Whistleblower: Trump-Regierung drängte Elite-Unis trotz fehlender Beweise zu Zahlungen

Eine ehemalige Juristin Haley Van Erem des US-Justizministeriums erhebt schwere Vorwürfe gegen die Antisemitismus-Ermittlungen der Trump-Regierung an amerikanischen Eliteuniversitäten. Haley Van Erem, die fast zehn Jahre in der Bürgerrechtsabteilung des Ministeriums gearbeitet hatte, beschreibt Untersuchungen, deren Ergebnisse nach ihrer Darstellung teilweise schon feststanden, bevor die Beweise vollständig geprüft waren. Die im Februar 2025 unter der damaligen Justizministerin Pam Bondi eingesetzte behördenübergreifende Arbeitsgruppe habe Universitäten zu Vereinbarungen und Zahlungen drängen sollen, selbst wenn keine ausreichende rechtliche Grundlage vorgelegen habe.
Van Erem war gegen ihren Willen zum Gesundheitsministerium abgeordnet worden und arbeitete dort an Untersuchungen nach Titel VI des Bürgerrechtsgesetzes. Ursprünglich sollten Vorwürfe antisemitischer Vorfälle bei Abschlussfeiern medizinischer Fakultäten untersucht werden. Bei Columbia und Brown wurde daraus eine Untersuchung der gesamten Universität. Van Erem wirft beteiligten Regierungsvertretern zudem vor, Lehrende aus den Nahoststudien wegen ihrer wissenschaftlichen Arbeit und andere Professoren wegen ihres muslimischen Glaubens ins Visier genommen zu haben. Besonders deutlich wird der Vorwurf bei der Brown University. Das Ermittlungsteam habe dort keine Beweise für einen Verstoß gegen Titel VI gefunden. Die Leitung habe sich dennoch geweigert, das Verfahren mit der Feststellung zu beenden, dass kein Verstoß vorlag, und stattdessen weiter auf eine Einigung gedrängt. Brown zahlte schließlich 50 Millionen Dollar an Organisationen zur Förderung von Arbeitskräften in Rhode Island, um drei Bundesuntersuchungen zu beenden. Ein Fehlverhalten wurde dabei nicht festgestellt.
Bei der Columbia University fanden Ermittler nach Van Erems Darstellung zwar Hinweise auf Diskriminierung, doch die Untersuchung sei beschleunigt worden, bevor Sachverhalt und Rechtslage ausreichend geprüft waren. Verwendet worden seien auch Vorwürfe aus Medienberichten und Gerichtsunterlagen sowie Vorgänge, die unter den Schutz der Meinungsfreiheit fallen könnten. Columbia zahlte 200 Millionen Dollar und erhielt dafür wieder Zugang zu Bundesmitteln. Noch härter ging die Regierung gegen Harvard vor. Vertreter der Regierung diskutierten bereits über massive Mittelsperren und weitreichende Vergleichsforderungen, bevor eine Untersuchung abgeschlossen war, die überhaupt einen Verstoß gegen Titel VI hätte nachweisen können. Sean Keveney, damals amtierender Chefjurist des Gesundheitsministeriums, soll erklärt haben, Harvard werde sich wohl einigen, weil die Universität „mit dem Rücken zur Wand“ stehe. Bundesrichterin Allison D. Burroughs vom U.S. District Court for the District of Massachusetts ordnete im September 2025 die Rücknahme von Kürzungen bei Harvard in Höhe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar an und wertete das Vorgehen als rechtswidrige Vergeltung.
Ein Jahr später erlitt die Regierung vor demselben Bundesgericht die nächste Niederlage: Richter Richard G. Stearns wies am 13. August 2026 die Klage ab, mit der Harvard vorgeworfen worden war, jüdische Studierende nicht ausreichend vor Belästigungen geschützt zu haben. Die angeführten Fälle seien zu vereinzelt gewesen, um einen fortdauernden Verstoß gegen das Bürgerrecht nachzuweisen. Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin bezeichnete das Vorgehen gegenüber Harmeet Dhillon, der Leiterin der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums, als politisch vorbereitete Operation gegen Professoren, Universitätsleitungen und die akademische Freiheit. Das Justizministerium weist diese Darstellung zurück und erklärt, es stehe zur Integrität seiner Ermittlungen. Van Erem verließ das Ministerium bereits im Mai 2025. Sie begründet diesen Schritt damit, nicht weiter an Ermittlungen mitwirken zu wollen, die ihrer Auffassung nach politisch motiviert, nicht durch Tatsachen gedeckt und mit dem Recht nicht vereinbar waren.
Trump kürzt Forschungsgelder – Murmeltierforscher retten 60 Jahre Wissenschaft mit OnlyFans und Kryptowährung

Ein seit mehr als 60 Jahren laufendes Forschungsprojekt über Murmeltiere in den Rocky Mountains wäre beinahe an den Kürzungen der Trump-Regierung gescheitert. Nun halten ausgerechnet OnlyFans und eine Kryptowährung die Wissenschaftler noch mindestens ein weiteres Jahr im Feld. Seit 1962 werden am Rocky Mountain Biological Laboratory nahe Crested Butte in Colorado Gelbbauchmurmeltiere beobachtet. Inzwischen verfolgen die Forscher die elfte Generation der Tiere, eines der weltweit am längsten ununterbrochen laufenden Projekte zur Beobachtung wildlebender Säugetiere.
Nachdem Washington die staatliche Forschungsförderung massiv zurückfuhr, fehlte plötzlich das Geld. Im Juni eröffneten die Wissenschaftler deshalb einen Account auf der vor allem für sexuelle Inhalte bekannten Plattform OnlyFans. Unter dem Namen „OnlyMarms“ gibt es dort allerdings keine nackten Menschen, sondern Murmeltiere, die über Felsen laufen oder in ihren Bauen verschwinden. „Unser Ziel ist nicht wirklich, die Murmeltiere zu sexualisieren“, sagt UCLA-Professor Daniel Blumstein. „Wir wollen die Murmeltiere feiern.“ Rund 6.000 Dollar brachte der ungewöhnliche Versuch zunächst ein. Dann geschah etwas, womit selbst die Forscher nicht gerechnet hatten. Unbekannte Unterstützer gründeten auf der Solana-Blockchain die Murmeltier-Kryptowährung „$OnlyMarms“ und beschlossen, sämtliche Gebühren aus den Transaktionen an das Forschungsprojekt zu geben. Innerhalb von nur zwei Wochen kamen darüber mehr als 88.000 Dollar zusammen. Mit weiteren Spenden von Menschen, die zwar Murmeltiere unterstützen, aber kein Geld über OnlyFans schicken wollten, stieg die Summe auf mehr als 100.000 Dollar. Damit kann das Projekt mindestens ein weiteres Jahr arbeiten. Julien Martin von der Universität Ottawa, der die Forschung gemeinsam mit Blumstein leitet, nennt die vergangenen zwei Wochen „verrückt“ und sagt offen, dass ihm diese Internetwelt weitgehend fremd sei. Noch mehr Geld würde unmittelbar helfen: Mit 300.000 Dollar könnte nach seinen Angaben eine Doktorandenstelle für vier Jahre finanziert werden. Besonders bitter findet Martin, dass seine Forschung nun ausgerechnet von Kryptowährungen abhängt.
Donald Trump selbst soll mit seiner eigenen Meme-Kryptowährung rund 635 Millionen Dollar verdient haben, während seine Regierung gleichzeitig wissenschaftliche Förderprogramme kürzt. Über die National Science Foundation wurden Mittel gestrichen oder eingefroren, Forschung mit Begriffen wie „Klima“ oder „Frauen“ geriet unter zusätzliche Prüfung. Im April entließ die Regierung außerdem das gesamte 22-köpfige unabhängige Leitungsgremium der National Science Foundation. Trumps Wissenschaftsberater Michael Kratsios erklärte anschließend, die amerikanischen Prioritäten sollten stärker bei künstlicher Intelligenz und Robotik liegen und weniger bei den Lebenswissenschaften. Für die Murmeltierforscher ist genau das keine theoretische Haushaltsentscheidung. Ihre jahrzehntelangen Daten zeigen, was sich in den Bergen verändert. Längere Sommer und kürzere Winter haben dazu geführt, dass die Tiere schwerer werden. Gleichzeitig brachte der vergangene Winter außergewöhnlich wenig Schnee.
Für Murmeltiere kann das tödlich sein, denn während ihres Winterschlafs schützt die Schneedecke ihre unterirdischen Bauten vor extremer Kälte. In Colorado starben zuletzt mehr Tiere als jemals zuvor während des Projekts beobachtet worden waren. Viele seien schlicht erfroren, sagt Martin. Die Forscher wollen deshalb weitermessen, denn ohne eine über Jahrzehnte fortgesetzte Beobachtung lässt sich kaum erkennen, wie stark sich Klima und Lebensbedingungen tatsächlich verändern. OnlyFans und die Murmeltier-Kryptowährung haben ihnen dafür Zeit gekauft. Eine vernünftige Finanzierung von Wissenschaft ersetzen sie nicht. Dass ein Forschungsprojekt mit sechs Jahrzehnten Daten heute darauf hoffen muss, dass Bilder von Murmeltieren auf einer Erotikplattform und eine im Internet erfundene Kryptowährung genügend Geld einbringen, damit im nächsten Sommer noch Wissenschaftler hinausfahren können, sagt allerdings einiges darüber aus, was aus amerikanischer Forschungsförderung gerade geworden ist.
Russland schickt Hyperschall-Fregatte als Eskorte für LNG-Tanker durch die Ostsee

Russland setzt inzwischen eines seiner modernsten Kriegsschiffe ein, um einen LNG-Tanker durch die Ostsee zu begleiten. Die Fregatte „Admiral Kasatonow“ wurde am Montag vor der deutschen Ostseeinsel Fehmarn zusammen mit dem unter russischer Flagge fahrenden Gastanker „Portowy“ gesichtet. Das Schiff gehört seit 2020 zur russischen Marine und ist mit Hyperschallraketen des Typs „Zirkon“ ausgerüstet, die auch nukleare Sprengköpfe tragen können. Dass Moskau ein solches Kriegsschiff für die Begleitung eines Handelsschiffes abstellt, ist ungewöhnlich. Der „Portowy“ dient normalerweise als schwimmender LNG-Speicher für die Anlage „Gazprom LNG Portowaja“ im Gebiet Leningrad. Nach den vorliegenden Schiffsbewegungen hat der Tanker die Ostsee inzwischen verlassen und fährt entlang der norwegischen Küste nach Norden. Als Ziel ist Murmansk angegeben.

Genau das fällt auf, denn Murmansk ist selbst ein wichtiger Umschlagplatz für russisches Flüssiggas und normalerweise kein Ziel für LNG aus einem russischen Exportterminal an der Ostsee. Der Schiffsanalyst H. I. Sutton hält es deshalb für wahrscheinlich, dass die Ladung weiter nach Ostasien gehen soll, möglicherweise nach China. Dafür könnte der „Portowy“ selbst den Nördlichen Seeweg nehmen oder seine Ladung in Murmansk auf einen anderen Tanker übertragen. LNG-Transporte über diese Route sind im Sommer nichts Besonderes, ungewöhnlich ist aber der Ausgangspunkt. Flüssiggas aus der Ostsee wird normalerweise nach Süden über das Mittelmeer und den Suezkanal oder um Afrika herum transportiert. Der Weg nach Norden würde zwar auch Gefahren durch den Krieg im Nahen Osten umgehen, doch Sutton sieht einen anderen Grund als wahrscheinlicher: Moskau will seine Gastanker offenbar vor ukrainischen Seedrohnen schützen. Ukrainische unbemannte Boote haben bereits Tanker außerhalb des Schwarzen Meeres angegriffen. Russland reagiert darauf möglicherweise mit einer neuen Exportstrategie und militärischem Begleitschutz.
Die „Admiral Kasatonow“ wurde nach Angaben von Beobachtern in diesem Jahr bereits zur Eskorte von Schiffen der russischen Schattenflotte eingesetzt. Sie ist zudem nicht das einzige russische Kriegsschiff, das derzeit in der Ostsee auftaucht. Anfang August wurde auch der Zerstörer „Admiral Lewtschenko“ in die Region geschickt und am Dienstag vor der dänischen Küste gesichtet. Die verstärkte Präsenz folgt wenige Wochen nach Putins Ankündigung, Russland werde auf die Festsetzung russischer Schiffe durch Staaten der Europäischen Union mit entsprechenden Gegenmaßnahmen reagieren. Nun fährt ein mit Hyperschallraketen bewaffnetes Kriegsschiff vor deutschen und dänischen Küsten neben einem russischen Gastanker her. Für einen gewöhnlichen LNG-Transport ist das ein erheblicher militärischer Aufwand – und ein Hinweis darauf, wie ernst Moskau inzwischen die Gefahr für seine Handelsflotte nimmt.
„ICE-Charter nach Teheran: Wir rekonstruieren jetzt Flug für Flug“.

Lesen Sie unseren Artikel: ICE – Charter nach Teheran, während die Bomben fielen – Teil 1
Unser Artikel zu den ICE-Charterflügen nach Teheran ist noch lange nicht abgeschlossen. Im ersten Teil haben wir offengelegt, wie US-Beamte zwischen Washington, Tel Aviv, Doha, Kairo, Jordanien und Teheran Abschiebeflüge organisierten, während sich die politische und militärische Lage zwischen den USA und Iran immer weiter zuspitzte. Grundlage sind mehr als 800 interne E-Mails und weitere Unterlagen, die wir derzeit auswerten. Die Dokumente zeigen, wie Manifeste erstellt, Reisedokumente beschafft, Zwischenstopps geplant und diplomatische Genehmigungen eingeholt wurden. Sie zeigen auch, wie iranische Vertreter in die Vorbereitung eingebunden waren und wie selbst Menschen, die nicht auf endgültigen Passagierlisten standen, am Ende nach Teheran gelangten.

Noch in dieser Woche folgt Teil 2 der Recherche bis zum 23. August. Darin werden wir die Abläufe wesentlich genauer chronologisch rekonstruieren. Wir verfolgen die einzelnen Charterflüge Schritt für Schritt, ordnen interne Nachrichten den jeweiligen Tagen und Entscheidungen zu und zeichnen die Flugrouten so exakt wie möglich nach: von den US-Haftanstalten über die Zwischenstationen bis nach Doha und weiter nach Teheran. Dabei geht es nicht nur um Flugpläne. Es geht darum, sichtbar zu machen, wann welche Entscheidung fiel, wer beteiligt war und wie aus internen Anweisungen schließlich reale Abschiebungen wurden. Übergeben wurden die Menschen einem Regime, dem Washington selbst den Mord an den eigenen Bürgern vorwirft, einem Staat, der foltert und ohne Verfahren wegsperrt. Unter ihnen sind Minderheiten und Andersdenkende, die nach der Ankunft mit gutem Grund Verfolgung fürchten.
Trump will weiterbauen: Den 400-Millionen-Dollar-Ballsaal soll jetzt der Supreme Court retten

Der Streit um Donald Trumps 400 Millionen Dollar teuren Ballsaal am Weißen Haus ist beim Supreme Court angekommen. Der National Trust for Historic Preservation fordert das höchste US-Gericht auf, die oberirdischen Bauarbeiten gestoppt zu lassen, während über die Rechtmäßigkeit des Projekts gestritten wird. Die Denkmalschützer werfen der Regierung vor, die gerichtliche Kontrolle schlicht überholen zu wollen, anstatt die nach ihrer Auffassung notwendige Zustimmung des Kongresses einzuholen. Kein Bundesgesetz gebe dem Präsidenten ausdrücklich die Befugnis, ein Drittel des Weißen Hauses abzureißen und durch einen riesigen, privat finanzierten Ballsaal zu ersetzen, schreiben ihre Anwälte. Für das rund 8.400 Quadratmeter große Gebäude wurde bereits der Ostflügel des Weißen Hauses abgerissen. Bestandteil des Projekts ist außerdem eine unterirdische militärische Anlage, die nach Angaben der Regierung für den Schutz des Präsidenten notwendig ist. Genau diese Arbeiten dürfen weitergehen.
Bundesrichter Richard Leon vom U.S. District Court for the District of Columbia hatte die oberirdischen Bauarbeiten gestoppt und festgestellt, kein Gesetz komme auch nur annähernd daran heran, dem Präsidenten die von ihm beanspruchte Befugnis zu geben. Ein gespaltenes Berufungsgericht ließ Leons Entscheidung bestehen, setzte die Wirkung jedoch vorübergehend aus, damit die Trump-Regierung den Supreme Court anrufen kann. Die Regierung behauptet weiterhin, der Präsident könne über Umbauten am Weißen Haus entscheiden, ohne dass Kongress oder Gerichte ihm dabei Grenzen setzen dürften. Das Justizministerium erklärt zudem, die derzeit offene Baustelle erschwere den Schutz des Gebäudes. Generalstaatsanwalt beim Supreme Court D. John Sauer fordert deshalb eine Entscheidung noch vor Freitag, wenn die Entscheidung des Berufungsgerichts wirksam werden soll. Er bezeichnet den Baustopp als rechtswidrig und erklärt, die gesamte Anlage einschließlich eines vollständig gesicherten Ballsaals sei aus Gründen der nationalen Sicherheit notwendig. Die Regierung bestreitet außerdem, dass der National Trust überhaupt klageberechtigt ist. Dessen Anwälte halten dagegen, Leons Verfügung sei bereits eng begrenzt und erlaube ausdrücklich alle unterirdischen Arbeiten zum Schutz des Präsidenten, seiner Familie und der Beschäftigten. Oberster Richter John Roberts hatte dem National Trust bis Dienstag Zeit für seine Antwort gegeben. Seit zehn Monaten wird gebaut, nach Angaben der Regierung sind inzwischen rund 65 Prozent des Projekts fertig. Genau deshalb drängt das Weiße Haus jetzt auf Tempo: Je weiter der Bau voranschreitet, desto schwieriger wird es, aus einem Rechtsstreit noch einen tatsächlichen Baustopp zu machen.

Wer unsere Arbeit supporten möchte, wäre cool. Und was wäre die Welt ohne Recherche, Aufklärung und die daraus resultierende Hilfe? Richtig Trump!
Hacker stehlen Daten von 1,2 Millionen Menschen in Lettland

Bei einem Angriff auf Lettlands nationale Straßenverkehrsbehörde CSDD haben Hacker persönliche Daten von rund 1,2 Millionen Menschen erbeutet. Das Land hat nur etwa 1,9 Millionen Einwohner. Betroffen sind außerdem Daten von rund 200.000 Unternehmen. Die Angriffe liefen zwischen dem 8. und 10. August und verschafften den Tätern Zugriff auf Informationen aus Zahlungsbelegen, die bis ins Jahr 2008 zurückreichen. Gestohlen wurden Namen, persönliche Identifikationsnummern, Fahrzeugkennzeichen, Meldeadressen sowie Datum und Höhe von Zahlungen. Bei Unternehmen gelangten unter anderem Firmenname, Registrierungsnummer und ebenfalls Fahrzeug- und Zahlungsdaten in fremde Hände. Telefonnummern und andere Kontaktdaten seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht abgeflossen.
Auch der laufende Betrieb der Straßenverkehrsbehörde wurde durch den Angriff nicht beeinträchtigt. CSDD und die staatliche Cybersicherheitsorganisation CERT.LV warnen nun vor Betrugsversuchen, bei denen die gestohlenen Angaben benutzt werden könnten, um Nachrichten besonders glaubwürdig erscheinen zu lassen. Bürger sollen deshalb bei E-Mails, Mitteilungen oder Anrufen vorsichtig sein, die angeblich von CSDD oder anderen Behörden stammen. Gerade weil Täter nun Namen, Adressen und weitere persönliche Angaben kennen, können gefälschte Schreiben deutlich überzeugender wirken als gewöhnliche Phishing-Nachrichten. Die Behörden raten ausdrücklich davon ab, Links in unerwarteten Nachrichten zu öffnen. Die lettische Polizei hat inzwischen ein Strafverfahren nach zwei Vorschriften eingeleitet: wegen unbefugten Zugriffs auf ein automatisiertes Datenverarbeitungssystem und wegen rechtswidriger Handlungen mit Geräten, die auf solche Systeme einwirken. Bislang sind die gestohlenen Datensätze weder öffentlich aufgetaucht noch zum Verkauf entdeckt worden. Auch über das Motiv der Täter ist bisher nichts bekannt.
Lettlands Ministerpräsident Andris Kulbergs schließt deshalb auch einen politischen Hintergrund nicht aus. Nach seinen Worten könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um einen hybriden Angriff durch Geheimdienste eines Lettland feindlich gesinnten Staates handelt. Beweise dafür liegen bislang nicht vor. Fest steht dagegen bereits die Größenordnung: Ein einziger Angriff hat Daten erfasst, die rechnerisch fast zwei Dritteln der gesamten lettischen Bevölkerung entsprechen.
Nach Monaten iranischer Angriffe prüft Pentagon Rückzug aus dem Persischen Golf

Der Krieg mit Iran könnte die amerikanische Militärpräsenz im Nahen Osten dauerhaft verändern. Im Pentagon laufen erste Planungen für eine deutlich kleinere US-Truppenpräsenz am Persischen Golf. Noch handelt es sich nicht um eine formelle Überprüfung durch Verteidigungsminister Pete Hegseth, doch das politische Planungsbüro des Ministeriums, der Vereinigte Generalstab und das US-Zentralkommando befassen sich bereits mit der Frage, welche der schwer getroffenen Stützpunkte nach einem Ende des Krieges überhaupt wieder aufgebaut werden sollen. Normalerweise stehen rund 40.000 amerikanische Soldaten an fast 20 Standorten zwischen Jordanien und Oman.
Seit Beginn des Krieges wurden zusätzlich Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme in die Region geschickt. Amerikanische Kräfte flogen inzwischen mehr als 13.000 Angriffe gegen Iran. Gleichzeitig zeigte Teheran, wie verwundbar die jahrzehntelang aufgebauten US-Stützpunkte sind. Vor Kriegsbeginn im Februar hatte das Zentralkommando bereits zahlreiche Anlagen teilweise geräumt, weil iranische Raketen und Drohnen sie zu leicht erreichen konnten. Mehr als 200 amerikanische Einrichtungen wurden während des Krieges beschädigt oder zerstört. Bei einem iranischen Angriff auf Port Shuaiba in Kuwait starben im März sechs US-Soldaten, ein weiterer Angriff in Jordanien tötete im Juli vier Amerikaner. Zur Verteidigung seiner Standorte verschoss das US-Militär mehr als 1.000 moderne Abfangraketen der Systeme Patriot und THAAD und griff damit tief in seine eigenen Vorräte.
Nun steht die Frage im Raum, warum Washington Milliarden in genau jene großen Anlagen stecken sollte, deren Lage Iran seit Jahrzehnten kennt und die sich im Krieg als kaum ausreichend zu schützen erwiesen haben. Admiral Bradley Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, unterstützt nach Angaben eines Regierungsvertreters Überlegungen, Truppen vom Persischen Golf weiter nach Westen zu verlegen. Im Gespräch sind Jordanien, Israel und die saudische Küste am Roten Meer. Auch die Prince Sultan Air Base bei Riad wird als möglicher sichererer Standort genannt. Ein Ausbau der amerikanischen Präsenz in Israel wird ebenfalls diskutiert. Dabei gibt es innerhalb der Regierung Widerstand, weil das Pentagon zugleich vor einer wachsenden Gefahr israelischer Spionage gegen die Vereinigten Staaten warnt. Für die Golfstaaten wäre ein amerikanischer Rückzug erheblich. Bahrain beherbergt das Hauptquartier der Fünften US-Flotte, Kuwait große Verbände von Heer und Luftwaffe, und die Staaten der Region haben ihre Verteidigung über Jahrzehnte eng auf Washington ausgerichtet. Waffenverkäufe und Geheimdienstzusammenarbeit könnten bestehen bleiben, selbst wenn weniger amerikanische Soldaten vor Ort wären. Eigene militärische Fähigkeiten aufzubauen, die einen größeren US-Abzug ausgleichen, würde für viele dieser Länder jedoch Jahre dauern. Hinzu kommt die Rechnung für den bisherigen Krieg.
Das Pentagon erwartet bis Ende September Kosten von rund 37,5 Milliarden Dollar. Darin ist der Wiederaufbau zerstörter Stützpunkte noch nicht enthalten. Eine Schätzung des American Enterprise Institute setzte allein die Reparaturkosten bereits im April bei etwa fünf Milliarden Dollar an. Genau diese Ausgaben will Washington nun offenbar nicht automatisch freigeben. Der im Juni von Donald Trump unterzeichnete vorläufige Friedensvertrag mit Teheran zerbrach wieder, seitdem greifen beide Seiten weiterhin sporadisch an. Eine endgültige Entscheidung über einen Truppenabbau ist deshalb noch nicht gefallen. Im Pentagon wird aber bereits für die Zeit danach gerechnet. Nach Monaten des Krieges steht plötzlich nicht mehr nur die Frage im Raum, wie viele amerikanische Stützpunkte repariert werden müssen, sondern ob die USA an einigen dieser Orte überhaupt noch bleiben wollen.
