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Die Abrechnung vom East River: Interne Depesche zeigt, wie Trumps Leute die Welt zerlegen wollen

VonTEAM KAIZEN BLOG

23. September 2026

Das interne Schreiben liegt unserer Redaktion vor. „Making the UN Great Again“. Die Zeile prangt wie ein Wahlkampfbanner über einer Amtsstube. Darunter 5 Seiten, adressiert an das Außenministerium in Washington, gestempelt mit „UNCLASSIFIED“ und „SBU“: sensibel, nicht eingestuft. Ganz unten ein Wort. „Waltz“. Verschickt habe die Depesche Trumps UN-Botschafter Mike Waltz am 21. September; noch am selben Tag wurde sie publik. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor; hierzulande ist sein Inhalt bislang unbekannt. Es liest sich wie ein Kassenbuch, das nebenher den Planeten verwaltet.

„Die interne Depesche wurde am 21. September 2026 von Mike Waltz, dem US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, versandt und liegt unserer Redaktion vor. Das Versanddatum ist in der zugehörigen E-Mail dokumentiert. Dass der 6-seitige Anhang selbst kein Datum trägt, ist bei einer solchen Übermittlung nicht ungewöhnlich.“

Kapitel 1 heißt „Cutting Bloat“, Fett wegschneiden. Waltz rechnet vor: Rund 4.000 zivile UN-Stellen seien gestrichen, die eingesetzten Blauhelme um 25 Prozent verringert worden. Der Haushalt schrumpfe um 1,1 Milliarden Dollar, die größte Kürzung in der Geschichte der Vereinten Nationen; mehr als 200 Millionen davon sparten amerikanische Steuerzahler jährlich. Truppensteller bekämen nur noch Geld für Ausrüstung, die sie tatsächlich nutzen, Ersparnis rund 30 Millionen Dollar im Jahr. Missionsleitungen dürften schwaches Personal schneller entfernen und sexueller Ausbeutung und Missbrauch entschlossener begegnen. Das Motto: weniger tun, das aber gut. Dann der Satz, um den alles kreist. Aktive Führung der USA könne die Vereinten Nationen für amerikanische Interessen arbeiten lassen. Gegründet wurde die Organisation als gemeinsamer Tisch der Welt. Hier wird er vermessen, bis nur noch ein Stuhl daran passt.

Am kältesten wird der Ton bei den Palästinensern. Waltz‘ Vertretung habe verhindert, dass die palästinensische Beobachtermission Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft der Generalversammlung übernehme. Begründung: So könnten diese Ämter nicht für einseitige Initiativen genutzt werden, die amerikanische Souveränität und Interessen untergrüben. Welche Staaten mitzogen und wie die Entscheidung fiel, verschweigt die Depesche. Sie vermerkt nur den Strich durch einen unerwünschten Namen. Eingeordnet wird das unter dem Leitgedanken „Vorrang der Nationen“ für die 81. Generalversammlung, gerichtet gegen transnationale Organisationen, die Souveränität aufzehrten. Geschrieben aus dem Inneren einer solchen Organisation.

Bei Gaza greift das Papier nach dem ganz großen Wort. Nach Trumps Treffen mit 8 Staaten während der Generalversammlung 2025 und dem Gipfel von Scharm el-Scheich im Oktober habe Waltz‘ Vertretung dem Plan des Präsidenten die Billigung des Sicherheitsrats verschafft, samt einem „Board of Peace“. Gegen Jahrzehnte früherer Ratsbeschlüsse, betont die Depesche, und unter scharfer internationaler Beobachtung. Damit sei der Konflikt faktisch beendet, der Weg zur Entwaffnung der Hamas offen. Vorgesehen seien eine internationale Stabilisierungstruppe und ein nationales Komitee zur Verwaltung Gazas. Als historische Premiere feiert die Depesche, dass eine Rolle der Palästinensischen Autonomiebehörde von deren Reform abhänge. Und dass gegenwärtig kein palästinensischer Staat existiere. Ein Federstrich in New York, und ein Krieg gilt als erledigt. Ob die Waffen schweigen und die angekündigten Einrichtungen arbeiten, belegt das Dokument mit keiner Zeile. Das Kriegsende ist das Urteil seiner Verfasser.

Schnitt, Nordafrika. Mit Resolution 2797 vom 31. Oktober 2025 habe der Sicherheitsrat erstmals in 50 Jahren Westsahara-Streit Marokkos Autonomievorschlag zur Verhandlungsgrundlage erhoben und echte Autonomie unter marokkanischer Souveränität zur machbarsten Lösung erklärt. Danach hätten Waltz‘ Diplomaten Marokko und die Frente POLISARIO an einen Tisch geholt. Auch Algerien und Mauretanien hätten dort gesessen, drei Runden lang in Washington und Madrid, nach fast 10 Jahren Pause. Die UN-Mission solle schlanker werden und sahrauische Vertreter stärker einbinden. Für eine seit 50 Jahren auf Hilfe angewiesene Bevölkerung suche man dauerhafte Lösungen. Zwischen der DR Kongo und Ruanda dasselbe Drehbuch: In Resolution 2808 begrüße der Rat auf Betreiben der Vertretung das Washingtoner Friedensabkommen vom 27. Juni 2025 und dränge beide Staaten, es nach Treu und Glauben ohne Verzug umzusetzen. Der Sicherheitsrat als Notar, der Trumps Verträge beglaubigt.

Jetzt wird abgewickelt. UNIFIL, 48 Jahre im Libanon und laut Autoren „stagnierend“, solle im Dezember 2026 enden. Libanons Staat und Armee müssten danach den Süden selbst sichern und der Hisbollah wie Iran wirksam entgegentreten. Im Jemen habe Waltz das Aus der Mission zur Unterstützung des Hudaydah-Abkommens erwirkt, Ersparnis rund 30 Millionen Dollar jährlich. Im Südsudan zähle nach gestrichenen Nebenaufgaben vor allem der Schutz der Zivilbevölkerung. Humanitärer Zugang und schärfere Menschenrechtsbeobachtung kämen hinzu. Für das umstrittene Abyei gebe es überprüfbare Vorgaben, an denen sich Sudan und Südsudan zu bewähren hätten. Das Mandat der Beobachtertruppe auf den Golanhöhen hätten Waltz‘ Leute mit Russland deutlich verkürzt, Losung: zurück zu den Grundlagen. Mit Russland, ausgerechnet. Wenige Seiten später klagt dieselbe Depesche, Moskau lähme gemeinsam mit Peking die Arbeit gegen Iran. Beim Streichen findet man zueinander.

In Haiti dreht sich die Richtung um: mehr Truppe, weniger Rechnung. Die erfolglose multinationale Sicherheitsmission sei durch eine größere „Gang Suppression Force“ ersetzt worden. Sie trage ein Mandat nach Kapitel 7 der UN-Charta und dürfe offensiv vorgehen. Ein neues UN-Unterstützungsbüro übernehme die Logistik. Deren Kosten, 1 Milliarde Dollar, hätten bislang allein die USA getragen; künftig kämen sie aus den Pflichtbeiträgen aller Mitgliedstaaten. Washingtons Last sinke um 75 Prozent. Kämpfen sollen vorwiegend frankophone internationale Kräfte, amerikanische Soldaten seien nicht vorgesehen. Innovativ und gerecht verteilt, lobt sich die Vertretung. Was das Modell den Menschen in Haiti bringt, steht in keiner Zeile dieser Kostenrechnung.

Bei Iran klingt das Papier nach Triumph. Im Oktober 2025 habe Waltz‘ Vertretung mit den europäischen E3 eine Direktive des Präsidenten vollstreckt und die internationalen Sanktionen wieder in Kraft gesetzt. Der Sanktionsausschuss 1737 arbeite wieder, samt Liste und verbindlichen Beschränkungen für jeden Mitgliedstaat. Russland und China versuchten, ihn zu lähmen; Irans Verstöße blieben trotzdem auf der Tagesordnung. Dann der Krieg. Während der „Operation Epic Fury“ habe die Vertretung mit Bahrain Resolution 2817 durchgebracht, die iranische Angriffe auf zivile Ziele und Nachbarstaaten verurteile. Die Behinderung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ebenso. 136 Staaten hätten sich als Miteinbringer angeschlossen, ein Rekord von rund 70 Prozent der Mitglieder. Mitten im Krieg zählt das Papier Unterschriften.

Syrien: Präsident Ahmed al-Scharaa und Innenminister Anas Hasan Khattab habe die Vertretung von der Sanktionsliste gegen den IS und Al-Qaida streichen lassen. Nach Assads Sturz und der Bildung einer Übergangsregierung hätten sich die Verhältnisse grundlegend geändert; die übrigen Terrorsanktionen blieben bestehen. Eine Terrorliste, so lernt man, folgt der Macht.

Kuba bekommt den schärfsten Ton des ganzen Dokuments. Jahr für Jahr stimmt die Generalversammlung über eine Resolution gegen das amerikanische Embargo ab, eine Sanktion aus den Tagen John F. Kennedys. Im Oktober 2025 habe die Vertretung eine diplomatische Kampagne begonnen, um dieser Resolution die Unterstützung zu entziehen. Das Ergebnis sei der schwerste Schlag gegen das Regime bei dieser Abstimmung seit Jahrzehnten. Traditionelle Unterstützer seien abgeworben, die Kräfteverhältnisse in der Generalversammlung ins Rutschen gebracht worden. Wie viele Staaten die Seite wechselten, verrät das Papier nicht. Keine Zahl, kein Name. Dabei stellten Waltz‘ Diplomaten verstärkt heraus, das „illegitime“ Regime in Havanna missbrauche die Resolution als Propagandawerkzeug, um von eigener „corruption, incompetence, and repression“ abzulenken. Den kubanischen Vorwurf, Washington verfolge genozidale Absichten, weise die Vertretung beständig zurück, in Gremiensitzungen wie in der Generalversammlung. Selbst im Sicherheitsrat. Hinzu kämen verhandelte Resolutionen zur Menschenrechtslage in 6 Staaten; Kuba steht in dieser Aufzählung gleich neben Nordkorea.

Und plötzlich gehen die Scheinwerfer an. Mit der Präsidentengattin sei ein Bündnis für Technologie und Bildung angestoßen worden, NASA-Chef Jared Isaacman habe für die Ausweitung der Artemis-Abkommen geworben. Die Rapperin Nicki Minaj, im Papier als „Influencer“ geführt, habe vor mehr als 30 UN-Botschaftern und großem Medienaufgebot Millionen auf die Verfolgung von Christen in Nigeria aufmerksam gemacht, mit Fortschritten im Kampf gegen Extremismus als Folge. Football-Star Tim Tebow habe mit dem Büro des Außenministeriums für Drogenbekämpfung und Strafverfolgung Dutzende Botschafter gegen die grenzüberschreitende sexuelle Erpressung von Kindern vereint. Diplomatie als Abendgala.

„Trade Over Aid“, Handel statt Hilfe, heißt das Lieblingskind der Vertretung, gedacht als Gegenentwurf zur Entwicklungshilfe zwischen Regierungen und zu Chinas Kreditvergabe, die das Papier „räuberisch“ nennt. Im April 2026 an der New Yorker Börse gestartet, zähle die Initiative inzwischen mehr als 47 Mitglieder. Eine neue Bibliothek solle privates Kapital mit dem Bedarf der Mitglieder zusammenbringen und Geschäfte ausweisen, die auf Investoren warten, sofern die Regierungen Marktreformen vornehmen. Außerdem habe die Vertretung dem Gesundheitsministerium bei 3 Treffen mit Unterzeichnern der Genfer Konsenserklärung geholfen, mit der Regierungen einem internationalen Recht auf Abtreibung widersprechen. Die USA sollten deren Sekretariat übernehmen, verkündet im August von den Ministern Rubio und Kennedy. Kinder seien „in allen Lebensphasen“ zu schützen. Die Formel braucht keine Übersetzung.

Der brisanteste Satz steht fast beiläufig im humanitären Teil. Mit hochrangigen Verantwortlichen habe die Vertretung über Krisen von Gaza bis Venezuela gesprochen, Kuba eingeschlossen. All das habe Washingtons Möglichkeiten gestärkt, die Vereinten Nationen und die eigenen Zahlungen an UN-Organisationen als wirksames Werkzeug der Staatskunst einzusetzen. Inzwischen erreichten 92 Prozent der amerikanischen humanitären Mittel die Gebiete mit dem höchsten Bedarf, denn jeder verschwendete Dollar sei ein Dollar Essen, der Bedürftigen fehle. Gleich daneben schildert das Papier, wie Waltz‘ Vertretung, gemeinsam mit der Schwestervertretung in Genf, Hilfsorganisationen zu Reformen dränge. Als Kronzeugnis dient ein Satz aus der stellvertretenden Leitung der humanitären Generaldirektion der EU-Kommission: Geber sollten Organisationen belohnen, die sich reformieren, und jene bestrafen, die sich verweigern. Hilfswerke, die mit weiteren Blankoschecks gerechnet hätten, seien schockiert gewesen. Auch dieser Schock landet auf der Habenseite.

Das Trump-Regime diktiert, die Welt zahlt: Die Truppe in Haiti finanzieren künftig alle Mitgliedstaaten, die Bedürftigen tragen die Kosten einer Hilfe, die nur noch fließt, wo Washington nickt. Kuba ist das Lehrstück. Seit Jahrzehnten stimmt die Welt gegen ein Embargo, das die Insel seit mehr als 60 Jahren würgt. Waltz‘ Diplomaten werben Stimme um Stimme ab und erklären den Protest zur Propaganda. Mehrheiten weichklopfen nennt die Depesche Diplomatie. Die Vereinten Nationen, gedacht als Versprechen an alle, sitzen in Geiselhaft. Das Lösegeld heißt Gefolgschaft. Gezeichnet: Waltz.

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Esther Portmann
Esther Portmann
44 Minuten vor

Das verschlägt mir die Sprache!
Es wird Zeit, dass diese Machenschaten aufgedeckt werden.

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