„Liebt ihr mich?“: Trump und Vance betteln um Stimmen, aus Angst vor der Niederlage

VonTEAM KAIZEN BLOG

3. Oktober 2026

Ein Präsident, der das Volk aus dem Fernseher heraus fragt „Liebt ihr mich?“, hat die Würde des Amtes hinter sich gelassen und das Vorzimmer der Verzweiflung betreten. Genau diesen Spot lässt Donald Trump gerade schalten, bezahlt aus der Kasse des Heimatschutzministeriums, 20 Millionen Dollar, und gegen den Hatch Act, der Beamten parteipolitische Werbung mit Staatsmitteln verbietet. Seine Regierung nennt das verschämt „öffentliche Informationskampagnen“. Gemeint ist Propaganda, in einem Fall mit einem Lied unterlegt, das der Künstler nie freigegeben hat. Ein anderer Spot beschwört die „letzte Schlacht“. Wahlwerbung also, als Dienst am Bürger verkleidet und vom Bürger bezahlt, ob er will oder nicht. Korruption und Kitsch im selben Spot, das muss man erst einmal zustande bringen.

„LOVE ME“ – Ohne Worte

Der Rechtsbruch steht nicht am Rand dieser Geschichte, er bildet ihren Grund. Der Hatch Act trennt seit Jahrzehnten Amt und Wahlkampf, damit kein Präsident die Staatskasse zur eigenen Werbeagentur macht. Genau das geschieht hier, vor aller Augen, und die Rechnung zahlt das Heimatschutzministerium, das eigentlich das Land schützen soll und nicht den Mann an seiner Spitze. Das Geld ist erst zu einem Bruchteil ausgegeben, was wie eine Drohung klingt und nicht wie eine Entwarnung. Weitere Fassungen sind sicher, zumal der Präsident beim Entwerfen angeblich selbst mitmischt. Man stelle sich den mächtigsten Mann der Welt vor, wie er die Spots eigenhändig zurechtbiegt und prüft, ob die Bitte um Liebe auch rührend genug klingt.

Ken Paxton, Donald Trump

Nach Stärke sieht das nicht aus. Näher liegt das Gegenteil, das Eingeständnis eines Mannes, dessen Sache, wenn noch nicht erledigt, so doch bereits im kochenden Wasser liegt. Ein Trommelfeuer aus Propaganda, das mit einiger Sicherheit nach hinten losgeht. Zuneigung, um die man mit Millionen werben muss, ist meist schon verloren. Niemand wirft ein Vermögen auf die Frage „Liebt ihr mich?“, wenn die Antwort feststeht und freundlich ausfällt. Das Ganze hat etwas von einer Spendengala, der Staatschef als Moderator, der ins Publikum lächelt und um Zuspruch wirbt, nur dass die Gabe hier die eigene Stimme ist und das Studio das ganze Land.

Gute Nachrichten hat ihm die Kampagne nicht gebracht. Verteidigt hat sie kaum jemand außerhalb der Regierung und ihrer treuen Gefolgschaft. Selbst die Presse verweigert diesmal das brave „beide Seiten“-Spiel. Wie schon bei seiner 25-minütigen Ansprache zur besten Sendezeit im Juli scheint sie zu begreifen, was läuft. Die Macht, die er vor 15 Monaten über Menschen und Einrichtungen besaß, sei verschwunden, hieß es damals. Die neuen Spots belegen kaum etwas anderes. Jene Macht bestand vor allem aus Furcht, aus der Fähigkeit, Sender und Abgeordnete einzuschüchtern. Sie verdunstet, sobald die Zahlen fallen, und sie fallen.

Auch die eigene Partei windet sich, ihre Reaktionen reichen vom Ausweichen bis zur Abrechnung. Sogar im Kongress fürchten Republikaner, die Anzeigen könnten gegen die Regeln für öffentliche Informationskampagnen verstoßen. Mehrheitsführer John Thune mag die Botschaft, nur solle man sie „nicht mit Steuergeld bezahlen“. Das war das Freundlichste. Senator Mike Rounds sagte, das hätte er nicht getan. Der scheidende Thom Tillis verglich die Sache mit Viktor Orbán. „Ich hasse es“, sagte er, ohne Umschweife. Wenn ein Parteifreund den eigenen Präsidenten mit einem ungarischen Autokraten vergleicht, geht es längst nicht mehr um Geschmack.

Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel, denn wenn wir nicht gewinnen, werden die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren gegen mich einleiten.“

Bei den Anzeigen bleibt es nicht. 32 der kommenden 35 Tage will Trump unterwegs sein, um für seine Leute zu werben. Nur verraten die Ziele mehr, als ihm lieb sein kann. Statt in die umkämpften Staaten reist er in konservative Hochburgen wie Alabama und Oklahoma. Ohio und Texas stehen ebenfalls auf der Liste, sogar Alaska, ein Aufwand an Zeit und Mitteln, der zeigt, wie ernst die Lage ist. Ein Großspender brachte es trocken auf den Punkt, es brenne gerade überall. Man beackert nicht die sichersten Felder, wenn die Ernte gesichert ist. Und Trump zieht nicht allein los. Auch sein Vizepräsident J.D. Vance tourt durch die Hochburgen und wirbt in eigener Sache um eine zweite Chance.

In Durant sprach die Angst dann ganz offen. „Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel, denn wenn wir nicht gewinnen, werden die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren gegen mich einleiten“, sagte er. Ein Mann, der seine Anhänger um Stimmen für sich bittet, obwohl sein Name nirgends auf dem Zettel steht, verwechselt eine Zwischenwahl mit einem Rettungsring. Das Betteln hat einen durchsichtigen Grund, und er heißt nicht Vaterlandsliebe. Er heißt nackte Sorge um die eigene Haut.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Dokumentation Teil 1: „Tut so, als würde ich kandidieren“: Trumps Wahlkampf gegen die eigene Amtsenthebung

Herrschaft und Werben vertragen sich schlecht. Ein Machthaber, der fragt, ob man ihn liebt, hat das Befehlen bereits gegen das Bitten getauscht. Noch vor Kurzem genügte ihm eine Drohung, wo heute ein bezahlter Spot um Zuneigung ringt. Diesen Abstieg hört man in jeder Sekunde Sendezeit. Ein Land regiert man nicht per Liebeswerbung, man verwaltet damit höchstens den eigenen Abgang.

„Gebt uns noch eine Chance. Gebt uns noch ein paar Jahre.“

Dass seine Nähe den Kandidaten schadet, sagen diese inzwischen selbst. In Texas erklärte der Senatsbewerber Ken Paxton vor Spendern, Trumps seltsamer Parteitag Anfang September, eigens zu Paxtons Gunsten im Staat abgehalten, habe das Gegenteil bewirkt. „Unsere Zahlen sind gefallen. Alle Zahlen sind gefallen. Im Moment nicht gut.“ Festgehalten wurde das heimlich. Bei einer privaten Runde von 12 Leuten muss einer gesessen haben, der ihn genug verachtet, um den Mitschnitt durchzustechen. Ein Parteitag, der eigens für einen Mann ausgerichtet wird und dessen Werte drückt, ist ein Eigentor von seltener Reinheit.

Paxtons Tonband ist die kleine Fassung einer großen Bewegung. Überall geraten rote Hochburgen ins Wanken, während frühere Trump-Wähler die Folgen des Regierungsversagens am eigenen Leib spüren. Täglich rücken Republikaner von ihm ab und widersprechen ihm sogar dort, wo es ihm am meisten wehtut. Am Mittwoch stellte sich der Senator aus West Virginia, Jim Justice, gegen die Massenabschiebungen, das Lieblingsstück des Präsidenten. „Vielleicht machen wir hier und da etwas falsch.“ Ach was. Vor einem Jahr hätte ein solcher Satz einen Wutausbruch des Präsidenten und eine Kampagne gegen den Abweichler ausgelöst. Jetzt bleibt beides aus, und jeder im Kongress rechnet im Stillen aus, wie lange er sich noch an diesen Mann kettet.

James Talarico, demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Texas und Kandidat für den US-Senat, treibt den republikanischen Senate Leadership Fund praktisch im Alleingang in den Bankrott. Das mit ihm verbundene Super PAC gab innerhalb von 17 Tagen rund 131 Millionen Dollar aus, um den republikanischen Kandidaten Ken Paxton im Senatsrennen in Texas zu stützen.

Das ganze Jahr über, während seine Werte auf immer neue Tiefen fielen und die Hoffnung der Partei gleich mit, blieb die Frage, womit sich der Absturz bremsen ließe. Ein ausgehandeltes Memorandum zwischen Washington und Teheran hätte ihm kurz als Ausweg aus seinem Krieg dienen können. Daraus wurde nichts. Um sich zu retten, müssten die Republikaner tun, wozu sie nicht imstande sind, das Leben der Menschen verbessern und die Wirtschaft richten. Stattdessen preisen sie weiter ihr „One Big Beautiful Bill Act“, ein Gesetz, nach dem die Reichsten Tausende zusätzliche Dollar verdienen und alle anderen irgendeine Form von Schmerz. Ein Werbespot überdeckt vieles, einen leeren Kühlschrank am Monatsende nicht.

Rückblende

Auf der Bühne der Conservative Partnership Academy in Washington, am Rednerpult mit der goldenen Aufschrift „The 2025 Bellator Awards“, stand der ehemalige Chefstratege Donald Trumps vor einem Saal voller Gleichgesinnter und sprach einen Satz, der in seiner Ehrlichkeit die ganze Wahrheit über diese Bewegung offenbart. Wenn sie verlieren, gehen sie ins Gefängnis. Einige jedenfalls. Er eingeschlossen. (6. November 2025)

Und so bettelt ein Präsident mit dem Geld der Steuerzahler um deren Liebe und nennt es Wahlkampf. Erst nimmt man den Leuten etwas weg, dann fragt man sie aus dem Fernseher, ob sie einen noch mögen. Diese Frage stellt niemand aus einer Position der Macht. Sie klingt wie das Winseln, das die Angst macht, kurz bevor die Zahlen es am 3. November schwarz auf weiß sagen.

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Gabriele Brunner
Gabriele Brunner
3 Stunden vor

UPS, da scheint einigen der Arsch auf Grundeis zu gehen! Gut so, und hoffentlich geht es weiter in die Richtung und die Gefängnisse sind voller MAGAs

Rainer Hofmann
Administrator
3 Stunden vor
Antwort auf  Gabriele Brunner

…herrlich finden wir das und jetzt wird erst richtig Vollgas gefahren

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