Trump sagte der New York Post, eine zweite Verhandlungsrunde mit Iran könne in den nächsten zwei Tagen stattfinden. Zuerst nannte er Europa als möglichen Ort. Dann korrigierte er sich. Pakistan wieder. Er selbst werde nicht dabei sein. Wer die USA vertreten soll, sagte er nicht. Die erste Runde hatte 21 Stunden gedauert und nichts ergeben.

Gleichzeitig blockiert die US-Marine iranische Häfen. Sechs Handelsschiffe drehten in den ersten 24 Stunden um. Eines nicht. Der Tanker Rich Starry, vom US-Finanzministerium als mit iranischer Schifffahrt verbunden gelistet, einem chinesischen Unternehmen gehörend, für China bestimmt, passierte die Meerenge am frühen Dienstagmorgen. Das US-Zentralkommando antwortete auf Fragen dazu nicht.

Scott Bessent sagte am Rande der IWF-Frühjahrstagung in Washington, chinesische Schiffe würden nicht mehr durchkommen. „Die werden ihr Öl nicht bekommen.“ Wer Iran Durchfahrtszoll zahle, verletze US-Sanktionen. „Das endet nie gut.“ Iran hatte Zoll als Bedingung für die Wiederöffnung der Meerenge gestellt. Iran exportiert normalerweise zwei Millionen Barrel Öl täglich durch die Straße von Hormus. Die Blockade zielt darauf ab, bis zu zwei Prozent des weltweiten Ölangebots vom Markt zu nehmen.
Historisches Treffen in Washington

Marco Rubio (US-Außenminister), Mike Waltz (US-Botschafter bei den Vereinten Nationen), Michel Issa (US-Botschafter im Libanon), Michael Needham (Berater im US-Außenministerium), Yechiel Leiter (israelischer Botschafter in den USA), Nada Hamadeh Moawad (libanesische Botschafterin in den USA)
In Washington trafen sich israelische und libanesische Diplomaten zum ersten direkten Gespräch seit 1993. Außenminister Marco Rubio saß mit dabei, dazu der israelische Botschafter Yechiel Leiter und die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad. Rubio sagte: „Das ist ein Prozess, kein Ereignis.“ Er erwarte keine schnelle Einigung. „Wir arbeiten gegen Jahrzehnte der Geschichte.“ Netanyahu erklärte vergangene Woche, er öffne direkte Verhandlungen auf Wunsch des Libanon. Thema: Hisbollah-Entwaffnung und Friedensbeziehungen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun formulierte es anders – seine Seite will über einen Waffenstillstand und den Start von Verhandlungen unter amerikanischer Schirmherrschaft sprechen. Beide sitzen am selben Tisch und meinen etwas anderes.
Während die Diplomaten in Washington tagten, meldete die israelische Armee, ihre Bodentruppen hätten die libanesische Stadt Bint Jbeil vollständig eingekesselt und begonnen, in ihr zu operieren. In Aadshit wurden Ziele getroffen. Hisbollah feuerte weiter – allein in der ersten Stunde nach Beginn der Gespräche in Washington registrierte die israelische Armee mindestens zehn Raketenabschüsse auf Nordisrael. Das Außenministerium in Washington betonte, die Gespräche mit dem Libanon seien von den Iran-Verhandlungen in Islamabad getrennt. Das Ziel: Iran soll Libanons Zukunft nicht länger über Hisbollah bestimmen. Die USA genehmigten zusätzlich 58,8 Millionen Dollar für humanitäre Programme zugunsten vertriebener Libanesen.
Der israelische Botschafter Yechiel Leiter verließ das Treffen nach zwei Stunden mit einer positiven Aussage. „Beide Seiten stünden auf derselben Seite, sagte er. Ziel sei es, den Libanon vom iranischen Einfluss durch Hisbollah zu befreien.“ Der Streit darüber, ob der Waffenstillstand mit Iran auch den Libanon einschließt, bleibt ungelöst. Iran und Pakistan sagen ja. Israel und die USA sagen nein.
Aus Beirut kam keine Reaktion.
Libanons Informationsminister Paul Morcos sagte während der laufenden Gespräche im Fernsehen, der Libanon werde einen sofortigen Waffenstillstand fordern.
Israel bombardierte den Südlibanon weiter, während die Diplomaten in Washington saßen.
Israel will die Hisbollah entwaffnen und einen Friedensvertrag mit dem Libanon. Außenminister Gideon Saar sagte, das Problem sei Hisbollah, nicht der Libanon. Der libanesische Präsident Joseph Aoun, der mit dem Versprechen an die Macht kam, nichtstaatliche Gruppen zu entwaffnen, will erst einen Waffenstillstand, dann Verhandlungen. Hisbollah-Generalsekretär Naim Kassem sagte, seine Gruppe wolle eine Rückkehr zum Abkommen von 2024, mit indirekten Gesprächen unter Vermittlung der USA, Frankreichs und der UN. Direkte Gespräche lehnt Hisbollah ab. In Beirut gingen Unterstützer der Gruppe auf die Straße, um gegen die Verhandlungen zu protestieren. In Beirut steht die Bombardierung seit dem 8. April aus, nachdem ein israelischer Angriff auf dicht besiedelte Wohn- und Geschäftsviertel der Hauptstadt international für Empörung gesorgt hatte. Im Süden des Landes wird weiter gekämpft. Das libanesische Gesundheitsministerium zählt 2.124 Tote seit Beginn des Krieges am 2. März, darunter 254 Frauen, 168 Kinder und 88 Sanitäter. Über eine Million Menschen sind vertrieben.
Mehrere iranische Drohnen flogen am Dienstag in die autonome Kurdenregion im Nordirak. Kurdische Antiterroreinheiten schossen zwei bombenbeladene Drohnen über Erbil ab. Eine weitere traf ein Lager der iranisch-kurdischen Exilgruppe Komala. Drei Kämpfer wurden verletzt. Komala-Anführer Mohamad Hakimi bestätigte den Angriff.
Das US-Außenministerium setzte eine Belohnung von zehn Millionen Dollar auf Ahmad al-Hamidawi aus, Generalsekretär der iranisch unterstützten irakischen Miliz Kataib Hisbollah – eine von Hisbollah im Libanon völlig unabhängige Organisation mit eigener Führung. Die Miliz sei verantwortlich für Angriffe auf US-Einrichtungen im Irak, die Entführung amerikanischer Staatsbürger und die Tötung irakischer Zivilisten, erklärte das Ministerium. Im vergangenen Monat hatte Kataib Hisbollah die amerikanische Journalistin Shelly Kittleson in Bagdad entführt und sie nach einigen Tagen freigelassen – unter der Bedingung, dass sie das Land verlässt.
UN-Generalsekretär António Guterres sagte in New York, das Völkerrecht werde mit Füßen getreten, besonders im Nahen Osten. Er rief zu neuen Gesprächen zwischen den USA und Iran auf und mahnte die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus an. Ende der Woche reist er nach Den Haag, zum 80. Jahrestag des Internationalen Gerichtshofs. Guterres lobte zuvor in einem Telefonat mit dem pakistanischen Außenminister Ishaq Dar dessen konstruktive Rolle bei der Vermittlung der ersten Verhandlungsrunde. Pakistan bietet sich als Ausrichter einer zweiten Runde an.
Dar sprach am Dienstag auch mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan, der seinerseits seinen iranischen Amtskollegen angerufen hatte. Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty telefonierte mit US-Sondergesandtem Steve Witkoff, mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und mit seinen türkischen und pakistanischen Kollegen. Er warnte vor einer beispiellosen Explosion im Nahen Osten. Oman sprach mit Iran über einen freien Durchgang durch die Straße von Hormus.
Indiens Premierminister Narendra Modi und Trump telefonierten fast vierzig Minuten. Beide betonten die Notwendigkeit, die Straße von Hormus offen zu halten. Chinas Präsident Xi Jinping empfing den spanischen Premierminister Pedro Sánchez in Peking und warnte vor einer Rückkehr zum Recht des Stärkeren. Xi hatte denselben Satz bereits am Vormittag beim Kronprinzen von Abu Dhabi gesagt.
Kanadas Premierminister Mark Carney setzte die nationale Benzinsteuer bis Anfang September aus. Der Internationale Währungsfonds warnte vor niedrigerem globalem Wachstum und höherer Inflation. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, bekräftigte in Washington das Ziel, die Inflation im Euroraum auf zwei Prozent zu senken. Händler wetten auf steigende Zinsen. Der S&P 500 legte am Dienstag leicht zu und nähert sich wieder seinem Januarhoch.

Italiens Premierministerin Giorgia Meloni erklärte, ihr Land werde das seit 2005 bestehende Verteidigungsabkommen mit Israel nicht erneuern. Das Abkommen regelte Rüstungskooperation, Technologieaustausch und Waffenexporte. Verteidigungsminister Guido Crosetto schickte einen Brief an seinen israelischen Amtskollegen Israel Katz. Der israelische Außenminister Gideon Saar spielte die Entscheidung herunter und sagte, das Abkommen habe nie substanziellen Inhalt gehabt. Israels Sicherheit sei nicht betroffen. Trump sagte der Mailänder Zeitung Corriere della Sera, er sei sehr schockiert über Meloni. Sie lasse Amerika die Arbeit für Italien machen, das sein Öl aus Iran beziehe. „Ich dachte, sie hat Mut. Ich lag falsch.“ Meloni hatte zuvor Trumps Angriffe auf Papst Leo XIV. als inakzeptabel bezeichnet. Trump und Meloni haben seit längerer Zeit nicht mehr miteinander gesprochen.
Das Rote Kreuz meldete, der erste Hilfskonvoi seit Kriegsbeginn habe am Sonntag die Grenze in den Iran überquert – über die Türkei, weil der Weg über Dubai durch den Krieg versperrt ist. Der Konvoi trägt Verbandsmaterial, Zelte, Decken und Hygieneartikel. Bis Teheran braucht er mindestens zwei Tage. Sprecher Tommaso Della Longa sagte, man hoffe, die Route ausbauen zu können.

Der Konvoi fährt durch die Türkei. Der Tanker ist durch die Meerenge. Die Gespräche finden vielleicht statt. Vielleicht Donnerstag. Vielleicht in Pakistan. Unsere Koffer packen wir erst überhaupt nicht aus.
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