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Fünf bewaffnete Beamte gegen ein Katzenkonto, und am Ende steht der Satz, der die Regierung entlarvt

VonRainer Hofmann

19. Juli 2026

Man stelle sich den Aufwand vor. Ein Vizepräsident der Vereinigten Staaten, geschützt von einem Apparat mit Waffen, Ausweisen und Funkgeräten, tritt in Bangor im Bundesstaat Maine auf, um über eine Arbeitsgruppe des Weißen Hauses gegen Betrug zu sprechen. In der Schlange davor steht eine 37-jährige Frau, die im Internet ein Konto über Katzen führt. Sie hat sich ordnungsgemäß angemeldet, die Bestätigung des Präsidialamts erhalten, jede Vorgabe befolgt. Dann lösen sich aus dem Apparat 5 Beamte, einige bewaffnet, treten auf sie zu, nennen sie beim Namen und weisen sie ab. Amanda, Sie kommen hier nicht rein. Auf ihre Frage nach dem Warum fällt der Satz, der diesen ganzen Vorgang überlebt.

Wir wissen, wo Sie stehen

Amanda McGonigle

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Es ist der Aufwand selbst, der alles verrät. Wer 5 Bewaffnete abstellt, um eine Spötterin aus einer Warteschlange zu entfernen, gibt zu Protokoll, dass er sich von ihr bedroht fühlt. Und bedroht wird JD Vance nicht durch eine Waffe, sondern durch einen Vergleich. Amanda McGonigle hat ihn ein empfindungsfähiges Glas Mayonnaise genannt. Ein feuchtes Papiertuch in Slippern. Einen Mann mit der Ausstrahlung eines ungewürzten Auflaufs. Es sind Sätze, gegen die kein Personenschutz hilft, denn sie zielen nicht auf den Körper, sondern auf die Würde des Amtes, und die lässt sich nicht abschirmen.

McGonigle betreibt unter dem Namen CatsOnACouch politische Konten, auf denen sie sich Ihre kleine boshafte Bestie in Sachen Politik nennt. 2,1 Millionen Menschen folgen ihr inzwischen. Entstanden ist das Ganze 2024, als eine Bemerkung des heutigen Vizepräsidenten aus dem Jahr 2021 wieder auftauchte, jene über die kinderlosen Katzenfrauen, mit der Vance Frauen ohne Kinder verächtlich gemacht hatte. McGonigle machte daraus ein Programm. Ihr erklärtes Ziel ist es, bis zum Ende seiner Amtszeit 2029 mehr Anhänger zu haben als er. Derzeit steht es 2,1 Millionen gegen seine 15,4, und der Abstand schrumpft mit jedem Auftritt, den er ihr durch solche Szenen verschafft.

McGonigles jüngstes Fahndungsplakat, Ausgabe 47 ihres Blattes „Between Two Cushions News“ vom 22. Juli, führt Vance nun unter dem Aliasnamen Ashley Furniture. Zur Last gelegt werden ihm unerlaubtes Herumlümmeln auf Sofas und rücksichtsloses Zurücklehnen in der Öffentlichkeit, verdächtiges Verhalten in der Nähe bequemer Sitzgelegenheiten sowie Vergehen an Polstermöbeln, zu skandalös zum Abdruck. Kennzeichen: ein ratloser Gesichtsausdruck vor jeder gepolsterten Fläche, eine unnatürliche Neigung zum Zurücklehnen und Bootsschuhe fern jeden Gewässers. Ausgesetzt ist eine Belohnung von 1 gebrauchten Sofa. Das Kleingedruckte richtet sich direkt an die Mitleser vom Secret Service: Sollten Sie das lesen, es ist verdammte Satire, entspannen Sie sich, Ihr Daddy Elon habe schließlich erlaubt, Komik wieder legal zu machen.

Henri Bergson hat vor über 100 Jahren beschrieben, warum ein Mann wie Vance den Spott mehr fürchtet als jede Anklage. Das Lachen, schrieb er, sei die Strafe, mit der eine Gesellschaft das Starre und Mechanische ahndet, das sich für lebendig und unantastbar hält. Wer Macht ausübt, erträgt Widerspruch, sogar Hass, denn beide erkennen seine Bedeutung noch an. Nur das Lachen erkennt sie nicht an. Es behandelt den Gefürchteten als das, was er am wenigsten sein will, als komisch. Ein Vizepräsident, der darauf mit bewaffneten Beamten antwortet, hat den Beweis für den Witz erbracht, ehe die Pointe verklungen ist.

Amanda McGonigle

Am 7. Juli reichte McGonigle mit Hilfe der Bürgerrechtsunion ACLU von Maine Klage beim Bundesbezirksgericht ein, das Verfahren heißt McGonigle gegen Curran. Der Vorwurf lautet auf Vergeltung für ihre Meinung und damit auf Verletzung des ersten Verfassungszusatzes, der die Redefreiheit schützt. Das Gericht solle die Handlungen für verfassungswidrig erklären, ihre Anwaltskosten ersetzen und den Behörden verbieten, sie künftig von amtlichen Terminen des Vizepräsidenten fernzuhalten. Es sei absurd, sagte sie, dass der Secret Service seine Zeit damit vergeude, ein satirisches Katzenkonto zu verfolgen.

Der juristische Angelpunkt ist schärfer, als die heitere Oberfläche vermuten lässt. Über private Wahlkampftermine verfügt eine Regierung nach Belieben. Über amtliche öffentliche Termine gebietet ihr die Verfassung Zurückhaltung, und Bangor war amtlich. Der Termin stand zur Anmeldung offen, die Einladungen liefen über das Präsidialamt, Steuergeld bewarb ihn, und Vance trat in amtlicher Eigenschaft auf. Wer eine öffentliche Sache aus öffentlichen Mitteln bestreitet, darf niemanden aussperren, weil ihm dessen Meinung missfällt. Vance könne keine mit Steuergeld finanzierten Schutzräume benutzen, um Widerspruch zu ersticken, sagte McGonigle in die Kamera, und traf damit den Fall genauer als jede Klageschrift.

Bangor war nicht das erste Mal. Die Klage nennt einen früheren Termin in Des Moines im Bundesstaat Iowa, bei dem die Behörde ihr die Zugangsinformationen vorenthielt, die andere Angemeldete erhielten. Nach Bangor war sie rund 5 Stunden gereist, um als widersprechende Zuschauerin teilzunehmen, in einem T-Shirt mit der Aufschrift, JD Vance habe ihr Hochstaplersyndrom geheilt. Die Anwälte sprechen von einem wiederkehrenden Ausschluss und nennen Bangor einen sehr klaren Fall von Vergeltung. Die Freiheit zu spotten, so ihre Juristin, sei seit der Gründung des Landes ein Grundpfeiler der politischen Auseinandersetzung, und der erste Verfassungszusatz lasse sich nicht deshalb aufheben, weil einer der mächtigsten Männer des Landes keinen Scherz vertrage.

Wer McGonigle für eine zufällige Störerin hält, unterschätzt sie. Sie hat als Jugendliche im Parlament hospitiert, für einen Abgeordneten gearbeitet, Politikwissenschaft studiert und in Wahlkämpfen auf Ebene der Bundesstaaten und des Landes gestanden, ehe sie 2025 erfolglos für den Schulausschuss von Falmouth kandidierte. Als Vance 2022 zu einer republikanischen Spendengala nach Nantucket kam, protestierte sie mit rund 150 Menschen am Children’s Beach, mit aufblasbaren Sofas und Katzenohren, mit Schildern, die Trump als König und Vance als seinen Hofnarren zeigten. Der Hofnarr, könnte man sagen, hat inzwischen den Personenschutz gegen den Narren gerichtet.

Der Fall ist beim Bundesbezirksgericht von Maine als laufendes Verfahren geführt. Zunächst prüft ein Richter die Ansprüche und die Erwiderung der Regierung. Bestreitet diese die Vorwürfe, folgt womöglich eine Phase, in der die Akten zum Termin in Bangor offengelegt werden. Dann klärte sich, wie weit ein Staat den Zugang zu seinen eigenen öffentlichen Veranstaltungen steuern darf und ob er Kritiker aussperren kann, weil ihm ihre Ansicht nicht behagt. Es ist eine Frage, die weit über ein Katzenkonto hinausreicht, denn dieselbe Regierung hat Demonstranten festgehalten und abzuschieben versucht, die Pressefreiheit beschnitten und Behörden gegen Spötter wie den Komiker Jimmy Kimmel in Stellung gebracht.

Bleibt der Satz aus der Schlange, gedacht als Drohung, geworden zur Selbstauskunft. Wir wissen, wo Sie stehen. Eine Regierung, die weiß, wo jeder Einzelne steht, und die dieses Wissen einsetzt, um eine Frau mit einem Katzenkonto aus einer Warteschlange zu holen, hat über sich mehr verraten als über sie. Sie steht, um es in ihrem eigenen Bild zu sagen, bei der Mayonnaise.

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3 Comments
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Ela Gatto
15 Stunden vor

Und Vance ist der Mann, der Europa wegen mangelnder Meinungsfreiheit gemaßregelt hat 🤣🤣

Alle Extremisten lieben Meinungsfreiheit. Aber nur so lange es ihre Meinung ist.

Es ist ok, dass Vance über kinderlise Katzenfrauen herzieht und sie beleidigt.

Aber es ist nicht ok, wenn man ihm „mit Katzenmemes den Spiegel“ vorhält. Da wird gleich die gesamte Staatsmacht aktiviert um die Person hinter dem Account bloß zu stellen und einzuschüchtern.
Was für eine Glanzleistung Vance.
Es zeigt Deinen Charakter: Große Klappe und Feigheit dahinter.

Marie
14 Stunden vor

Au fein, das Rennen mache ich mit 😉 gleich mal schnell bei FB eingeloggt und schon folge ich McGonigles CatsOnACouch Kanal 🙂

Ela Gatto
12 Stunden vor
Antwort auf  Marie

Die Challenge besteht im Instagram Account🤗
Steht auch so bei FB.

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