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Die einzige Kunst, die Trump beherrscht

VonTEAM KAIZEN BLOG

5. August 2026

Seit vergangener Woche verkauft der Präsident einen Vorsprung von wenigen Sekunden. Sein Dienst TruthSocial bietet ein Produkt namens Truth API an, einen Zugang zu jenen Beiträgen Trumps, die die Märkte bewegen, geliefert einen Wimpernschlag früher als der breiten Öffentlichkeit. Berichten zufolge kostet das 100.000 Dollar im Monat. Wer zahlt für Sekunden? Wer mit schnellen Handelsprogrammen an der Börse sitzt. Kündigt Trump neue Zölle an oder einen frischen Angriff auf den Iran, dazu ein Wort für oder gegen ein einzelnes Unternehmen, dann sind ein paar Sekunden Vorlauf bares Geld. TMTG, die Firma hinter TruthSocial, verdient jeden Monat mit.

Lesen Sie auch unseren Artikel: „Käuflicher Präsident: Trump verkauft, was ein Präsident weiß“

Verkauft wird nicht trotz des Insiderhandels, verkauft wird der Insiderhandel

Der amtierende Chef von TMTG, Kevin McGurn, erklärte in einer Mitteilung, die Märkte reagierten ohnehin auf diese Beiträge, und der neue Zugang mache aus dem eigenen Bestand eine wiederkehrende, ertragreiche Einnahme. Im Klartext heißt das, der Präsident macht seine eigenen öffentlichen Äußerungen zu Geld. Trump hält 41 Prozent an TMTG und ist damit unmittelbarer Nutznießer seines eigenen Handelns im Amt. Es ist, als ließe er sich die Erlasse, die er morgen unterschreibt, heute von der Wall Street in Säcken voll Bargeld bezahlen.

Und doch staunt man, und fast müsste man sich dafür schämen. Denn der Mann ist im Übrigen unscheinbar. Ein großer Verstand war er nie, schon vor dem Nachlassen seiner geistigen Kräfte nicht. Sein Geschäft im Immobilienwesen war mittelmäßig, das meiste geerbt, dazwischen mehrere Pleiten. Ein Gespür für Anstand fehlt ihm, moralisches Urteilen scheint ihm überhaupt fremd. Zweimal kam er ins Weiße Haus, beide Male durch Glück, 2016 dank einer Laune des Wahlmännersystems und einer Gegnerin, die der oberste Bundespolizist am Vorabend der Wahl beschädigte, 2024 im Zorn über eine Teuerung, die er selbst mit angerichtet hatte, nachdem Joe Biden nach einem verheerenden Auftritt mitten im Wahlkampf zurückgetreten war. Seine Pandemiepolitik kostete ihn 2020 die Macht. Aus einer Mehrheit im Kongress dauerhafte Gesetze zu formen, dazu fehlt ihm der Atem. Unter den Präsidenten des Landes wird er als der schlechteste gelten.

Nur eines beherrscht er wirklich, die Korruption

„In 10 Jahren hat er darin mehr erfunden als die 240 Jahre amerikanischer Geschichte davor. Ums Regieren schert er sich in seiner zweiten Amtszeit dagegen kaum noch. Ein Gesetzesprogramm gibt es fast nicht, außer einem verfassungsrechtlich fragwürdigen Vorstoß zum Umbau der Wahlen, der im Senat chancenlos ist.“

Die Außenpolitik, die vor allem darin besteht, sich von Teheran über die Straße von Hormus demütigen zu lassen, hat er an Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio abgegeben, dazu an Verteidigungsminister Pete Hegseth. Die Massenabschiebungen führt Stephen Miller weitgehend ohne Aufsicht.

So bleibt Zeit für seine zwei großen Lieben. Die Hauptstadt nach seinem Bild umzuformen, gelingt ihm nur halb. Das Kennedy Center trägt seinen Namen nach einem Gerichtsurteil nicht mehr, über den Trümmern des Ostflügels wächst langsam ein protziger Ballsaal, und vor dem Nationalfriedhof Arlington soll ein riesiger Marmorbogen zu seinen Ehren stehen, den der nächste demokratische Präsident wohl abreißen lässt.

Bei der Selbstbereicherung dagegen gibt es keine Schranke. Das Justizministerium hat er mit seinen früheren und im Grunde noch immer tätigen Privatanwälten gefüllt und dessen Unabhängigkeit beendet, die seit Watergate galt. Vor zwei Jahren sprach ihm der Oberste Gerichtshof eine absolute Immunität für alles zu, was er im Rahmen seiner zentralen Amtsbefugnisse tue. Das war ein Blankoscheck für Bestechung und Schmiergeld, für jede Form der Vorteilsnahme.

Also nahm er Millionen von Spendern, um Wirtschaftskriminelle zu begnadigen. Der geflüsterte Preis für einen Gnadenakt liege bei mindestens 1 Million Dollar, hieß es im Dezember. Einen demokratischen Abgeordneten begnadigte er, dessen Familie ihn darum gebeten hatte, und beschimpfte ihn danach öffentlich dafür, nicht die Partei gewechselt zu haben, ein kaum verhülltes Angebot einer Gegenleistung. Der Betroffene, der Texaner Henry Cuellar, bestreitet jedes Fehlverhalten, Recherchen zeigen anderes. Feiner arbeitet ein anderer Weg. Eine Vertraute, die Spendensammlerin Meredith O’Rourke, die er die Prinzessin der Finsternis nennen soll, treibt bei großen Firmen Milliarden ein. Sie nenne ihn den Chef und sage den Unternehmen, von denen viele in Washington um Genehmigungen bangen, der Chef wolle dieses Geld. Es floss reichlich, in den neuen Ballsaal, in die geplante Präsidentenbibliothek und in mehr.

Meredith O’Rourke

Dann der Handel mit dem eigenen Ministerium. Trumps Anwälte vereinbarten einen Fonds gegen die angebliche Verfolgung durch die Regierung Biden, in Wahrheit eine schwarze Kasse für jene Getreuen, die am 6. Januar 2021 das Kapitol stürmten und dafür angeklagt wurden. Begnadigt hatte er sie alle schon in seiner ersten Amtswoche. Für sich selbst sicherte er sich rückwirkende Straffreiheit für frühere Steuervergehen, getarnt als Abwehr einer Verfolgung. Ein Glaubenssatz lautet, Trump könne kein Verbrechen begehen, und es sei ein Verbrechen, ihn zu untersuchen. In Recht zu gießen war das schwerer als gedacht. Seltener überparteilicher Widerstand brachte den Vizejustizminister Todd Blanche dazu, den Fonds fallen zu lassen, die Straffreiheit aber nicht. Trump bestand dennoch darauf, Blanche zum Justizminister zu machen, und die republikanischen Senatoren dürften einknicken. Korruption verbreitet sich wie eine Krankheit, durch Nähe.

Ein öffentliches Amt gehört niemandem, das unterscheidet es vom Eigentum. Wer es verkauft, verwandelt die Republik in seinen Privatbesitz, und der mächtigste Mann des Landes zeigt sich dabei als der unfreieste, ein Gefangener seiner Gier, der noch ein paar Scheine mehr ins Hemd stopfen muss. Ein ehrlicher Mensch kann das nur abstoßend finden. Und doch liegt in der Maßlosigkeit etwas Erstaunliches, so wie man dem Radprofi Lance Armstrong bei seinen Siegen zusah, offenkundig gedopt und verdorben, und trotzdem gebannt von der äußersten Grenze des Möglichen.

Nur reicht das nicht an den wahren Größten aller Zeiten heran. Richard Nixon ließ ins Hauptquartier der Demokraten einbrechen und die Frau des Justizministers entführen, und das zu einer Zeit, als der Kongress mächtig war, die Beamten sich als Diener der Sache verstanden und das oberste Gericht die Verfassung noch schützte. Was ein Mann von Nixons echtem Format unter den heutigen Regeln anrichten würde, lässt sich kaum ausdenken. Es wäre, als sähe man Lionel Messi Abend für Abend das Siegtor schießen, nur eben in der Disziplin der Bestechung.

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2 Comments
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Anja
Anja
1 Stunde vor

Nur was unter dem Radar passiert, sehen wir ja gar nicht. Das wahre Ausmaß des Sumpfes wird erst unter einem Regimewechsel ans Tageslicht kommen 🙁

Ela Gatto
1 Stunde vor

Und je länger dieser demented, narzisstische Soziopath an der Macht ist, desto tiefer gräbt sich Angst, Korruption und blinde Gefolgschaft in die Gesellschaft.

Wie ein Geschwür erreicht sie alles.
Wie ein Geschwür wird es immer schwerer zu entfernen, wenn es wächst.

Ob in den USA der Kipppunkt schon überschritten ist, wird sich in den nächsten Wochen/Monaten zeigen.

Wenn jetzt bicht ein grundlegender Widerstand in allen Bereichen entsteht, ist es am Ende von Trumps Amtszeit wahrscheinlich unumkehrbar.

Da braucht es keinen MAGA Kult mehr.
Da ist alles wunschgemäß von Heritage Foundation und Project 2025 umgebaut.

Nazi Reich 2.0

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