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Immer skurriler: Iran-Krieg ohne Plan, Rundmail für Bestrafungsvorschläge soll es nun richten

VonTEAM KAIZEN BLOG

3. August 2026

Als letzte Woche in den Postfächern einer größeren Runde von Militäranalysten eine E-Mail eintraf, die um Vorschläge bat. Ein hoher Offizier aus der Aufklärungsabteilung des US-Zentralkommandos Centcom schrieb, man suche nach neuen, kreativen und unkonventionellen Wegen, den Iran unter Druck zu setzen und zu bestrafen. Eine Quelle, die den Text kennt, gab ihn so wieder, eine zweite bestätigte, dass in der vergangenen Woche ein ranghoher Offizier um frische Ideen warb. Andere Offiziere nennen es ungewöhnlich, so etwas per E-Mail in die Breite zu streuen. Es ist der Ideenkasten, aufgehängt an der Wand eines Krieges, der nicht mehr weiß, wie er endet.

Der Aufruf zeigt, wie schmal die Auswahl geworden ist, die dem Präsidenten bleibt, um den Iran zu einem Abkommen nach seinen Bedingungen zu zwingen. Die Wege sind wenige, und die gangbaren sind unappetitlich. Das Kommando prüfe alles, hieß es aus einer zweiten Quelle, man müsse die Strategie neu bewerten. Also fragte der Offizier in die Runde, ob jemand etwas Besseres wisse, so, wie man Kollegen um Rat bittet, wenn einem zu einer schweren Aufgabe nichts mehr einfällt.

Eine Person, die die Beratungen kennt, sagt es beinahe entschuldigend. Am Ende wolle der Präsident einen Deal, also suche er ohne Unterlass nach Wegen, hart aufzutreten und zugleich herauszukommen. Man brauche zuweilen kreative Köpfe, gerade wenn die üblichen Mittel zur Neige gingen. Der Satz klingt harmlos, bis man ihn zu Ende denkt. Kreativ wird hier kein Ausweg gesucht, gesucht wird eine Härte, für die den Planern die Fantasie ausgegangen ist. Ein Land soll bestraft werden, und der Apparat, der die Strafe verhängen soll, weiß nicht mehr, womit.

Capt. Tim „Timothy“ Hawkins

Der Sprecher des Kommandos, Capt. Tim „Timothy“ Hawkins, ordnete das ins Erhabene. Man denke und arbeite seit jeher auf erfinderische Weise, Admiral Cooper wende sich an das Team ohne Ansehen des Rangs, um die höchste Einsatzleistung zu erreichen. So klingt es, wenn die Bitte um Vorschläge zur Bestrafung eines Landes als gelebte Kultur der offenen Tür verkauft wird. Was in dieser Sprache nach Teamgeist klingt, ist der Sache nach eine Frage nach neuen Wegen, Menschen wehzutun, gestellt im Ton einer Umfrage unter Kollegen.

Seit Wochen trifft die Luftwaffe iranische Ziele, um die Fähigkeit zu schwächen, die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen, und um Teheran an den Tisch zu holen. Ein Abkommen ist nicht in Sicht. Kurz nach der E-Mail drohte Trump mit neuen Schlägen und blies sie am Wochenende wieder ab, nachdem Vertreter der Region eingegriffen hatten, allen voran der saudische Kronprinz, der den Präsidenten anrief und zur Deeskalation drängte.

Trump wägt ab, den Feldzug zu verschärfen, womöglich mit neuen, heftigen Schlägen gegen die verbliebenen Atomanlagen, die er im vergangenen Sommer für ausgelöscht erklärt hatte. Wer Anlagen erneut ins Visier nimmt, die er selbst für vernichtet ausgab, gesteht damit ein, dass die frühere Erfolgsmeldung nicht stimmte. Zwei Quellen zufolge bereite das Militär Angriffe auf den Pickaxe Mountain und weitere Orte vor, in denen Nuklearmaterial oder Gerät vermutet wird. Doch selbst mit den stärksten konventionellen Waffen dürften Raketen und Bomben wenig ausrichten, weil die Anlagen tief unter der Erde liegen. Wer sie zerstören wolle, brauche Bodentruppen, ein enormes Wagnis, das der Präsident bislang scheut, während offen bleibt, wie ehrlich seine Regierung mit den eigenen Gefallenen umgeht. 18 amerikanische Soldaten sind bisher getötet worden. Wie viele es genau sind und unter welchen Umständen sie starben, dringt nur langsam nach außen. Auch hier laufen die Recherchen noch.

Erwogen wird auch ein Schauspiel, das an ein Feuerwerk erinnert, gegen dieselben oder ähnliche Ziele wie vor einem Jahr, ein symbolischer Sieg, mit dem sich der Krieg verlassen ließe, ohne dass eines der anfänglichen Ziele erreicht wäre, den Iran seines Atomprogramms zu entledigen. Selbst das löste die eigentliche Streitfrage nicht, den iranischen Anspruch auf die Meerenge. Das Feuerwerk ist der ehrlichste Teil dieser Überlegung. Es soll nicht zerstören, es soll vorführen, ein Bild von Stärke für den Heimgebrauch, das laut genug knallt, um den Rückzug wie einen Triumph aussehen zu lassen. Nur ändert ein Bild nichts an der Lage unter der Erde, wo die Anlagen liegen, und nichts an der Meerenge, um die der Streit überhaupt geführt wird. Der Krieg bekäme sein Ende geschenkt, und der Grund bliebe, wo er war.

Krieg gilt seit langem als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Was hier zu besichtigen ist, kehrt den Satz um. Der politische Zweck ist verbraucht. Ein Abkommen gibt es nicht, und das Atomprogramm liegt zu tief, um es wirklich zu beseitigen. Auch die Meerenge bleibt umstritten. Übrig bleibt das Mittel, das sich selbst einen Zweck suchen muss. Ein Feuerwerk, das niemanden mehr beeindruckt, eine Bestrafung, für die man erst noch die Idee braucht. So sieht es aus, wenn Gewalt zum Selbstläufer wird und der Grund ihr hinterhergereicht werden muss. Eine Strafe, die keinem erreichbaren Ziel mehr dient, ist keine Politik, sie ist ein Roulette der Qualen. Wer die Kugel wirft, hofft auf ein Feld, das ihn erlöst, und trifft doch nur Menschen, die für die Ratlosigkeit anderer bluten.

Recherchen zeigen es unverblümt: Die CIA und der Militärgeheimdienst hätten befunden, dass die laufenden Bombardements die iranische Verhandlungslinie kaum verrückten. Der ranghöchste Militärberater des Präsidenten, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs Dan Caine, räumte öffentlich ein, dass Bomben allein nicht alles erreichten, was Trump sich vorgenommen hat. Die Luftwaffe habe ihre Grenzen, sagte er im vergangenen Monat vor Abgeordneten. Die Leute, die den Krieg fachlich beurteilen, und der Mann, der ihn entscheidet, sagen nicht dasselbe, und dazwischen liegt jede Bombe, die noch fällt.

Die Möglichkeiten zur Eskalation liegen seit Monaten auf dem Tisch, durchgesprochen bis ins Detail, und weiteres Gerät ist in die Region verlegt worden, in Erwartung eines Befehls. Ein Plan des Kommandos sähe eine schwere Bombardierung über 1 oder 2 Wochen vor, um die iranischen Raketenfähigkeiten auszuschalten. Trump hielt sich zurück, auch weil Caine vor knappen Beständen an Abwehrraketen warnte. Andere sorgten sich vor hohen zivilen Opfern, sollte er seine Drohung wahr machen und Brücken oder Meerwasseranlagen treffen.

Bliebe der Schritt mit Bodentruppen eine Drohung, die Trump oft wiederholt hat, samt der Idee, die strategische Insel Charg zu besetzen oder das hochangereicherte Uran außer Landes zu schaffen. Nur bräche das ein Versprechen an seine eigene Anhängerschaft. Er werde niemanden in dumme Auslandskriege schicken, die nie endeten, hatte er 2024 auf einer Kundgebung in Pennsylvania gerufen. Die andere Tür führt in einen gefährlichen Stillstand, endlose Schläge und Gegenschläge, die weitere amerikanische Leben kosten und die Meerenge in Dauergefahr halten, genau in jene endlosen Kriege, die er selbst verurteilt hat. Es ist die Falle, die sich der Präsident mit den eigenen Worten gestellt hat. Wer den großen Sieg zusagt und zugleich schwört, keine Soldaten mehr in fremde Kriege zu schicken, hat für den Fall, dass beides zusammen nicht zu haben ist, nichts vorgesehen.

Am Freitag, im Kabinett, brachte der Präsident es auf eine seiner vielen Formeln. Man wolle einfach gewinnen. Man werde sie sehr hart treffen, und irgendwann würden sie sagen, sie hielten es nicht mehr aus. Was das genau bedeuten soll, weiß er offenbar selbst nicht, sonst müsste er nicht per E-Mail danach fragen lassen. Die Idee, die den Krieg beenden könnte, steht noch aus. Bis dahin liegt der Zettel im Kasten und wartet auf den, der etwas Besseres weiß.

Fortsetzung folgt …

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