Amerika hat Trump satt, seine Grausamkeit noch lange nicht

VonTEAM KAIZEN BLOG

1. Oktober 2026

Die Umfragen vor den Midterms lesen sich für Donald Trump und seine Partei wie ein Abriss. Seine Zustimmung ist in die niedrigen 30 Prozent gefallen, getrieben vor allem von den eigenen Leuten. Lag die Billigung unter Republikanern früher in den hohen 80ern oder niedrigen 90ern, steht sie jetzt bei etwa 70 Prozent. Dahinter stehen die Preise und die Lebenshaltungskosten, dazu eine Führung, die niemanden mehr überzeugt. Eine Mehrheit versteht die Wahl als Abstimmung über Trump, der nicht auf dem Zettel steht, die Unabhängigen am deutlichsten. Im Rennen um den Kongress führen die Demokraten, je nach Umfrage mit 12 Punkten bei den registrierten und 11 bei den wahrscheinlichen Wählern.

Die Gesamtbilanz fällt entsprechend brutal aus: 33 Prozent Zustimmung, 63 Prozent Ablehnung. Das ergibt eine Nettobewertung von etwa minus 30 Punkten und ist der schlechteste Wert seit Beginn dieser Umfragereihe im Mai 2025. Zum ersten Mal liegt Trump unter 35 Prozent Zustimmung, zum ersten Mal über 62 Prozent Ablehnung. Im August lag seine Nettobewertung noch bei minus 24. Besonders schwer wiegt, dass auch sein wichtigstes Alltagsthema kollabiert: Bei Preisen und Inflation kommt Trump inzwischen auf minus 54, mit nur 21 Prozent Zustimmung und 75 Prozent Ablehnung. Die Umfrage zeigt damit keinen einzelnen schlechten Monat, sondern einen Präsidenten, dessen Zustimmung gleichzeitig insgesamt und bei einem der für die Wähler wichtigsten Themen auf neue Tiefstände fällt.

Zur Einordnung: Die blaue Welle von 2018 brachte den Demokraten landesweit 8,6 Prozent Vorsprung im Repräsentantenhaus, 2008 waren es 10,6, unter einem republikanischen Präsidenten, so beliebt wie Trump, mitten in der großen Rezession und einem zerfasernden Irakkrieg. Damals holten die Demokraten 257 Sitze gegen 178. Im guten Nachrichtenstrom steckt eine Zumutung. Trumps brutalste Politik bleibt bei seiner Basis beliebt, und sie zieht auch im übrigen Land. Bei den Abschiebungen geben Umfragen den Republikanern ein Punkt Vorsprung, bei Kriminalität und öffentlicher Sicherheit 5. An der Grenze sind es 11. Zustimmung für das Gewalttätigste, was diese Regierung zu bieten hat.

Diese Grafik ist für Trump besonders unangenehm, weil sie nicht seine Person abfragt, sondern wem die Amerikaner bei konkreten Problemen mehr zutrauen. Die Demokraten liegen bei 10 von 13 Themen vorn. Bei Gesundheit sind es 25 Punkte, bei staatlicher Finanzierung und Sozialprogrammen 21, bei Bildung 17. Selbst bei Preisen und Inflation, dem wichtigsten Problem für viele Amerikaner, liegen die Demokraten inzwischen 14 Punkte vor den Republikanern. Bei Jobs und Wirtschaft sind es 11 Punkte, bei Außenpolitik 8. Selbst bei Einwanderung, lange eine klare republikanische Stärke, liegt die Umfrage praktisch gleichauf beziehungsweise knapp bei den Demokraten. Den Republikanern bleiben klare Vorteile nur bei Grenzsicherung, Kriminalität und Abschiebungen. Noch härter für Trump: Beim jeweils persönlich wichtigsten Problem der Befragten führen die Demokraten mit 45 zu 35.

Was das bedeutet, lässt sich an einer Behörde ablesen. Trump hat eine Bundespolizei aufgebaut, die niemandem Rechenschaft schuldet und im Verborgenen arbeitet. Sie greift Menschen nach Hautfarbe oder Sprache auf. Aufsicht gibt es praktisch keine. In ihren Lagern sterben Menschen, nach Zählung der Bürgerrechtsorganisation ACLU mindestens 57 in Trumps zweiter Amtszeit, im inzwischen geschlossenen Alligator Alcatraz gab es Folterräume. Getroffen werden auch Staatsbürger und Menschen mit legalem Status, bis hin zu schweren Verletzungen und Toten.

Diese Grafik zeigt, wo Trumps September-Absturz herkommt: aus den eigenen Reihen. Bei Republikanern und republikanisch orientierten Wählern fiel seine Nettobewertung innerhalb eines Monats von +54 auf +43. Das ist der niedrigste Wert dieser Umfragereihe. Bei Demokraten änderte sich praktisch nichts, bei Unabhängigen ebenfalls kaum. Der Einbruch sitzt also genau dort, wo Trump normalerweise seinen sichersten Rückhalt hat. Noch deutlicher wird es bei seinen eigenen Wählern von 2024: Der Anteil derjenigen, die ihm stark zustimmen, sank von 53 Prozent im Mai 2025 auf 35 Prozent. Trump verliert hier nicht plötzlich seine Gegner. Er verliert Begeisterung bei Leuten, die ihn selbst gewählt haben.

Zwei Amerikaner, von denen keine Gefahr ausging, hat ICE erschossen. Alex Pretti und Renee Good wurden von Beamten getötet und zunächst als Inlandsterroristen abgestempelt. Auch Lorenzo Salgado Araujo starb durch ICE, erschossen bei einer Verkehrskontrolle in Houston. Die Behörde habe erklärt, er habe versucht, einen Beamten zu überfahren, mehrere Zeugen widersprachen. Wenn ihre Leute wahllos töten, hält die Regierung die Bundesstaaten von eigenen Ermittlungen ab. Beunruhigend ist, dass die halbe Bevölkerung damit leben kann und 77 Prozent der Republikaner es ausdrücklich gutheißen. 61 Prozent von ihnen wollen keinen Weg zur Staatsbürgerschaft, sie wollen alle abschieben, auch die, die als Kinder ins Land kamen. Für diese Menschen führt die Abschiebung in Länder, deren Sprache sie nicht sprechen und in denen sie niemanden kennen, faktisch in den Tod. Manche, die legal hier waren, nehmen sich das Leben, statt zurückzugehen.

Beim Thema Sicherheit trauen die Wähler weiter den Republikanern mehr zu. Die Verbrechen, die diese Partei jagt, sind von eigener Art. Eine trans Person, die zur Hormontherapie geht oder eine Toilette benutzt, gilt als Fall. Ein neuer Pass oder T-Ball im Kindergarten ebenso. Worüber dieselbe Partei hinwegsieht, ist anderes Kaliber. Wirtschaftskriminelle lässt sie laufen, den Kindesschänder auch, solange er spendet oder eine Insel besitzt. Bestechung im Amt und ein Putschversuch gegen die eigene Regierung stehen nicht auf ihrer Liste.

Die Mehrheit hat die Parolen gegen trans Menschen übernommen, und selbst Demokraten fallen langsam ein. Im Wahlkampf der Republikaner steht das Thema an Nummer 1, weil es ihnen Stimmen bringt. In Kongress und Bundesstaaten zeichnen sie trans Menschen zunehmend als gefährliche, geisteskranke Entartete, die man gegen ihren Willen wegsperren solle. Als Senator Tuberville über „pelzige Piloten“ spottete, lachte das Netz, überhörte aber, dass der Spott Teil einer 20-minütigen Tirade war, an deren Ende die Zwangseinweisung stand. Solche Forderungen haben eine Vorgeschichte. Zwischen 1933 und 1945 hieß das in Deutschland Aktion T4, die Einweisung und Ermordung von psychisch Kranken und Behinderten.

Die zweite Säule der republikanischen „Recht und Ordnung“ schwimmt. Früher legte ein Hubschrauber der Marine oder Küstenwache ein verdächtiges Boot mit 1 Schuss pro Motor lahm. Dann ging eine Mannschaft an Bord und nahm die Leute fest. Heute hat das US-Militär über 230 Menschen auf Booten getötet, die nur im Verdacht standen, Drogen zu transportieren. Mehr Amerikaner finden das gut als schlecht, 48 Prozent gegen 41, unter Republikanern sind es 83. Auf hoher See sind die Vereinigten Staaten Richter und Henker in einem, nach Einschätzung von Völkerrechtlern womöglich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine Mehrheit findet das in Ordnung, obwohl die Angriffe den Drogennachschub messbar nicht gedrückt haben. Grausamkeit als Vorführung, die Regierung weiß es, und ein zu großer Teil des Publikums mag es.

So weit trägt das alles, solange der Alltag billig bleibt. Viele Amerikaner haben für Härte und Willkür gestimmt, solange die Gallone Benzin unter drei Dollar und das Pfund Hackfleisch unter vier blieb. Diesen Handel hat Trump selbst aufgekündigt, mit dem Angriff auf den Iran, der die Energiemärkte durcheinanderbrachte, und mit einem der dümmsten Handelskriege der Geschichte gegen Kanada, der alles verteuerte. Die Partei wirbt mit zwei Versprechen, Härte gegen jene, die sie zu Untermenschen erklärt, und Steuergeschenke für die Wirtschaft. Dass Letztere den Lebensstandard heben, schwört sie Stein und Bein. Sie tun es nicht. Sogar Republikaner kommen finanziell nicht voran, und genau das frisst Trumps Rückhalt bei ihnen. Der Anteil der Republikaner, die ihre Wirtschaftslage besser sehen als vor einem Jahr, fiel von 72 Prozent im Januar auf 29 im September.

Hier sieht man nicht bloß Unzufriedenheit, sondern wie tief sie inzwischen sitzt. Rund 50 Prozent der Erwachsenen lehnen Trumps Amtsführung stark ab, nur etwa 15 bis 16 Prozent stimmen ihm stark zu. Der Abstand liegt damit bei rund 35 Punkten und ist der größte in dieser Umfragereihe. Im Frühjahr 2025 lag die Lücke noch deutlich niedriger. Das Entscheidende: Die starke Ablehnung wächst, während die überzeugte Zustimmung schrumpft. Für Trump bedeutet das, dass seine Gegner nicht nur zahlreicher sind, sondern ihre Ablehnung inzwischen sehr viel entschiedener äußern als seine Anhänger ihre Zustimmung.

Damit gleichen viele Amerikaner dem Durchschnittsrussen, mit dem Faschismus im Reinen, solange das eigene Konto wächst. Nur zahlt der Faschismus an die Reichen aus, während die Masse ärmer wird. Er verspricht dem Herrenvolk Wohlstand und liefert ihn den Eliten und Günstlingen. Die Nazis senkten die Steuern und zerschlugen die Gewerkschaften, sie privatisierten große Teile der Industrie, und die Oberschicht wurde reicher. 20 Prozent der kleinen Betriebe gingen dabei unter. Die Löhne wurden eingefroren, die Arbeitswoche wuchs binnen weniger Jahre um 20 Prozent. Was der Faschismus wirklich austeilt, ist Elend für die Ausgestoßenen, kein Brot und keine Spiele. Offen bleibt, wann die MAGA-Basis begreift, wie die Rechnung läuft. Diese Partei quält bereitwillig die, die man hassen soll. Am Tisch der Oligarchen aber ist nur begrenzt Platz, und der Rest steht früher oder später selbst auf der Speisekarte.

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