Donald Trump erklärte am Mittwoch im Oval Office, ein Abkommen mit dem Iran sei „sehr gut möglich“. Nur Stunden zuvor hatte derselbe Präsident dem Iran mit neuen Bombardierungen gedroht. Sollte Teheran den amerikanischen Forderungen nicht zustimmen, werde „das Bombardieren wieder beginnen“, schrieb Trump auf Truth Social. Die Angriffe würden dann auf „einem deutlich höheren Niveau und mit größerer Intensität“ stattfinden als zuvor. Wenige Stunden später sprach er bereits wieder von guten Gesprächen, Fortschritten und einem möglichen Durchbruch.
Genau diese widersprüchlichen Botschaften prägen inzwischen die gesamte amerikanische Linie in diesem Krieg. Während Außenminister Marco Rubio noch am Dienstag erklärt hatte, der Krieg sei beendet, sprach Trump am Mittwoch erneut über mögliche Luftschläge. Gleichzeitig bezeichnete er den Konflikt im Weißen Haus plötzlich nur noch als „kleines Gefecht“. Parallel dazu stehen weiterhin rund 50.000 amerikanische Soldaten in der Region bereit. Flugzeugträger, Zerstörer, Marineeinheiten und Kampfflugzeuge bleiben in Alarmbereitschaft, während Washington öffentlich gleichzeitig von Frieden und neuen Angriffen spricht.

Auch aus Teheran kamen am Mittwoch völlig unterschiedliche Aussagen. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte, die Regierung prüfe derzeit einen amerikanischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Iran werde seine Antwort über pakistanische Vermittler übermitteln. Stunden zuvor hatte ein anderer iranischer Vertreter denselben Vorschlag noch als „Liste amerikanischer Wünsche“ abgetan.
Hinter den Kulissen laufen offenbar intensive Verhandlungen. Laut mehreren Informationen handelt es sich um ein einseitiges Memorandum mit vierzehn Punkten, das zwischen amerikanischen Unterhändlern und iranischen Vertretern verhandelt wird. Steve Witkoff und Jared Kushner sollen dabei direkt und indirekt mit iranischen Funktionären sprechen. Washington verlangt laut den vorliegenden Informationen unter anderem einen Stopp der Urananreicherung. Im Gegenzug könnten Sanktionen aufgehoben und eingefrorene iranische Milliarden freigegeben werden. Auch die Lage rund um die Straße von Hormus ist Teil der Gespräche.
Gerade dort bleibt die Situation angespannt. Die Vereinigten Staaten hatten ihre Marineoperation zur Eskorte von Handelsschiffen überraschend gestoppt und dies mit „großen Fortschritten“ in den Gesprächen begründet. Gleichzeitig erklärte das US-Zentralkommando am Mittwoch, ein amerikanischer Kampfjet habe einen iranischen Öltanker manövrierunfähig geschossen. Der Tanker habe versucht, die amerikanische Blockade zu durchbrechen und auf Warnungen nicht reagiert. Ein F/A-18 Super Hornet habe daraufhin mehrere Schüsse auf das Ruder des Schiffes abgegeben. Das Schiff könne nun nicht mehr Richtung Iran weiterfahren.

Die wirtschaftlichen Folgen der Krise bleiben weltweit spürbar. Ölpreise fielen am Mittwoch zwar zeitweise deutlich, weil Investoren auf eine Entspannung hofften, doch die Unsicherheit bleibt enorm. Frankreich und Großbritannien arbeiten weiter an einer internationalen Marineoperation zur Sicherung der Schifffahrt. Frankreich verlegte bereits den Flugzeugträger Charles de Gaulle Richtung Rotes Meer. Präsident Emmanuel Macron fordert inzwischen offen, die Straße von Hormus unabhängig von einem endgültigen Friedensabkommen sofort wieder vollständig zu öffnen.
Auch Israel bereitet sich sichtbar auf eine neue Eskalation vor. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte nach Gesprächen mit Trump, beide Regierungen hätten weiterhin dasselbe Ziel – die vollständige Entfernung des angereicherten Urans aus dem Iran sowie die Zerstörung der iranischen Anreicherungsfähigkeit. Netanyahu sagte, Trump glaube, dieses Ziel werde „auf die eine oder andere Weise“ erreicht. Gleichzeitig habe er die israelischen Streitkräfte angewiesen, sich auf jedes Szenario vorzubereiten.
Zusätzlich verschärfte Israel am Mittwoch erneut die Lage im Libanon. Zum ersten Mal seit dem Waffenstillstand im vergangenen Monat griff die israelische Luftwaffe wieder Ziele in den südlichen Vororten von Beirut an. Israel erklärte, Ziel des Angriffs sei ein Kommandeur der Radwan-Einheit der Hisbollah gewesen.
Währenddessen versucht Trump öffentlich weiter Optimismus zu verbreiten. Im Oval Office sagte er, der Iran wolle unbedingt ein Abkommen schließen. Gegenüber Fox News sprach er sogar davon, dass eine Einigung möglicherweise innerhalb einer Woche erreicht werden könne. Wenig später relativierte er diese Aussage bereits wieder und erklärte, es gebe gar keine feste Frist.
Genau darin liegt inzwischen das eigentliche Problem dieser Verhandlungen. Kaum eine Aussage hält länger als einige Stunden. Der Krieg sei vorbei, sagt Washington. Wenige Stunden später folgen neue Bombendrohungen. Gespräche liefen hervorragend, heißt es aus dem Weißen Haus. Gleichzeitig erklärt Teheran, amerikanische Forderungen seien unrealistisch. Militärische Operationen würden beendet, sagt Trump. Kurz darauf wird erneut ein iranischer Tanker beschossen.
Die Lage im Nahen Osten hängt damit weiterhin an widersprüchlichen Botschaften, persönlichen Drohungen und improvisierter Diplomatie. Der Krieg ist offiziell vorbei – bis wieder jemand bombardieren lässt.
Fortsetzung folgt …
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