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Russland lockt Ausländer mit Jobs ins Land – und schickt sie mit Gewalt in den Krieg

VonTEAM KAIZEN BLOG

10. September 2026

Am Anfang steht ein Arbeitsvertrag, jedenfalls glauben die Männer das. Wachmann, Fahrer, Bauarbeiter, Informationstechnik, gutes Geld, manchmal noch ein russischer Pass dazu. Dann kommen sie in Moskau oder Ufa an, jemand nimmt ihnen den Pass ab, legt russische Papiere auf den Tisch und drängt zur Unterschrift. Unter diesen Papieren steckt plötzlich ein Vertrag mit der Armee. Amnesty International hat Männer aus Brasilien, Kolumbien, Kuba, Ägypten, Sierra Leone, Sri Lanka, Somalia und Südafrika befragt, die genau so in Russlands Krieg geraten sein sollen. Ein Mann aus Sri Lanka kam gemeinsam mit 58 Landsleuten nach Moskau, weil ihm Arbeit als Wachmann versprochen worden war. Übersetzt wurde nichts, unterschrieben werden musste schnell, wenig später ging es nach kurzer Ausbildung an die Front. Zwei weitere Sri-Lanker erzählten fast dasselbe und sagten, das versprochene Geld hätten sie nie bekommen. Ein Südafrikaner glaubte, er müsse in Moskau lediglich einen Lastwagen übernehmen und nach Polen fahren; nach der Landung verschwand die Vermittlerin, ihm wurde alles abgenommen und erklärt, Polen sei erledigt, er sei jetzt Soldat.

Bericht Amnesty International: https://www.amnesty.org/en/documents/eur46/1361/2026/en/

Ein brasilianischer Fachmann für Informationstechnik erwartete eine gut bezahlte Stelle und landete im Ausbildungszentrum Awangard. Telefon, Laptop und Pass wurden ihm abgenommen, hinaus durfte er nicht. Als er gehen wollte, soll ein Kommandeur geantwortet haben: Wenn du fliehst, kommst du ins Gefängnis oder wir töten dich selbst. Elf Monate blieb er nach eigener Aussage in der russischen Armee, bis er in ukrainische Gefangenschaft geriet; bezahlt worden sei er nicht. Ein Kolumbianer kam wegen einer angeblich zivilen Stelle über Istanbul nach Ufa, unterschrieb unter ständigem „schnell, schnell“ Papiere, die er nicht verstand, wurde drei Tage im Bus gefahren und bekam schließlich Uniform und Sturmgewehr. Ein anderer Kolumbianer berichtete, sein Pass sei bereits am Flughafen verschwunden. Gemeinsam mit sieben Landsleuten und 35 Afrikanern kam er auf einen Militärplatz, wo erzählt wurde, Männer, die den Fronteinsatz verweigerten, verschwänden einfach. Als seine Gruppe vorgeschickt wurde, lagen die Männer der vorherigen bereits tot vor ihnen. Der Befehl blieb derselbe: weiter.

Daran verdienen offenbar auch Vermittler. Peruanische Anwälte sprechen von rund 2.000 Dollar für jeden neu angeworbenen Mann und von Vollmachten, die manche zusätzlich unterschreiben mussten, teilweise für 15 Jahre oder ohne Befristung. Die Anwälte betreuen 200 Familien und kennen mindestens 300 weitere Fälle. Andere Männer mussten gar nicht erst mit falschen Stellenanzeigen nach Russland gelockt werden. Ausländer mit abgelaufenen Visa oder unsicherem Aufenthalt sollen vor der Wahl gestanden haben, festgenommen oder abgeschoben zu werden oder einen Militärvertrag zu unterschreiben und dafür Aufenthalt oder Staatsbürgerschaft zu bekommen. Auch Gefangenen wurde die Armee statt weiterer Haft angeboten. Nach der Unterschrift waren bei vielen Pass und Telefon weg, manche wurden nachts geweckt, in Busse gesetzt und tagelang an einen Ort gefahren, dessen Namen sie nicht kannten. Die Ausbildung dauerte oft nur ungefähr zwei Wochen, teilweise konnten die Männer nicht einmal mit ihren Kommandeuren sprechen.

Bis April 2026 hatte die Ukraine nach eigenen Angaben mindestens 28.391 Ausländer aus 136 Ländern identifiziert, die auf russischer Seite gekämpft haben, reguläre nordkoreanische Einheiten nicht eingerechnet; Amnesty konnte diese Zahl nicht selbst bestätigen. Nach sechs Besuchen in zwei ukrainischen Kriegsgefangenenlagern und zahlreichen weiteren Gesprächen fällt die Bewertung trotzdem schwerwiegend aus. Das Ausmaß von Täuschung, Zwang und Ausbeutung könne in mehreren Fällen Menschenhandel nach dem Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen sein. Auch Stellen des russischen Innenministeriums und das Verteidigungsministerium könnten unmittelbar beteiligt sein. Wie ausländische Vermittler und russische Behörden genau zusammenarbeiten, ist noch nicht vollständig geklärt. Für diejenigen, die wegen eines Arbeitsplatzes kamen und irgendwann mit einem russischen Gewehr im Schützengraben standen, ändert diese offene Frage allerdings wenig.

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