Zwei Polizisten gegen den Korruptionsfonds von Trump und Blanche

VonRainer Hofmann

Mai 20, 2026

Es gibt Momente, an denen sich die Verhältnisse umdrehen. Am Mittwoch, dem 20. Mai 2026, waren es nicht Politiker, nicht Verfassungsrechtler, nicht die großen Stimmen Washingtons, die der Trump-Administration die schärfste juristische Antwort auf den Fonds gegen politische Instrumentalisierung entgegenhielten. Es waren zwei Polizisten. Genauer gesagt jene zwei Männer, die am 6. Januar 2021 mit ihren eigenen Körpern verhinderten, dass eine Menschenmenge das Kapitol vollständig in ihre Gewalt brachte. Daniel Hodges vom Metropolitan Police Department in Washington und der frühere Capitol-Police-Officer Harry Dunn haben am Mittwoch Klage gegen Donald Trump, den amtierenden Justizminister Todd Blanche und Finanzminister Scott Bessent eingereicht. Ihr Ziel ist nicht weniger als die vollständige Blockade des 1,776 Milliarden Dollar schweren Fonds, den die Trump-Administration eingerichtet hat, um sogenannte Opfer politisch motivierter Strafverfolgung zu entschädigen.

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Die Sprache der Klage ist von einer Klarheit, wie man sie aus juristischen Schriftsätzen selten kennt. Der Fonds, so heißt es darin, sei ein illegaler Selbstbedienungstopf, mit dem Trump die Aufständischen und paramilitärischen Gruppen finanzieren werde, die in seinem Namen Gewalt ausübten. An anderer Stelle formuliert die Klageschrift den Satz, der über diesem Tag stehen wird: Die Einrichtung dieses Fonds sei der dreisteste Akt präsidialer Korruption dieses Jahrhunderts. Es sind keine Politiker, die das schreiben. Es sind die Männer, die geschlagen, getreten und mit Fahnenstangen attackiert wurden, während sie das Kapitol verteidigten. Männer, die genau wissen, wie sich der Atem derjenigen anfühlt, die jetzt aus diesem Fonds Geld bekommen könnten.

Mehr als hundert Polizeibeamte wurden am 6. Januar 2021 verletzt. Manche von ihnen wurden mit Baseballschlägern, Fahnenmasten und Rohren in den Kopf geschlagen. Eine Beamtin verlor das Bewusstsein, nachdem Randalierer sie mit einer Metallabsperrung zu Boden gedrückt hatten. Über 1.600 Personen wurden in der Folge wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem 6. Januar angeklagt. Trump hat in seiner zweiten Amtszeit nahezu alle dieser Fälle durch Begnadigungen und Strafmilderungen ausgelöscht, in einem einzigen umfassenden Akt der Gnadenausübung. Die Männer, die das Kapitol stürmten, sind frei. Die Männer, die das Kapitol verteidigten, klagen jetzt vor Gericht, weil sie verhindern wollen, dass dieselben Angreifer dafür auch noch finanziell belohnt werden.

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Der Hintergrund des Fonds ist mittlerweile bekannt. Aus dem 10-Milliarden-Dollar-Vergleich, den Trump mit dem Internal Revenue Service in der Sache der durchgesickerten Steuererklärungen geschlossen hatte, entstand eine Konstruktion, die nahezu in jeder Hinsicht ohne Vergleich ist. 1,776 Milliarden Dollar an Steuergeldern wurden für die Entschädigung jener bereitgestellt, die sich als Opfer einer politisierten Justiz sehen. Die Auszahlungen werden von einer fünfköpfigen Kommission entschieden, die der amtierende Justizminister Todd Blanche persönlich ernennt. Blanche, vor seinem Amtsantritt der persönliche Anwalt Donald Trumps, hatte einen Tag vor der Klage vor dem Senate Appropriations Committee die Einrichtung des Fonds verteidigt. Auf die Frage, ob auch jene Personen Zahlungen erhalten könnten, die am 6. Januar 2021 Polizisten angegriffen hatten, weigerte er sich, dies auszuschließen. Genau diese Weigerung war für Hodges und Dunn der Auslöser.

Daniel Hodges, Harry Dune

Die Klage selbst stützt sich auf einen verfassungsrechtlich präzisen Vorwurf. Die Trump-Administration habe ihre gesetzlichen Befugnisse überschritten, indem sie den Fonds ohne Zustimmung des Kongresses geschaffen habe. Es ist genau der Punkt, den auch der republikanische Senator Bill Cassidy aus Louisiana bereits am Dienstag angesprochen hatte. Es sei, sagte Cassidy, als hätte sich jemand selbst verklagt und mit sich selbst einen Vergleich geschlossen, der vom Rest der Bevölkerung bezahlt werden soll. Die Klage von Hodges und Dunn übersetzt diesen politischen Vorwurf jetzt in juristische Sprache. Sie sagt: Ein Präsident darf nicht aus eigener Machtfülle Steuergelder umverteilen, um damit politische Verbündete oder Gewalttäter zu belohnen, die in seinem Namen das Kapitol gestürmt haben.

Brendan Ballou, einer der Anwälte der beiden Polizisten, war früher selbst Staatsanwalt im Justizministerium und hat dort Fälle aus dem Komplex 6. Januar bearbeitet. Auch das ist kein Zufall. Männer, die das System von innen kennen, ziehen jetzt gegen jenes System vor Gericht, das ihre Arbeit zerschlagen hat. Trump hat die Verfahren ausgelöscht, die Ballou und seine Kollegen jahrelang aufgebaut hatten. Jetzt steht Ballou auf der Seite derjenigen, die damals geschützt wurden.

Harry Dunn kandidiert inzwischen in Maryland für einen Sitz im Kongress. Er hat seine Uniform abgelegt, aber seine Geschichte trägt er weiter. Daniel Hodges trägt sie ebenfalls. Videoaufnahmen vom 6. Januar zeigen, wie ein Randalierer Hodges die Maske vom Gesicht riss, während er in einem Tunneleingang gegen eine Tür gedrückt wurde und um die Kontrolle über diesen einen Durchgang ins Innere des Gebäudes kämpfte. Beide Männer haben vor dem Kongress ausgesagt. Beide haben offen über das gesprochen, was sie an diesem Tag erlebten. Jetzt sprechen sie nicht mehr in Anhörungssälen, sondern vor einem Bundesgericht.

Die Sprecher des Justizministeriums und des Finanzministeriums reagierten am Mittwoch nicht auf Anfragen. Vielleicht weil es schwer ist, eine Antwort zu finden, wenn die Männer, die das eigene Land mit ihren Körpern verteidigten, einen Selbstbedienungstopf für die Angreifer den dreistesten Akt präsidialer Korruption dieses Jahrhunderts nennen. Vielleicht aber auch, weil es einfach nichts zu sagen gibt. Wenn das Recht, das einmal die Mauern des Kapitols schützte, jetzt gegen die Regierung gerichtet werden muss, dann ist die Lage so klar, dass jedes weitere Wort die Wahrheit nur verwässern würde.

Es ist ein Bild, das hängen bleibt. Zwei Polizisten gegen einen Präsidenten. Zwei Männer gegen eine Konstruktion, die ein ganzes Land bezahlt, damit die Angreifer von gestern die Belohnten von morgen werden können. Die Klage wird ihren Weg durch die Instanzen nehmen, das wird dauern, und niemand kann sagen, wie sie ausgeht. Was sicher ist: An diesem Mittwoch im Mai 2026 haben zwei Polizisten den Vereinigten Staaten einen Spiegel vorgehalten, in den die Politik selbst nicht mehr zu schauen wagt. Sie schauen für sie. Und das, was sie darin sehen, hat einen Namen, den sie selbst gewählt haben: einen der größten Korruptionsfälle in Amerika.

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Ela Gatto
1 Stunde vor

Zwei ganz unsagbar mutige Männer!
Ich hoffe, dass sie viel Zuspruch, Spenden und Rückhalt bekommen werden.

Zwei von einigen Dutzend.
Zwei die Mut haben, während sich andere weg ducken.
Vielleicht sollten die Angehörigen der getöteten Poliziste(n?) Ebenfalls eine Klage anstrengen.

Trump will mit 1,7 Milliarden Steuergeldern eine loyale Trump base (eigentlich würde ich es lieber private SS nennen) schaffen.

Aber es ist kein Geld für Medicaid, Medicare, Veteranenhilfe, Bildung, Infrastrukur (ausgenommen natürlich Strassen und Gebäude, die Trumps Namen tragen) da.

Zitat: „…Die Einrichtung dieses Fonds sei der dreisteste Akt präsidialer Korruption dieses Jahrhunderts….“
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.

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