Am Donnerstag reiste Donald Trump nach Texas und Oklahoma, in zwei der sichersten republikanischen Hochburgen des Landes, und bat dort um Stimmen bei Menschen, die ihm längst gehören. „Tut so, als würde ich kandidieren“, sagte er in Durant. „Wenn wir nicht gewinnen, setzen sie mich am Ende ab.“ Ein Präsident, der vor seinen treuesten Anhängern Hilfe gegen ein Amtsenthebungsverfahren erbittet, verrät damit mehr über seine Lage als jede Umfrage.
„Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel, denn wenn wir nicht gewinnen, werden die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren gegen mich einleiten.“
Für sich selbst muss er nichts mehr gewinnen, auf keinem Wahlzettel steht sein Name. Trotzdem tourt er, als hinge alles daran. „Es geht ungefähr um 35 Rennen, wenn ihr die Wahrheit wissen wollt“, räumte er ein, und fast im selben Atemzug: „Ich komme mir ein bisschen albern vor. Ich sage dauernd, geht wählen, dabei gewinnen sie sowieso haushoch.“ Die Gefahr und den sicheren Sieg zugleich zu behaupten, verlangt ein Publikum, das nicht die Realität erkennt.
Das Herzstück des Auftritts war ein Versprechen der Marke Donald Trump 5.000 Dollar für jeden erwachsenen Amerikaner, falls die Republikaner im November die Mehrheit halten. Dafür gab es den lautesten Applaus des Abends und die teuerste Zeile. Über 1,3 Billionen Dollar kämen diese Schecks das Land zu stehen. Woher das Geld? Aus „Investitionserträgen“, murmelte Trump, bevor er zum nächsten Bild sprang. „Die Republikaner können es, die Demokraten nicht.“


Vormittags in Denton, in einer Lastwagenfabrik, gab er den Wirtschaftsretter. „Überall im Land entstehen Fabriken. Die Produktion kommt zurück.“ Steigende Löhne, zehntausende neue Stellen, einen Schub beim Bau schwerer Lkw, alles schrieb er sich gut. Der Hersteller Peterbilt, 1939 gegründet und größter Produzent im County, hatte zuletzt 1.000 Leute eingestellt, die Muttergesellschaft Paccar nach Angaben des Weißen Hauses weitere 2.000. Dass dieser Zuwachs seinen Zöllen zu danken sei, trug die Firmenspitze brav vor.
Im vergangenen November hatte Trump einen Einfuhrzoll von 25 Prozent auf mittlere und schwere Lkw verhängt, gegen den ausdrücklichen Rat der US-Handelskammer. Die 5 größten Lkw-Lieferanten des Landes seien allesamt Verbündete und kein Sicherheitsrisiko, hatte sie gewarnt. Trump nannte die Abgabe trotzdem einen Schutz vor „unfairer Konkurrenz von außen“. Zur Feier gelockerter Spritvorschriften kippte er vor dem Publikum eine Tasse Wasser auf den Boden, um zu zeigen, wie wenig verloren gehe. „Ich habe es für die Lkw-Branche gemacht.“
Seine Zahlen kannten nur eine Richtung. „Wir haben buchstäblich die großartigsten Werte.“ Mehr Menschen in Arbeit als je zuvor, die niedrigste Armut der Geschichte. Dazu passt schlecht, dass die meisten Amerikaner seine Amtsführung ablehnen, vor allem wegen der steigenden Preise für Sprit und Lebensmittel, die weithin seinen Zöllen und dem Krieg gegen den Iran angelastet werden. Sein Vortrag reichte vom Militäreinsatz in Venezuela bis zu den Rechenzentren, die in Texas den Streit über Strom und Wasser befeuern. „Diese Dinger verdienen ein Vermögen“, schwärmte er, während Anwohner einen Teil der Kosten schultern sollen.
Abends in Durant, im Saal eines Casinos, wurde aus dem Wahlkampf eine Varieté-Nummer. Er ließ Nachrichtenclips abspielen, zeigte Schaubilder über die Trefferquote seiner Empfehlungen und holte den früheren Basketballprofi Dennis Rodman nach vorn. Eine junge Mitarbeiterin aus dem Weißen Haus zog er zu sich, lobte ihr Aussehen und ihre Loyalität, blickte zu ihren Eltern und sagte: „Ich sehe, woher sie ihr gutes Aussehen hat. Ich glaube an die Rennpferd-Theorie. Schnelle Pferde, oder?“ Der mächtigste Mann des Staates, der eine Frau vor laufenden Kameras wie Zuchtvieh einordnet. (Aufnahme oben ist 2:14 Minute, etwas Geduld oder vorschieben)
Dennis Rodman auf Trumps Wahlkampfbühne: ausgerechnet der ehemalige NBA-Star, der Kim Jong Un seit Jahren persönlich kennt, ihn öffentlich als Freund bezeichnete und 2013 sogar Kims Tochter Ju Ae als Baby auf dem Arm hielt. Trump selbst sagte in Denton, Rodman kennt Kim am besten“.
Solche Auftritte hatte sich Trump lange gespart. Zwischen den Kriegen im Ausland und dem Bau eines Ballsaals im Weißen Haus schien kein Anlass mehr zu bestehen, seine Berater sahen keine Wahl, die er selbst noch zu führen hätte. Den Applaus holt er sich dennoch, als brauche er ihn wie eine Droge, und je enger es wird, desto dringender.
Am offensten wurde Trump bei einem eigenen Mann. Ken Paxton, seinen Senatskandidaten in Texas, nannte er „einen der loyalsten Menschen“ und, ganz ehrlich, „manchmal eine Nervensäge“. „Ist er überhaupt da? Ach, da ist er. Ich wusste es nicht einmal. Ist mir egal!“ In Durant legte er nach, Paxton sei „ein bisschen umstritten, nur ganz leicht“, aber „der beste“ Generalstaatsanwalt des Landes. Die Herablassung bekommt ihre Würze erst aus dem Hintergrund. Vor Kurzem war ein geleakter Mitschnitt aufgetaucht, in dem Paxton klagte, der republikanische Zwischenwahl-Parteitag vom 9. und 10. September in Dallas habe seine Werte gedrückt. „Alle Zahlen sind gefallen. Im Moment nicht gut.“ Sein Lager schimpfte die Berichterstattung als „manipulierten Unsinn“.
Trump: „Wir werden den Krieg gegen Korruption und Betrug gewinnen. (Dann sollte er zurücktreten – Anmerkung der Redaktion)
Diese Leute kamen aus Somalia. Sie haben Milliarden gestohlen. Sie haben uns ausgeraubt, als wären wir ein Haufen Narren. Sie haben unser Land bis aufs Letzte ausgeplündert.“
Gebraucht wird er dennoch. Trumps Komitee MAGA Inc. hat bereits 20 Millionen Dollar in Paxton gesteckt, ein weiteres, der Senatsführung nahestehendes Komitee will mindestens 100 Millionen folgen lassen, während Parteifreunde wie Senator John Cornyn dem skandalumwitterten Mann die Hilfe verweigern. Im Umfragedurchschnitt liegt Paxton hinter dem Demokraten James Talarico, 45 zu 48 Prozent, das Rennen gilt als offen. Um die privaten Spitzen zu übertünchen, spielte Trump in Durant den Clip eines rechten Senders ab, in dem zwei Anhänger erklärten, Paxtons Worte seien ihnen gleichgültig, und holte die beiden als „Prachtkerle“ nach vorn. Man dürfe ihnen ruhig einen Kuss geben, fügte er hinzu, angezogen fühle er sich natürlich nicht.
„Die zwei Typen, die hier hochgekommen sind, denen wollte ich einen dicken Kuss geben. Ich fühle mich körperlich überhaupt nicht zu ihnen hingezogen, obwohl sie sehr gut aussehende Männer sind„
Für den Rest seiner Empfehlungen reichte die Begeisterung nicht bis in die eigenen Reihen. Mike Mazzei, sein Kandidat für das Gouverneursamt Oklahomas, bekam von Besuchern Prädikate wie „ein bisschen albern“ und „irgendwie zwielichtig“, getragen allein vom Satz: „Wenn Trump ihm traut, muss ich ihm trauen.“ Mazzei selbst war zuvor zu Trumps Rindfleisch-Importen auf Distanz gegangen. Den Einzug des Mannes in die Stichwahl nahm Trump dennoch für sich in Anspruch, der habe „22 Punkte zurückgelegen“ und am Ende gewonnen. Für den freien Senatssitz Oklahomas warb er für den Abgeordneten Kevin Hern, gegen die von ihm als „Sozialistin“ verunglimpfte Demokratin N’Kiyla Jasmine Thomas. 4 Kongressbewerber segnete er namentlich ab. Die Abgeordnete Stephanie Bice ließ er aus, deren Bezirk als gefährdet gilt und von der ebenfalls Mitschnitte kursieren, mit Kritik am Krieg gegen den Iran und Spott über die „Trump-Müdigkeit“.
Zwischendurch streute Trump Lokales ein. Für eine geplante Aluminiumhütte im Ort Inola, gegen die es vor Ort Umweltbedenken gibt, versprach er ein Vermögen an Arbeitsplätzen und schob gegen Kanada nach, das die USA „seit Jahren ausnimmt“. Er grüßte den Ölmagnaten Harold Hamm und das auswärtige Komitee Club for Growth, das im Vorwahlkampf gegen Mazzeis Rivalen Gentner Drummond Geld in Anzeigen gepumpt hatte. „Wo zum Teufel ist Byrd?“, rief er nach seiner Kandidatin fürs Finanzressort. „Sie ist fantastisch.“ So klein darf Politik werden, wenn das große Thema fehlt.

Die härtesten Töne überließ Trump seinem Heimatschutzminister. Markwayne Mullin, früher Senator aus Oklahoma, raunte der überwiegend weißen Menge zu, die Demokraten wollten das Land zerstören, indem sie Einwanderer hereinließen. Sie müssten „Chaos schaffen“ und „die Demografie verändern“. „So landet man in einem kommunistischen Land.“ Gefeiert wurde das mit „USA, USA, USA“. Dass die Abschiebemaschinerie dieser Regierung tödlich geworden ist, kam im Saal nicht vor. Beamte der Einwanderungsbehörde haben im ganzen Land Menschen erschossen, aus den Lagern dringen Berichte über unmenschliche Zustände. Die Wähler sehen es trotzdem. In einer Umfrage lehnten die meisten wahrscheinlichen Wähler Trumps Einwanderungspolitik ab, unter den Unabhängigen 64 Prozent, 52 Prozent trauen den Demokraten in der Frage mehr zu.
Seinen Besuch verkaufte Trump als Dank an Oklahoma, das ihn in allen 77 Bezirken dreimal hintereinander gewählt habe. Gastgeber war die Choctaw Nation, ein großer Spender der Republikaner, die den Saal nach eigener Auskunft nur vermietete. Draußen stand Elisa Standridge, Bürgerin der Choctaw. „Er ist bereits wegen schwerer Verbrechen verurteilt und wird wegen weiterer untersucht“, sagte sie. „Wir sind rot vor Wut, nicht vor Republikanern.“
Die Wirklichkeit draußen blieb hinter den Worten zurück. Trump behauptete, 20.000 weitere Menschen warteten auf Einlass, eine Übertreibung von der Art, die ihm zur Gewohnheit geworden ist. Der Saal mit Platz für 4.900 war voll, Zehntausende standen davor nicht. Drinnen hatten manche neun Stunden auf den Beinen verbracht, eine Besucherin nannte den Abend unorganisiert und enttäuschend. Ein anderer sagte, alles, was Trump sage, sei ehrlich, er habe es geliebt. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der ganze Abend.

Im Publikum stand Teri Tulane, 60, pensionierte Lehrerin, seit dem frühen Morgen im Regen. Sie zahle mehr fürs Rindfleisch, freue sich aber über billigere Eier, und beim Iran wünsche sie sich weniger Rücksicht. „Macht sie platt.“ Genau diese Stimmung bediente Trump, rühmte das Ende der Steuer auf Trinkgeld und Überstunden und verkaufte Zölle und Krieg als Gewinn für kommende Jahre.
Für das Militär lobte er sich selbst, es habe „dem Iran die Hölle heiß gemacht“, der Krieg sei bald vorbei. Die 1.776 Dollar, die er Soldaten als Scheck zukommen ließ, kosteten rund 2,6 Milliarden und stammten aus Mitteln für deren Unterkünfte. „Ich lasse die Leute nie im Stich. Ich liefere immer.“ Von der alten Regierung sprach er wie von einem Loch, in das man nie zurückkehre, an der Grenze sei aus der schwächsten die stärkste geworden.

Am Freitag ging die Reise weiter, nach Mobile in Alabama, zum ersten Mal seit 2016 und dorthin, wo vor über einem Jahrzehnt seine erste Massenkundgebung stattfand. Rund 30.000 Menschen sollen damals in ein College-Footballstadion gekommen sein, der Beweis, dass aus dem Promi-Bewerber ein ernster Kandidat werden konnte. Den Grund für die Rückkehr nannte Trump beim Abflug selbst. „Man muss diesen Staaten danken, die zu 1.000 Prozent hinter einem stehen“, sagte er. „Ich gehe dorthin, weil sie mich sehen wollen.“ Ein Präsident, der nur noch reist, wo er geliebt wird, hat die Hälfte des Landes schon abgeschrieben. An Bord der Air Force One saß die rechte Aktivistin Laura Loomer.
Trump, Harp und Loomer steigen in Marine One ein. Laura Loomer, eine Frau, die offen Verschwörungstheorien über 9/11 verbreitet, George Soros mit antisemitischen Klischees überzieht und Kamala Harris rassistisch attackiert, ist zu einer der mächtigsten Frauen Amerikas aufgestiegen – nicht durch Wahlen, nicht durch Kompetenz, sondern durch die perfekte Fusion von Fanatismus, Erpressung und digitaler Gewalt. Sie geht im Weißen Haus und im Pentagon ein und aus. Die Demokratie stirbt nicht unter Kanonendonner, sondern unter dem Geklacker von Smartphone-Tastaturen. Im Zentrum dieses Mahlstroms sitzt Laura Loomer, die gescheiterte Journalistin aus Westchester, deren Rassismus so unverhohlen ist, dass selbst ihre Anhänger manchmal erschrecken.
Trump: „Eine großartige republikanische Strategin, ein großartiger Mensch, eine Killerin. Wenn sie wütend auf dich ist, ist das eine sehr schlimme Situation. Laura Loomer. Danke. Sie ist großartig.“
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Die Rechnung mit der Menge ging auch hier nicht auf. Das Mitchell Center der University of South Alabama fasst etwa 10.000 Menschen, gezählt wurden rund 4.500, oben blieben Reihen leer. Während das Publikum wartete, lief ausgerechnet „Time to Say Goodbye“, ein Abschiedslied, bevor „God Bless the USA“ ihn schließlich nach vorn rief. Dass dieser Mann, der sich an großen Zahlen berauscht, in einer Hochburg eine halb volle Halle bespielt, verrät mehr über seine entzauberte Zugkraft als jedes Wahlkampfvideo.
An jeder Auffahrt, an jeder Brücke zwischen Sherman, Oklahoma und Durant standen Highway-Patrol-Beamte bereit, als zöge kein Politiker durch die Region, sondern ein Staatsakt auf Rädern. Selbst der Regen hielt die Anhänger nicht fern. Der volle Parkplatz wurde zur Falle jener politischen Verehrung, in der Absperrungen, Eskorte und Lügen längst zum Bestandteil der Inszenierung gehören.

Während sich in Alabama sich die MAGA-Jünger versammelten, um Trump zuzujubeln, protestierten in Mobile die Gegener von Trump: „Ihre Zeit geht zu Ende.“
Vor der Tür standen Hunderte, mindestens 300 Studenten und Demonstranten. Der frühere Senator Doug Jones hielt zur selben Stunde eine eigene Kundgebung in der Stadt. Drei Studenten der Universität wurden festgenommen, weil sie online Drohungen gegen Trump ausgesprochen haben sollen. Ein 22-Jähriger nannte den Auftritt einen „letzten verzweifelten Versuch“, die Moral der republikanischen Wähler zu heben.

Zwei Busse mit Polizisten in kompletter Einsatzausrüstung waren auf dem Campus der University of South Alabama eingetroffen. Noch bevor Donald Trump dort erschien, hatte sich der Staat auf Protest eingestellt. Wer für einen Wahlkampfauftritt derart aufrüsten musste, lieferte das Bild gleich mit: politische Inszenierung hinter Polizeiketten.
Drinnen hing die Treue an Sätzen, die ihre eigene Logik verrieten. Ein 27-Jähriger aus Huntsville sagte, höhere Preise störten ihn nicht, solange seine Kinder sicher seien und der Iran keine Atombombe bekomme. Ein 73-Jähriger von den „Bikers for Trump“ sagte es noch offener. „Wir diktieren ihm nichts und ziehen ihn nicht zur Rechenschaft, selbst wenn etwas schiefläuft.“ Treue ohne jede Rechenschaft, genau darauf baut dieser Präsident. Selbst unter den Getreuen nagte der Preis. Ein 64-Jähriger aus Citronelle berichtete von Freunden, die der Rekordpreis für Diesel hart treffe. „Sie lieben Donald Trump. Sie wollen nur, dass der Dieselpreis sinkt.“ Trump müsse ein wenig nervös gewesen sein, meinte er, sonst käme er kaum dorthin, wo man ihn ohnehin noch sehen will.
Trump: „Das brandneue Brückenprojekt, das Mobile mit der Eastern Shore verbindet … Vielleicht benennen sie die verdammte Brücke nach mir. Dann sage ich: Habt so viele Kostenüberschreitungen, wie ihr wollt. Macht sie einfach, macht sie zur großartigsten Brücke der Welt.“
Die Wahl des Ortes ist ihr eigenes Geständnis. Eine Tournee, die in den tiefroten und kaum umkämpften Staaten beginnt und die engen Rennen in Ohio und Texas aufschiebt, sucht keine Stimmen. Sie sucht Applaus. Die Zahlen stützen den Verdacht. In einer Umfrage dieser Woche billigten nur rund 3 von 10 erwachsenen Amerikanern seine Amtsführung, die Mehrheit gibt ihm die Schuld an den steigenden Preisen. Die Sorge um Kosten und Benzin wischt er beiseite, während sein unpopulärer Krieg gegen den Iran sich hinzieht.
In der Halle besorgte der Abgeordnete Barry Moore, der auf Tubervilles Senatssitz zielt, die Liturgie. Er fragte, wer schon 2015 dabei gewesen sei. „Steht ihr heute noch zu ihm? Lasst ihn wissen, dass wir ihn lieben, dass wir ihn brauchen, dass wir ihn nicht im Stich lassen.“ Worum es wirklich geht, zeigt die Landkarte. Mobile grenzt an den 2. Kongresswahlbezirk Alabamas, in dem der demokratische Abgeordnete Shomari Figures einen von Trump unterstützten Herausforderer abwehrt. Die Grenzen des Bezirks wurden röter gezogen, Teil eines größeren Versuchs, das Repräsentantenhaus zu halten. Möglich machte das ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus diesem Jahr, das den Schutz des Wahlrechtsgesetzes schwer beschädigte. Figures war 2024 gewählt worden und hatte Alabama zum ersten Mal in seiner Geschichte zwei schwarze Abgeordnete beschert.
Trump fantasiert während einer Tirade darüber, „die Schwulen“ nach Palästina zu schicken. „Ich will nicht einmal sagen, was sie dort mit ihnen machen. Schicken wir sie hin.“
Die Namen wechseln, das Prinzip bleibt. Tommy Tuberville will Gouverneur werden und tritt gegen Doug Jones an, Moore möchte in den Senat nachrücken. Jenseits der Bucht hofft Floridas Panhandle auf Rückenwind, etwa für den Abgeordneten Byron Donalds, der ebenfalls nach dem Gouverneursamt greift. Der frisch bewilligte Bau einer Brücke über den Mobile River, mit 3,2 Milliarden Dollar das größte Verkehrsprojekt der Landesgeschichte, soll nach Moores Vorschlag „Donald-J.-Trump-Brücke“ heißen. Die Huldigung steht, bevor der Beton trocken ist.
Tuberville: „Könnt ihr euch vorstellen, euer Kind kommt eines Tages nach Hause und sagt: ‚Ich nehme diese Medikamente. Und ich bereite mich auf eine Operation vor, weil meine Lehrer und mein Schulleiter sagen, dass ich das darf.‘“
Bis zum 3. November will Trump 35 Orte abklappern, fast täglich, wie seine Stabschefin Susie Wiles den Senatoren der Partei ankündigte, als Nächstes Grand Island in Nebraska.
Das musste er noch einmal in Alabama loswerden: Trump: „Der Typ in Texas, der Veganer ist, aber jetzt Fleisch frisst wie ein Schwein. Er ist Veganer. Er trägt eine Maske. Er mag Salat. Gib ihm ein kleines Stück Salat und er ist glücklich. Der kleine Kerl.“ Gemeint war der demokratische Senatskandidat James Talarico aus Texas.
Was von diesen Tagen bleibt, ist ein Mann, der durch die sichersten Staaten zieht, weil die unsicheren ihm nicht mehr zuhören. Er verspricht Geld, das der Haushalt nicht hat. Er zählt Menschenmengen, die nicht da sind. Und er wirbt um einen Sieg für jemanden, der gar nicht auf dem Zettel steht. Hinter dem Jubel steht ein einziger nüchterner Satz, den er selbst ausgesprochen hat. Verlieren sie, setzen sie ihn ab. Alles andere an dieser Reise war Lautstärke gegen diese eine Angst.
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