Washington D.C. – Tulsi Gabbard hat am Freitag ihren Rücktritt als Direktorin des Nationalen Geheimdienstes eingereicht. Ihr letzter Arbeitstag wird der 30. Juni sein. In ihrem Brief an Donald Trump schreibt sie, ihr Mann Abraham Williams sei kürzlich mit einer äußerst seltenen Form von Knochenkrebs diagnostiziert worden. Sie müsse den öffentlichen Dienst verlassen, um an seiner Seite zu sein und ihn durch diesen Kampf zu unterstützen. Es ist ein persönlicher Grund, und er verdient Respekt. Was er nicht verändert, ist das Bild einer Amtszeit, die anders verlief als erwartet – von allen Seiten.

Gabbard war im Februar 2025 vom Senat bestätigt worden, um die 18 amerikanischen Geheimdienstbehörden zu leiten. Sie brachte einen Ruf mit, der sie in Washington zu einer ungewöhnlichen Figur machte: ehemalige demokratische Kongressabgeordnete aus Hawaii, Veteranin des Irakkriegs, langjährige Kritikerin amerikanischer Auslandseinsätze, die Trump während seiner ersten Amtszeit öffentlich vorgeworfen hatte, sich Neokonservativen zu beugen. 2024 unterstützte sie seine Kandidatur, wurde zu einer beliebten Figur in seiner Bewegung und erhielt den wohl einflussreichsten Geheimdienstposten des Landes.
Was dann folgte, war kein Aufstieg. Es war eine langsame, fast lautlose Marginalisierung.
Als Trumps Sicherheitsteam Ende letzten Jahres die letzten Vorbereitungen für die Operation traf, den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro festzunehmen, war Gabbard nicht dabei. Sie war in Hawaii, postete Fotos von sich am Strand und wusste nichts von den Details der Operation. Als der Iran-Krieg im Februar dieses Jahres begann, war sie nicht Teil der entscheidenden Gespräche. Sie wich öffentlich von den Aussagen der Regierung ab, sagte, die USA und Israel hätten unterschiedliche Ziele in diesem Krieg, und erklärte, Teheran habe seit den amerikanischen Angriffen auf drei Atomanlagen im vergangenen Jahr keine Bemühungen unternommen, sein Nuklearprogramm wiederaufzubauen. Das war nicht die Linie des Weißen Hauses. Für wichtige Geheimdienstkonsultationen wandte Trump sich stattdessen an CIA-Direktor John Ratcliffe.

Stattdessen wurde Gabbard für eine andere Aufgabe eingesetzt. Auf Trumps Betreiben hin verbrachte sie die vergangenen Monate damit, Theorien über Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020 nachzugehen – einer Wahl, bei der Audits und Neuauszählungen in zahlreichen Bundesstaaten keinen Beweis für weitreichende Manipulation oder Betrug gefunden haben. Sie erschien persönlich in einem Wahlzentrum im Fulton County in Georgia, wo FBI-Agenten Wahlmaschinen beschlagnahmt hatten. Es war ein Bild, das viel über ihre Rolle sagte – nicht Chefin von 18 Geheimdiensten, sondern Werkzeug für politische Aufträge, die mit Geheimdiensten wenig zu tun hatten.
In ihrer Amtszeit hatte Gabbard das Büro des Nationalen Geheimdienstdirektors durch Stellenkürzungen und Umstrukturierungen umgebaut, einen Fokus auf Grenzsicherheit und Terrorismusbekämpfung gelegt und unter dem Namen „ODNI 2.0“ eine umfassende Überholung der Behörde eingeleitet. Sie versuchte, Lecks zu stoppen und zu untersuchen, was sie als politische Vereinnahmung der Geheimdienste bezeichnete. Kritiker sagten, ihre Veränderungen hätten die Behörden geschwächt. Ihr enger Verbündeter Joe Kent, der als oberster Antiterrorismus-Beamter der USA fungierte, trat im März zurück – aus Bedenken gegenüber dem Irankrieg.
Gabbards Abgang ist bereits der vierte hochrangige Kabinettsabgang in diesem Jahr. Vor ihr verließen Heimatschutzministerin Kristi Noem, Justizministerin Pam Bondi, Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer und mehrere leitende Beamte im Gesundheits- und Sicherheitsbereich ihre Positionen, darunter Marty Makary, der die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA geleitet hatte. Gabbard schreibt, sie wolle bis zu ihrem letzten Tag sicherstellen, dass es keine Unterbrechung in Führung oder Dynamik gebe.
Ihr Abgang kommt in einem Moment, in dem Trump erwägt, neue Angriffe auf Iran zu starten, falls die laufenden Verhandlungen keine Einigung über Teherans Atomprogramm bringen oder zumindest den Waffenstillstand verlängern. Gabbard war an diesen Überlegungen nicht beteiligt. Sie war an den Überlegungen davor nicht beteiligt. Sie verwaltete eine Behörde, während die Entscheidungen anderswo fielen.

Es gibt einen Satz in ihrem Rücktrittsbrief, der mehr sagt als er sagen will. Sie schreibt, sie trete zurück, um ihren Mann zu unterstützen. Das ist wahr, und es ist menschlich, und es verdient keine Skepsis. Aber es ist auch der einzige Satz in diesem Brief, der einen Grund nennt, der größer ist als das Amt. Für alles andere – die Übergänge, die Stabilität, das Weitermachen – reichen ein paar höfliche Zeilen. Als wäre da nicht viel zu übergeben. Als wäre das Amt schon längst woanders gewesen.
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