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Trump zerstört den Meeresschutz – für mehr Fang und mehr Profit

VonTEAM KAIZEN BLOG

19. August 2026

Die NOAA, die Bundesbehörde der US-Regierung mit direkter Zuständigkeit für Fischerei und Meeresmanagement, soll Fischerei so verwalten, dass Bestände und Lebensräume geschützt bleiben. Im vergangenen Monat schrieb die Behörde den regionalen Fischereiräten des Landes, sie mögen damit aufhören. Neun Schreiben mit derselben Weisung, bestehende Beschränkungen zugunsten lockererer und wirtschaftlich einträglicherer Regeln abzubauen. Die Weisung kommt nicht von den regionalen Fischereigremien, sie kommt von oben. Das Handelsministerium setzt eine Anordnung um, die Donald Trump im April 2025 unterschrieben hat, unter dem Titel „Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Meeresfrüchte“. Ein Satz, der klingt wie Fürsorge und das Gegenteil meint.

Auf dem Spiel stehen die Meeresschutzgebiete und die Listen der bedrohten Arten. Dazu Änderungen an den Fanggeräten und eine breite Ausweitung des kommerziellen Fangs. Andrea Treece, leitende Juristin des Meeresprogramms von Earthjustice, liest die Briefe als Bekenntnis. „Diese Schreiben spiegeln die Haltung der Regierung wider, dass Fische lediglich Waren sind, Wissenschaft keine Rolle spielt und kurzfristige wirtschaftliche Gewinne sowie politische Punkte wichtiger sind als der Erhalt der Meeresökosysteme.“ Es fehle jedes Verständnis dafür, Verantwortung für einen Ozean zu übernehmen, der allen gehöre und von dem alle lebten.

Der Ozean gehört allen, das ist leicht gesagt. Wem er genommen wird, steht in keinem der Briefe. Die See führt kein Protokoll und merkt sich nichts. Sie legt niemandem Rechenschaft ab, und das macht sie zur bequemsten Verhandlungsmasse, die eine Regierung finden kann.

Die neun Schreiben gingen an acht regionale Fischereigremien und an eine Abteilung für wandernde Arten, verfasst nach Beratungen mit Hunderten Vertretern der Branche. Sie greifen jahrzehntealte Umweltregeln an und lesen sich wie eine Wunschliste der Fischerei, die jemand ins Amtsdeutsch übertragen hat. Vertreten werden die Prioritäten von Eugenio Piñeiro Soler, den man 3 Tage vor Trumps Anordnung an die Spitze von NOAA Fisheries gesetzt hatte. In einer Mitteilung verspricht er, sie sollten „Belastungen für die heimische Fischerei verringern, die Produktion erhöhen, Märkte stabilisieren, den Zugang verbessern und die wirtschaftliche Rentabilität steigern“. Vom Meer ist in dieser Aufzählung nicht die Rede.

Das Schreiben vom 2. Juli 2026 zeigt, wie konkret NOAA den Kurswechsel in der Fischereipolitik umsetzt. Die Behörde fordert den Western Pacific Fishery Management Council auf, mehrere Schutzauflagen zu überprüfen oder ganz abzuschaffen. Dazu gehören Begrenzungen für die Langleinenfischerei zum Schutz gefährdeter Lederschildkröten, Fangbeschränkungen für Schwertfisch sowie eine Vorschrift, nach der Haken vor Amerikanisch-Samoa in mindestens 100 Metern Tiefe gesetzt werden müssen, um Schildkröten zu schützen. Begründet wird das mit Donald Trumps Erlass zur „Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Meeresfrüchte“: weniger Belastungen für Fischer, höhere Fangmengen und bessere wirtschaftliche Erträge. Gleichzeitig soll geprüft werden, ob Arten aus den bisherigen Schutz- und Managementlisten gestrichen werden können. NOAA verlangt allerdings, dass Änderungen weiterhin mit dem Endangered Species Act vereinbar bleiben.

Alle neun Schreiben verlangen von den regionalen Fischereigremien, ihre Pläne zu prüfen und die Streichung von Arten zu erwägen, die keinen Schutz und keine Bewirtschaftung mehr benötigten. Nach welchem Maßstab eine Art als versorgt gilt, sagt kein Brief. Der Maßstab fehlt, die Streichung steht schon fest, sie muss nur noch begründet werden. Bei den einträglichen Beständen wird deutlich, worum es geht. Die Sardinenfischerei im Pazifik soll neue Bestandsdefinitionen bekommen, damit mehr gefangen werden darf. In der Karibik sollen Langusten und Große Fechterschnecken von der Bundesebene an die Bundesstaaten fallen, um den Ertrag zu maximieren. Und die Vorschriften sollen so weit gelockert werden, dass Fischer Blauflossen-Thunfische behalten dürfen, die noch keine 73 Zoll messen, keine 1,85 Meter.

Elizabeth Cerny-Chipman, zuständig für die US-Fischereipolitik bei Ocean Conservancy und früher im Büro für Küstenmanagement der NOAA, hält dem eine Binsenweisheit entgegen. „Wenn das Ziel darin besteht, die Wettbewerbsfähigkeit bei Meeresfrüchten zu erhöhen, brauchen wir gesunde Fischbestände.“ Der Blick richte sich meist auf kurzfristige politische Reizthemen, während das langfristige, wissenschaftlich gestützte Management entscheiden sollte. Man plündert den Bestand, von dem man leben will.

Meeresschildkröten sind in den Gewässern vor Neuengland bzw. im Nordatlantik geschützte und bedrohte Arten

Drei regionale Fischereigremien wurden ausdrücklich angewiesen, Schutzgebiete zu verkleinern oder zu streichen. Westlich von Puerto Rico soll die Fischerei in der Tourmaline Bank und in Abrir La Sierra ausgeweitet werden, wo saisonale Verbote bisher die Laichgründe des Roten Zackenbarschs und die Wohnräume großer Schnapper und Zackenbarsche wahren. In Neuengland soll der Rat „traditionelle Fanggebiete“ für die Jakobsmuschel im Norden der Georges Bank öffnen, jenem reichen Grund zwischen Cape Cod und Nova Scotia. Die Jakobsmuschel ist die wertvollste Fischerei der Vereinigten Staaten, und gerade deshalb hat man sie über Jahre in Ruhe gelassen.

Zusätzlich empfiehlt die Behörde, Muschelflotten mit Schleppgeräten im Great South Channel östlich von Nantucket zu dulden, obwohl deren Ketten den Meeresboden umpflügen. Andrew Rosenberg, einst stellvertretender Direktor des National Marine Fisheries Service, nennt die Wiederöffnung schlicht dumm. Er habe diese Gründe 1994 in seiner 2. Amtswoche geschlossen, aus gutem Grund: die Fülle an Muscheln dort trage die gesamte Fischerei. Was hier verlangt werde, sei die Klage einer Branche, die schon verdient und trotzdem mehr will.

Das Streichen der Arten und das Verkleinern der Gebiete nennen die Fachleute kurzsichtig, und Treece erklärt, warum. „Laichgebiete zu schützen, gehört zum Einmaleins der Fischerei: Wenn man mehr große Fische fangen will, muss man ihnen erlauben, kleine Fische zu produzieren.“ Die Elterntiere einzusammeln, während sie laichen, sei der zuverlässigste Weg, einen Bestand zu ruinieren. Auch erholte Bestände brauchten die geschützten Räume weiter, sonst höre das Wachstum auf.

An mehreren Stellen greifen die Briefe nach dem Schutz der gefährdeten Arten selbst. Die hawaiianische Langleinenfischerei an der Oberfläche muss heute für den Rest des Jahres ruhen, sobald 16 Begegnungen mit gefährdeten Lederschildkröten gezählt sind. Diese Grenze will NOAA fallen lassen. Vor Alaska waren die Stellerschen Seelöwen um mehr als 80 Prozent zusammengebrochen, ehe man sie 1990 unter Schutz stellte und Sperrzonen um ihre Wurfplätze zog. Die östliche Gruppe hat sich erholt, die westliche nicht, und sie erträgt marine Hitzewellen schlecht, weil diese ihre Fortpflanzung drücken.

Für den Herbst gilt ein weiteres starkes El-Niño-Ereignis als sehr wahrscheinlich. In dieselbe Zeit fällt die Anweisung, die Sperrzonen vor Alaska „zu verändern und zu verkleinern“, damit die Fanggründe zugänglicher werden. Man nimmt einer geschwächten Art die Zuflucht und zugleich das Futter, und man tut es in dem Jahr, in dem das warme Wasser kommt. Ein Tier kann keinen Einspruch schreiben.

In Neuengland und im mittleren Atlantik soll außerdem der Ausbau seilloser Fanggeräte gestoppt werden. Jedes Jahr sterben mehr als 300.000 Wale, Delfine und Schweinswale, weil sie sich in Fischereigerät verfangen. Seit Jahrzehnten arbeitet NOAA an Hummerfallen, die sich ohne dauerhaft gespannte Leinen bergen lassen, vor allem für die letzten rund 350 Nordatlantischen Glattwale. 2023 trieb vor Georgia einer von ihnen mit einem Seil im Maul. Die Behörde beteuert, sie fördere die Technik weiter, und drängt zugleich darauf, ihre Nutzung freizustellen oder das Programm ganz zu beenden.

Vor Neuengland leben Nordatlantische Glattwale, eine der am stärksten bedrohten Großwalarten überhaupt. NOAA führt sie ausdrücklich für die Gewässer von Maine bis Cape Cod, außerdem für Cape Cod Bay, Massachusetts Bay und den Great South Channel.

Treece dreht den Vorwurf um. Statt den Tieren anzulasten, dass sie im eigenen Lebensraum überleben wollten, solle man schonender fischen und die Bestände gesund halten, damit Mensch und Räuber nicht um immer weniger Fische stritten.

Die Fachleute sehen darin einen doppelten Bruch. Der Befehl von oben durchbreche die übliche Ordnung, in der die Räte selbst planten. Und er kehre den Auftrag der Behörde um, die nach dem Magnuson-Stevens Act über die Einhaltung der Gesetze wachen soll, über die Grenzen der Überfischung und die Verringerung des Beifangs. Der Schutz der Lebensräume gehört ebenso dazu. Rosenberg, der fast 4 Jahrzehnte mit diesem System gearbeitet hat, findet in den Briefen keine Linie. Keine der Maßnahmen verbessere die Nachhaltigkeit, einige machten es schlimmer.

Ein Wort fehlt in allen Briefen: Klimawandel

Das sei töricht, sagt Rosenberg, denn die schwerste Last für das Meer komme heute von dort. Pläne würden für feste Gebiete geschrieben, während die Bestände mit dem wärmeren Wasser nach Norden und in die Tiefe abwanderten. Die Behörde zieht Grenzen ins Wasser und wundert sich, dass die Fische sie nicht lesen.

Ein Sprecher der NOAA verwies auf Nachfragen nur auf die „besten verfügbaren Informationen“ in den Schreiben selbst. Wie viele Gebiete noch bedroht seien und welche Arten ihren Schutz verlören, ließ die Behörde offen. Offen ließ sie auch, was von den Sicherungen für die betroffenen Tiere bleibe und ob ihr der Ertrag inzwischen mehr gelte als das Meer. Cerny-Chipman sagt, viele dieser Prioritäten hätten mit Wissenschaft nichts zu tun und setzten ganze Ökosysteme einem größeren Risiko aus. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, Schutzmaßnahmen zurückzunehmen, die Fische und Meereslebewesen gesund halten.“ Das sieht Trump anders. Und er tut, was er am besten kann – vielleicht sogar das Einzige, was er wirklich beherrscht: zerstören.

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