Während die Welt zur Weltmeisterschaft anreist, hält die amerikanische Einreise den Fotografen des Irak fest und weist ihn ab, befragt einen Spieler fast sieben Stunden und treibt den Beschäftigten der Stadien die Angst vor ICE ein!
Chicago – Ein Fotograf weniger wird über die Weltmeisterschaft berichten. Der offizielle Fotograf der irakischen Nationalmannschaft, Talal Salah, wurde in Chicago an die zwölf Stunden festgehalten und ihm anschließend die Einreise verweigert. Damit beginnt dieses Turnier, das die Welt versammeln soll, für einen der Menschen, die es festhalten sollten, an der Tür, die sich nicht öffnet. Von alledem bekommt die Menschenmenge vor dem Waldorf Astoria in Chicago kaum etwas mit, während die Fans auf die Ankunft der deutschen Nationalmannschaft warten, bevor diese am Samstag gegen die Vereinigten Staaten antritt. Das Spiel endet mit einem 2:1 für die deutsche Mannschaft, und das ist die geringste der Tatsachen dieses Tages. Denn das Bild, das am 6. Juni 2026 aus Chicago kam, ist eines, das nicht in die Erzählung einer Weltmeisterschaft passen sollte. Fans mit Flaggen am Flughafen, Spieler kurz vor dem größten Turnier seit Jahrzehnten, und zur selben Zeit stundenlange Befragungen und Kontrollen der Telefone, am Ende eine verweigerte Einreise.

Nach Angaben aus dem Umfeld der irakischen Delegation wurde Talal Salah bei der Einreise mehr als zehn Stunden festgehalten und danach nicht ins Land gelassen. Einer der Menschen, deren Aufgabe es gewesen wäre, das Turnier in Bildern festzuhalten, wird es nun nicht begleiten. Man halte sich das vor Augen. Die Welt reist an, um gesehen zu werden und zu sehen, und gerade der, dessen Arbeit das Sehen ist, kommt nicht hinein. Wer abweist, wen die Bilder machen soll, entscheidet auch darüber, was von einem Land später zu sehen sein wird.

Es traf nicht nur ihn. Der irakische Stürmer Aymen Hussein, jener Spieler, dessen Tor die Qualifikation des Irak für die Weltmeisterschaft sicherte, wurde am Flughafen Chicago O’Hare nach Angaben aus dem Mannschaftsumfeld fast sieben Stunden lang befragt. Einreisen durfte er danach, und auch sein Telefon wurde, denselben Angaben zufolge, kontrolliert. Der Mann, dem sein Land den Platz bei diesem Turnier verdankt, wird am Eingang behandelt wie ein Verdächtiger, und der Argwohn reicht bis in den Inhalt seines Telefons. Die irakische Botschaft in Washington bestätigte später, dass zwei Mitglieder der zweiundsechzig Köpfe zählenden Delegation zusätzlichen Einreisekontrollen unterzogen wurden und eine Person am Ende keine Einreise erhielt. Zur Begründung verwies man auf die Zuständigkeit der amerikanischen Einwanderungsbehörden und die Anwendung der jeweiligen Vorschriften. Es ist die Sprache, in der eine Zurückweisung zur bloßen Anwendung von Regeln wird und niemand sie zu verantworten scheint.
Während an den Flughäfen die Gäste sortiert werden, fürchten jene, die das Fest erst ermöglichen, um ihre eigene Freiheit. Wenige Tage vor der Weltmeisterschaft haben die Beschäftigten im SoFi Stadium einen Streik beschlossen, aus Sorge vor Razzien von ICE und wegen festgefahrener Lohnverhandlungen mit Legends Global. Die Gewerkschaft erklärte, die Beschäftigten sollten nicht gezwungen sein, sich zwischen dem Erscheinen zur Arbeit und dem Risiko zu entscheiden, „von ICE entführt zu werden“. Komme es tatsächlich zum Streik, blieben die Suiten der FIFA, die hunderttausend Dollar kosten, „mit nichts weiter als Wasserflaschen und Doritos zurück“. In diesem einen Satz steht das ganze Verhältnis. Der Glanz der teuersten Logen hängt an der Arbeit von Menschen, die fürchten, auf dem Weg zu ebendieser Arbeit ergriffen zu werden, und ohne sie ist der Glanz nichts als eine leere, teure Schachtel.

Am Ende bleibt eine alte Frage, so alt wie die Sitte des Gastrechts. Was heißt es, die Welt zu empfangen? Ein Gastgeber, der einlädt und dann an seiner Schwelle die Geladenen nach Pass und Verdacht ordnet, hat den Unterschied zwischen Willkommenheißen und Einlassen verwischt, und es ist der entscheidende. Dieses Turnier wird man nach Toren erinnern, nach dem 2:1 und nach denen, die folgen werden. Die Wahrheit über den Gastgeber aber steht nicht im Stadion, sie steht am Flughafen, in den Stunden der Befragung, in den durchsuchten Telefonen und in der einen verweigerten Einreise. Wenn der, der dokumentieren soll, der, der gespielt hat, und der, der die Hallen herrichtet, am Eingang als Bedrohung behandelt werden, dann war das Willkommen nie eines. Ein Fotograf weniger wird über diese Weltmeisterschaft berichten, und mit ihm ein Augenpaar weniger auf das, was ein Gastgeber an der eigenen Tür mit seinen Gästen tut.

Chicago im Oktober 2025 – Was sich auf Amerikas Straßen abspielte, glich einem Kriegszustand – doch es ist ein Krieg, den die Regierung gegen die eigene Bevölkerung führte. Aktuell ist die Lage erneut erheblich angespannt.
Die Hälfte unseres Teams ist inzwischen faktisch allein den Vorfällen um ICE zugeteilt und vor Ort in den Städten, die wir als die kritischen kennen. Die Menschen dort brauchen Unterstützung in jeder Form, und das Entscheidende ist die Schnelligkeit. Es kommt auf die wenigen Stunden an, bevor jemand in den Haftzentren verschwindet und von einem Ort zum nächsten verlegt wird, bis kaum noch jemand weiß, wo er sich befindet. Wer zu spät kommt, findet oft mit viel Glück nur eine Aktennummer und einen Menschen, der bereits weitergereicht wurde. Wir wissen, wovon wir sprechen, denn wir haben weit über tausend Fälle bearbeitet, und jeder hat uns gelehrt, dass zwischen Hilfe und Vergeblichkeit nicht selten nur Tage liegen.
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