Es gibt eine Logik, die immer gleich funktioniert, wenn es um fossile Großprojekte geht. Man verspricht Wohlstand, billige Energie und Arbeitsplätze. Man verschweigt die Kosten, die Risiken und die Rechnung, die am Ende jemand anders zahlt. In Alaska wird diese Logik gerade in Echtzeit vorgeführt, und sie hat einen Namen: Alaska LNG.
Der republikanische Gouverneur Mike Dunleavy hat die Abgeordneten des Bundesstaates angewiesen, im Sommer zu Sondersitzungen zusammenzukommen und lukrative Steuererleichterungen für das Projekt zu beschließen. Alaska LNG ist ein gewaltiges Exportterminal für fossiles Gas am Cook Inlet, gespeist durch eine 800 Meilen lange Pipeline, die vom North Slope quer durch unberührte Naturschutzgebiete und einen Großteil des Bundesstaates verläuft. Das verflüssigte Gas – im Marketingjargon „natural gas“, Erdgas – soll nach Asien verkauft werden. Das Projekt ist eine Priorität von Donald Trump, und Dunleavy versucht, es durchzuwinken, bevor seine letzte Amtszeit im Dezember endet.

Die geschätzten Kosten liegen derzeit bei bis zu 54,5 Milliarden Dollar. Das ist die offizielle Zahl. Sie ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu niedrig. Lois Parshley, Klimaforscherin bei Public Citizen und Mitautorin eines neuen Berichts über die steigenden Kosten des Exportbooms von Fracking-Gas, weist darauf hin, dass die durchschnittliche Kostenüberschreitung beim Betrieb von LNG-Terminals in Nordamerika bei 59,7 Prozent liegt. „Die finanziellen Risiken im LNG-Sektor sind keine Anomalien, sie sind in das Geschäftsmodell eingebaut“, sagt Parshley. Das vergleichbarste jüngste Beispiel sei LNG Canada, das sein Budget um mehr als 130 Prozent überschritten habe. Alaskas geplante Pipelineroute sei länger, durchquere schwierigeres Gelände und treffe auf einen strukturell dünneren Arbeitsmarkt.
Hier liegt der erste Betrug in der Konstruktion dieses Projekts. Alaska besitzt über eine staatseigene Gesellschaft einen Anteil von 25 Prozent an Alaska LNG. Das klingt nach Beteiligung, nach Mitsprache, nach einem fairen Anteil am künftigen Gewinn. Tatsächlich würde dieser Anteil verwässert, sobald weitere Investoren einsteigen, und er garantiert keineswegs, dass der Staat 25 Prozent der künftigen Profite erhält. Was er garantiert, ist eine Mitverantwortung für die Kosten. Parshley beschreibt das Muster: Entwickler arbeiten hinter den Kulissen mit Politikern zusammen, um die Kosten auf Regierung und Verbraucher abzuwälzen. Der Staat trägt das Risiko. Die Konzerne kassieren den Gewinn. Und wenn die Kalkulation nicht aufgeht, zahlen die Bürger Alaskas.
Der zweite Betrug ist klimatisch. Die 800 Meilen lange Pipeline würde den Permafrost durchschneiden – jenen gefrorenen Boden, dessen Auftauen einen der gefährlichsten Kipppunkte des globalen Klimasystems darstellt. Alaska LNG würde dieses Auftauen beschleunigen. Friends of the Earth nennt das Projekt eine „Kohlenstoffbombe“ und „korrupt“. Das ist keine Übertreibung von Aktivisten, die gegen alles sind. Es ist die nüchterne Beschreibung dessen, was passiert, wenn man im arktischen Permafrost eine fossile Infrastruktur baut, deren einziger Zweck darin besteht, Gas zu fördern, zu verflüssigen und über den Pazifik zu verschiffen.
Der dritte Betrug ist menschlich, und er trifft jene, die am wenigsten dafür können. Für die Iñupiat, die als Subsistenzjäger von Tieren wie Elchen und Karibus leben, kann die Störung der Wanderrouten durch fossile Projekte existenzbedrohend sein. Dr. Rosemary Ahtuangaruak, frühere Bürgermeisterin von Nuiqsut und Gründerin der Organisation Grandmothers Growing Goodness, beschreibt, womit ihr Fischerdorf am Colville River bereits jetzt zu kämpfen hat: giftige Industrieunfälle und Atemprobleme durch die Luftverschmutzung der bestehenden fossilen Infrastruktur am North Slope. „Dieses Gasprojekt darf nicht durchkommen“, sagt sie. „Wir sollten das nicht tun, nur damit sich einige Leute heute die Taschen füllen, ohne an morgen zu denken.“

Es ist ein Satz, der die gesamte Philosophie hinter solchen Projekten auf den Punkt bringt. Die fossile Industrie operiert in einem Zeithorizont, der bei der nächsten Bilanz endet. Der Permafrost operiert in einem Zeithorizont von Jahrtausenden. Zwischen diesen beiden Zeitrechnungen liegt der gesamte Konflikt – und die Iñupiat, die seit Generationen in diesem Land leben, stehen auf der Seite der längeren Zeit. Sie wissen, dass das, was heute auftaut, nicht in einer Wahlperiode wieder gefriert.
Larry Persily, Zeitungsverleger und früherer Bundeskoordinator für Erdgastransportprojekte in Alaska, benennt die politische Dynamik mit bemerkenswerter Offenheit. Der Umweltwiderstand gegen die Pipeline sei aufrichtig und habe valide Punkte, aber er finde beim Publikum wenig Resonanz, „weil es kein Öl ist, es ist ein sehr anderes Produkt.“ Gas klingt sauberer als Öl, auch wenn es das nicht ist. Persily, der das Projekt selbst für unwirtschaftlich hält, hält den Bau einer 800-Meilen-Pipeline im vorgeschlagenen beschleunigten Zeitrahmen für eine erhebliche Herausforderung. Die Behauptung, Alaska LNG könne bis 2029 billiges Gas an die Bewohner liefern, sei unrealistisch. Schlimmer noch: Alaskische Haushalte könnten hohen Gaskosten ausgesetzt sein, falls ein Versorger „unverantwortlich genug ist, einen schlechten Vertrag zu unterschreiben“, bevor das Projekt überhaupt mit dem Export ins Ausland beginnt.

„Sie sind in einer schwierigen politischen Position im Parlament des Bundesstaates, das sind sie wirklich“, sagt Persily über die Abgeordneten. „Ich gehöre zu denen, die glauben, dass das nicht passieren wird, es ist unwirtschaftlich, aber die Verkaufsmasche, die sie abziehen, ist beeindruckend.“
Die künftige globale Nachfrage nach LNG ist ohnehin ungewiss. Die Knappheit und die hohen Brennstoffpreise, die mit Trumps Zöllen und seinem Krieg gegen den Iran einhergehen, werden nicht ewig anhalten. Mit dem Aufstieg erneuerbarer Energien und einer von den Weltmärkten abhängigen künftigen Einnahmequelle ist der Bau gewaltiger LNG-Exportterminals ein enormes finanzielles Risiko. Man baut eine Infrastruktur für Jahrzehnte, deren wirtschaftliche Grundlage in wenigen Jahren wegbrechen könnte.

Bislang konnten sich die Abgeordneten nicht auf Steuererleichterungen einigen, denen sowohl das Repräsentantenhaus als auch der Senat Alaskas zustimmen. Dunleavy hat eine zweite Sondersitzung angeordnet, die am 20. Juni begann, um einen Deal auszuhandeln. Der Widerstand kommt nicht nur von Demokraten und Unabhängigen, sondern auch von einigen Republikanern, die warnen, das Großprojekt könne die Alaskaner mit Milliarden an versteckten Kosten belasten.
Cooper Freeman, Alaska-Direktor des Center for Biological Diversity und Bewohner von Homer, findet drastische Worte. „Um es nicht zu beschönigen, es ist ein komplettes Chaos, und es ist unklar, wer dafür bezahlen wird.“ Hätte man diese Zeit in den Übergang zu erneuerbarer Energie und die Modernisierung des Stromnetzes investiert, sagt Freeman, könnte man den Gasbedarf senken – besser für die Alaskaner, für die Tierwelt und für die Orte, an denen sie leben. Freeman bringt die Beteiligungsfrage auf den Punkt: Trump und Dunleavy bäten die Alaskaner im Grunde, einen 25-Prozent-Anteil an einem Kohlenwasserstoff-Megaprojekt zu übernehmen, das die Ressourcen an andere Nationen schicke. „Ich bin besorgt, dass dieses Projekt nur dann aufgeht, wenn staatliche Steuersenkungen die Kosten auf die Schultern der alaskischen Gemeinschaften legen.“
Andrea Feniger, Direktorin der Alaska-Sektion des Sierra Club, hat den Kern des wirtschaftlichen Problems bereits früher benannt: „Die Aussichten für das Projekt sind so schlecht, dass die Trump-Regierung nach ausländischen Ländern sucht, die das Projekt bezahlen sollen.“ Ein Megaprojekt, das so unwirtschaftlich ist, dass man fremde Staaten zur Finanzierung sucht, während man gleichzeitig den eigenen Bürgern eine 25-Prozent-Beteiligung am Risiko aufbürdet – das ist keine Energiepolitik. Das ist eine Umverteilung von unten nach oben, getarnt als Standortförderung. Im April 2025 wies ein Bundesgericht eine Klage des Center for Biological Diversity und anderer Umweltgruppen gegen die föderale Exportgenehmigung für Alaska LNG ab. Der juristische Weg ist also vorerst verstellt. Was bleibt, ist der politische – und die Tatsache, dass das Parlament Alaskas sich selbst nicht einig ist.

Das Projekt steht nicht allein. Trump hat seit seinem ersten Amtstag versucht, die Förderung und den Export fossiler Brennstoffe in Alaska schnell auszuweiten – damals unterzeichnete er eine Verfügung zur „Entfesselung“ des „außergewöhnlichen Ressourcenpotenzials“ Alaskas. Unter Biden hatten Bundesbehörden das umstrittene Willow-Projekt genehmigt, eine Ölbohrung von ConocoPhillips, die jetzt nahe Ahtuangaruaks Dorf läuft. Ahtuangaruak wurde als Bürgermeisterin von Nuiqsut zu einer lautstarken Gegnerin dieses Projekts, das landesweit Klimaproteste auslöste. Die Trump-Regierung hat zudem die ganzjährige Bohrung erlaubt, wo frühere Regierungen nur saisonale Bohrungen zuließen. „Die schnelle Erschließung dieser Standorte mit erhöhtem Risiko der Permafrost-Instabilität richtet nur Verwüstung an“, sagt Ahtuangaruak.
Was in Alaska verhandelt wird, ist mehr als eine Pipeline. Es ist die Frage, wessen Zeithorizont gilt. Trump und Dunleavy rechnen in Wahlperioden und Quartalsbilanzen. Der Permafrost rechnet in Jahrtausenden. Die Iñupiat, deren Karibus den Wanderrouten folgen, die ihre Vorfahren kannten, rechnen in Generationen. Wenn das Projekt durchkommt, gewinnt die kürzeste dieser Zeitrechnungen – die der nächsten Bilanz, der letzten Amtszeit, des schnellen Gewinns. Verlieren werden die längeren. Und das Eis, das einmal aufgetaut ist, fragt nicht nach Wahlterminen.
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