Festnahme in Miami: Andrew und Tristan Tate sollen nach Großbritannien ausgeliefert werden
Andrew und Tristan Tate gehören seit Jahren zu den umstrittensten Internet-Persönlichkeiten der Welt. Millionen Männer folgen ihnen wegen ihrer Videos über Reichtum, Macht und ein extrem frauenfeindliches Rollenbild. Andrew Tate wurde auf Plattformen wie Youtube, Instagram und Tiktok dauerhaft gesperrt, nachdem er unter anderem erklärte, Frauen trügen selbst Verantwortung für sexuelle Übergriffe gegen sie. Trotz dieser Sperren erreichte er auf X mehr als zehn Millionen Follower und baute daraus ein milliardenschweres Geschäftsmodell auf. Nun wurden die Brüder am Samstag in Miami von der US-Marshals-Behörde festgenommen. Grundlage ist ein versiegelter Haftbefehl, nachdem Großbritannien ihre Auslieferung beantragt hat. Die britische Staatsanwaltschaft wirft Andrew und Tristan Tate vor, zwischen 2010 und 2017 mehrere Frauen vergewaltigt und zum Menschenhandel gezwungen zu haben. Beide besitzen die amerikanische und britische Staatsangehörigkeit.
Die Brüder waren 2016 nach Rumänien gezogen und dort 2022 ebenfalls festgenommen worden. Die rumänischen Behörden beschuldigten sie damals, Frauen gezielt angeworben und sexuell ausgebeutet zu haben. Die Tate-Brüder bestritten sämtliche Vorwürfe. Das Verfahren kam wegen rechtlicher und prozessualer Probleme jedoch nicht entscheidend voran. Im vergangenen Jahr durften sie Rumänien verlassen und flogen mit einem Privatjet nach Florida. Jetzt droht ihnen ein neues Verfahren in Großbritannien. Dort wurden die Anklagen erheblich ausgeweitet. Neben den bereits bekannten Vorwürfen aus dem Jahr 2025 sprechen britische Staatsanwälte inzwischen von insgesamt 38 weiteren Anklagepunkten im Zusammenhang mit vier weiteren mutmaßlichen Opfern. Beide Brüder müssen sich wegen Vergewaltigung und Menschenhandels verantworten. Gegen Andrew Tate kommen zusätzlich Vorwürfe hinzu, mit Prostitution Geld verdient zu haben sowie 19 weitere Anklagepunkte wegen kinderpornografischer Darstellungen und sogenannter extremer Pornografie.
Die Verteidigung weist alle Vorwürfe zurück. Ihr amerikanischer Anwalt Joseph McBride sprach von Verleumdung und erklärte, die neuen britischen Anklagen sollten laufende Zivilklagen der Brüder in den Vereinigten Staaten sabotieren. Seine Mandanten würden freigesprochen werden, sobald ein unabhängiges Gericht die tatsächlichen Fakten prüfe. Bereits in den rumänischen Verfahren hatten die Tate-Brüder sämtliche Anschuldigungen bestritten und erklärt, ihre oft drastischen Aussagen über Frauen seien aus dem Zusammenhang gerissen oder lediglich als Provokation gemeint gewesen. Bereits Anfang kommender Woche sollen Andrew und Tristan Tate erstmals vor einem Bundesgericht in Miami erscheinen. Dort wird zunächst über das weitere Auslieferungsverfahren nach Großbritannien entschieden. Damit rückt ein Fall, der sich seit Jahren zwischen Rumänien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten entwickelt, erneut in den Mittelpunkt der internationalen Justiz.
Der Präsident hat die Weltmeisterschaft gewonnen, obwohl seine Mannschaft im Achtelfinale nach Hause fuhr

Am Sonntag wird Donald Trump im MetLife Stadium in New Jersey dem Sieger des Endspiels zwischen Argentinien und Spanien den Pokal überreichen, wie es dem gastgebenden Staatsoberhaupt zusteht. In seinem Kopf jedoch hat den eigentlichen Sieg dieses Turniers längst ein anderer errungen, und es ist nicht Argentinien. Es sind die Vereinigten Staaten. Es habe sich herausgestellt, dass man ein Fußballland sei, sagte er am Freitag bei einem Empfang der FIFA im Trump Tower, und das werde wohl so bleiben. Das habe die Welt zusammengebracht.
Man muss diesen Satz neben die Wirklichkeit halten, aus der er stammt. Über ein Jahr lang rang das Weiße Haus mit den Tücken der Ausrichtung, gemeinsam mit den Mitgastgebern Kanada und Mexiko, während dieselbe Regierung ihre harte Einwanderungspolitik gegen genau jene Länder wandte, aus denen Fans zur Qualifikation angereist wären. Menschenrechtsgruppen warnten, die Ticketpreise empörten, und monatelang liebäugelte der Präsident damit, Spiele aus Städten abzuziehen, die nicht mit den Bundesbehörden zur Einwanderung kooperierten. Einem Schiedsrichter aus Somalia, ausgezeichnet für seine Leitungen, verwehrte man das Visum. Und nachdem Trump seinen Krieg gegen den Iran begonnen hatte, musste die iranische Mannschaft, deren Anhänger nicht ins Land durften, ihr Quartier jenseits der Grenze im mexikanischen Tijuana beziehen.
Dass die Bilder am Ende freundlicher wurden, verdankt sich nicht der Politik, sondern dem Publikum. Die sozialen Netzwerke füllten sich mit Erzählungen reisender Fans, die das Bier und die seltsamen Beigaben der amerikanischen Küche entdeckten, bis hin zum Ranch-Dressing. Die befürchteten Razzien der Einwanderungsbehörde in der Nähe der Stadien blieben aus. Wenn man über das rede, was auf dem Rasen geschehen sei, dann habe man seine Arbeit getan, sagte Andrew Giuliani, der die FIFA-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses leitet. Es sei sogar noch besser gekommen, man spreche nun über die kulturellen Augenblicke des Turniers. Über die verweigerten Visa spricht man in dieser Bilanz nicht.
Einen Misston setzte der Präsident dann doch selbst, mit jenem Anruf bei FIFA-Chef Gianni Infantino, über den wir bereits berichtet haben. Nach der Roten Karte gegen den Stürmer Folarin Balogun im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina bat er um Überprüfung, der Verband hob die Sperre auf, und am Freitag dankte Trump ihm dafür mit den Worten, er habe wieder eine großartige Entscheidung getroffen. Die Mannschaft verlor das folgende Spiel gegen Belgien dennoch mit 1:4. Man habe die Pflicht gehabt, Fragen zum Schiedsrichterwesen zu stellen, erklärte Giuliani, und verwies auf Milliarden an Bundesmitteln, die man investiert habe, damit das Turnier ein Ereignis von Integrität werde. Über die Integrität eines Anrufs, der eine Karte verschwinden ließ, verlor er kein Wort. Der Grund für den Eifer liegt in der Zukunft. Die Vereinigten Staaten richten 2028 die Sommerspiele in Los Angeles aus und 2034 die Winterspiele in Salt Lake City, und man erwartet, dass ihnen 2031 auch die Frauenweltmeisterschaft zufällt. Deren Vergabe, so Giuliani, hänge auch davon ab, sicherzustellen, dass 2031 Frauen und nur Frauen spielten, eine Anspielung auf den erbitterten Widerstand der Regierung gegen die Teilnahme von trans Frauen im Frauensport.
Bleiben die beiden Nachbarn, mit denen man dieses Turnier gemeinsam stemmte. Trump hat Kanada und Mexiko bei seiner Rückkehr ins Amt mit Zöllen belegt und den gemeinsamen Handelspakt auslaufen lassen. Am Freitag drohte er Kanada wegen seiner Waldbrände mit weiteren Zöllen, deren Rauch die Luft bis nach New Jersey trübt, ausgerechnet dorthin, wo das Endspiel steigt. Beim nächsten Mal, scherzte er, lasse man Mexiko und Kanada einfach weg. Und doch reisen die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum und der kanadische Premier Mark Carney auf seine Einladung an. Sie habe angenommen, sagte Sheinbaum, weil es eine unmittelbare Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten gewesen sei.
Welche Mannschaft er am Sonntag lieber siegen sähe, verrät er nicht. Spanien verweigert ihm die NATO-Ausgabenziele und seine Stützpunkte für Angriffe auf den Iran. Argentiniens Präsident Javier Milei dagegen ist ein Liebling des Weißen Hauses, so sehr, dass Trump dem Land mit Kürzung der Hilfen drohte, sollte Mileis Bündnis eine Wahl verlieren. Milei selbst bleibt am Sonntag aus Aberglauben zu Hause. Den Pokal wird ohnehin ein anderer in den Händen halten, und auf dem Foto danach wird niemand sehen, wer diese Weltmeisterschaft wirklich gewonnen zu haben glaubt.
Trump will Kanada wegen Waldbrandrauch mit Zöllen bestrafen – nur ein Problem bleibt

Donald Trump hat den nächsten Zollstreit eröffnet, diesmal nicht wegen Stahl, Autos oder Handelsdefiziten, sondern wegen Rauch. Der Präsident kündigte am Freitag an, Kanada für die gewaltigen Waldbrände verantwortlich zu machen und Strafzölle zu verhängen. Begründung: Kanada pflege seine Wälder nicht ausreichend, weshalb verschmutzte und gesundheitsschädliche Luft über die Grenze in die Vereinigten Staaten ziehe. Diese Belastung sei für Amerika unzumutbar. Noch am selben Tag kündigte Trump ein Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney an. Offen blieb allerdings die entscheidende Frage. Das Weiße Haus konnte nicht erklären, auf welcher gesetzlichen Grundlage solche Zölle überhaupt erhoben werden sollen. Auch wie die Höhe möglicher Strafabgaben berechnet werden soll, blieb unbeantwortet. Trump selbst sprach lediglich von einem Schaden, der gar nicht zu beziffern sei. Sein Sprecher erklärte lediglich, der Präsident verfüge über zahlreiche Möglichkeiten, Zölle einzusetzen. Welche davon gemeint sei, sagte er nicht.
Dabei steht Trump vor einem weiteren Problem. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat seine Möglichkeiten, sich bei Strafzöllen auf weitreichende Notstandsrechte zu berufen, in diesem Jahr deutlich eingeschränkt. Genau dieses Instrument hatte Trump in seiner zweiten Amtszeit immer wieder genutzt, um wirtschaftlichen Druck auf andere Staaten auszuüben. Das Urteil nahm ihm einen großen Teil dieses Spielraums. Zwar führte die Regierung anschließend über ein anderes Handelsgesetz einen weltweiten Zehn-Prozent-Zoll ein, doch auch diese Regelung läuft bereits in der kommenden Woche aus. Es wäre zudem nicht das erste Mal, dass Trump mit Zöllen droht, ohne sie später tatsächlich umzusetzen. Im vergangenen Jahr kündigte er hundertprozentige Strafzölle auf ausländische Filme an. Er sprach damals von einer Gefahr für die nationale Sicherheit und warf ausländischen Produktionen Propaganda vor. Die angekündigten Zölle wurden nie eingeführt.
Die Spannungen zwischen Washington und Ottawa bestehen ohnehin seit Monaten. Kanada gehörte gemeinsam mit China zu den wenigen Staaten, die nach Trumps sogenannten Befreiungszöllen mit eigenen Gegenzöllen reagierten. Gleichzeitig liegen die Verhandlungen über das künftige nordamerikanische Handelsabkommen praktisch auf Eis. Nun kommt ausgerechnet der Rauch der kanadischen Waldbrände als neuer Streitpunkt hinzu. Ob aus der Drohung diesmal tatsächlich neue Zölle werden, weiß derzeit niemand. Fest steht bislang nur, dass der Präsident Kanada für den Rauch verantwortlich macht. Wie daraus rechtlich ein Zoll entstehen soll, konnte seine eigene Regierung am Freitag nicht beantworten.
Russland will künftig auch Bandenmitglieder in den Krieg schicken

Russland geht bei der Suche nach neuen Soldaten den nächsten Schritt. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf in die Staatsduma eingebracht, der den Kreis der Menschen deutlich erweitert, mit denen das Verteidigungsministerium künftig Militärverträge abschließen darf. Erfasst werden sollen nicht nur Verurteilte, sondern auch Beschuldigte, deren Strafverfahren während des Kriegsdienstes ausgesetzt werden. Erstmals sollen auch Mitglieder bewaffneter Banden und organisierter krimineller Vereinigungen zum Militär zugelassen werden. Ausgenommen bleiben lediglich deren Anführer. Die Liste der Straftaten ist lang. Sie reicht von Geldschmuggel über Waffen- und Drogenschmuggel bis zum unerlaubten Umgang mit radioaktiven Stoffen. Auch Beteiligte an organisierter Kriminalität, Schleuserbanden oder Personen, die in Russland als Mitglieder sogenannter unerwünschter Organisationen gelten, sollen künftig Verträge mit dem Verteidigungsministerium abschließen können. Ziel sei ausdrücklich, den Kreis möglicher Rekruten zu vergrößern. So steht es in der Begründung des Gesetzentwurfs.
Nicht alle Delikte fallen darunter. Ausgeschlossen bleiben unter anderem Personen, die wegen Terrorismus, Geiselnahme, Hochverrats, Spionage, Sabotage oder schwerer Sexualdelikte gegen Minderjährige verurteilt oder angeklagt wurden. Auch Anführer krimineller Organisationen sowie Personen an der Spitze der russischen Unterwelt sollen weiterhin keine Militärverträge erhalten. Für einfache Mitglieder organisierter Banden gilt diese Einschränkung jedoch nicht mehr. Bemerkenswert ist zugleich, was unverändert bleibt. Wer in Russland wegen angeblicher Verbreitung von sogenannten Falschinformationen über die Armee oder wegen wiederholter Diskreditierung der Streitkräfte verfolgt wird, darf bereits nach geltendem Recht einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium abschließen. Diese Vorschriften werden durch den neuen Gesetzentwurf nicht verändert. Das Gesetz soll außerdem nicht nur für russische Staatsbürger gelten, sondern auch für Ausländer und Staatenlose.
Warum Moskau den Kreis der möglichen Soldaten immer weiter öffnet, hat der Chef der russischen Gefängnisbehörde bereits im Mai selbst angedeutet. Arkadi Gostew räumte erstmals offen ein, dass der starke Rückgang der Gefängnisinsassen auch mit der Rekrutierung für den Krieg zusammenhängt. Seit Ende 2021 sank die Zahl der Menschen in Gefängnissen, Straflagern und Untersuchungshaft von rund 465.000 auf 282.000. Während die russischen Behörden diesen Rückgang lange mit einer angeblichen Humanisierung des Strafrechts erklärten, spricht die Gefängnisverwaltung inzwischen offen von der gezielten Auswahl neuer Vertragssoldaten. Der neue Gesetzentwurf zeigt damit, wie groß der Bedarf an Personal inzwischen geworden ist. Wer früher wegen schwerer organisierter Kriminalität vor Gericht stand, könnte künftig statt im Gefängnis an der Front stehen.
Doch damit nicht genug:

Habt alle einen schönen Sonntag. Okay, es gibt Ausnahmen … 😉
