Die Gespräche laufen, aber sie kommen nicht voran. Während Washington auf Bewegung drängt, zerfällt in Teheran das, was noch vor wenigen Wochen wie Geschlossenheit wirkte. Im Krieg funktionierte die Kontrolle, die Botschaften waren abgestimmt, die Führung geschlossen. Jetzt, wo es um Zugeständnisse geht, bricht diese Ordnung auf. In der ersten Gesprächsrunde Anfang April wurde das sichtbar. Iranische Vertreter blieben unkonkret, sobald es um Details ging. Dinge, die zuvor als verhandelbar galten, wurden nicht ausgeführt. Für die Vermittler war schnell klar, dass nicht nur mit den USA verhandelt wird, sondern gleichzeitig ein Konflikt im eigenen System läuft.
Im Zentrum steht ein offener Machtkampf. Auf der einen Seite Kräfte rund um die Revolutionsgarden, die jede Form von Nachgeben ablehnen. Auf der anderen Seite Politiker, die wissen, dass die wirtschaftliche Lage kaum noch Spielraum lässt. Der Druck kommt von außen und gleichzeitig von innen. Genau das macht jede Verhandlung unberechenbar. Wer am Tisch sitzt, spricht nicht für eine geschlossene Linie.
Die zweite Gesprächsrunde hängt bereits in der Luft. Offiziell soll es weitergehen, doch selbst einfache Bestätigungen fehlen. Karoline Leavitt spricht von geplanten Treffen in Islamabad mit Steve Witkoff und Jared Kushner. JD Vance steht bereit, falls Bewegung entsteht. Gleichzeitig reist Abbas Araghchi nach Pakistan, doch iranische Staatsmedien bestreiten, dass es überhaupt Gespräche mit den USA geben soll. Tasnim erklärt offen, es gebe im Moment praktisch keine Verhandlungen mit den Amerikanern. Zwei Darstellungen, die nicht zusammenpassen.

Innerhalb Irans wird der Ton schärfer. Mohammad Bagher Ghalibaf, einer der zentralen Verhandler, gerät zunehmend unter Druck. Mahmoud Nabavian greift ihn öffentlich an und spricht von einem strategischen Fehler, weil das Atomprogramm überhaupt zur Sprache kam. Gleichzeitig steht Ahmad Vahidi für eine Linie, die Zugeständnisse verhindern soll. Wer verhandelt, wird angegriffen. Der Konflikt bleibt nicht intern, er wird offen geführt.

Mahmoud Nabavian ist stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik im iranischen Parlament und damit in einem zentralen Gremium für Außenpolitik und Atomfragen. Er gehört zum ultrakonservativen Lager und steht politisch den Revolutionsgarden nahe. In den aktuellen Gesprächen tritt er als scharfer Kritiker von Zugeständnissen auf und übt öffentlich Druck auf die Verhandler aus.
Dabei ging es in Pakistan bereits bis an die Grenze dessen, was möglich ist. Gespräche zogen sich bis tief in die Nacht. Zwischenzeitlich griff Jared Kushner zum Telefon und sprach mit Donald Trump und Marco Rubio. Als er zurückkam, lag eine Forderung auf dem Tisch, die kaum Spielraum ließ. Ein zwanzigjähriger Stopp der Urananreicherung. Kurz darauf brachen die Gespräche ab.
Nach außen versuchen die Verantwortlichen, Geschlossenheit zu zeigen. Masoud Pezeshkian, Araghchi und Ghalibaf sprechen nahezu identisch und weisen jede Spaltung zurück. „Es gibt keine Extremisten oder Moderaten, wir sind alle revolutionär“, sagt Ghalibaf. Doch diese Aussagen wirken wie eine Reaktion auf Druck, nicht wie Ausdruck von Einigkeit.
Das eigentliche Problem liegt tiefer. Es fehlt die Instanz, die am Ende entscheidet. Mojtaba Khamenei ist seit Beginn seiner Amtszeit kaum präsent. Weder klare Auftritte noch erkennbare Führung. In diplomatischen Kreisen wird davon ausgegangen, dass er abgeschirmt ist und nicht frei agieren kann. Damit fehlt die Figur, die in früheren Krisen Entscheidungen erzwungen hat. 1988 beendete Ruhollah Khomeini den Krieg gegen den Irak trotz massiver Widerstände und sprach davon, einen giftigen Kelch zu trinken. Heute gibt es niemanden, der diese Entscheidung trägt.
Während oben gestritten wird, laufen die Gespräche in Islamabad weiter. Shehbaz Sharif trifft sich mit Araghchi im Amtssitz des Premierministers, gemeinsam mit Ishaq Dar und Asim Munir. Offiziell geht es um die aktuelle Lage in der Region, tatsächlich um die Frage, ob eine neue Gesprächsrunde mit den USA überhaupt zustande kommt. Araghchi erklärt, dass Iran die Vermittlung durch Pakistan weiter verfolgt und diesen Weg fortsetzt, bis ein Ergebnis erreicht ist.
Gleichzeitig zeigt sich, wie stark der Krieg das Land getroffen hat. Präsident Masoud Pezeshkian ruft die Bevölkerung auf, Strom zu sparen, nachdem Angriffe die Energieversorgung beschädigt haben. Weniger Licht, weniger Verbrauch, weil die Infrastruktur nicht stabil ist. Während innen gespart wird, öffnet sich außen vorsichtig wieder etwas. Am Imam-Khomeini-Flughafen in Teheran starten erstmals seit Wochen wieder zivile Flüge, unter anderem nach Istanbul, Maskat und Medina. Der Luftraum wird schrittweise geöffnet, während politisch weiter Stillstand herrscht.
Für Washington wird damit klar, dass der schwierigste Teil nicht am Verhandlungstisch sitzt, sondern in Teheran selbst. Solange dort niemand das letzte Wort spricht, bleibt jede Einigung eine Möglichkeit, aber keine Entscheidung.
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Eine Verhandlungsbasis zu finden, wenn es keine offiziell befugten Verhandler gibt, ist unendlich schwer.
Iran ist uneins.
Wer weiß ob Chameni noch lebt bzw geistig in der Lage ist Entscheidungen zu treffen.
Aber so ist die Regierungsstruktur im Iran aufgebaut.
Ein oberster Führer trifft die finale Entscheidung.
Nur wenn da Keiner ist …
Und auf US Seite die 2 nicht diplomatisch versierten „Dealmaker“ von Trump, die bisher nirgends einen echten Frieden ausgehandelt haben.
Keine guten Aussichten.
Es betrifft nicht nur Iran und die USA.
Nicht nur den Namen Osten.
Es betrifft die ganze Welt