Während seine Minister die schöne, saubere Kohle priesen und sein Sprecher ihn den energischsten Präsidenten der Geschichte nannte, fielen dem Präsidenten im Oval Office die Augen zu. Ein Kardiologe warnt und fragt, warum die ärztliche Untersuchung dazu schweigt!
Es gibt eine Grenze, an der jede Sprachregelung endet, und sie verläuft am Lid des Auges. Ein Sprecher kann den Präsidenten den energischsten der Geschichte nennen, so oft er möchte, doch wenn diesem vor laufenden Kameras die Augen zufallen, hat der Körper das letzte Wort. Am Donnerstag, im Oval Office, fiel es ihm zu.
Der Kardiologe Jonathan Reiner, über Jahrzehnte Leibarzt des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney, hält die Neigung des Präsidenten, in einem Raum voller Menschen einzuschlafen, für nicht normal. Reiner, Leiter des Herzkatheterlabors am Universitätskrankenhaus George Washington und Mitglied des amerikanischen Kardiologenkollegiums, ist zu einer hörbaren Stimme in der Frage nach den Leiden des Präsidenten geworden, die zahlreich und immer sichtbarer sind. Neben den Blutergüssen an den Händen, den geschwollenen Fußgelenken und einem rätselhaften Ausschlag am Hals, der schon bei einer Zeremonie Anfang März zu sehen war, fällt es ihm bei vielen Gelegenheiten erkennbar schwer, wach zu bleiben. Reiner verwies am Donnerstag auf Aufnahmen, die den Präsidenten im Oval Office zeigen, während seine Gefolgsleute ihn mit Lobreden auf die schöne, saubere Kohle umgaben.
Anlass war ein Ausschnitt. Er zeigt den 79-Jährigen mit geschlossenen Augen, während Innenminister Doug Burgum darüber sprach, die Kohle als wichtiges Mineral einzustufen. Trump kämpft im Oval Office wieder einmal darum, bei Bewusstsein zu bleiben. Reiner stimmte zu, dass der Präsident eingenickt sei, und versah seine Weitergabe mit einer Warnung. „Eine auffällige Auslassung in der jüngsten ärztlichen Untersuchung des Präsidenten ist jede Erwähnung seiner Schlafstörung“, schrieb er. „Das ist nicht normal.“ Bereits im vergangenen Monat hatte er dem Sender CNN gesagt, der Präsident leide an einer schweren Tagesschläfrigkeit, die er als schwere Erkrankung einordnete.
Man sollte die Szene genau betrachten, denn in ihr liegt mehr als eine Anekdote. Während Umweltbehördenleiter Lee Zeldin die Regierung des früheren Präsidenten Joe Biden dafür angriff, dass sie den schmutzigsten der fossilen Brennstoffe habe regulieren wollen, neigte sich der Präsident schräg in seinem Sessel zur Seite, blinzelte lang und ließ den Kopf zuweilen kreisen, um nach oben zu blicken. Als Burgum sprach, döste er in anderer Haltung, vornübergebeugt über den Schreibtisch, die Hände im Schoß, die Augen fest geschlossen, selbst in dem Augenblick, in dem der 69-Jährige sich beim Präsidenten dafür bedankte, der Kohle den Weg zu mehr Handel geöffnet zu haben. Es ist das Bild eines Hofstaats, der den Schlaf preist, eine Versammlung, in der die Diener die Tatkraft eines Mannes rühmen, der sie nicht mehr hört.
Der Anlass selbst war die Kohle. Mit Notstandsbefugnissen aus dem Kalten Krieg, dem Gesetz zur Verteidigungsproduktion von 1950, lenkte der Präsident Millionen in amerikanische Kohlekraftwerke und in die Ausfuhr nach Asien, nach den vorliegenden Angaben 425 Millionen Dollar für Verbesserungen an dreizehn Kohlekraftwerken und 75 Millionen für das Ausfuhrterminal West Gateway in Oakland. Über diesem Vorhaben, das die Vergangenheit am Leben halten soll, schlief der ein, der es verfügt hatte.
Die Sorge um den Schlaf steht nicht allein. Seine nächtlichen Ausbrüche im eigenen Netzwerk Truth Social legen nahe, dass er im April an dreiundachtzig von hundert Tagen nicht durchgeschlafen hat. Nach einem Besuch im Militärkrankenhaus Walter Reed am 26. Mai veröffentlichten seine Ärzte einen ausführlichen Bericht mit vielen Daten, doch vom Schlaf war darin nichts zu lesen. Hinzu kommt, dass der Präsident nach seinem dritten Besuch in Walter Reed binnen dreizehn Monaten für eine Woche aus der Öffentlichkeit verschwand, was die Befürchtung nährte, es könne etwas Ernstes vorliegen. Das Weiße Haus tat dies ab und erklärte, er sei für sein Alter bei bester Gesundheit. Sein Leibarzt Sean Barbabella teilte in einem Vermerk mit, der Präsident wiege rund 108 Kilogramm, etwa sechs Kilogramm mehr als im Jahr zuvor, und sein Ruhepuls sei von 62 auf 73 Schläge in der Minute gestiegen. „Der Präsident ist bei allen angemessenen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen auf dem neuesten Stand“, schrieb Barbabella. „Routinemäßige Krebsvorsorge, die Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos und Stoffwechseluntersuchungen sind aktuell und liegen innerhalb der empfohlenen Abstände. Es wurde eine vorbeugende Beratung angeboten, darunter Hinweise zur Ernährung, die Empfehlung, niedrig dosiertes Aspirin zu nehmen, sich mehr zu bewegen und weiter abzunehmen.“
Reiner blieb auch danach besorgt. „Angesichts der fortbestehenden Bedenken nach der jüngsten Untersuchung und der langen Abwesenheit des Präsidenten aus der Öffentlichkeit sollte das Weiße Haus den Leibarzt den Fragen der Presse zur Verfügung stellen“, sagte er. Die Antwort des Weißen Hauses fiel kampflustig aus. „Wenn es wie eine Ente quakt, ist es vielleicht doch nur ein parteiischer Arzt der Demokraten“, sagte der Sprecher Davis Ingle. Der Präsident sei „der klarste, zugänglichste und energischste Präsident der amerikanischen Geschichte“, und alle angeblichen Mediziner, die sich aus politischen Gründen in Ferndiagnosen ergingen, brächen offenkundig den hippokratischen Eid, den sie geschworen hätten. Schon zuvor, zum Nickerchen vor Burgum befragt, hatte Ingle dieselbe Formel bemüht und hinzugefügt, während die „klebstoffschnüffelnden Reporter“ des Blattes haltlose Verschwörungstheorien verbreiteten, arbeite der Präsident rund um die Uhr daran, das Land größer zu machen als je zuvor. Es ist eine eigene Komik, einen Mann rund um die Uhr arbeiten zu lassen, dem zur selben Stunde die Augen zufallen, und ihn den energischsten der Geschichte zu nennen, während die Aufnahmen das Gegenteil zeigen.
Bleibt der Gedanke, der unter allem liegt, und er gilt nicht dem alternden Mann, sondern dem Apparat um ihn. Seit alters her unterscheidet man am Herrscher zwei Körper, den des Amtes, der nicht müde wird und nicht stirbt, und den des Menschen, der altert wie jeder andere. An einem Körper ist nichts Beschämendes, der ermüdet, denn das tut jeder, und am 14. Juni wird der Präsident achtzig. Beschämend ist allein die Maschinerie, die den einen Körper leugnet, um den anderen zu beschwören, die ein Gutachten vorlegt, das alles vermerkt außer dem, was die Kameras zeigen, und die das Schweigen über den Schlaf mit dem Lärm über die Tatkraft übertönt. Wer immense Macht in der Hand hält, schuldet den Menschen Klarheit über den Zustand der Hand, die sie hält. Die geschlossenen Augen im Oval Office sind kein Vergehen. Das Vergehen ist die Behauptung, sie seien offen.
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