Heute in unseren Kurznachrichten: Trump verteilt 45.000-Dollar-Bargeldgeschenke an enge Mitarbeiterinnen im Weißen Haus, während Ethikexperten Fragen stellen. Gleichzeitig setzen die Republikaner bei den Zwischenwahlen weiter voll auf Trump – trotz nur 38 Prozent Zustimmung.
Dazu: eine russische Bot-Armee, die dem deutschen Publikum gefälschte Beiträge von Handelsblatt, Financial Times, Bloomberg, Politico und Economist unterschiebt. Friedrich Merz soll darin plötzlich 700 Millionen Euro aus Ukraine-Hilfen gestohlen haben, Deutschland die 5.000 Drohnen angeblich selbst behalten wollen. Frei erfundene Geschichten, verpackt als westlicher Journalismus.
Außerdem: Irans angebliche Erbeutung einer modernen US-Unterwasserdrohne vor Hormus, neue Akten über giftige Luft nach 9/11 in New York und die schlechtesten PISA-Ergebnisse seit Beginn der Erhebung.
Trump verteilt 45.000-Dollar-Geldgeschenke an enge Mitarbeiterinnen – Ethikexperten sehen ernste Fragen

Donald Trump hat seiner engen Mitarbeiterin Natalie Harp sowie Margo Martin und Chamberlain Harris jeweils 45.000 Dollar in bar geschenkt. In den offiziellen Finanzangaben tauchen die Zahlungen als „Bargeldgeschenk zu den Feiertagen“ auf. Jede der drei Frauen verdient im Weißen Haus rund 150.000 Dollar im Jahr, Trumps Geschenk entspricht damit fast einem Drittel ihres Jahresgehalts. Harp arbeitet als persönliche Assistentin des Präsidenten und ist dafür bekannt, Trump ständig mit ausgedruckten Nachrichtenartikeln und Beiträgen aus sozialen Medien zu versorgen. Martin begleitet den Präsidenten bei vielen Auftritten und filmt seine täglichen Aktivitäten für soziale Medien. Harris arbeitet ebenfalls als persönliche Assistentin und wurde von Trump zusätzlich in die US-Kommission für Bildende Künste berufen, die unter anderem über Bauprojekte in Washington wacht.
Auch Walt Nauta bekam Geld vom Präsidenten. Der Leiter der Abläufe im Oval Office meldete ein Geschenk über 20.000 Dollar bei einem Jahresgehalt von 175.000 Dollar. Nauta gehörte schon während Trumps erster Amtszeit zu dessen engstem Umfeld und war später Mitangeklagter im Verfahren um geheime Dokumente in Mar-a-Lago. Harp, Martin, Harris und Nauta arbeiteten außerdem zwischen Trumps beiden Präsidentschaften in Florida für ihn. Gerade diese Nähe macht die Zahlungen heikel. Regierungsethiker kennen nach eigener Aussage keinen vergleichbaren Fall, in dem ein US-Präsident Untergebenen im Weißen Haus Bargeldgeschenke dieser Größenordnung machte.
Richard Painter, früher oberster Ethikjurist im Weißen Haus unter George W. Bush, hält die Zahlungen für möglicherweise rechtswidrig. Ein Bundesgesetz verbietet es, das Gehalt von Regierungsangestellten aus externen Quellen aufzustocken. Painter sagt, Trump mache es den Betroffenen damit finanziell leichter, für ihn im Weißen Haus zu arbeiten – genau das dürfe ein Präsident nicht einfach tun. Das Weiße Haus widerspricht und erklärt, Trump verschenke seit Jahren zu Weihnachten Geld an Menschen in seinem Umfeld. Die Zahlungen hätten nichts mit der offiziellen Tätigkeit der Mitarbeiter zu tun und seien deshalb zulässig. Ob das juristisch hält, ist damit keineswegs geklärt. Nach dem Gesetz können sowohl derjenige, der eine unzulässige Zusatzvergütung zahlt, als auch der Empfänger belangt werden. Die Verjährungsfrist beträgt fünf Jahre.
Don Fox, früher kommissarischer Leiter des US-Amtes für Regierungsethik, geht vorsichtiger an die Rechtsfrage heran. Nach den bisher bekannten Fakten lasse sich nicht sicher feststellen, dass Trump gegen das Gesetz verstoßen habe. Problematisch findet er die Zahlungen trotzdem. Wer von seinem Chef 45.000 Dollar geschenkt bekommt, könne sich diesem anschließend verpflichtet fühlen. Genau dort beginnt das Problem, selbst wenn am Ende kein Strafverfahren daraus entsteht. Ein Präsident ist kein privater Unternehmer, der seinem Personal nach Belieben einen Umschlag zusteckt. Seine Mitarbeiter werden vom Staat bezahlt und arbeiten im Machtzentrum der US-Regierung. Fox erinnert sich aus seiner eigenen Zeit im Staatsdienst an einen Obstkorb als besonders teures Geschenk eines Vorgesetzten. Unter Trump reden wir über 45.000 Dollar in bar.
Russische Bot-Armee greift deutsches Drohnenprogramm an – Merz soll plötzlich 700 Millionen Euro gestohlen haben

Kaum ist bekannt, dass in Deutschland mehr als 5.000 Angriffsdrohnen für die Ukraine gebaut werden, läuft die russische Fälschungsmaschine an. Das Bot-Netzwerk „Matryoshka“ verbreitet Videos, die aussehen sollen, als stammten sie vom Handelsblatt, der Financial Times, Bloomberg, Politico oder dem Economist. Die Namen und das Aussehen großer westlicher Medien werden benutzt, um frei erfundene Geschichten glaubwürdig erscheinen zu lassen. Eine davon behauptet, Friedrich Merz habe 700 Millionen Euro aus einem Hilfsprogramm für die Ukraine gestohlen. Von ursprünglich 1,5 Milliarden Euro seien angeblich nur 800 Millionen in Kiew angekommen, der Rest über Firmen in Schweden und Litauen bei Merz gelandet. Der Chefredakteurin der Financial Times wird dazu sogar ein erfundenes Zitat untergeschoben, in dem Merz persönlich als Organisator eines Betrugssystems bezeichnet wird. Belege dafür gibt es nicht.

Ein anderes Video behauptet, Deutschland verstecke die eigentliche Drohnenproduktion mitten in einem Wohngebiet im Osten des Landes und gefährde damit bewusst die Bevölkerung. Tatsächlich wird der genaue Standort aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Genau daraus bauen die Bot-Accounts ihre Geschichte. Noch weiter geht ein angeblicher Bloomberg-Beitrag: Eine neue deutsche Sicherheitsstrategie sehe angeblich vor, dass die Ukraine Ende 2027 gar nicht mehr existiere. Deshalb würden die 5.000 Drohnen in Wahrheit in Deutschland bleiben und Merz nutze die Ukraine lediglich als Vorwand, um die Bundeswehr aufzurüsten. Auch Schweden wird hineingezogen. Mehr als 90 Prozent der deutschen Militärhilfe sollen angeblich über das Land laufen, 25 Milliarden Euro ziviler Ukraine-Hilfe seien bei Firmen gelandet, die Merz und dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson nahestünden. Auch dafür wird kein belastbarer Nachweis geliefert.
Was wirklich läuft, sieht deutlich anders aus. Seit Anfang September wird in Deutschland die Serienproduktion von mehr als 5.000 Mittel- und Langstreckendrohnen für die Ukraine hochgefahren. Der Auftrag der Bundesregierung hat einen Wert von rund 300 Millionen Euro und soll bis Mitte 2027 abgearbeitet werden. Gebaut werden die Systeme vom Gemeinschaftsunternehmen der deutsch-amerikanischen Firma Auterion und des ukrainischen Herstellers Airlogix. Die ersten Drohnen wurden bereits an einem Standort bei München gefertigt, eine zweite Produktionslinie entsteht im Osten Deutschlands. Die Langstreckenversion soll bis zu 1.500 Kilometer fliegen können. Airlogix liefert Gehäuse und Mechanik, Auterion Software und Betriebssystem. Die Drohnen verfügen über KI-Module, mit denen sie auch bei starker elektronischer Störung ihr Ziel erreichen sollen.
„Matryoshka“ arbeitet dabei nicht mit einem einzelnen Fake-Account, der schnell auffliegt. Es werden massenhaft Profile aufgebaut, die sich als gewöhnliche Nutzer, Medien oder Analyseportale ausgeben. Danach wird derselbe erfundene Inhalt über viele Plattformen gleichzeitig verteilt, versehen mit Logos bekannter Redaktionen und angeblichen Zitaten echter Journalisten. Die aktuellen Videos enden sogar mit der Aufforderung, sie „auf jedem Weg“ an Familie und Bekannte weiterzugeben. Dazu kommt die Behauptung, die Drohnenproduktion habe die CDU kurz vor den Wahlen fast auf ein historisches Tief gedrückt. Die russische Kampagne braucht dafür keine echten Enthüllungen. Sie nimmt eine reale deutsche Waffenproduktion, füllt die nicht veröffentlichten Sicherheitsdetails mit erfundenen Geschichten und klebt anschließend die Namen westlicher Medien darauf.
Die direkten Links zu den gefälschten Bildern und Videos veröffentlichen wir bewusst nicht, um ihre weitere Verbreitung und zusätzliche Reichweite für die russische Desinformationskampagne zu vermeiden.
Trump macht die Zwischenwahlen zum Test seiner eigenen Macht – obwohl nur 38 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden sind

Die Republikaner stellen Donald Trump beim Parteitag in Dallas vollständig ins Zentrum, obwohl seine Zustimmungswerte während der zweiten Amtszeit immer weiter gefallen sind. Trump will an beiden Abenden auftreten und die Zwischenwahlen am 3. November praktisch zu einer Abstimmung über sich selbst machen. Seine Aufforderung an die eigenen Anhänger lautet, so zu wählen, als stehe er persönlich auf dem Stimmzettel. Für die Republikaner ist das ein gewaltiges Risiko. Der republikanische Meinungsforscher Whit Ayres verweist auf gerade einmal 38 Prozent Zustimmung zu Trumps Amtsführung und warnt, dass MAGA-Wähler allein in umkämpften Wahlkreisen und Bundesstaaten nicht reichen. Gerade unabhängige Wähler, auf die die Partei angewiesen ist, wenden sich zunehmend ab. Der Krieg im Iran findet wenig Zustimmung, Benzin und Lebensmittel sind teuer, und viele Amerikaner beurteilen die Wirtschaft schlechter als noch vor Monaten.
Trump und sein Umfeld setzen trotzdem alles auf Trump. Parteimitglieder sollen in Dallas seine Politik verteidigen, seine Regierungserfolge verkaufen und gefährdete Kandidaten mit seinem Namen nach vorne bringen. JD Vance tritt auf, ebenso Finanzminister Scott Bessent, Justizminister Todd Blanche, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Donald Trump Jr. Senate Majority Leader John Thune dagegen steht nicht auf der Rednerliste. Auch andere republikanische Abgeordnete und Geldgeber bleiben der Veranstaltung fern. Einige Kandidaten erklären offen, wenige Wochen vor der Wahl sei der Wahlkampf zu Hause wichtiger als zwei Tage in Dallas. Trump hatte den ungewöhnlichen Parteitag selbst vorangetrieben, obwohl solche großen Parteiversammlungen normalerweise nur in Präsidentschaftswahljahren stattfinden.
Besonders deutlich wird die Nervosität ausgerechnet in Texas. Der republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton kämpft dort um einen Senatssitz, den seine Partei seit Jahrzehnten sicher halten konnte. Sein demokratischer Gegner James Talarico sammelt mehr Wahlkampfspenden als Paxton und versucht gezielt gemäßigte sowie von Trump enttäuschte Republikaner anzusprechen. MAGA Inc., Trumps politisches Unterstützungsnetzwerk mit rund 400 Millionen Dollar Rücklagen, pumpt deshalb allein 10 Millionen Dollar in dieses Rennen. Während Paxton beim Parteitag spricht, will Talaricos Kampagne in Dallas eine landesweite Lebensmittelsammlung organisieren und damit auf die hohen Lebensmittelpreise aufmerksam machen. Dass Republikaner in Texas überhaupt so viel Geld und Aufmerksamkeit aufbringen müssen, zeigt, wie unbequem die Lage geworden ist.
Auch finanziell hat Dallas wenig von einer gewöhnlichen Parteiversammlung. Für ein Foto mit Trump verlangt das Republikanische Nationalkomitee 88.600 Dollar. Das günstigste Paket, das republikanischen Abgeordneten für zwei Eintrittskarten angeboten wurde, kostet 25.000 Dollar. Gleichzeitig verteidigt die Partei nur knappe Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses. Den Demokraten fehlen lediglich drei zusätzliche Sitze, um das Repräsentantenhaus zu übernehmen, und selbst der bislang sicherer geglaubte Senat ist wieder umkämpft. Trump soll nun genau die Wahl retten, die zunehmend unter seiner eigenen Unbeliebtheit leidet. Die Republikaner wetten darauf, dass niemand ihre Anhänger so mobilisieren kann wie er. Am 3. November zeigt sich, ob Trump noch genug Menschen an die Urnen bringt – oder inzwischen ebenso zuverlässig die Wähler der Gegenseite.
Iran meldet Beute vor Hormus: Revolutionsgarden wollen moderne US-Unterwasserdrohne erbeutet haben

Die iranischen Revolutionsgarden behaupten, am Dienstagmorgen einen modernen amerikanischen unbemannten Unterwasserapparat am Eingang zur Straße von Hormus erbeutet zu haben. Nach ihrer Darstellung geschah das während einer kombinierten Aufklärungs- und Kampfoperation. Welches System genau in iranische Hände gefallen sein soll, nennen die Revolutionsgarden nicht. Auf Bildern, die anschließend im Netz auftauchten, ist jedoch offenbar ein Gerät zu sehen, das dem Dive-LD des US-Unternehmens Anduril ähnelt. Sollte sich das bestätigen, wäre das keine kleine Drohne, sondern ein autonomer Unterwasserapparat von rund drei Tonnen Gewicht und etwa 5,8 Metern Länge. Das System kann bis zu 6.000 Meter tief tauchen und bis zu zehn Tage selbstständig unterwegs sein. Der Stückpreis wird auf etwa 2,5 Millionen Dollar geschätzt.
Die US-Marine erhält solche Geräte seit April 2025 im Rahmen ihres Replicator-Programms. Anduril kann in seinem Werk in Rhode Island nach eigenen Angaben bis zu 200 dieser Unterwasserdrohnen pro Jahr bauen. Die Systeme sollen unter anderem Aufklärung übernehmen und über längere Zeiträume ohne Besatzung in schwer zugänglichen Seegebieten operieren. Gerade die Straße von Hormus ist dafür ein hochsensibles Gebiet. Durch die Meerenge läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports, gleichzeitig stehen sich dort amerikanische und iranische Streitkräfte seit Jahren in kurzer Entfernung gegenüber. Wenn Teheran tatsächlich ein solches US-System vollständig erbeutet hat, dürfte vor allem interessieren, in welchem technischen Zustand es sich befindet und welche Daten oder Bauteile noch auswertbar sind.
Bestätigt ist die iranische Darstellung von amerikanischer Seite bislang nicht. Das ist wichtig, denn Teheran hat in den vergangenen Monaten mehrfach militärische Treffer gegen US-Systeme gemeldet. Iranische Medien berichteten zuvor über den Abschuss einer amerikanischen MQ-1-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormus. Bereits im Juni erklärte Iran außerdem, einen amerikanischen Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 Apache getroffen zu haben, der dort patrouilliert habe. Donald Trump kündigte damals eine militärische Antwort an. Sollte sich der jetzige Vorfall bestätigen, wäre das für die USA vor allem technisch heikel. Ein modernes unbemanntes Unterwassersystem fällt nicht einfach nur als verlorenes Gerät ins Gewicht. Es kann Sensoren, Steuerungstechnik und Software enthalten, an denen Iran großes Interesse haben dürfte. Genau deshalb wird entscheidend sein, ob Washington die iranische Darstellung bestätigt, bestreitet oder versucht, den Verlust kleinzureden.
25 Jahre nach 9/11: New York wusste von der giftigen Luft – und erklärte den Menschen trotzdem, sie sei sicher

Jetzt liegen die Akten auf dem Tisch, und sie sind für die damalige Führung von New York verheerend. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wusste die Stadt, dass rund um Ground Zero gefährliche Stoffe in der Luft lagen. Trotzdem wurden Bewohner, Arbeiter und Einsatzkräfte öffentlich beruhigt. Rund 170.000 Seiten wurden jetzt freigegeben. Darin stehen Asbestfunde noch zehn Monate nach den Anschlägen, bis zu 800 Meter von den Trümmern des World Trade Centers entfernt. In Teilen von Lower Manhattan lagen Werte über den zulässigen Grenzen. Ein Bericht vom November 2001 dokumentierte außerdem erhöhte Konzentrationen des krebserregenden Benzols. Auf der Deponie Fresh Kills, wohin die Trümmer gebracht wurden, stiegen die Asbestwerte. Im Gebäude der Deutschen Bank direkt am World Trade Center fanden Prüfer über Monate Asbest, krebserregende Stoffe, Schwermetalle, Pilze und Bakterien.
Und während diese Werte intern bekannt waren, sagte Bürgermeister Rudolph Giuliani den Menschen im Herbst 2001, der Gestank rund um die Ruinen sei gesundheitlich ungefährlich. Sein Nachfolger Michael Bloomberg erklärte im Februar 2002, sämtliche Untersuchungen hätten eine akzeptable Luftqualität ergeben. Gleichzeitig diskutierte die Stadt bereits im Oktober 2001 intern über etwas völlig anderes: mehr als 10.000 mögliche Klagen von Menschen, die nach ihrer Rückkehr nach Lower Manhattan giftigen Stoffen ausgesetzt worden waren. Diese sogenannte Harding-Notiz wollte New York später nicht einmal gekannt haben. Die Stadt bestritt, dass sie existierte. Gefunden wurde sie schließlich nicht in einem New Yorker Behördenarchiv, sondern in einem privaten Archiv in Texas. Auch die übrigen Akten kamen nicht freiwillig ans Licht. 9/11 Health Watch verlangte ihre Herausgabe bereits 2023. Die Umweltbehörde erklärte zunächst, die Unterlagen existierten nicht. Später tauchten 68 Kartons mit Hunderttausenden Seiten auf. Im Mai 2026 erklärte ein Gericht die Verweigerung der Herausgabe für rechtswidrig und nannte das Vorgehen der Stadt willkürlich und unbegründet. Jetzt werden 34 Millionen Dollar ausgegeben, um ausgerechnet jene Unterlagen zu digitalisieren, die angeblich nicht vorhanden waren.
Für Tausende Menschen ist das keine historische Fußnote. Mehr als 10.000 Angehörige der New Yorker Feuerwehr leiden inzwischen an Krankheiten, die mit dem 11. September in Verbindung stehen. Mehr als 4.000 von ihnen haben Krebs. 25 Jahre später zeigen die freigegebenen Akten, wie früh die Gefahr bekannt war – und wie lange die Menschen trotzdem hören mussten, die Luft sei sicher.
PISA-Absturz: Jeder fünfte 15-Jährige scheitert gleichzeitig an Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften

Die neuen PISA-Zahlen sind kein kleiner Dämpfer, sondern ein massiver Absturz. Jeder fünfte 15-Jährige in den OECD-Staaten erreicht inzwischen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften gleichzeitig nicht einmal das grundlegende Niveau. 2022 waren es noch 16 Prozent, jetzt sind es 19,7 Prozent. Rechnet man auch Jugendliche ein, die gar nicht getestet wurden, weil sie beispielsweise keine Schule besuchen oder nicht über die sechste Klasse hinausgekommen sind, steigt der Anteil auf 29 Prozent. Fast jeder zweite Jugendliche liegt dann in mindestens einem der drei Fächer unter dem Grundniveau. Mehr als 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern und Bildungssystemen nahmen an PISA 2025 teil, sie stehen für rund 33 Millionen 15-Jährige. Noch nie in der 25-jährigen Geschichte der Untersuchung waren die durchschnittlichen Ergebnisse in allen drei Bereichen so schlecht. Besonders heftig trifft es das Lesen. Innerhalb von zehn Jahren fiel der OECD-Durchschnitt von 489 auf 461 Punkte. 28 Punkte weniger entsprechen grob eineinhalb Schuljahren. Mathematik sank von 485 auf 463 Punkte, Naturwissenschaften von 489 auf 482. Beim Lesen liegen inzwischen 31 Prozent unter dem Grundniveau, in Mathematik 35 Prozent und in Naturwissenschaften 26 Prozent.
Besonders schlecht schneiden Jugendliche bei langen Texten ab. Sobald mehrere Quellen verglichen, Informationen bewertet und daraus Schlussfolgerungen gezogen werden müssen, brechen die Ergebnisse deutlich ein. Seit 2018 sank der Anteil jener, die schnell und richtig lesen, um rund sieben Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg die Zahl der Schüler, die schnell lesen und falsche Antworten geben, von sieben auf elf Prozent. Gegen Ende des zweistündigen Tests werden die Ergebnisse zusätzlich schlechter. Die Forscher sehen darin Hinweise auf nachlassende Aufmerksamkeit, Ausdauer oder Sicherheit bei schwierigen Aufgaben. Die Corona-Pandemie allein erklärt das nicht. Der Rückgang hatte schon vorher begonnen, und ein direkter Zusammenhang zwischen der Dauer von Schulschließungen und den späteren Ergebnissen ließ sich nicht feststellen. Gleichzeitig sagen nur noch 57 Prozent der Jugendlichen, dass sie sich beim Lernen neuer Dinge nicht langweilen. In 60 Bildungssystemen wurde dieser Wert seit 2022 schlechter, besser wurde er nirgends. Auch zu Hause nimmt die Unterstützung ab: Nur noch 71 Prozent berichten, dass Eltern mindestens einmal pro Woche nach ihrem Schultag fragen, 2022 waren es noch 77 Prozent. Für Hausaufgaben werden im Schnitt nur noch 1,4 Stunden täglich aufgewendet, rund zehn Minuten weniger als zuvor.

Auch die einfache Erklärung „Handys und KI sind schuld“ hält den Zahlen nicht stand. Jugendliche in den OECD-Ländern verbringen an einem Werktag rund sechs Stunden mit digitalen Geräten, davon 3,4 Stunden zur Unterhaltung. In der Schule kommen durchschnittlich 1,7 Stunden für Unterricht und weitere 1,1 Stunden für andere Nutzung hinzu. 28 Prozent sagen, dass Mitschüler in den meisten oder sogar allen naturwissenschaftlichen Stunden durch Geräte abgelenkt sind. In Teilen Chinas, Japan und Südkorea liegt dieser Anteil bei höchstens zehn Prozent. Handyverbote reduzieren zwar Ablenkung, höhere landesweite PISA-Werte ließen sich daraus aber nicht ableiten. KI-Chatbots sind längst Alltag: 86 Prozent nutzten sie für mindestens eine schulische Aufgabe, 46 Prozent mindestens einmal pro Woche und 19 Prozent fast täglich. Jugendliche, die KI überhaupt nicht für Zusammenfassungen, Entwürfe oder erste Recherchen nutzten, erzielten im Durchschnitt bessere Ergebnisse. Moderate Nutzung schnitt dagegen nicht schlechter ab als vollständiger Verzicht. Auch beim Geld gibt es keine einfache Antwort. Der Abstand zwischen reichen und ärmeren Schülern wurde kleiner, allerdings vor allem deshalb, weil die Ergebnisse der Wohlhabenderen stärker einbrachen. In Naturwissenschaften liegen Jugendliche aus den reichsten Haushalten trotzdem noch 85 Punkte vor den ärmsten – mehr als vier Schuljahre. 37 Prozent der benachteiligten Jugendlichen erreichen dort das Grundniveau nicht, bei den Wohlhabenden sind es zwölf Prozent. Mehr Ausgaben garantieren ebenfalls keinen Erfolg: Luxemburg investierte rund 289.000 Dollar pro Schüler und lag dennoch hinter Ländern, die weniger als die Hälfte ausgaben.
Ganz oben bleiben Ostasien und einige wenige europäische Länder. Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang führen in Mathematik und Naturwissenschaften, Singapur beim Lesen. Estland und Großbritannien sind die einzigen Bildungssysteme außerhalb Ostasiens, die in allen drei Bereichen unter den besten zehn liegen. Nur 18 der 91 Teilnehmer lagen in allen drei Fächern über dem OECD-Durchschnitt. Die Ukraine nahm trotz des russischen Angriffskrieges mit 7.105 Jugendlichen aus 17 Regionen teil. Dort erreichten 65 Prozent das Grundniveau in Naturwissenschaften, 54 Prozent in Mathematik und 55 Prozent im Lesen; 29,3 Prozent lagen in allen drei Bereichen darunter. Russland nahm weder 2022 noch 2025 teil. Seine letzten vergleichbaren Zahlen stammen aus dem Jahr 2018. Was PISA 2025 zeigt, ist unangenehm deutlich: In vielen reichen Industriestaaten verlieren Jugendliche genau bei den Fähigkeiten, die sie später ständig brauchen werden – längere Texte verstehen, mehrere Informationen miteinander vergleichen und eine Aufgabe nicht nach wenigen Minuten aufgeben.
