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Ein Fünfsternehotel in Wicklow sagte Peter Thiels Geheimzirkel ab, noch bevor die erste Demonstration stattfand – Jetzt schaut man auf Deutschland

VonTEAM KAIZEN BLOG

23. Juli 2026

Manchmal genügt die Ankündigung eines Protests. Für August war im Powerscourt Hotel in der Grafschaft Wicklow eine Zusammenkunft geplant, zu der man nur auf Einladung kommt. Sie heißt Dialog, sie besteht seit 20 Jahren, und ihr Geldgeber ist Peter Thiel. Am 3. Juli wurde bekannt, dass daraus nichts wird. Die irischen Gruppen, die dagegen mobilisiert hatten, mussten ihre angekündigten Kundgebungen auf dem Anwesen nicht einmal abhalten.

Bekannt wurde das Ganze durch geleakte Unterlagen und Recherchen investigativer Journalisten im Juni, und die verrieten auch, worüber man in der irischen Landschaft zu sprechen gedachte. Auf der Themenliste standen der Dritte Weltkrieg, Technologien für das Schlachtfeld, der Aufbau eines Kults und die Verbesserung des eigenen Sexlebens. Man versteht die Zusammenstellung besser, wenn man sie nicht als Programm liest, sondern als Selbstauskunft. Wer den nächsten Weltkrieg und die Gründung einer Sekte in derselben Tagesordnung unterbringt, hat über sein Verhältnis zur Menschheit bereits alles gesagt.

Powerscourt Hotel

Peter Thiel ist Investor aus dem Silicon Valley sowie Mitgründer von PayPal und Palantir Technologies. Er spendete großzügig für Donald Trumps Wahlkampf 2016 und unterstützte 2022 die Kandidaturen von 16 weit rechts stehenden Bewerbern für den Kongress. Seine Firma Palantir steht in der Kritik, weil ihre Technik sowohl das Vorgehen in Gaza als auch das Durchgreifen gegen Einwanderer in den Vereinigten Staaten stützt. Inzwischen bekommt das Unternehmen auch aus London Gegenwind. Langsam, so heißt es aus dem Umfeld der Kampagne, begreifen die Menschen, welche Folgen es hat, wenn man einem solchen Haus die Daten von Bürgern überlässt.

Die Erklärung der Initiative nach der Absage kam ohne diplomatische Windungen aus. Man habe gezeigt, dass unmittelbares Handeln wirke, und richte eine Warnung an jedes andere Hotel und jeden anderen Veranstaltungsort auf der Insel. Kriegsgewinnler und Technofaschisten seien in Irland nicht willkommen. Es ist eine Sprache, die man in Pressemitteilungen selten findet, und genau deshalb wirkt sie.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Die Architektur der Kontrolle: Wie Peter Thiels Datenmacht und das politische Netzwerk Rockbridge die Demokratie untergraben

Palantir, ICE und das Milliardengeschäft mit der Deportation

Warum ausgerechnet Irland, ist die Frage, die den Vorgang über eine abgesagte Tagung hinaushebt. Die Antwort hat mit Steuersätzen zu tun. Der eine amerikanische Konzern eröffnete auf der Insel sein erstes Rechenzentrum, bevor er dort auch nur ein Büro hatte, und legte später seine europäische Zentrale dorthin. Seither gilt in der öffentlichen Erzählung, die Iren könnten sich glücklich schätzen, dass die Riesen sie ausgewählt haben. Die Gegenrechnung sieht anders aus. Man entnimmt dem Land den Verstand seiner Ausgebildeten und die Erträge seiner erneuerbaren Energien, und der Gewinn dieser Beziehung liegt eindeutig auf einer Seite. Sie brauchen Irland mehr, als Irland sie braucht.

Wie teuer die Gastfreundschaft ist, zeigt die Stromrechnung. Die Energiekosten der irischen Haushalte gehören zu den höchsten der Europäischen Union. Zugleich hat die Regierung amerikanischen Konzernen erlaubt, Rechenzentren zu bauen, für die das Netz gar nicht ausgelegt ist, und ihnen dafür verbilligte Verträge gewährt. Der Durchschnittsire zahlt mehr, damit anderswo die Server kühl bleiben. Das ist keine Steuerpolitik, das ist eine Umverteilung mit Ansage. Die gleiche Rechnung endet jedoch nicht beim Strom. Was für Daten gilt, gilt für alles, was man gratis bekommt. Nichts davon ist umsonst, und wer ein kostenloses Postfach nutzt, bezahlt es mit dem, was daraus über ihn zu erfahren ist. Diese Daten werden weitergegeben, zu Ware gemacht und kehren am Ende zu demjenigen zurück, von dem sie stammen, allerdings nicht als Geschenk.

Genau hier wird sichtbar, wie eng Technik und Politik inzwischen zusammengehören. Wenn die Bezeichnung einer Haltung als Hass darüber entscheidet, ob sie sichtbar bleibt, dann verschiebt sich die Grenze des Sagbaren nicht im Parlament, sondern in einer Abteilung, deren Namen niemand kennt. Es ist die stillste Form der Zensur, denn sie hinterlässt keine Lücke. Der gelöschte Beitrag hat nie existiert.

Die Regierung in Dublin spielt in dieser Erzählung keine gute Rolle, und die Zahlen belegen es. Irland ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Handelspartner Israels, vor China, und dieser Handel besteht fast vollständig aus Technik, vor allem aus Schaltkreisen und Chips im Wert von etwa 3 Milliarden Euro. Ein Gesetz, das den Handel mit den besetzten Gebieten unterbinden sollte, wurde 8 Jahre lang verzögert und schließlich in einer Fassung beschlossen, die Dienstleistungen ausnimmt. Übrig bleibt ein Einfuhrverbot für Zitrusfrüchte im Wert von etwa 200.000 Euro. Nach der Genfer Konvention ist jeder Staat gehalten, sein Äußerstes zu tun, um einen Völkermord zu verhindern. Man tut sein Äußerstes hier gegen Orangen.

Bleibt der Blick nach rechts, und er fällt gelassener aus, als man erwarten würde. Die extreme Rechte auf der Insel sei kleiner, als sie selbst glaube, heißt es, ein kläffender kleiner Hund ohne Macht. Bei den Brennstoffprotesten vor einigen Monaten habe sie versucht, die Schuld auf Einwanderer zu schieben, sei damit aber rasch verstummt, weil auf der Straße Bauern, Fuhrunternehmer, Mütter und Väter standen, denen es um ihre Lebenshaltungskosten ging und nicht um Herkunft. Der Grund für die Lage sei ohnehin ein anderer. Nicht die Einwanderer entzögen dem Land seine Mittel, sondern jene Konzerne, denen man dafür auch noch die Steuern erlässt. Man müsse nach außen schauen, nicht nach innen.

Und die Hoffnung, sofern es eine gibt, liegt bei den Jüngeren, die zu ahnen beginnen, dass die Auskünfte der Netzwerke weder zuverlässig noch gutgemeint sind. Sie liegt zudem in einer schlichten Erkenntnis, für die Frankreich ein Beispiel gibt, das seit anderthalb Jahren daran arbeitet, seine Verwaltung von den Erzeugnissen eines amerikanischen Konzerns zu lösen und auf freie Software umzustellen. Man ist nicht gegen Technik, man ist dagegen, wie sie derzeit benutzt wird. Ließe sich künstliche Intelligenz für Wissenschaft und Medizin einsetzen, stünde man voll dahinter. Sie dient aber einer sehr kleinen Gruppe, die vom Milliardär zum Billionär aufsteigen will und dafür den Abstand zu allen anderen vergrößert.

Jetzt schaut man auf Deutschland

Während man in Wicklow die Tür zumachte, öffnet man sie in Berlin weit. Am 24. September 2026 verleiht das Verlagshaus Axel Springer seinen Award 2026 an Peter Thiel, ausgezeichnet werden sollen herausragende Führung und Innovation in Medien und Technologie. Die Veranstaltung wird im Netz übertragen. Vorgesehen sind eine Rede der Journalistin Bari Weiss und ein Gespräch mit dem PayPal-Mitgründer Max Levchin über die Anfänge des Silicon Valley, dann die Übergabe.

Man muss die Formulierung auf der gläsernen Tafel neben den Lebenslauf des Empfängers halten. Geehrt wird für Leistungen im Medienwesen ein Mann, der heimlich einen Prozess finanzierte, bis das beklagte Onlinemagazin zahlungsunfähig war und verschwand. Genauer gesagt finanzierte Peter Thiel heimlich die Klage des Wrestlers Hulk Hogan (Terry Bollea) gegen das Online-Medium Gawker, Thiel sagte später selbst, die Finanzierung der Klage gehöre zu den „größten philanthropischen Dingen“, die er getan habe.

Es ist eine Auszeichnung für Innovation im Medienbereich, verliehen an jemanden, dessen bekannteste Wirkung auf ein Medium darin bestand, es zu beseitigen. Bleibt die Frage an dieses Land. In den Vereinigten Staaten formiert sich Widerstand gegen die Datenkonzerne, in Großbritannien wächst der Druck auf Palantir, und in Irland haben Recherchen, ein Leak, organisierter Widerstand und eine Handvoll Menschen ohne Gesetz und ohne Partei ein Fünfsternehotel dazu gebracht, eine Buchung zu stornieren. Ein Termin ist kein Naturereignis. Er ist eine Entscheidung, und Entscheidungen lassen sich zurücknehmen, wenn genügend Leute deutlich machen, was sie davon halten. Der 24. September ist noch weit weg. In Wicklow hat es keine 4 Wochen gedauert.

Am Ende bleibt ein Hotel, das eine Buchung stornierte, und die Frage, warum das eine Nachricht wert ist. Sie ist es, weil hier zum ersten Mal seit Langem jemand nein gesagt hat, ohne auf ein Gesetz zu warten. Die Mächtigen dieser Welt haben sich daran gewöhnt, dass ihnen jede Tür offensteht, sobald sie den Preis nennen. In Wicklow blieb sie zu. Der Dritte Weltkrieg und der Aufbau eines Kults müssen sich einen anderen Tagungsort suchen.

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