Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

Immer mehr Republikaner rücken kurz vor den Kongresswahlen von Trump ab und fordern ein Ende seines Iran-Kriegs

VonTEAM KAIZEN BLOG

23. September 2026

Mike Rogers hat Donald Trumps Krieg gegen Iran verteidigt. Der frühere Kongressabgeordnete aus Michigan hielt ihn für notwendig, um Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Auch eine Ermächtigung des Präsidenten zur Fortsetzung der Kämpfe unterstützte er. Jetzt, sechs Wochen vor den Kongresswahlen, fordert Rogers ein schnelles Ende. Die Familien in Michigan könnten sich ihren Alltag kaum noch leisten, erklärt er in einer Wahlkampfbotschaft. Lebensmittel seien zu teuer. Sobald der Krieg ende, würden die Energiekosten kräftig sinken. Rogers verlangt außerdem einen vorübergehenden Stopp amerikanischer Dieselexporte. Seine frühere Unterstützung für den Krieg steht weiterhin öffentlich da. Die neue Forderung richtet er an Menschen, deren Stimmen er im November braucht.

Mike Rogers

Rogers bewirbt sich in Michigan gegen den Demokraten Abdul El-Sayed um einen Sitz im US-Senat. In Iowa kämpft Ashley Hinson ebenfalls um ein Senatsmandat. Auch sie fordert inzwischen, der Krieg müsse sofort und erfolgreich beendet werden. Die Menschen ihres Bundesstaates dürften nicht länger an der Tankstelle oder an der Supermarktkasse dafür bezahlen, schreibt die republikanische Abgeordnete. Noch in diesem Monat hatte sie den Krieg anders beschrieben. Die militärische Arbeit müsse zu Ende gebracht werden; die Menschen in Iowa verstünden, dass der Einsatz notwendig gewesen sei, um einen größeren Konflikt zu verhindern. Hinson stimmte in diesem Jahr mehrfach gegen Anträge zur Beendigung des Krieges. Zuletzt vergangene Woche.

Ashley Hinson

Ihr demokratischer Gegenkandidat Josh Turek hat die Abstimmungen nicht vergessen. Hinson habe siebenmal für die Fortsetzung des Krieges gestimmt, hält er ihr vor. Eine Nachricht im Internet lasse sich leicht veröffentlichen. Als sie im Kongress Gelegenheit gehabt habe, für ein Ende der Kämpfe zu stimmen, habe sie sich anders entschieden. Turek gehört dem Parlament von Iowa an. Umfragen zeigen ein enges Rennen um den Senatssitz. Trump gewann den Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit einem Vorsprung von 13 Prozentpunkten. Hinsons jüngste Forderung steht nun neben ihrem Votum von vergangener Woche. Beides lässt sich nachlesen.

Die republikanischen Abgeordneten Zach Nunn und Mariannette Miller-Meeks aus Iowa stimmten bei jenem Antrag anders als Hinson. Sie unterstützten den Abzug amerikanischer Truppen. Nunn, ein ehemaliger Soldat der Luftwaffe, begründete seine Entscheidung mit den Befugnissen des Kongresses. Das Zeitfenster für Verhandlungen sei geschlossen; fortgesetzte Kampfhandlungen benötigten nun die Zustimmung des Parlaments. Einen weiteren Krieg ohne festgelegtes Ende werde er nicht unterstützen. Damit reicht die Auseinandersetzung innerhalb der Republikanischen Partei über die Forderung nach niedrigeren Preisen hinaus. Sie betrifft inzwischen auch die Frage, wie lange Trump den Krieg ohne eine erneute Zustimmung des Kongresses fortsetzen darf.

John James

In Michigan fordert John James, republikanischer Bewerber um das Gouverneursamt, ebenfalls ein rasches Ende der Kämpfe. Bei einer telefonischen Pressekonferenz am Dienstag wiederholte er, die Vereinigten Staaten müssten alles tun, um ihre Bürger zu schützen und den Krieg schnell zu beenden. James hatte zuvor gegen Anträge gestimmt, die auf dessen Beendigung zielten. Nach Angaben der Demokratischen Partei in Michigan waren es sechs Abstimmungen. Ihr Sprecher Derrick Honeyman macht James für seine Unterstützung des Krieges verantwortlich und kündigt an, die Wähler würden ihn im November erneut zurückweisen. Ob sie das tun, ist offen. James’ frühere Abstimmungen ändern sich durch seine heutigen Erklärungen jedenfalls nicht.

Auch der republikanische US-Senator Jon Husted aus Ohio fordert ein schnelles Ende von Trumps Iran-Krieg. Die Kämpfe müssten so rasch wie möglich beendet werden. Damit schließt er sich weiteren Republikanern an, die kurz vor den Kongresswahlen öffentlich von Trumps Kriegskurs abrücken.

Der Krieg dauert inzwischen beinahe sieben Monate. Trump und republikanische Politiker hatten zuvor ein wesentlich früheres Ende in Aussicht gestellt. In einer am Dienstag veröffentlichten Befragung billigten noch 26 Prozent der amerikanischen Erwachsenen Trumps Umgang mit Iran. Einen Monat nach Kriegsbeginn waren es 33 Prozent gewesen. Unter den befragten Republikanern sank die Zustimmung seit März von 73 auf 60 Prozent. Die meisten Demokraten lehnten den Krieg bereits seit Beginn ab. Die sinkenden Zustimmungswerte fallen in eine Zeit, in der republikanische Kandidaten öffentlich andere Forderungen stellen als der Präsident. Warum jeder einzelne von ihnen seine Haltung geändert hat, lässt sich aus den Umfragewerten allein nicht ableiten.

Die wirtschaftlichen Folgen sind dagegen an jeder Tankstelle sichtbar. Nach Angaben des amerikanischen Automobilverbands kostete gewöhnliches Benzin am Dienstag landesweit durchschnittlich 4,47 Dollar je Gallone, fast 1,30 Dollar mehr als vor 1 Jahr. Der Dieselpreis erreichte mit 6,53 Dollar je Gallone einen Höchststand. Steigende Transportkosten verteuern auch andere Waren. Seit Kriegsbeginn sind die Ölpreise gestiegen, während Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus einschränkt. In diesem Monat wurde zudem die saudi-arabische Ost-West-Pipeline zum Roten Meer beschädigt. Fachleute rechnen damit, dass die Preise in den kommenden Wochen weiter steigen könnten.

Detroit: Die Preise auf der Tafel gelten in US-Dollar pro Gallone, das sind rund 3,79 Liter. Umgerechnet kostet 1 Liter Benzin etwa 1,31 Euro und 1 Liter Diesel etwa 1,84 Euro, bei einem beispielhaften Wechselkurs von 1 Euro = 1 US-Dollar. Seit Ende Februar 2026 ist der landesweite Durchschnittspreis für Benzin von 2,98 auf 4,47 Dollar je Gallone gestiegen, ein Plus von rund 50 %. Diesel kostete damals etwa 3,81 Dollar je Gallone, inzwischen sind es 6,53 Dollar. Das entspricht einem Anstieg um rund 71 %.

Trump sprach vergangene Woche bei einem Wahlkampfauftritt für Republikaner in North Carolina über das teure Benzin. Gemessen an dem, was die Vereinigten Staaten in Iran erreicht hätten, sei der hohe Preis „sehr gering“, befand er. Rogers begründet seine Forderung nach einem Kriegsende inzwischen ausdrücklich mit den Lebenshaltungskosten. Hinson verweist auf dieselbe Belastung. Zwischen Trumps Rechtfertigung und den Äußerungen seiner Parteifreunde liegt eine politische Meinungsverschiedenheit, die wenige Wochen vor der Wahl offen ausgetragen wird. Der Präsident hält an seiner Darstellung des Krieges fest. Seine Kandidaten sprechen darüber, was dessen Fortsetzung die Menschen kostet.

Auch die republikanischen Senatoren Chuck Grassley aus Iowa und Dan Sullivan aus Alaska fordern Maßnahmen gegen die hohen Dieselpreise. Sie drängen Trump, amerikanische Dieselexporte zu stoppen. Sullivan, der in Alaska zur Wiederwahl antritt, erklärte am Dienstag, amerikanische Arbeiter produzierten mehr Diesel als seit Jahren. Trotzdem müssten die Menschen seines Bundesstaates an der Tankstelle höhere Preise bezahlen. Noch in dieser Woche soll der Senat über einen weiteren, von Demokraten eingebrachten Antrag abstimmen, der Trumps Befugnisse zur Fortsetzung des Iran-Krieges einschränken würde. Dann können republikanische Senatoren erneut entscheiden, ob sie den Worten des Präsidenten oder den Forderungen nach einer Begrenzung seiner Kriegsführung folgen.

Trump reagierte auf frühere republikanische Abgeordnete, die gemeinsam mit Demokraten seine Kriegsbefugnisse begrenzen wollten, mit Vorwürfen. Er bezeichnete die Abstimmungen als bedeutungslos und die beteiligten Parteifreunde als schlecht. Nach einem Votum im Juni fragte er öffentlich, wer etwas derart Unpatriotisches tun könne. Sprecher Davis Ingle wies die Kritik jener Republikaner zurück, die beim Thema Iran von Trump abrücken. Der Präsident sei der unangefochtene Vorsitzende der Partei, ihr überzeugendster Sprecher und ihr stärkster Antrieb. Er setze sich dafür ein, die republikanischen Mehrheiten im Kongress zu erhalten. Vizepräsident JD Vance erklärte dagegen auf die Frage nach republikanischen Kandidaten, die ein Kriegsende fordern, es sei völlig vernünftig, dass sie ihre Wahlkampfbotschaften auf ihre jeweilige Situation zuschnitten.

Die Demokraten werfen den republikanischen Kandidaten vor, ihre Haltung aus Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen geändert zu haben. Aus unserer redaktionellen Sicht wirft dieser plötzliche Sinneswandel eine grundsätzliche Frage nach dem politischen Verantwortungsbewusstsein der betreffenden Republikaner auf: Sie haben den Krieg mitgetragen und verlangen nun sein Ende, während ihre Wähler unter den Folgen leiden. Die Frage nach ihrer politischen Ethik lässt sich anhand ihrer Abstimmungen stellen, ganz ohne ihnen unbelegte Motive zu unterstellen. Rogers, Hinson und James nennen ein schnelles Kriegsende inzwischen ausdrücklich als Ziel, nachdem sie Trumps Vorgehen zuvor unterstützt hatten. Ob sie ihre neue Forderung bei den nächsten Entscheidungen im Kongress mittragen, wird sich an ihren Stimmen zeigen. Die nächste Abstimmung ist für diese Woche vorgesehen.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!