Während die Goldene Woche beginnt, eine der wichtigsten Reisezeiten des Landes, schlagen Behörden in mehreren Regionen Alarm. In den Präfekturen Aomori, Iwate und Fukushima wird vor einer stark gestiegenen Gefahr durch Bären gewarnt. Experten sprechen von einer unruhigen Saison, die Tiere sind aktiv, die Begegnungen mit Menschen nehmen zu.

Die Vorfälle häufen sich. Am 20 April wird in Iwate die Leiche einer Frau gefunden, vermutlich Opfer eines Angriffs. Am 27 April greift ein Bär in Hokkaido einen Jäger an, verletzt ihn schwer im Gesicht. Zwei Tage später wird eine Frau in einem Wohngebiet in Toyama attackiert und lebensgefährlich verletzt, der erste Fall dieser Art dort seit 26 Jahren. Am selben Tag taucht ein Tier in Sendai auf der Straße auf und ein Zugführer meldet einen Bären direkt an den Gleisen. Am 30 April folgt die nächste Attacke in Toyama, erneut schwere Verletzungen.

Die Dimension lässt sich inzwischen in Zahlen ablesen. Über 130.000 Sichtungen und Vorfälle sind landesweit erfasst. Während der Goldenen Woche haben sich die Angriffe seit 2019 verneunfacht. 2025 wird zum schlimmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. 13 Tote, mehr als 100 Verletzte, über 235 dokumentierte Angriffe und mehr als 20.000 Sichtungen. Auffällig ist, dass sich die Tiere nicht nur verteidigen, sondern gezielt angreifen, auch in Wohngebieten.

Ein Ereignis zeigt die neue Lage besonders deutlich. Im Oktober dringt ein Bär in einen Supermarkt nahe Tokio ein und greift zwei Menschen im Sushi Bereich an. Wenige Wochen später werden in Akita zwei Frauen nacheinander attackiert. Die Bedrohung ist nicht mehr auf abgelegene Regionen beschränkt. Die Ursachen liegen offen. 2025 fällt die Ernte von Eicheln und Bucheckern fast vollständig aus, zentrale Nahrungsquellen vor dem Winterschlaf. Tiere weichen aus, ziehen weiter, gelangen in Vororte und Städte. Gleichzeitig wächst die Population massiv. Von rund 15.000 Tieren im Jahr 2012 auf etwa 54.000 im Jahr 2025. Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte zeigen Wirkung, jetzt kippt das Gleichgewicht.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem. Immer weniger Jäger stehen zur Verfügung, viele sind alt, Nachwuchs fehlt. Die Ausbildung dauert bis zu zehn Jahre. Gleichzeitig verlassen Menschen ländliche Regionen, Felder und Gärten verwildern und bieten Nahrung. Selbst die Sperrzone rund um Fukushima hat sich zu einem ungestörten Lebensraum entwickelt.

Der Staat reagiert mit Härte. Bereits 2025 wird das Militär in Akita eingesetzt. Mehr als 12.000 Tiere werden im Laufe des Jahres getötet oder gefangen. Insgesamt erreicht die Zahl der Abschüsse 13.499. Polizei darf inzwischen auch in Wohngebieten schießen. Ein Maßnahmenpaket über 34 Milliarden Yen wird beschlossen, darunter staatliche Jäger, neue Ausrüstung und tausende Fallen. 2026 folgt die nächste Stufe. Die Regierung legt einen Plan bis 2030 vor. Allein in Tohoku sollen 12.000 Tiere reduziert werden, im Raum Tokio weitere 2.000. Die Zahl der eingesetzten Kräfte soll verdreifacht werden. Zehntausende Abwehrmittel werden verteilt.
Gleichzeitig ändert sich die offizielle Linie. Bären gelten nicht mehr primär als geschützte Art, sondern als aktiv zu regulierende Population. Wohngebiete und landwirtschaftliche Flächen werden zu Zonen erklärt, aus denen Tiere konsequent verdrängt werden. Dringen sie dort ein, gilt die Tötung als Standardmaßnahme. Japan steht damit vor einer Entwicklung, die nicht mehr lokal begrenzt ist. Es geht nicht um einzelne Vorfälle, sondern um eine Lage, die das ganze Land betrifft.
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