Am Montag gründet das Kriegsministerium ein „America’s Corps of Cadets“, und der Name klingt harmloser, als die Sache ausfällt. Pete Hegseth hat der Spitze des Pentagons in einem Schreiben mitgeteilt, dass er künftig gemeinsam mit ausgewählten Hochschulen Offiziere heranziehen wolle, mehr davon, vor allem „patriotischere“. Armeen entstehen im Hörsaal, lange bevor sie auf dem Schlachtfeld gebraucht werden. Genau dort greift Hegseth jetzt durch.

Fünf Häuser stehen auf seiner Liste. Vornweg die Louisiana State University, 1853 als Militärschule gegründet, seinerzeit Louisiana State Seminary of Learning & Military Academy, die Richtung ist also eingebaut. Dann zwei Namen, die man im rechten Bildungsmilieu auswendig kennt, die evangelikale Liberty University und das konservative Hillsdale College. Dazu die Tuskegee University und die Mississippi State University. Jedes dieser Häuser wird zum „Distinguished Military College“ geadelt und soll, so der Wortlaut, „außergewöhnlich hohe Standards an Kadettendisziplin, taktischer Ausbildung und militärischer Organisation“ einhalten. Als „Honor School“ bekämen ihre Absolventen Vorfahrt ins Offizierspatent. Fünf vom Minister persönlich gewählte Adressen, jede mit einer Abkürzung in die Führung der Streitkräfte. Der Rest des Landes darf zuschauen.

Den Grund lieferte Hegseth in seiner Rede zur „Lage der Streitkräfte“ gleich mit. Von den Elite-Universitäten bis zu den meisten geisteswissenschaftlichen Colleges seien die Hochschulen des Landes „antiamerikanische, DEI-anbetende Fabriken der Wokeness“ geworden. Mut und Biss habe man gegen politische Korrektheit eingetauscht, Gott und Vaterland gegen Che Guevara und kritische Theorie. Zwei Reizworte, viel mehr steckt in dieser Diagnose nicht, und genau darin liegt ihr Zweck. Hat man die halbe Bildungslandschaft erst zum Feind erklärt, bleibt nur, den Nachwuchs anderswo zu ernten. Gezogen wird er künftig an Orten, an denen das richtige Weltbild bereits zum Lehrplan gehört.
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Das wirkt nach Verwaltung, nach ein paar Kooperationsverträgen. Dahinter steckt ein Zugriff auf die Zeit danach. Was heute an 5 Adressen gelehrt wird, sitzt in 20 Jahren in den Befehlsständen. Eine Armee dreht man nicht über Nacht. Über ihre Zuläufe schon, langsam, einen Jahrgang nach dem anderen. Deshalb wiegt dieser Montag schwerer als die dürre Zeile, mit der er verkündet wurde. Loyalität lässt sich nicht befehlen. Anbauen lässt sie sich schon, wenn man früh genug das Saatgut wählt, und genau das tut er hier.
Was er sich wünscht, klang wie ein Werbeprospekt für eine Welt, die es nicht mehr gibt. Man brauche „Studenten der westlichen Zivilisation und der Grundpfeiler unserer Republik“, Offiziere, „die den Glauben Jerusalems, die Philosophie Athens, die Macht Roms und die Freiheit Philadelphias von 1776 verstehen“. Freiheit als Pflichtfach, abgeprüft an jungen Leuten, die er zuvor nach Gesinnung sortiert hat. Die Pointe hat er sich selbst geschrieben.
Die alten Militärcolleges bekamen ihr Lob, Texas A&M und die Citadel, für den dort gelehrten „patriotischen und selbstlosen Dienst“. Ein Minister, der Hochschulen in Vorbilder und Verfallsfabriken einteilt, mustert Lehranstalten, als wären sie Rekruten. Gehorsam zählt dann mehr als Lehre, Gesinnung mehr als Können. Der jetzige Zustand der Offizierslaufbahn sei gut, die Zukunft werde noch besser. Indem man Disziplin fest in neue Einrichtungen gieße und das Kadettenkorps vergrößere, werde das Kriegsministerium der Republik noch mehr Offiziere „von unerschütterlichem Charakter, Patriotismus und Härte“ bescheren.
Ein Wort fehlt in dieser Aufzählung, das wichtigste, Urteil. Ein Offizier, den man auf bedingungslose Treue abrichtet, ist in dem einen Augenblick nutzlos, auf den es ankommt, wenn ein Befehl rechtswidrig ist und ein Nein verlangt. Streitkräfte, ausgesucht nach dem richtigen Bekenntnis, kennt die Geschichte reichlich, und hinterher stand selten noch die Verfassung aufrecht, die sie hätten schützen sollen. Eine solche Auslese bringt Gläubige in Uniform hervor, deren Treue dem Mann gehört, der sie ausgesucht hat, und nicht dem Land. Hegseth gründet keine Offiziersschule. Er baut eine Kaderschmiede für Überzeugte und legt ihnen eines Tages Waffe und Befehl in dieselbe Hand.
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