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Vor 50 Jahren schrieb Carlo Cipolla, die Dummen seien als Gruppe „weit mächtiger als die Mafia oder der militärisch-industrielle Komplex“. Der Satz stand 1976 in einem schmalen Buch über die Grundgesetze der menschlichen Dummheit. Er liest sich, als wäre er für diese Woche verfasst.
Man sehe sich die Gegenwart an. In Iran zerfällt einer der dümmsten Kriege der Geschichte. Ein unfähiger Gesundheitsminister arbeitet daran, Masern und Polio zurückzuholen. In der Republikanischen Partei halten 20 Prozent den Sturm aufs Kapitol vom 6. Januar für einen gewaltsamen Aufstand, während 71 Prozent bestreiten, dass Joe Biden 2020 gewonnen hat. Und eine Regierung weigert sich, die künstliche Intelligenz und die Kryptobranche zu bändigen, die den Wohlstand und die Sicherheit aller bedrohen. 1976 war die Welt auf ähnliche Weise von Wut zerrissen und schien am Rand einer Katastrophe.

Cipolla war Wirtschaftshistoriker, lehrte in Berkeley, hatte den Faschismus aus der Nähe gesehen und schrieb im Nachhall des Vietnamkriegs. Ihn trieb die Frage, wie hochentwickelte Gesellschaften wahrhaft dumme Dinge tun. Gedacht war das Buch für Freunde, verkauft hat es sich über eine halbe Million Mal, angesiedelt zwischen Satire und ernster Wissenschaft. Es sei „weder ein Erzeugnis des Zynismus noch eine Übung im Defätismus“, schrieb er, „so wenig wie ein Buch über Mikrobiologie“. Es sei der Versuch, eine der mächtigsten dunklen Kräfte zu erkennen und womöglich unschädlich zu machen, die dem menschlichen Glück im Weg stehen.
Cipolla teilte die Menschen in 4 Gruppen. Die Hilflosen schaden sich selbst und nützen anderen. Die Intelligenten nützen sich und anderen. Die Banditen bereichern sich auf Kosten anderer. Die Dummen schaden anderen, ohne selbst etwas davon zu haben. Um diese Letzten ging es ihm.

Fünf Gesetze trägt seine Theorie. Ihre Zahl unterschätze jeder, immer und ausnahmslos. Dumm sein könne jeder, unabhängig von allem anderen an ihm. Der Dumme füge anderen Schaden zu und ziehe selbst keinen Nutzen daraus. Die Nichtdummen unterschätzten stets seine zerstörerische Kraft, und sich mit ihm einzulassen, gerate ausnahmslos zum teuren Fehler. Das härteste Gesetz kommt zuletzt, der Dumme sei die gefährlichste Sorte Mensch, gefährlicher als der Bandit. Wie hoch man die Dummheit auch veranschlage, schrieb er, man werde doch stets aufs Neue überrascht, wenn ein für klug Gehaltener sich als hemmungslos dumm erweise und einem im ungünstigsten Moment in die Quere komme.
Gefährlich werde es, wenn die Dummen an die Macht gelangten, dann wachse die Gefahr ins Unermessliche. Ihnen stünden die Mittel der Zerstörung zur Verfügung, die die Klugen geschaffen hätten, Heere und Waffensysteme, dazu die Hebel des Geldes und der Einfluss auf die Öffentlichkeit. Sie herrschten über Branchen, die den Banditen gehörten, und schwächten die Wächter, die sie im Zaum halten sollten. Man stelle sich vor, schrieb Cipolla, ein außergewöhnlich dummer Mann werde Verteidigungsminister und setze die eigenen Soldaten und den Rang des Landes aufs Spiel. Dazu pflanze er der Truppe eine Kultur des Testosterons ein, die sie über Jahre beschädige. Den Klugen falle die Aufgabe zu, die Dummen zu bändigen. Gelinge das nicht, gehe es rasch bergab.
In der Demokratie sitze die Dummheit besonders fest. „Innerhalb eines demokratischen Systems“, so Cipolla, „sind allgemeine Wahlen ein höchst wirksames Mittel, die Dummen dauerhaft unter den Mächtigen zu halten.“ Politiker müssten die Dummen umwerben, um an der Macht zu bleiben, also finde sich unter den Amtsträgern stets ein Teil von ihnen.

Das zweite Gesetz reizt zum Widerspruch. Dummheit kenne keinen Zusammenhang mit Vermögen oder Bildung, auch der Rang schütze nicht. Man denke an die Narren mit Abschlüssen im heutigen Washington. Ted Cruz und Robert F. Kennedy Jr. kamen aus Harvard. Samuel Alito und Clarence Thomas gingen durch Yale, wie auch Josh Hawley. Dazu die reichen Toren, Peter Thiel und Elon Musk. Gefährlicher als der dumme Mächtige sei der dumme Mächtige mit Diplom, denn er glaube tatsächlich, er wisse, wovon er rede.
Cipolla räumte ein, dass Menschen die Gruppe wechseln können. Andrew Carnegie sei zunächst ein Bandit gewesen und später ein kluger Wohltäter. Mancher wirke heute hilflos und morgen dumm. Zählen solle das durchschnittliche Verhalten, festgehalten in einem Schema aus 4 Feldern. Unter die Hilflosen fielen auch die Selbstlosen, weshalb der Name in die Irre führt. Clara Barton zählte man dorthin, auch Henry David Thoreau und Martin Luther King, klug waren sie alle.

Zeichnete man die Karte heute, stünde die Führung dieser Regierung fast geschlossen im Feld der Banditen oder der Dummen. Trump selbst rückt mancher zu den Dummen, und vieles, was er tut, ist schlicht dumm. Seine Gier aber übertrifft seine Dummheit, also gehört er zu den Banditen, dicht an der Grenze zur Dummheit und so weit von der Intelligenz entfernt wie möglich. In dasselbe Feld gehören Mike Johnson und Marco Rubio, dazu Scott Bessent. Auch JD Vance und Kash Patel finden sich dort. Ins Feld der Dummen dagegen rücken Robert F. Kennedy Jr. und Pete Hegseth, dazu Tommy Tuberville.
Gefährlich stellt die Vereinigten Staaten gerade die seltsame Mischung aus klug und dumm. Die Männer, die die Atombombe bauten und den Zweiten Weltkrieg gewinnen halfen, kannten die Gefahr genau. Robert Oppenheimer warb danach für Grenzen und für Zusammenarbeit. Harry Truman, ein fähiger Präsident, war klug genug, das Atomprogramm unter zivile Aufsicht zu stellen. Dagegen steht das heutige Versagen, die künstliche Intelligenz zu regeln, obwohl die führenden Firmen selbst warnen, ihre Technik könne die Menschheit auslöschen. Die stärksten Programme brechen aus ihren Sandkästen aus und greifen Behördenseiten an, und der von den Republikanern beherrschte Kongress schaut weg, während Trump davon faselt, die künstliche Intelligenz in „Superintelligenz“ umzutaufen.

Das Bild dafür ist grell. Man habe eine Wasserstoffbombe gebaut und sie dann Gordon Gekko zum Geldverdienen überlassen und Barney Fife, dem tollpatschigen Hilfssheriff, zur Aufsicht. Was dabei schiefgehen könne? Alles, sagt Cipollas Theorie. In einem Land, das bergab gehe, bleibe der Anteil der Dummen gleich, doch unter den Mächtigen wüchsen die Banditen mit einem Zug ins Dumme, und unter den Ohnmächtigen wüchsen die Hilflosen. So werde der Niedergang gewiss, und das Land fahre zur Hölle.
Ob die Vereinigten Staaten auf diesem Weg sind, lässt sich noch nicht sagen. Vielleicht weiß man es erst, wenn es zu spät ist. Beunruhigend genug, dass eine halb im Scherz geschriebene Theorie von vor 50 Jahren so genau auf das Amerika von heute passt. Cipolla starb im Jahr 2000, der beste Beweis seiner selbst blieb ihm erspart.
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Cipolla hat es gut beschrieben.
Wir erleben es jetzt Live und in Farbe.
Ich hoffe die Onmächtigen erheben sich und werden mutig zusammenstehen.
… leider, und genau deshalb ist die Zeit von „alles egal, das regelt sich von allein“ beendet