die Stabschefin Susie Wiles, dazu der damalige stellvertretende Justizminister Todd Blanche, während die damalige Justizministerin Pam Bondi und der FBI-Direktor Kash Patel über Lautsprecher zugeschaltet waren. Man habe die Lage als schwere Krise der öffentlichen Wirkung betrachtet, und Vance habe sogar vorgeschlagen, der rechte Aufwiegler Tucker Carlson solle Epsteins frühere Gefährtin und Mittäterin Ghislaine Maxwell befragen. Der damalige stellvertretende FBI-Direktor Dan Bongino nannte die Sache, dem Auszug zufolge, Trumps Iran-Contra-Affäre. Schlimmer vielleicht noch als diese.

Am Ende trug die Affäre dazu bei, dass Bondi als Justizministerin gehen musste. Trump machte Blanche, einst sein persönlicher Anwalt, zum geschäftsführenden Justizminister und schlug ihn für das höchste Amt im Ministerium vor. Im nächsten Monat beginnen die Anhörungen zu seiner Bestätigung, und man darf erwarten, dass er gerade in dieser Sache scharf befragt wird, zumal er erklärt hat, es würden keine weiteren Epstein-Akten mehr veröffentlicht.

Die Demokraten setzen vor den Zwischenwahlen 2026 ganz auf das Thema. Khanna vom linken Flügel prägte den Ausdruck Epstein-Klasse, und Senator Jon Ossoff aus Georgia hat ihn für seinen Wahlkampf übernommen. Graham Platner, frisch gekürter Bewerber der Demokraten um den Sitz der Senatorin Susan Collins in Maine, gegen den selbst zahlreiche Fragen wegen früherer Äußerungen über sexuellen Missbrauch im Raum stehen, warb mit dem Satz, man werde sich die Regierung von der Epstein-Klasse zurückholen. In Ohio wirbt der frühere Senator Sherrod Brown gegen Senator Jon Husted und hält ihm vor, Geld von Vertrauten Epsteins erhalten zu haben. Und Robert Garcia, ranghöchster Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, kündigte an, sollten die Demokraten die Kammer zurückgewinnen, werde Epstein ihr Thema sein, das überparteilichste des Landes.

Und dann war ja noch das ….

Auch der letzte Versuch, das Entfernen noch abzuwenden, blieb ohne Erfolg. Am Donnerstag, einen Tag vor Ablauf der Frist, ging eine Eingabe an die Gerichte, die Abnahme von Trumps Namen an der Fassade aufzuhalten, doch ein Richter wies sie zurück, wie zuvor schon die Berufungsgerichte die kurzfristigen Anträge abgewiesen hatten, die Anordnung auszusetzen. So fiel das letzte Hindernis, und es blieb nur noch, die Buchstaben tatsächlich von der Wand zu nehmen.

Das geschah am Freitag. Arbeiter in gelben Westen rückten an und stellten ein Gerüst auf, ehe sie gegen halb vier Uhr nachmittags östlicher Zeit begannen, die Lettern abzumontieren. Eine Menge hatte sich versammelt, um zuzusehen, und als die Abnahme begann, brandete Beifall auf. Nehmt sie herunter, rief das Publikum der Baustelle, und wer vorbeifuhr, hupte, während die Arbeiter ihrem Werk nachgingen.

Ende Mai hatte der Richter Cooper dem Kulturzentrum in Washington zwei Wochen gegeben, den Namen Trump aus seinem offiziellen Auftritt zu tilgen, und schon vor der Frist war er von der Internetseite und vom YouTube-Auftritt verschwunden, dazu von den Konten in den sozialen Netzen. Das Gründungsgesetz des Kennedy Center lasse keinen Zweifel, schrieb Cooper, das Haus sei nach Präsident Kennedy benannt und könne keinen anderen förmlichen Namen tragen, nur weil der Vorstand es im Alleingang so beschließe. Der Kongress habe dem Zentrum seinen Namen gegeben, und nur der Kongress könne ihn ändern.

Der Bundesrichter befand, der Name sei unrechtmäßig hinzugefügt worden. Angestoßen hatte das Verfahren eine Klage der Abgeordneten Joyce Beatty, die dem Kuratorium des Hauses von Amts wegen angehört. Trump hatte seinen Namen im Dezember an das John F. Kennedy Center for the Performing Arts gesetzt, nachdem er das Kulturzentrum im Februar 2025 unter seine Kontrolle gebracht hatte. Nun nimmt man ihn wieder ab, Buchstabe für Buchstabe, und es liegt eine eigene Lehre darin, dass ein Name, den ein Mann einem fremden Andenken aufzwingt, sich mit einem Gerüst und ein paar Schrauben wieder lösen lässt, während der Beifall von der Straße herüberweht.

So ergibt sich ein Bild von eigentümlicher Wucht. Ein Mann lässt sich zum Geburtstag einen Käfig und einen Jahrmarkt errichten, und während er die Zone mit Spektakel flutet, öffnet wenige Straßen entfernt ein stiller Raum, der das Weiterwischen anhält, drei Millionen Seiten hoch und mit seinem eigenen Namen über dem Eingang, neben dem Epsteins. Er konnte die Abgeordneten entfernen, die nach den Akten verlangten, die Akten selbst kann er nicht entfernen. Der Schlussstrich, den seine Behörde ziehen wollte, hat das Gegenteil bewirkt, und die Vergeltung, die die Frager trifft, lässt die Frage unberührt. In der Mitte aber, jenseits aller Politik, stehen vierzehnhundert Kerzen und die Bilder einer Frau, die den Missbrauch überlebte. Und es steht der Kampf der Opfer, der weitergeht, während die Mächtigen ihn umkreisen. Sieben Monate noch, sagt einer der Gestürzten, und es klingt weniger nach einer Drohung als nach einer Uhr, die gegen das Spektakel läuft. Am Ende teilt ein Mann, der sich Denkmäler baut, nun eines mit einem Toten, das er für nichts in der Welt wieder abtragen könnte.

„Happy Birthday Mister President“

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Ela Gatto
4 Tage vor

Diese Epstein-Akten-Ausstellung muss Trump bis ins Mark wurmen.
Denn er hat keine Kontrolle darüber.

Hoffentlich rutscht Epstein wieder mehr in den Fokus.
Wegen der Opfer, für Gerechtigkeit!

Und passend zu Trumps Geburtstag ist sein Name vom Kennedy Center entfernt.

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