Donald Trump spricht gern über die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Microsoft und Amazon investieren Milliarden in diese Zukunft, vor allem in Rechenzentren. Während der Präsident den Ausbau der Branche vorantreibt, werden in seinem Namen Aktien beider Unternehmen in Millionenhöhe verkauft. Die Zahlen stammen aus seiner eigenen Finanzmeldung. Allein für Juli verzeichnet sie 1.156 Wertpapiergeschäfte. Aktien und andere Wertpapiere im Wert von mindestens 43,6 Millionen Dollar wurden gekauft, mindestens 35,6 Millionen Dollar verkauft. Der Präsident regiert im Weißen Haus. Sein Vermögen bleibt währenddessen an den Finanzmärkten in Bewegung.

Am 20. Juli werden in Trumps Namen Microsoft- und Amazon-Aktien im Wert von jeweils 5 bis 25 Millionen Dollar verkauft. Am selben Tag gehen auch Anteile des Rüstungsunternehmens Northrop Grumman aus seinem Depot, während der Präsident neue Vorgaben für die Rüstungsbranche unterzeichnet. Nur 3 Tage später folgen Rückkäufe bei allen 3 Unternehmen: Microsoft-Aktien für 100.001 bis 250.000 Dollar, Amazon-Aktien für 1.001 bis 15.000 Dollar und Northrop-Grumman-Aktien für 15.001 bis 50.000 Dollar. Schwarz auf weiß, auf den Seiten 33 und 34 seiner eigenen Finanzmeldung.

Die politische Nähe zu diesen Unternehmen lässt sich dagegen nicht übersehen. Trump fördert künstliche Intelligenz und den Bau jener Rechenzentren, in die Microsoft und Amazon Milliarden stecken. Gleichzeitig zahlen die Unternehmen Geld für verschiedene Projekte des Präsidenten. Darüber wurde bereits öffentlich berichtet. Hinzu kommen nun die dokumentierten Wertpapiergeschäfte. Ein Präsident entscheidet über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, während sein privates Vermögen Anteile an betroffenen Unternehmen hält. Die Aktien wechseln den Besitzer, die politische Entscheidungsgewalt bleibt im Weißen Haus. Welche Informationen den Verkäufen vom 20. Juli zugrunde lagen, verrät das Formular nicht.
Jetzt begann aber erst die eigentliche Recherche
Die Spur führt zuerst zu Northrop Grumman. Am 20. Juli wurden in Trumps Namen Aktien des Rüstungsunternehmens im Wert von 250.001 bis 500.000 Dollar verkauft. Der Präsident unterzeichnete am selben Tag eine Anordnung, die amerikanischen Rüstungsauftragnehmern strengere Vorgaben für die Beschaffung kritischer Materialien machte. Der Name Northrop Grumman fällt darin nicht. Die neuen Anforderungen trafen dennoch die Branche, in der das Unternehmen seine Milliarden verdient. Noch vor Börsenbeginn am nächsten Morgen legte der Rüstungshersteller seine Quartalszahlen vor. Nach eigenen Angaben habe er die Prognose für Umsatz und Gewinn 2026 angehoben, der Auftragsbestand liege bei rund 105 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor am 21. Juli trotzdem 2,2 Prozent. Glänzende Zahlen, rotes Vorzeichen: Der Markt liest Bilanzen mit anderen Augen als die Pressestelle. Drei Tage später, am 23. Juli, wurden in Trumps Namen erneut Northrop-Grumman-Aktien gekauft, diesmal für 15.001 bis 50.000 Dollar. Zwischen dem großen Verkauf und dem kleinen Kauf liegen eine präsidiale Anordnung und die Veröffentlichung der Geschäftszahlen. Obendrein rutschte der Kurs ab. Ob die bevorstehenden Zahlen oder die Anordnung bei den Handelsentscheidungen ins Gewicht fielen, gibt die Finanzmeldung nicht preis. Sie nennt den Tag des Geschäfts und verschweigt die Stunde. Gerade diese Angabe wäre nötig, um den Ablauf lückenlos zu rekonstruieren. Die Uhr bleibt in diesem Dokument stehen.

Bei Microsoft und Amazon legt der Abgleich mit den Börsendaten eine Abfolge frei, die nicht minder ins Auge sticht. Microsoft hatte am 17. Juli bei 393,82 Dollar geschlossen, Amazon bei 247,23 Dollar. Am 20. Juli zogen beide an: Microsoft um 2,15 Prozent auf 402,29 Dollar, Amazon um 1,12 Prozent auf 249,99 Dollar. Ausgerechnet an diesem Tag wurden in Trumps Namen Aktien beider Unternehmen verkauft, jeweils für 5 bis 25 Millionen Dollar. Verkauft wurde in steigende Kurse hinein. Bis zum 23. Juli fiel Microsoft auf 381,58 Dollar, Amazon auf 233,66 Dollar. Nun verzeichnet die Finanzmeldung neue Käufe: bei Microsoft für 100.001 bis 250.000 Dollar, bei Amazon für 1.001 bis 15.000 Dollar. Trump kündigte am 23. Juli außerdem an, seine Initiative auszuweiten, die Stromkunden vor Mehrkosten durch den Ausbau von Rechenzentren bewahren solle. Microsoft und Amazon hatten sich bereits im März an der zugehörigen Selbstverpflichtung beteiligt; für beide stehen bei diesem Ausbau Milliardeninvestitionen auf dem Spiel. Die bescheidenen Rückkäufe fallen damit auf den Tag, an dem der Präsident einem Wirtschaftszweig, den er ausdrücklich fördern wolle, die nächste politische Initiative widmet. Politik und Depot teilen sich an diesem Datum eine Zeile.
Die dokumentierten Schlusskurse zeigen, dass beide Aktien zwischen Verkaufs- und Kauftag erheblich an Wert verloren. Ob die einzelnen Geschäfte tatsächlich zu diesen Kursen ausgeführt wurden, bleibt offen. Ausführungspreise nennt Trumps Meldung keine. Auch die Uhrzeiten fehlen, ebenso der Moment, in dem die Aufträge erteilt wurden. Anhand unserer Recherche lässt sich die Chronologie nachzeichnen. Sie behauptet nichts, stellt nur Tage nebeneinander und verlangt nun eine genaue Antwort: Wann erhielten die Vermögensberater welche Aufträge, und welche Informationen lagen ihnen in diesem Augenblick vor? Das Material wurde inzwischen auch an das House Committee on Oversight and Government Reform und an die US-Börsenaufsicht SEC übergeben.
Für Juli weist die Veröffentlichung Geschäfte mit einem Gesamtwert zwischen 79 und 270 Millionen Dollar aus. Schon im Juni bewegten sich die Transaktionen in einer Größenordnung von 78,1 bis 263,1 Millionen Dollar. Solche Spannen entstehen, weil die vorgeschriebenen Meldungen keine exakten Einzelbeträge nennen. Das erschwert jede Berechnung. Selbst die niedrigsten angegebenen Werte zeigen allerdings, welche Summen während Trumps Amtszeit den Besitzer wechselten. Die 79 Millionen Dollar sind Handelsvolumen. Sie dürfen nicht als persönlicher Gewinn ausgegeben werden. Was Trump an den Verkäufen tatsächlich verdiente, bleibt anhand dieser Meldung offen.
Trump beteuert seit Langem, unabhängige Berater verwalteten sein Depot und entschieden ohne ihn. Auf wessen Veranlassung und Grundlage am 20. Juli Microsoft- und Amazon-Aktien verkauft wurden, verraten die Unterlagen nicht, Anweisungen Trumps ebenso wenig. Sein Vermögensinteresse wechselt dadurch bloß den Boten. Trumps Unternehmungen brachten 2025 laut Finanzunterlagen über 2 Milliarden Dollar ein, darunter Kryptowährungen und Auslandsimmobilien. Im selben Jahr sollen es rund 21.000 Aktiengeschäfte gewesen sein, auch mit Papieren von Firmen, über die Trump öffentlich sprach. Seine erste Meldung nannte 800. Die Kluft bleibt teils unerklärt; bei solchen Summen wiegt jede Lücke.
Während der Präsident unterschreibt, wird in seinem Namen verkauft, was seine Politik trifft: am 20. Juli Microsoft und Amazon, je bis zu 25 Millionen Dollar. Northrop Grumman kam am Tag der neuen Rüstungsvorgaben hinzu; 3 Tage später wurde bei allen nachgekauft. Auf 37 Seiten Finanzmeldung bleibt eine Frage, die kein Vermögensberater beantworten kann: Wie weit ist der Schreibtisch im Weißen Haus vom eigenen Depot entfernt?
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Eine sehr aufwändige und interessante Recherche.
Das passt zu den Klagen bezüglich seines Premiumzugangs.
Es ist das Gesamtbild, was viele Fragen aufwirft.
Und die Frage, wie unabhängig ist die Börsenaufsicht noch.
Ich weiß, dass Ihr da dran bleibt.
..ich danke dir