Andrew Bailey, einer der beiden Vizedirektoren des FBI, verlässt die Behörde zum Ende der Woche. Nach gut einem Jahr, offiziell für mehr Zeit mit der Familie, verkündet in einem kurzen Beitrag im Netz. Der Abgang enttäuscht seine Verbündeten am rechten Rand, denn Bailey war ihr Mann für den härtesten aller Kämpfe, den gegen die Abtreibungspille.
Wie weit dieser Kampf ihn trieb, zeigt seine Zeit als Generalstaatsanwalt von Missouri. Eine Verfassungsänderung für das Recht auf Abtreibung wollte er 2024 mit dem Argument stoppen, abgetriebene „ungeborene Missourianer“ schmälern die künftige Steuerbasis des Staates. In einer Klage gegen die Arzneimittelbehörde FDA behauptete er allen Ernstes, der Zugang zu Abtreibungspillen per Ferndiagnose senkt die Geburtenrate bei minderjährigen Müttern und kostet am Ende politische Vertretung und Bundesgelder. Selbst ein Rivale nannte das schlicht wahnsinnig. In Trumps Partei ist solche Rechnung längst kein Hindernis für eine Laufbahn.

Im Sommer 2025 machte ihn genau das zum Ko-Vizedirektor des FBI, mit enormer Macht über die Abläufe der Behörde. Darunter mögliche Ermittlungen gegen alle, die Abtreibungen befürworten oder vornehmen, und gegen die Frauen, die sie in Anspruch nehmen. Ein Eiferer bekam den Ermittlungsapparat eines ganzen Landes in die Hand gelegt. Dan Bongino hatte den Posten zuvor allein geführt und brauchte, so schien es, Aufsicht. Nach dessen Rückzug im Winter rückte der Berufsagent Christopher Raia an Baileys Seite. Der Bund rüstet sich längst. Justizminister Todd Blanche kündigte an, die Haltung der Regierung zum Comstock Act zu überprüfen, einem Sittengesetz aus dem 19. Jahrhundert gegen „unzüchtige“ Sendungen per Post. Das Gesetz schlief lange, aufgehoben wurde es nie, und Gegner der Abtreibung, bis hin zu Verfassungsrichter Clarence Thomas, halten es für geltendes Recht. Baileys Klage gegen die FDA berief sich bereits darauf, dazu warnte er die Ketten CVS und Walgreens vor der Abgabe solcher Mittel.

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FBI-Direktor Kash Patel zeigt sich offen für Strafverfahren. In einer Anhörung am 15. September behauptete Senator Josh Hawley, die Hersteller zeigen Frauen, wie sie mit der Post die Verbote der Bundesstaaten umgehen. Patel antwortete, jede Nutzung der Bundespost „ist eine Bundesstraftat, die dem FBI zufällt“, und „dazu sind wir entschlossen“. Ein Satz, der Ärztinnen und Patientinnen kälter werden lässt als jede offene Drohung. Schon im März drängten republikanische Senatoren die FDA, mit den Strafverfolgern gegen den Versand der Pillen vorzugehen.
Der wahre Grund für den Abgang klingt weniger nach Familie. Berichten zufolge ärgerte sich Bailey über die Degradierung zweier hochrangiger Terrorabwehr-Agenten im Washingtoner Büro, angeblich abgestraft dafür, wie sie eine Gefährdungslage um belästigende Anrufe bei Katie Miller einschätzten, der Frau von Stephen Miller, dem Vizestabschef und Sicherheitsberater im Weißen Haus. Dazu die Kränkung, nach Patels Fehltritten nicht selbst zum Direktor ernannt worden zu sein. Familie als Abschiedsgrund kennt man zur Genüge, der zweite liegt meist daneben.
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Öffentlich blieb Bailey blass, mit einer Ausnahme. Im Januar überwachte er persönlich die Razzia im Wahlamt von Fulton County in Georgia, jenem Ort im Zentrum der Verschwörungslegenden um die Wahl 2020. Bailey, selbst ein Verbreiter des Wahlbetrugs-Märchens, stand dabei neben der damaligen Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard. 2 demokratische Senatoren nannten diesen Auftritt beispiellos.
Sein Weg dahin war eine einzige Kampfansage. Als Generalstaatsanwalt verlangte er die ungeschwärzten Krankenakten transgeschlechtlicher Minderjähriger, ein Vorgehen, das Trumps Justizministerium 2025 kopierte. Er zog gegen die Zulassung der Abtreibungspille vor Gericht und warf einer Klinik vor, Minderjährige zu Abtreibungen zu „transportieren“, gestützt auf ein gestelltes Enthüllungsvideo einer rechtsextremen Gruppe. Als die Wähler das Abtreibungsverbot Missouris mit 52 zu 48 Prozent kippten, klagte er weiter, um die Beschränkungen zu halten. Er erließ eine Eilverordnung gegen geschlechtsangleichende Behandlungen für alle Altersgruppen und zog sie erst später zurück. Am Ende verklagte er die Bundeszentrale von Planned Parenthood wegen irreführender Werbung, weil sie die Abtreibungspille sicherer als ein gängiges Schmerzmittel nannte. Interne Unterlagen zeigen, dass manche seiner Strategien direkt aus den Häusern der Abtreibungsgegner kamen, von Missouri Right to Life bis zur Heritage-Stiftung. Laut FBI hat Bailey seine ganze Laufbahn dem Schutz der Verfassung gewidmet.
Seine Treue zur Sache reichte über die Abtreibung hinaus. Er erstritt ein „historisches“ Versäumnisurteil über 24 Milliarden Dollar gegen die Volksrepublik China wegen angeblicher Schuld an der Pandemie, ein juristisch nutzloser Fall, den er von seinem Vorgänger erbte. Peking klagt inzwischen auf 50 Milliarden zurück. Für den Posten des Justizministers galt Bailey Trump als „zu entspannt“, er unterlag erst Matt Gaetz und dann Pam Bondi.
Sein Rückzug ändert an der Richtung nichts. „Unter Präsident Trump haben wir historische Ergebnisse geliefert“, schrieb Bailey zum Abschied, und Patel dankte ihm für „wichtige Reformen“, die „weiterleben“. Baileys Abgang fällt mitten in eine Zeit massiven Personalabflusses an der Spitze des FBI, ausgerechnet, während er die Wahlangelegenheiten vor den Zwischenwahlen mitbetreute. Neue Scharfmacher rücken bereits nach, ins Justizministerium und an die Spitze der FDA. Vor den Zwischenwahlen erwartet niemand den großen Schlag. Danach ist jede Grenze offen.
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