Der amerikanische Verkehrsminister Sean Duffy hat einen neuen Gegner ausgemacht. Es ist ein weißer Strich auf Asphalt. Anfang des Monats kündigte er an, die Regierung werde die Mittel für sogenannte DEI-Radwege zusammenstreichen, benannt nach jenem Kürzel für Vielfalt und Gleichstellung, mit dem diese Regierung inzwischen alles versieht, was ihr missfällt. Ein Radweg ist demnach keine Verkehrsanlage mehr, sondern eine Gesinnung.
2 Tage später ging es an die Ausführung, und man erkennt daran, wie schnell eine Verwaltung sein kann, wenn sie löscht. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsbüros der Bundesbehörde für Fernstraßen wies die Belegschaft an, die Empfehlung von der Website zu nehmen. Dort hatte gestanden, dass Radverkehrsanlagen Begegnungen und Zusammenstöße zwischen Radfahrern und Kraftfahrzeugen mindern oder verhindern können und ein Netz sichererer Straßen für das Radfahren schaffen. Ein Satz, der niemandem etwas vorschreibt, sondern lediglich mitteilt, was man weiß. Genau dieser Satz musste weg. Man wundere sich nicht, dass die Beschäftigten sich wunderten. Weshalb man ausgerechnet die Radverkehrssicherheit vom Netz nehmen müsse, fragte einer, der dort an den Seiten arbeitet. Man mache die Seiten dadurch nicht besser oder schneller und auch nicht tauglicher, den Gemeinden echte Auskunft zu geben, die sie brauchten. Es sei hirnrissig.

Es blieb nicht bei dem einen Satz. Getilgt wird die Sicherheitsberatung im größeren Umfang, auch die Hinweise zu Geschwindigkeitsmessern. Wer die Geschwindigkeit misst, steht offenbar ebenfalls im Verdacht, einer Ideologie zu dienen. Am schwersten wiegt jedoch die Beseitigung eines Werkzeugs mit dem sperrigen Namen Pedestrian and Bicycle Crash Analysis Tool. Es diente dazu, Unfälle zwischen Fußgängern, Radfahrern und Kraftfahrzeugen genau zu erfassen, damit sich künftige verhindern lassen. David Harkey, der es an der Universität von North Carolina mitentwickelt hat, sagt, es sei wichtig gewesen, weil man mit ihm die getöteten Fußgänger und Radfahrer landesweit habe verfolgen können. Dies sei eine Behörde, die von sich behaupte, Sicherheit habe für sie Vorrang.
Hier liegt der Punkt, an dem der Spott aufhört. Wer es abschaltet, ändert an den Verunglückten nichts, nur an dem, was von ihnen aktenkundig wird. Es ist die billigste aller Lösungen, denn sie kostet nichts, wirkt sofort und ändert an der Wirklichkeit nicht das Geringste. Wer das Thermometer zerbricht, senkt kein Fieber. Er sorgt nur dafür, dass niemand mehr sagen kann, wie hoch es steht. Und eine Regierung, die das Wissen mehr fürchtet als den Tod, hat zwischen beidem bereits gewählt.
Wie ernst man in diesem Ministerium die Sache nimmt, verrät die Antwort auf die Nachfrage nach den gelöschten Sicherheitsunterlagen. Das sei ein Vorgehen mit gesundem Menschenverstand, erklärte ein Sprecher, trotz des Glaubens der Linken, jeder solle mit dem Fahrrad in seine schuhkartongroße Wohnung fahren und dort Grillen essen, um eine verlogene Klimaagenda zu erfüllen. Eine Behörde wird gefragt, warum sie Unfalldaten über getötete Kinder auf Fahrrädern aus dem Netz nimmt, und antwortet mit Insekten und Kleinwohnungen. Es ist keine Erklärung, es ist ein Reflex, abgerufen aus einem Vorrat an Wendungen, der zu jedem Anlass passt, weil er zu keinem passt. Wer so antwortet, hat die Frage nicht überhört. Er hat sie für unzulässig erklärt.
Der Vorgang ist in seiner Kleinheit lehrreicher als manche Ankündigung aus dem Weißen Haus. Hier geht es nicht um Krieg oder Verfassung, sondern um eine Zeile auf einer Behördenseite und ein Programm, das Zusammenstöße erfasst. Gerade daran zeigt sich, wie weit die Sache reicht. Wenn schon die Feststellung, dass ein abgetrennter Fahrstreifen Menschenleben rettet, als Bekenntnis der Gegenseite gilt, dann gibt es keine sachliche Frage mehr, die nicht politisch entschieden würde. Der Radweg wird nicht deshalb gestrichen, weil er nutzlos wäre, sondern weil er nützlich ist und dieser Nutzen von den Falschen behauptet wurde.
Bleibt die Rechnung, die jemand anderes bezahlt. Sie steht nicht im Haushalt und wird auch in keiner Statistik mehr auftauchen, denn die ist ja gelöscht. Sie wird an Kreuzungen beglichen, an frühen Morgen, von Menschen, die nichts von DEI gehört haben und nur zur Arbeit wollten. Der Minister darf sich derweil damit brüsten, den woken Strich auf dem Asphalt besiegt zu haben. Der Strich hat nie zurückgeschossen. Das machte ihn zum idealen Feind.
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Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln, mehr fällt mir nicht ein.