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Trump dreht den Handelskrieg weiter auf: Kanada bekommt jetzt Importverbote

VonTEAM KAIZEN BLOG

9. September 2026

Donald Trump legt im Streit mit Kanada noch einmal nach. In drei Wochen dürfen kanadische Milchprodukte, die meisten alkoholischen Getränke und Motorräder nicht mehr in die Vereinigten Staaten eingeführt werden. Aus Zöllen wird damit an mehreren Stellen ein komplettes Einfuhrverbot. Washington reagiert auf die kanadischen Gegenzölle, die am Dienstag in Kraft getreten sind und amerikanische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar treffen. Ottawa besteuert dabei Hunderte Produkte aus den USA mit 15, 25 oder 50 Prozent. Stahl, Aluminium, Käse, Kleidung, Kosmetik, Haushaltsgeräte und landwirtschaftliche Maschinen stehen auf der Liste.

Die Amtsfähigkeit von Donald Trump wird von Tag zu Tag zweifelhafter. Genauso zweifelhaft ist inzwischen, ob diese Maßnahmen in drei Wochen überhaupt noch gelten oder Trump sie bis dahin bereits wieder kopflos geändert hat.

Trump hatte Kanada bereits am 22. August mit 50 Prozent Zoll auf einen Teil seiner Ausfuhren belegt. Betroffen waren zwar nur ungefähr fünf Prozent aller kanadischen Lieferungen in die USA, doch die politische Botschaft war eindeutig. Washington wirft Kanada vor, amerikanische Unternehmen bei Milchprodukten, Alkohol und Autos schlechter zu behandeln. Einige kanadische Provinzen nahmen daraufhin amerikanischen Alkohol aus den Regalen. Nun verbietet Trump umgekehrt große Teile der entsprechenden kanadischen Waren ganz.

Aus einem jahrzehntelangen Streit über einzelne Handelsregeln ist inzwischen ein offener Wirtschaftskampf geworden. Kanada antwortet auf amerikanische Maßnahmen, Trump antwortet auf Kanada, und jede Runde trifft neue Branchen. Beide Länder waren über Jahrzehnte wirtschaftlich enger miteinander verbunden als fast jedes andere Nachbarpaar der Welt. Davon ist politisch nicht mehr viel übrig. Für Unternehmen auf beiden Seiten wird es zunehmend schwieriger, überhaupt noch zu planen. Was heute noch verkauft werden darf, kann wenige Wochen später mit hohen Zöllen belegt oder komplett ausgeschlossen sein. Genau dort ist der Konflikt inzwischen angekommen.

Trump nimmt Kanada jetzt auch die US-Regierungsaufträge weg

Donald Trump benutzt im Streit mit Kanada nun auch die Einkaufsmacht der amerikanischen Bundesregierung. Kanadische Waren sollen von großen und langfristigen Aufträgen der US-Regierung ausgeschlossen werden. Die zuständige Beschaffungsbehörde erhielt die Anweisung, Produkte aus Kanada nicht mehr für solche Verträge zuzulassen, solange Ottawa amerikanischen Waren nach Trumps Auffassung keinen vollständig gleichberechtigten Zugang gewährt. Damit geht Washington deutlich weiter als mit normalen Einfuhrzöllen. Regierungsaufträge laufen oft über Jahre und können für Unternehmen Millionen oder sogar Milliarden Dollar bedeuten. Wer von solchen Verträgen ausgeschlossen wird, verliert nicht nur einen einzelnen Verkauf, sondern möglicherweise einen ganzen Markt auf lange Sicht. Kanadische Firmen bekommen nun genau diesen Druck zu spüren.

Am selben Tag setzte Kanada seine neuen Gegenzölle auf amerikanische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar in Kraft. Ottawa begründet sie damit, dass US-Produkte nicht weiter ohne zusätzliche Belastung nach Kanada kommen könnten, während kanadische Firmen gleichzeitig mit amerikanischen Strafzöllen konfrontiert würden. Trump reagiert darauf nicht mit einem Angebot für neue Gespräche, sondern mit der nächsten Verschärfung. Erst höhere Zölle, dann Importverbote, nun der Ausschluss von staatlichen Verträgen. Die wirtschaftliche Verbindung zwischen beiden Ländern wird damit Stück für Stück politisch eingesetzt. Das trifft ausgerechnet zwei Staaten, deren Lieferketten seit Jahrzehnten eng zusammenhängen. Firmen produzieren auf beiden Seiten der Grenze, Teile gehen mehrfach hin und her, bevor daraus ein fertiges Produkt wird. Dieser Handelskrieg lässt sich deshalb nicht sauber an einer Landesgrenze stoppen. Jeder neue Schlag gegen Kanada trifft früher oder später auch amerikanische Unternehmen, Preise und Arbeitsplätze.

Kanada schaut nach Europa: Carney will raus aus der Abhängigkeit von den USA

Kanada beginnt ernsthaft darüber nachzudenken, wie das Land wirtschaftlich weiterleben kann, wenn die Vereinigten Staaten nicht mehr als verlässlicher Partner gelten. Die Regierung von Premierminister Mark Carney prüft deshalb eine wesentlich engere Verbindung mit der Europäischen Union. Dabei geht es nicht nur um ein paar zusätzliche Handelsabkommen. In Ottawa werden Modelle besprochen, die bis knapp unter eine vollständige Mitgliedschaft in der Europäischen Union reichen könnten.

Noch ist nichts beschlossen. Möglich wären neue Verträge, eine Erweiterung bestehender Abkommen oder eine andere feste Form der Zusammenarbeit. Kanada spricht bereits mit Provinzen, Territorien und Arbeitnehmervertretungen darüber. Das zeigt, wie ernst die Regierung den Umbau inzwischen nimmt. Der Grund liegt direkt südlich der Grenze. Mehr als 70 Prozent der kanadischen Ausfuhren gehen noch immer in die Vereinigten Staaten. Diese Abhängigkeit war jahrzehntelang bequem, solange beide Länder politisch und wirtschaftlich eng zusammenarbeiteten. Unter Trump ist daraus ein Risiko geworden. Zölle, Drohungen und neue Einschränkungen können ganze Branchen plötzlich treffen.

Carney will deshalb mehr Produktion im eigenen Land, neue Handelswege und deutlich mehr Geschäft mit anderen Staaten. Kanadas Ausfuhren außerhalb der USA sollen sich innerhalb der nächsten zehn Jahre verdoppeln. Kommende Woche reist Carney nach Straßburg. Dort nimmt er am 16. September an der Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teil und spricht einen Tag später selbst vor dem Europäischen Parlament. Das ist kein gewöhnlicher Besuch mehr. Kanada beginnt gerade damit, sich wirtschaftlich neu zu orientieren. Jahrzehntelang lag der Blick fast automatisch auf Washington. Jetzt schaut Ottawa immer stärker über den Atlantik.

Carney erhebt schweren Vorwurf: Washington wollte Kanada noch abhängiger machen

Mark Carney sagt offen, woran die Verhandlungen mit Donald Trumps Regierung aus seiner Sicht gescheitert sind. Es ging demnach nicht einfach um ein paar Zölle oder mehr amerikanische Produkte in kanadischen Geschäften. Washington habe Forderungen gestellt, die Kanada in entscheidenden Bereichen noch stärker von den Vereinigten Staaten abhängig gemacht hätten. Der kanadische Premier nennt dabei mehrere Punkte. Die USA hätten Einfluss auf künftige kanadische Handelsabkommen verlangt. Außerdem seien Bedingungen auf den Tisch gekommen, die Kanadas Autoindustrie, Stahlwirtschaft und Forstwirtschaft geschwächt hätten. Selbst der Schutz der französischen Sprache und kanadischer Kultur sei Teil der amerikanischen Forderungen gewesen.

Für Carney war damit eine Grenze erreicht. Kanada könne nicht einen Handelsstreit dadurch lösen, dass es anschließend weniger selbst entscheiden dürfe als vorher. Seine Regierung zieht daraus inzwischen eine viel größere Konsequenz: Das gesamte Verhältnis zu den Vereinigten Staaten soll wirtschaftlich neu geordnet werden. Das wird Kanada Geld kosten. Carney sagt selbst, dass die Gegenzölle und der Umbau kurzfristig Schmerzen verursachen werden. Trotzdem hält er den bisherigen Zustand für gefährlicher. Mehr als 70 Prozent der kanadischen Ausfuhren gehen noch immer in die USA. Wenn Washington diese Abhängigkeit politisch benutzt, kann Kanada kaum ausweichen.

Genau das will Carney ändern. Mehr soll zu Hause hergestellt werden, neue Infrastruktur soll entstehen, andere Länder sollen als Handelspartner wichtiger werden. Der Handelskrieg hat damit eine Grenze überschritten. Kanada diskutiert längst nicht mehr nur darüber, wie hoch ein Zoll sein darf. Die Regierung fragt inzwischen, wie viel wirtschaftliche Kontrolle sie einem Nachbarn überlassen kann, dessen Präsident regelmäßig mit neuen Forderungen und Drohungen kommt.

Kanadier haben genug: Weniger USA-Reisen, Boykott und ein klares Nein zum 51. Bundesstaat

Donald Trumps Umgang mit Kanada hinterlässt längst Spuren außerhalb von Regierungsgebäuden und Verhandlungsräumen. Kanadier reisen deutlich seltener in die Vereinigten Staaten, amerikanische Waren werden boykottiert, und Trumps wiederholte Aussagen über Kanada als möglichen 51. US-Bundesstaat haben im Land massiven Ärger ausgelöst. Besonders deutlich wird das jetzt in British Columbia. An Grenzübergängen zu den Vereinigten Staaten sollen neue Schilder aufgestellt werden. Die Botschaft lässt wenig Raum für Missverständnisse: Willkommen in British Columbia, Kanada – stark, stolz und niemals der 51. Bundesstaat. Dazu ein trockenes „Sorry“.

Premier David Eby erklärt dazu, Kanadas Freundlichkeit dürfe niemand mit Schwäche verwechseln. Diese Haltung findet derzeit viel Zustimmung. Premierminister Mark Carney erreicht Umfragewerte von mehr als 70 Prozent. Trumps Druck hat den kanadischen Regierungschef also nicht geschwächt, sondern politisch gestärkt. Das verändert auch die Verhandlungen. Carney hat derzeit kaum einen Grund, möglichst schnell wieder bei Washington um Gespräche zu bitten. Die Trump-Regierung zeigt ebenfalls keine große Eile. Kontakte zwischen Beamten bestehen weiter, formelle Handelsgespräche laufen jedoch nicht.

Kanada bereitet sich offensichtlich darauf vor, dass dieser Streit länger dauert. Schon vor der jüngsten Reaktion aus Washington erklärte die Regierung, auch eine besonders harte Antwort Trumps werde ihren Kurs nicht ändern. Und genau darin liegt inzwischen ein Problem für das Weiße Haus. Der Druck sollte Kanada zu Zugeständnissen bewegen. Stattdessen kaufen Menschen weniger amerikanische Waren, fahren seltener über die Grenze und unterstützen einen Premierminister, der verspricht, sich aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den USA zu lösen.

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