Im Pentagon wird gebetet – für Gewalt gegen alle, die keine Gnade verdienen

VonRainer Hofmann

März 26, 2026

Pete Hegseth leitet das amerikanische Verteidigungsministerium. Er tut das mit seiner Bibel in der Hand und seinem Gebet auf den Lippen, das man nicht einfach als Frömmigkeit abtun kann.

Am Mittwoch hielt Hegseth seinen ersten monatlichen christlichen Gottesdienst im Pentagon seit Beginn des Irankriegs. Zivile Mitarbeiter und Militärangehörige saßen zusammen, der Gottesdienst wurde live übertragen. Hegseth betete, jede Kugel möge ihr Ziel finden – „gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation.“ Und dann der Satz, der bleibt: „überwältigende Gewalt gegen jene, die keine Gnade verdienen.“

Pete Hegseth – Ex-Fox-Moderator, Fanatiker, selbsternannter Kriegsminister. Was er als Religion bezeichnet, hat mit Religion nichts zu tun. Es ist ihr Missbrauch. Und die Welt schaut zu.

Er sagte, das Gebet stamme ursprünglich von einem Militärkaplan – gesprochen für die Truppen, die den damaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen nahmen. Hegseth fand es passend, es erneut zu sprechen. Im Pentagon. Vor Bundesangestellten. Im Namen Jesu Christi.

Das ist nicht die Sprache eines Verteidigungsministers. Das ist die Sprache eines Kreuzzugs. Hegseth nennt sich Kriegsminister – ein Titel, den ihm kein Kongress je zugestanden hat.

Hegseth gehört der Communion of Reformed Evangelical Churches an, einem konservativen Netzwerk, das vom selbsternannten christlichen Nationalisten Doug Wilson mitgegründet wurde. Wilson predigte im Februar im Pentagon. CREC-Pastoren sind bei Hegseths Gottesdiensten mindestens dreimal aufgetreten. Sein Gemeindepastor Brooks Potteiger – derselbe, der öffentlich den Tod eines demokratischen Politikers begrüßte – wird demnächst nach Washington ziehen, um dort eine neue CREC-Gemeinde zu leiten, die Hegseth besucht.

Siehe unseren Artikel: „Ich bete, dass Gott ihn tötet.“ – „Richtig. Wir wollen, dass er mit Christus gekreuzigt wird“

In einem Land ohne Staatsreligion stelle sich hier die Frage, was es bedeute, wenn ein Verteidigungsminister nicht allgemein religiös sei, sondern sehr spezifisch – und zwar in einer ganz bestimmten Form des protestantischen Christentums. Die Antwort darauf gibt Hegseth selbst. Er sagt, er höre viel von der „Freiheit-von-Religion-Fraktion“. Sie hasse das. „Die Linke kreischt, was bedeutet, dass wir genau über dem Ziel sind.“ Ein Satz, der in einem anderen Kontext als Einschüchterung bezeichnet würde.

Americans United for Separation of Church and State hat am Montag Klage eingereicht. Die Gruppe will interne Kommunikation über die Gottesdienste, deren Kosten, Gäste und eventuelle Beschwerden von Mitarbeitern einsehen. Sie argumentiert, dass auch wenn die Teilnahme freiwillig sei, der Druck auf Bundesangestellte real sei – weil der Mann, der betet, auch derjenige ist, der über ihre Karriere entscheidet.

Parallel dazu hat Hegseth angekündigt, das Militärseelsorgesystem umzubauen. Weniger therapeutische Seelsorge, mehr Gottesdienst. Die Anzahl der anerkannten Religionszugehörigkeiten wurde von über 200 auf 31 reduziert. Atheisten, Agnostiker, Wicca-Anhänger – gestrichen. Wer nicht ins Bild passt, passt eben nicht rein.

Man sitzt mit all dem und fragt sich, wie weit das noch geht. Ein Verteidigungsminister, der Kreuzzüge verteidigt, dessen Pastor den Tod politischer Gegner begrüßt, der im Pentagon für Gewalt betet und gleichzeitig die religiöse Vielfalt seiner eigenen Truppen ignoriert – fast 30 Prozent der amerikanischen Soldaten sind keine Christen.

Hegseth sagte selbst, er veranstalte die Gottesdienste, weil er sie brauche. „Mehr als irgendjemand sonst.“ Vielleicht ist das der ehrlichste Satz, den er je gesagt hat. Aber was jemand braucht und was er mit der Macht eines Ministeriums durchsetzen darf – das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Und diese Grenze hat er längst überschritten. In allen Religionen dieser Welt, egal welcher, wäre man sich wohl in einem einig: Pete Hegseth – was für eine arme Seele.

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Andreas Henning
16 Tage vor

Das hatten wir schon jahrhundertelang, es ist nie gut ausgegangen, und zudem, es ist die selbe Art, nur mit anderem Namen der ausgesprochen wird, und vom Oberhaupt der christlichen Kirche sogar geächtet, nur gerade frage ich mich, wo sind eigentlich die derzeitigen evangelischen Würdenträger, warum hört man von denen nichts, da der Name Gottes und Christi verunglimpft wird.

barbara pier
barbara pier
15 Tage vor

Ich bin iinzwischen soweit, dass ich mir die Videos nicht ansehen mag, es ist einfach zu gräßlich. Meine Hochachtung, dass ihr das aushaltet und damit eine tolle Arbeit macht. Die Texte lese ich!

Ela Gatto
15 Tage vor

„Er braucht die Gottesdienste, mehr als jemand Anderes“
Was Hegseth braucht ist eine geschlossene Psychiatrie.

Kreuzzüge… im Namen Gottes und Jesus.
Das endete sehr düster.

Es gibt keinen großen Unterschied mehr zwischen der Evangelikalen Sekte und dem Mullah oder Taliban Regime.
Nicht mal mehr zur IS.

Wer nicht für „uns“ ist, ist automatisch dagegen.
Dagegen sein heißt, dass man ein Feind ist, den man bekämpfen muss.

Ich dachte immer die Sekte Scientology, Zeigen Jehovas, die Amish oder die Moon Sekte wären schlimm.

Aber die Evangelikalen sind, dank Trump und der Heritage Foundation, noch schlimmer.
Omnipresent und in allen Schlüsselpositionen inklusive Fernsehauftritten verteten.

Neben all dem Irrsinn von Trump und seiner Entourage der gefährlichste Punkt.
Denn Glauben geht bis zu den Pilgrims und Puritanern zurück.
Das ist fest in der US Gesellschaft verankert.
Und je mehr der Glaube über die Politik gestellt wird, desto weniger wird widersprochen.

Dank Hegseth wird es wieder mehr Soldaten mit schwerer PTBS geben.
Statt Seelsorge Gottesdienst.

Der selbsternannte Kriegsminister hat gesprochen.

Ich warte auf den Tag, an dem er mit nacktem Oberkörper, die US Fahne mit der Kreuzritterfahne schwingt, und den Heiligen Krieg ausruft.😞

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