Trump will Brasilien seinen Bolsonaro aufzwingen, und treibt damit viele Wähler zu Lula

VonTEAM KAIZEN BLOG

3. Oktober 2026

Washington hat die Einmischung in die brasilianische Wahl zuletzt spürbar verschärft. Mit Sanktionen und Zöllen versucht die Trump-Regierung, Flávio Bolsonaro gegen den amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva nach vorn zu schieben, und lässt dabei keine politische Botschaft aus. Flávio ist der Sohn von Jair Bolsonaro, dem rechten Hardliner, der wegen Verrats verurteilt wurde. Ausgerechnet dieser Familie gilt die Zuneigung aus dem Weißen Haus. Die Ironie trägt dick auf. Eine Regierung, die jeden Wahlausgang im eigenen Land zur Verschwörung erklärt, sobald er ihr nicht passt, kämpft in Brasilien offen für die Seite, die schon einmal die Macht mit Gewalt behalten wollte. Der Vater steht wegen genau dieses Versuchs im Urteil, der Sohn soll nun erben.

Flávio Bolsonaro

Vorbereitet wurde das lange. Die Regierung drohte Brasilien mit militärischen Mitteln. Sie begann, brasilianische Verbrechergruppen zu Terrororganisationen zu erklären. Und sie schickte Leute aus dem Außenministerium ins Land, um Zweifel am Wahlsystem zu säen. Das Konsulat in São Paulo lud bolsonaro-nahe Einflüsterer aus den sozialen Medien zu einer Runde hinter verschlossenen Türen. Einmischung trägt heute selten Uniform. Sie läuft über Reichweite und Algorithmen, und das Konsulat gab dafür den Gastgeber. Eine Regierung, die daheim über fremde Wahlbeeinflussung klagt, betreibt sie anderswo im großen Stil. Die Einstufung als Terrorgruppen war nie nur ein Etikett. Sie hätte Washington Hebel in die Hand gegeben, von Sanktionen bis zu Vorwänden für harte Eingriffe, mitten in den inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. Souveränität endet dort, wo ein stärkerer Staat sie für verhandelbar hält.

Trump schrieb am 17. Juli 2025 Jair Bolsonaro keinen Gruß aus Washington. Er schrieb ihm eine Intervention. Auf Briefpapier des Weißen Hauses stellte sich der US-Präsident hinter den früheren brasilianischen Staatschef, erklärte dessen juristische Behandlung für „schrecklich“ und das Verfahren für ungerecht. Es müsse sofort enden. Bolsonaro sei ein starker, angesehener Führer. Der Satz steht da wie ein politischer Freibrief. Dann zieht Trump die Schraube an. Brasilien greife die Meinungsfreiheit an, verfolge politische Gegner und müsse seinen Kurs ändern. Dass er dabei ausdrücklich auf seine Zollpolitik verweist, macht den Brief besonders brisant: persönlicher Beistand für Bolsonaro und wirtschaftlicher Druck gegen Brasília stehen plötzlich im selben Schreiben. Außenpolitik als Hebel für einen politischen Verbündeten.

Der letzte Satz braucht keine Erklärung: „Ich werde das genau beobachten.“ Präsidentensprache ist das kaum noch. Es klingt wie die Mitteilung eines Mannes, der einer anderen Regierung wissen lässt, dass ihre innenpolitischen Entscheidungen Folgen haben können, wenn sie ihm nicht gefallen.

Wie weit der Anspruch reicht, machte Bolsonaros anderer Sohn Eduardo deutlich. Er brachte ins Gespräch, die Trump-Regierung könne das Ergebnis schlicht nicht anerkennen, falls Lula gewinne. Das Drehbuch kennt man aus Washington selbst, jetzt bekommt es Brasilien vorgeführt. Dass ein fremder Präsident sich anmaßt, über die Gültigkeit einer brasilianischen Wahl zu befinden, wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Die Absicht liegt offen zutage. Brasilien habe nicht gewollt, dass die USA den Verbrechergruppen diese Einstufung aufzwängen, sagte James Green, Professor für portugiesische und brasilianische Studien an der Brown University, weil sie der Trump-Regierung weiten Zugriff auf die brasilianische Innenpolitik eröffnet hätte. Ohne je ausdrücklich zu sagen, Flávio sei ihr Kandidat, habe Washington mit allem, was es tat, klargemacht, wen es gern gewählt sähe. Deutlicher lässt sich eine Parteinahme kaum verpacken, ohne den Namen laut auszusprechen.

Nur könnte die Rechnung nicht aufgehen. Druck von außen weckt in einem stolzen Land selten Dankbarkeit, eher Trotz. Jede Drohung und jeder Zoll erinnern die Wähler daran, wer sich hier ungebeten in ihre Angelegenheiten drängt. Ein Volk, das man belehrt und bedroht, zieht seine eigenen Schlüsse. Viele dürften am Sonntag weniger über Lula abstimmen als über die Frage, ob Brasilien sich aus Washington regieren lässt.

Die Zahlen sprechen ohnehin gegen das Manöver. Lulas Zustimmung liegt bei rund 50 Prozent, höher als Trumps Werte an jedem Tag seiner zweiten Amtszeit. Der Mann, der in Brasília mitregieren möchte, ist im eigenen Land unbeliebter als jener, den er aus dem Amt drängen will. Trotzdem wird ein knapper Ausgang erwartet, die Abstimmung beginnt am Sonntag. Sollte Lula gewinnen, hätte Washington ihm seinen besten Wahlkampfhelfer gestellt, sich selbst.

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