Der Himmel über Estland wurde innerhalb weniger Minuten zum Schauplatz zweier Entwicklungen, die weit über einen einzelnen Zwischenfall hinausreichen. Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges schoss die NATO über estnischem Gebiet eine Drohne ukrainischer Herkunft ab. Gleichzeitig kündigte Russland neue Atomübungen an, die selbst nach Einschätzung von Fachleuten deutlich größer ausfallen als gewöhnlich.
Nach Angaben des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur hatten Radarsysteme die Luftbedrohung bereits vor dem Grenzübertritt erkannt. Um 12:14 Uhr zerstörte ein rumänischer F-16-Kampfjet der NATO-Luftüberwachungsmission die Drohne über dem Vörtsjärv-See. Die Maschine gehört zur Baltischen Luftpatrouille und startet von der litauischen Luftwaffenbasis Šiauliai. Gesteuert wurde die Operation über ein Luftkommandozentrum in Lettland. Trümmerteile gingen später in einem sumpfigen Gebiet nahe dem Dorf Kablaküla nieder.

Außenminister Margus Tsahkna erklärte, Estland habe keine Genehmigung erteilt, den eigenen Luftraum für Angriffe gegen Russland zu nutzen. Gleichzeitig brachte er den Vorfall mit russischen Systemen der elektronischen Kriegsführung in Verbindung. Bereits in der Vergangenheit waren ukrainische Drohnen offenbar durch Störmaßnahmen vom Kurs abgekommen. Ende März waren mehrere Drohnen im estnischen Luftraum registriert worden. Eine davon stürzte auf estnischem Gebiet ab. Später entschuldigte sich das ukrainische Außenministerium gegenüber den baltischen Staaten und erklärte die Abweichungen ebenfalls mit russischen Störmaßnahmen.
Die Folgen des aktuellen Vorfalls reichten über den Himmel hinaus. Der Zugverkehr auf der Strecke Tallinn, Tartu, Riga und Vilnius wurde beeinträchtigt. Im Norden Lettlands kam der Bahnverkehr zeitweise zum Stillstand. Der Flughafen Tallinn setzte seinen Betrieb dagegen fort.
Zeitgleich meldete das russische Verteidigungsministerium den Beginn neuer Übungen seiner Atomstreitkräfte. Zwischen dem 19. und 21. Mai sollen Einheiten der Strategischen Raketentruppen, die Nord- und Pazifikflotte, Langstreckenflieger sowie Truppen aus mehreren Militärbezirken beteiligt sein. Insgesamt spricht Moskau von 64.000 Soldaten, mehr als 7800 Waffensystemen, über 200 Raketenstartanlagen, 140 Luftfahrzeugen, 73 Kriegsschiffen und 13 U-Booten. Darunter befinden sich nach Angaben Russlands acht strategische Raketen-U-Boote.
Der Leiter des Forschungsprojekts „Russische Atomwaffen“, Pawel Podwig, erklärte, Russland führe solche Übungen regelmäßig durch. Mehrere Punkte seien diesmal aber ungewöhnlich. Normalerweise würden strategische Übungen eher im Herbst stattfinden. Auffällig sei außerdem der Umfang der beteiligten Einheiten und die stärkere Einbindung nichtstrategischer Systeme. Auch Belarus spielt diesmal eine Rolle. Dort stationierte russische Atomwaffen sollen in die Abläufe einbezogen werden.
Besonders die Zahl von acht gleichzeitig beteiligten strategischen U-Booten sticht hervor. Nach unseren Erfahrungen ist das keine alltägliche Größenordnung.
Innerhalb weniger Stunden trafen damit zwei Entwicklungen zusammen, die in Europa Aufmerksamkeit auslösen dürften. Eine ukrainische Drohne wird erstmals von NATO-Flugzeugen über estnischem Gebiet abgeschossen und Russland antwortet gleichzeitig mit einem Militärprogramm, das deutlich größer ausfällt als üblich.
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Diese Atomübungen, derart nah an der Ostgrenze der EU macht mir Angst.
Putin macht nichts ohne Plan.
Was sein Plan ist?
Das weiß nur er.
Es bedeutet nichts Gutes.
Auf jeden Fall ist es eine deutliche Machtdemonstration.
Gerade zu dem Zeitpunkt, wo Trump US Soldaten aus der EU abzieht und die Verlegung nach Deutschland stoppt.