In Nuuk wurden am Donnerstag nicht einfach nur neue Büroräume eröffnet. Die amerikanische Regierung präsentierte ein sichtbares Zeichen für ihre wachsenden Ambitionen in Grönland. Vor dem Gebäude spielte sich gleichzeitig eine andere Szene ab. Hunderte Menschen zogen durch die Straßen der Hauptstadt, schwenkten grönländische Flaggen und machten deutlich, dass sie diese Entwicklung nicht begrüßen.
„Wir wollen euer Geld nicht“ stand auf einigen Schildern. Andere trugen die Aufschrift: „Grönländer erkennen ein MAGA-Trojanisches Pferd, wenn sie eines sehen.“
Während Gäste innerhalb des neuen Konsulats Moschusochsen-Hotdogs, kleine Lamm-Burger, Hähnchen und weitere Speisen serviert bekamen, riefen Demonstranten draußen immer wieder: „Geht weg.“ Die Bilder zeigen einen Konflikt, der längst größer geworden ist als die Eröffnung eines Gebäudes. Im Zentrum steht Donald Trumps langjährige Aufmerksamkeit für Grönland. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte die Idee eines stärkeren amerikanischen Einflusses auf der Insel internationale Schlagzeilen ausgelöst. Inzwischen verfolgt Washington eine deutlich sichtbarere Strategie. Das bisherige amerikanische Konsulat in Nuuk arbeitete aus einem kleinen roten Haus am Rand der Stadt. Nun zieht die diplomatische Vertretung in ein modernes Gebäude mit rund 2800 Quadratmetern Fläche an einer der belebtesten Straßen der Hauptstadt.
Die Botschaft ist deutlich sichtbar. Die Vereinigten Staaten wollen ihre Präsenz ausbauen.
Nur scheint diese Begeisterung auf grönländischer Seite begrenzt zu sein.
Aqqalukkuluk Fontain, einer der Organisatoren der Proteste, bezeichnete die jüngsten amerikanischen Aktivitäten als bemerkenswert unsensibel. Nach seiner Ansicht versuche Washington politische Wellen zu erzeugen, doch die Menschen würden sich davon nicht überzeugen lassen. Nur wenige Tage zuvor hatte Donald Trumps Sondergesandter für Grönland, Jeff Landry aus Louisiana, Nuuk besucht. Dabei verteilte er rote MAGA-Kappen und Schokoladenkekse an Passanten. Begeisterung löste die Aktion nicht aus. Vertreter Grönlands reagierten kritisch.

Parallel dazu laufen in Washington vertrauliche Gespräche über eine deutlich größere amerikanische Rolle bei wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen auf der Insel. Donald Trump hat seine früheren Aussagen über eine mögliche gewaltsame Übernahme Grönlands zwar zurückgenommen, amerikanische Vertreter betonen jedoch weiterhin das große Interesse an der arktischen Region.
Dieses Interesse hat mehrere Gründe.
Mit dem Klimawandel verändert sich die Arktis. Eisflächen gehen zurück, Schifffahrtsrouten werden leichter zugänglich und bisher schwer erreichbare Regionen gewinnen wirtschaftlich und militärisch an Bedeutung. Auch das amerikanische Militär baut seine Aktivitäten aus. Während des Zweiten Weltkriegs und später im Kalten Krieg waren tausende amerikanische Soldaten auf Grönland stationiert. Die meisten dieser Stützpunkte wurden später geschlossen. Jetzt richtet sich der Blick erneut auf frühere Standorte. Amerikanische Vertreter haben in den vergangenen Wochen ältere Basen besucht und prüfen offenbar Möglichkeiten für eine stärkere Nutzung.

Im Inneren des neuen Konsulats sprach Konsulin Susan A. Wilson über die Bedeutung menschlicher Beziehungen. Der amerikanische Botschafter in Dänemark, Ken Howery, erklärte, die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Grönland solle weiter wachsen.
Draußen entstand ein anderes Bild.
Für zwei Minuten drehten Demonstranten dem Gebäude den Rücken zu und schwiegen. Danach begannen erneut die Rufe gegen die amerikanische Präsenz. Nivi Christensen, Museumsleiterin in Nuuk, machte auf ein Detail aufmerksam, das für sie Fragen aufwarf. Andere Konsulate würden ihre Rolle offen zeigen und große Flaggen präsentieren. Hier wirke vieles zurückhaltender. Auf sie mache das einen merkwürdigen Eindruck. Zwischen den Erklärungen im Inneren und den Rufen auf den Straßen liegt inzwischen eine erkennbare Distanz. Washington spricht über Partnerschaft. Viele Menschen in Nuuk sprechen über Misstrauen. Und in Grönland entsteht zunehmend der Eindruck, dass eine neue amerikanische Annäherung nicht automatisch bedeutet, dass sie willkommen ist.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Die Menschen tun gut daran, den USA zu Misstrauen.
Trump und seiner Entourage kann man nicht trauen.
Zusagen? Nur so lange sie Trump passen.
Das gilt auch für Verträge.
Leider sind Grönland und Dänemark aufgrund dieses unsäglichen Vertrages zwischen Dänemark und den USA stark die Hände gebunden.
Man kann nur hoffen, dass die Grönländer stand Haftungs bleiben und sich zuverlässigere Partner suchen.
Wie Kanada etc.
…ja, die lassen sich nichts mehr gefallen und das ist gut so