Zwischen Mai und November vergangenen Jahres stellten Beamte der US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement, ICE, in aller Eile 3 Charterflüge nach Teheran zusammen. Über 100 iranische Staatsangehörige gingen an Bord, zurückgeschickt an genau jene Regierung, die Washington wenige Wochen später bombardieren ließ. Wie eng die Behörde dafür mit iranischen Vertretern zusammenarbeitete, belegt ein umfangreicher Bestand interner E-Mails.
Auf vielen dieser Nachrichten steht ein Vermerk, der ihre Herkunft schützen sollte. Sie seien „NICHT KLASSIFIZIERT / NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH“, und weiter: „Kein Teil dieser Mitteilung darf den Medien in schriftlicher oder mündlicher Form zur Verfügung gestellt werden.“ Nun liegen sie offen.

Betreff: AW: *ENTWURF REISEPLAN V3 – Übernachtung Jordanien – Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Ich frage noch einmal nach einem aktuellen Stand zu den Piloteninformationen. Sie werden für die diplomatische Note zur Landeerlaubnis benötigt und sind das Einzige, was mir noch fehlt.
Die Vertretung muss das Dokument am Sonntag verschicken, sonst riskieren wir Verzögerungen.
Beste Grüße
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
ERO Attaché
Immigration and Customs Enforcement
Department of Homeland Security
Außenstelle der US-Botschaft Tel Aviv
Mobil:(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.govVon:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Gesendet: Mittwoch, 17. September 2025, 22:34 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: mehrere Empfänger, geschwärztBetreff: AW: *ENTWURF REISEPLAN V3 – Übernachtung Jordanien – Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Grüße,
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)Rufzeichen:
(b)(7)(E)
Flugzeugmodell:(b)(7)(E)
Einflugpunkt in den Luftraum nach Kairo:(b)(7)(E)
Ausflugpunkt aus dem Luftraum von Kairo:(b)(7)(E)Anlage 1: AKTUALISIERT UND ANGEHÄNGT
Anlage 2: AKTUALISIERT UND ANGEHÄNGT. DER NAME DES KAPITÄNS STEHT NOCH AUS, DA DIE BESATZUNG FÜR DIESE MISSION ERST ETWA 10 TAGE VORHER EINGETEILT WIRD.
Der Anstoß kam von oben. Am 19. Juni 2025, mitten im 12-Tage-Krieg, wies der damalige kommissarische Direktor Todd Lyons von seinem BlackBerry aus Marcos Charles und Madison Sheahan an, „Zielfälle prioritär einzuleiten“. Keine Stunde später gab Charles die Weisung weiter: „Bitte beginnen Sie mit der Ausarbeitung eines Plans zur Abschiebung aller abschiebbaren Iraner … in Gewahrsam.“ Man brauche „so schnell wie möglich einen Plan für das weitere Vorgehen“.
Begeisterung sieht anders aus. „Leider habe ich keine besonders guten Nachrichten“, schrieb ein Beamter, laut Signatur stellvertretender Direktor der Abschiebeabteilung der Enforcement and Removal Operations, ERO. Der Iran kooperiere derzeit nicht und stelle die nötigen Reisedokumente nicht rechtzeitig aus; wegen des Konflikts sei „der iranische Luftraum bis auf Weiteres für alle geschlossen“, nicht allein für die Vereinigten Staaten. Auch die benachbarten Landgrenzen bereiteten Probleme. Dennoch drängte derselbe Mann, gleich am nächsten Morgen das Außenministerium einzuschalten, das bei dieser Priorität des Weißen Hauses helfen müsse. 24 Stunden später klang es anders: Das Team habe brauchbare Wege für Abschiebungen in den Iran gefunden. Die Einzelheiten blieben geschwärzt.
Die Papiere führen mitten in einen Apparat, der über mehrere Kontinente reicht. Als Angelpunkt tritt die Außenstelle von ICE an der US-Botschaft in Tel Aviv hervor, deren ERO-Attaché Joshua Coster, Verbindungsbeamter der US-Einwanderungsbehörde ICE an der US-Botschaft in Tel Aviv, zuständig für Abschiebungen und Rückführungen. den Draht nach Katar hielt. In Kairo saß ein Regional-Attaché, der die diplomatischen Noten und die Anträge auf Landeerlaubnis auf den Weg brachte. Die Charterlogistik lag bei ICE Air Operations im arizonischen Mesa, geführt unter dem Titel Special High-Risk Charters, den Sondercharter für Hochrisikofälle.
Was als Rückführung von Iranern begann, wuchs zu einer Sammeloperation. Ein Beamter beschrieb den Ausgangspunkt in einer Nachricht vom 3. September: „Das begann als Iran-Initiative mit einem SHRC-Flug nach Doha, Katar, der Iraner zu einem anschließenden gecharterten Qatar-Airways-Flug nach Teheran bringen würde.“ Um die Maschine besser auszulasten, so fügte er an, „wollte ich weitere Personen einbeziehen“.
Am 8. September ging das Russland-Manifest ein. „Bitte siehe das beigefügte Manifest für 73 Russland-Fälle“, schrieb ein Beamter und hielt fest: „19 der Fälle sind für eine kommerzielle Abschiebung in diesem Monat vorgesehen. Allerdings steht bei 3 dieser Fälle die Ausstellung eines Reisedokuments noch aus.“ Wenig später kam ein weiterer russischer Fall hinzu, „neue Gesamtzahl: 74″. Am selben Tag folgte die Aufschlüsselung, zusammengestellt „zusammen mit den 73 Russen“. Auf den Iran entfielen 105 Fälle. Für Ägypten wurden 30 geführt, für Jordanien 18. Auf den Listen standen zudem 2 Fälle aus Guantánamo, einer davon abschiebebereit. Anfang September wies das interne System der Behörde 390 Fälle mit endgültiger Anordnung aus.

Von:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Gesendet: Mittwoch, 3. September 2025, 09:07 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: mehrere Empfänger, geschwärztBetreff: AW: Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)Vielen Dank für das Manifest. Die neuesten Zahlen im WRD zeigen 390 DFO-Fälle.
(b)(5)
(b)(5)Es hört sich so an, als hättet ihr eine gute Arbeitsbeziehung mit dem Iran-Desk in D.C. aufgebaut.(b)(5)
(b)(5)
(b)(5)Wie ich bereits in meiner letzten Nachricht erwähnt habe, müssen wir bei der ersten Ausgabe des Manifests eine vollständige Anfrage vorlegen.(b)(5)
(b)(5)Ich werde vorerst abwarten, um zu sehen, was wir noch hinzufügen können. Ich habe bis Donnerstag Zeit, das Manifest an unsere Partner in Doha weiterzugeben.Abgesehen vom iranischen Manifest,
(b)(5)
(b)(5)Beste Grüße,
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
ERO Attaché
Immigration and Customs Enforcement
Department of Homeland Security
Außenstelle der US-Botschaft Tel Aviv
+972 3 796-(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)/ +1(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)(Mobil)(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Von:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Gesendet: Mittwoch, 3. September 2025, 01:35 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: mehrere Empfänger, geschwärztBetreff: AW: Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Guten Tag,
anbei das, was ich für den vorgeschlagenen Iran-Flug habe.
Die 212F-Fälle sollten bis dahin abgearbeitet sein; sie sind hervorgehoben.
Ich habe diejenigen rot markiert, bei denen wir keine Kopie ihres Passes in
(b)(7)(E)haben.Nicht alle haben einen Reisepass bei sich. Bei denjenigen, die keinen haben, werde ich auf die Ausstellung eines Reisedokuments drängen, da der Direktor erklärt hat, dass die Überprüfung für die Ausstellung problemlos möglich sein sollte.
Für die Abschnitte nach Ägypten und Russland meldete sich eine Fluggesellschaft mit einem Angebot: „Grüße von der Charterabteilung von EGYPTAIR.“ Die Offerte führte die Bewirtung auf, „Sämtliche angebotenen Leistungen erfolgen in der Business Class“, und kalkulierte eine Kriegsrisikoversicherung ein, falls anwendbar. Bezahlt werden sollte in US-Dollar, in bar oder per Überweisung.
Der Zeitdruck lag über allem. Der Attaché in Kairo verschickte an einem Sonntag die diplomatischen Noten und die Anträge auf Landeerlaubnis und warnte, ohne die vollständigen Flug- und Passagierunterlagen bis zur Folgewoche „müssen wir diese Mission absagen“. Das ägyptische Konsulat in Chicago verlangte vor der Ausstellung eines Reisedokuments die Flugdaten bis hin zur Kennnummer der Maschine. Mitte September stand das Geld: „Die Finanzierung steht“, meldete ein Beamter für den „großen LRIF-Flug mit Abflug am 29.09.2025″, die Genehmigung der zuständigen Leitung liege vor. Von der operativen Seite kam die Ansage: „Von unserer Seite aus sind wir startklar.“
Der Weg nach Teheran führte über eine Kette von Vermittlern. „Das Innenministerium versichert nun, dass es für das Konzept die Zustimmung Irans hat, und QR ist erneut bereit, zu helfen, indem ein gechartertes Flugzeug für einen direkten Transfer von Flugzeug zu Flugzeug in Doha bereitgestellt wird“, schrieb Coster Anfang September. Er kündigte an, das Manifest an das katarische Innenministerium zu übergeben, das mit der iranischen Botschaft in Doha zusammenarbeiten werde. Und er zog eine harte Linie: „Sobald das Manifest verschickt wurde, dürfen keine Personen mehr hinzugefügt werden.“ Streichen aber gehe jederzeit: „Personen können jedoch ohne Probleme wieder gestrichen werden.“

CC: mehrere Empfänger, geschwärzt
Betreff: AW: Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Von unserer Seite aus sind wir startklar. Bitte schicken Sie die Manifeste für Ägypten und Russland sowie die Informationen über das Flugzeug und die Besatzung.
Wir wollen uns nicht mit Landeerlaubnissen in letzter Minute usw. beschäftigen.
Sehr geehrte/r
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F),Grüße von der Charterabteilung von EGYPTAIR.
Bitte finden Sie nachfolgend unser Angebot:
Route Preis in USD angebotene Sitzplätze Flugzeugtyp (b)(5),(b)(7)(E)(b)(5),(b)(7)(E)(b)(5),(b)(7)(E)(b)(5),(b)(7)(E)Bitte beachten Sie Folgendes:
- Die Durchführung hängt von der Verfügbarkeit der Besatzung und des Flugzeugs zum Zeitpunkt der Bestätigung sowie von der Zuteilung von Slots, Betriebsgenehmigungen und sonstigen Genehmigungen ab.
- Bitte beachten Sie, dass unser Angebot auf dem aktuellen USD-Wechselkurs und den derzeitigen Treibstoffkosten basiert. Sollten sich diese Werte ändern, wird das Angebot angepasst.
- Unser Nettopreis versteht sich ohne Steuern, Abfertigungsgebühren für ausgestellte Tickets, Enteisung, falls erforderlich, Kriegsrisikoversicherung, falls anwendbar, sowie etwaige Lizenzgebühren.
- Unser Angebot umfasst Catering in der Economy Class sowie Softdrinks / alkoholfreie Getränke.
- Alle Beträge verstehen sich in US-Dollar.
- Steuern pro Passagier derzeit: USD
(b)(7)(E)- Sämtliche angebotenen Leistungen erfolgen in der Business Class.
- Die Zahlung erfolgt in USD in bar, per Bankscheck oder per Banküberweisung.
- Der Preis kann je nach Zeitpunkt der Bestätigung noch geändert werden.
Wir bitten um eine schnelle Bestätigung der endgültigen Passagierzahl, damit wir den geeigneten Flugzeugtyp für Ihren Flug organisieren können.
Wir verfügen gemäß folgendem Zeitplan über Verfügbarkeit:
Datum Flugnummer Von Nach ETD (UTC) ETA (UTC)
Am 28. September antwortete das Außenministerium des Staates Katar, Abteilung für Konsularangelegenheiten, der US-Botschaft in Doha in der Sprache der Diplomatie. Die zuständigen Behörden hätten „dem oben genannten Antrag zugestimmt“; die Genehmigung galt dem Überflug und der Landung am Hamad International Airport zu Monatsbeginn, unter Bezug auf eine Anfrage der Botschaft vom 25. September. Das Ministerium nutze die Gelegenheit, hieß es zum Schluss, „um der Botschaft erneut seine vorzügliche Hochachtung zu versichern“. Der große Flug nahm den Weg über Jordanien, mit einer Übernachtung, ehe er Doha erreichte. Zwischen den Höflichkeiten reiste eine Fracht aus Menschen, die nicht zurückwollten.
Ein erster Anlauf war Ende August gescheitert. „Es sieht so aus, als werde gegenseitig mit dem Finger aufeinander gezeigt“, schrieb ein Beteiligter; die katarische Seite und die dortigen Ministerien hätten erklärt, die Iraner hätten nicht rechtzeitig zugestimmt. Hinzu sei die schleppende Abstimmung in Doha gekommen. Nach einem weiteren Treffen sei das Innenministerium wieder an Bord.
Am deutlichsten wird die Nähe in einem Vermerk vom 29. August. Ein stellvertretender Abteilungsleiter für den Nahen Osten und Ostafrika schilderte darin ein Gespräch mit dem Direktor der iranischen Botschaft. Der Direktor habe gefragt, warum der Charter nicht wie geplant stattgefunden habe; er und der Botschafter in Doha hätten davon gewusst. Die Genehmigung sei nicht bei den richtigen Stellen eingeholt worden, vor allem nicht beim Botschafter. Man könne jederzeit einen weiteren Flug ansetzen, sofern der Antrag über die vorgesehenen Kanäle laufe. Iran habe ihn aufgefordert, „das vorherige Manifest zu ändern und das Abschiebungsverfahren zu beschleunigen“.
Weiter erklärte der Direktor seine Bereitschaft, „nach Louisiana zu reisen, um sich mit den zuständigen Beteiligten zu treffen, Reisedokumente auszustellen und die Staatsangehörigkeit der zur Abschiebung vorgesehenen Personen zu überprüfen“. Solche Papiere, hieß es an anderer Stelle, stelle der Iran sonst meist nur denen aus, „die freiwillig zurückkehren wollen, und das sind nicht sehr viele“. Für die Übrigen drang die Behörde auf Dokumente, weil die Überprüfung problemlos möglich sein sollte. Ein Vertreter des Regimes, dem Washington öffentlich den Mord an den eigenen Leuten vorhielt, sollte in einem Lager in Louisiana über die Papiere derer entscheiden, die man ihm zurückgab.
Die Zusammenarbeit reichte noch weiter. Mitte September übergab ein Beamter der iranischen Seite „eine Liste von ungefähr 250 Personen einschließlich ihrer Passnummern“, „damit eine Überprüfung im Voraus erfolgen kann“. Viele der Genannten seien bereits vom Iran überprüft worden. Weil der iranische Präsident zur selben Zeit die Vereinigten Staaten besuchte, schlug die Delegation vor, eine Einrichtung am 26. und 27. September aufzusuchen. Der Besuch war mit dem amtierenden Leiter des Field Office abgestimmt, aus dessen Sicht „keine Probleme“ bestünden. Aus der Prüfung der Unterlagen gingen 119 Fälle mit gültigem Reisedokument oder Reisepass hervor. Coster bot an, selbst in Doha zu sein, wenn der Transfer lande.

ich bin mir nicht sicher, wie häufig ihr Aktualisierungen zum Russland-Teil benötigt, aber heute Nachmittag wurde mir ein FTC-Fall gemeldet.
Der Fall wurde der Anlage hinzugefügt, neue Gesamtzahl: 74.
Von:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Gesendet: Montag, 8. September 2025, 14:53 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: mehrere Empfänger, geschwärztBetreff: AW: Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Guten Tag zusammen,
zusammen mit den 73 Russen hier die Aufschlüsselung für die folgenden Länder:
Jordanien: 18
Ägypten: 30
Iran: 105Die Manifeste werden so bald wie möglich zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen,
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
Acting Unit Chief – Middle East / East Africa
Removal & International Operations
U.S. Immigration & Customs Enforcement
500 12th Street SW
Washington, D.C. 20024
Mobil: 313-30(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)Von:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.gov
Gesendet: Montag, 8. September 2025, 14:30 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: mehrere Empfänger, geschwärztBetreff: AW: Nachbereitung zum Iran-Charterflug und nächste Schritte
Wichtigkeit: Hoch
Grüße,
nur um die Anfrage noch einmal zu präzisieren: Bezieht sich die Anfrage auf
(b)(5)
(b)(5)Das größte Flugzeug, auf das wir Zugriff haben, verfügt über
(b)(5),(b)(7)(E)Sitzplätze für Ausländer.
Am Abend des 29. September lief die Abrechnung. „Nur zur Bestätigung: Dies ist die Liste der Personen, die es tatsächlich ins Flugzeug geschafft haben“, schrieb ein Beamter. Die Antwort fiel knapp aus: „Im Spot Report wird es kein Manifest geben. 54 insgesamt.“ Die kursierende Liste hielt die persönlichen Angaben verdeckt. Sichtbar blieben allein Geschlecht und iranische Nationalität. Für jeden stand derselbe Zielort. Unter den Vermerken fanden sich 2 Frauen.
Ein Vorgang aus diesem ersten Flug bleibt schwer zu fassen. Coster teilte seinen Kollegen mit, ein iranischer Staatsangehöriger, der nicht auf der endgültigen Abschiebeliste gestanden habe, sei irgendwie in die Maschine nach Doha gelangt. „Ein iranischer Staatsangehöriger, der nicht auf dem endgültigen Passagiermanifest stand, das wir dem katarischen Innenministerium geschickt hatten, wurde auf den Flug gesetzt“, schrieb er am 30. September 2025. „Das ist bedauerlich.“ Ein Kollege antwortete: „Ich habe keine Ahnung, wie dieser Fall/diese Person bis ins Flugzeug gelangt ist.“ Nach dem Zwischenstopp in Doha wurde der Mann trotzdem weiter in den Iran geschickt. In dem einen Wort bedauerlich steckt die ganze Buchhaltung einer Behörde, die einen Menschen als Rechenfehler führt und ihn dennoch bis ans Ziel durchreicht.
Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums, der übergeordneten Behörde von ICE, wollte sich zu der Verwechslung nicht äußern.
Der Arbeitstag endete beiläufig. „Oh Mann, verstanden“, schrieb ein Beteiligter kurz nach 3 Uhr früh, meldete sich für den Abend ab und bat, ihn nur noch per Kurznachricht zu erreichen. „Danke für all Ihre Hilfe und Geduld heute“, fügte er hinzu, dazu das Bild eines erschöpften Gesichts und eines angestoßenen Glases. So schloss ein Tag, an dessen Ende Menschen in einem Flugzeug nach Teheran saßen.
Lyons und Charles reagierten nicht auf Anfragen. Auch Sheahan äußerte sich nicht. Eine Anfrage an Costers dienstliche Adresse beantwortete eine automatische Abwesenheitsnotiz. Sein Zuständigkeitsbereich sei inzwischen nach Nordafrika verlegt worden.
Damit endete es nicht. Ende Oktober kursierte „das alte Manifest mit den verbleibenden Iranern, die es im Oktober nicht auf den Charterflug geschafft haben“; die Zahl der Iraner mit endgültiger Anordnung liege „bei ungefähr 320+“. Für den 7. Dezember plante die Behörde die nächste Mission, diesmal über Kuwait, unter dem Betreff „ÄGYPTEN – KUWAIT (IRAN, LIBANON, RUSSLAND, SYRIEN)“. Zur Bereitstellung dienten Einrichtungen in Arizona und Louisiana. Eine Weisung mahnte, alle Reisepässe rechtzeitig nach Mesa zu schicken, „damit … niemand in letzter Minute nach den Reisedokumenten suchen muss“. Das iranische Manifest ging zur Genehmigung an die Regierung von Kuwait; die iranische Botschaft werde die Reisedokumente ausstellen. Geführt wurde die Namensliste als passwortgeschützte Datei, deren Kennwort ein Kollege erst erfragen musste.
Seit 1979 unterhalten Washington und Teheran keine förmlichen Beziehungen. Was zwischen beiden Hauptstädten zu regeln war, lief über Mittelsleute oder über iranische Vertreter, die von der pakistanischen Botschaft in Washington aus arbeiteten. Reisedokumente, ohne die keine Abschiebung möglich ist, waren so kaum zu bekommen, und Iraner blieben häufig auf unbestimmte Zeit im Land. Was jahrzehntelang unmöglich schien, ließ sich binnen Wochen einrichten, sobald am Ende der Abflug stand. Der Bruch selbst hatte sie zuvor geschützt.
Jahrelang schützten zwei Umstände die Iraner vor der Abschiebung: das Fehlen diplomatischer Beziehungen und die Gefahr der Vergeltung nach der Rückkehr. Beide Hindernisse hat die Trump-Regierung in ihrem Drang nach Massenabschiebungen zur Seite geräumt. Das Asylsystem für Flüchtlinge aus nahezu allen Ländern hat sie weitgehend zerlegt, mit der auffälligen Ausnahme weißer Afrikaaner.
Selbst ein Gerichtsurteil bot keinen sicheren Halt. Einem iranischen Staatsangehörigen hatte ein Einwanderungsrichter am 5. März 2025 Abschiebungsschutz für den Iran zugesprochen. In den Akten suchte die Behörde nun nach einem Drittland: Der Mann wolle nach Kanada, „obwohl er eingeräumt hat, dass er keinerlei Verbindungen zu Kanada hat und noch nie dort gewesen ist“. Ende Oktober hieß es dazu nüchtern, es gebe „hinsichtlich der Abschiebung von Iranern in Drittländer derzeit keine Fortschritte“. Unter der Nachricht stand, als Teil der Signatur eines Beamten, ein Bibelwort: „Wie sich im Wasser das Gesicht im Gesicht spiegelt, so spiegelt sich das Herz des Menschen im Menschen.“ Und darunter: „Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.“
Hassan Ahmad, ein Einwanderungsanwalt, der zuletzt mehrere prominente von Abschiebung bedrohte Mandanten vertrat, sagte, diese Regierung mache vor nichts halt, um die physischen Abschiebungen durchzusetzen, koste es, was es wolle; sie liefere Menschen schlicht an despotische Regime aus. Er sei lange in diesem Feld tätig, doch unter dieser Regierung finde sich täglich ein neuer Tiefpunkt.
Für ethnische Minderheiten und politische Andersdenkende, die vor Verfolgung fliehen, ist Schutz in den Vereinigten Staaten kaum noch zu finden, so scharf Trump die Menschenrechtsbilanz Teherans auch geißelt. Im Februar 2025 hielt er dem Iran in einem Memorandum zur nationalen Sicherheit vor, das Land begehe schwerste Menschenrechtsverletzungen und nehme Ausländer willkürlich und ohne rechtsstaatliches Verfahren fest; damit kündigte seine Regierung die „Maximum Pressure“-Kampagne an. Im Januar darauf, während eines tödlichen Vorgehens gegen Proteste, stellte er sich öffentlich hinter jene Iraner, die dem Regime die Stirn boten. Zur selben Zeit standen ICE-Beamte davor, ein weiteres Dutzend Menschen nach Teheran zu bringen.
Im Juni 2025 saßen nach Zahlen, die Charles zusammenstellte, 522 iranische Staatsangehörige in ICE-Haft, davon 244 mit endgültiger Anordnung und 278 mit laufendem Verfahren. Das interne Portal wies laut Charles über 5.000 weitere Fälle von Iranern mit laufendem Verfahren aus, die nicht in Gewahrsam waren. Um diese Zeit weitete ICE die Festnahmen iranischer Staatsangehöriger, die zuvor frei gewesen waren, stark aus. Nach Daten von NIAC kamen zwischen Juni und Juli zwischen 290 und 300 Menschen hinzu.
Jede Maschine erreichte Teheran mit mindestens einem Dutzend Abgeschobener, unter ihnen politische Aktivisten und Angehörige ethnischer wie religiöser Minderheiten, die guten Grund hatten, nach der Ankunft Verfolgung zu fürchten. Viele wurden gegen ihren Willen transportiert. Einer schilderte später, er habe vor dem Flug versucht, sich das Leben zu nehmen, und Beamte hätten ihn mit Gewalt in die Maschine gezwungen.

(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
Deportation Officer | San Luis Docket Unit | Series 201-400
ICE Enforcement and Removal Operations
San Diego Field Office / Calexico Sub-Office
San Luis Regional Detention Center, AZ
Telefon: 928-62(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)Warnung: Diese Mitteilung ist NICHT KLASSIFIZIERT / NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH (U//FOUO). Sie enthält Informationen, die gemäß dem Freedom of Information Act (5 U.S.C. 552) von einer Veröffentlichung ausgenommen sein können. Sie ist entsprechend den DHS-Richtlinien für FOUO-Informationen zu kontrollieren, zu speichern, zu behandeln, zu übermitteln, zu verteilen und zu entsorgen und darf ohne vorherige Zustimmung eines hierzu befugten DHS-Beamten weder der Öffentlichkeit noch anderen Personen zugänglich gemacht werden, die kein berechtigtes dienstliches Informationsbedürfnis besitzen. Kein Teil dieser Mitteilung darf den Medien in schriftlicher oder mündlicher Form zur Verfügung gestellt werden.
Auf der restlichen Seite befindet sich kein weiterer sichtbarer Nachrichteninhalt.
ICE 2026-ICLI-00013 0295
Von:
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
Gesendet: 01.10.2025, 15:59:19 Uhr
An: mehrere Empfänger, geschwärzt
CC: geschwärztBetreff: AW: Abschiebung in ein Drittland
(b)(6),(b)(7)(C)Vielen Dank für Ihre E-Mail.
HQ RIO arbeitet aktiv mit dem Außenministerium und DHS an Möglichkeiten, Ausländer in ein Drittland abzuschieben.
HQ RIO, genauer gesagt die zuständige Einheit, verfolgt diese Mitteilung als Fall einer Abschiebung in ein Drittland; die Zuständigkeit für diesen Fall verbleibt jedoch beim Field Office.
(b)(7)(E)
(b)(7)(E)usw.
Schicken Sie
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)@ice.dhs.govper E-Mail Ihre Mitteilung, und sie wird die betreffende Person auf die Liste für Abschiebungen in Drittländer setzen, damit sie berücksichtigt werden kann, sobald wir einen Ort identifiziert haben.Bitte informieren Sie HQ RIO
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)und den zuständigen Sachbearbeiter unverzüglich über alle wesentlichen Entwicklungen.Bitte beachten Sie, dass sie lediglich die Namensliste zusammenstellt und keine weitere Fallbearbeitung unterstützt.
Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihr örtliches OPLA bei allen Fällen eingebunden wird, die möglicherweise wiederaufgenommen werden können und bei denen alternative Anordnungen zur Abschiebung in ein anderes Land in Betracht gezogen werden.
Schließlich sind POCRs weiterhin entsprechend den POCR-Richtlinien einzureichen.
Vielen Dank.
(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)
DDO – Middle East/East Africa
Removal Management Division
Enforcement and Removal Operations
318-40(b)(6),(b)(7)(C),(b)(7)(F)(Mobil)
Iraner waren nach Daten von NIAC schon zuvor verstärkt ins Visier geraten. Der Zeitpunkt dieser Kehrtwende, ist besonders grausam gewesen. Es sei ziemlich klar gewesen, dass Iraner plötzlich gezielt herausgegriffen worden seien, und inzwischen wisse man, dass das Weiße Haus ICE mitten im 12-Tage-Krieg angewiesen habe, mit der Abschiebung von Iranern zu beginnen. Das Ausmaß von Costers Beteiligung zeige, wie zentral das ICE-Büro in Tel Aviv für ein grenzüberschreitendes Netz von Beamten geworden sei, die Menschen aus Amerika hinausbrächten.
Während Washington und Israel die nächste Phase des Krieges vorbereiteten, so Abdi, habe der ICE-Attaché in Israel die Rückführung von Asylsuchenden an eine Regierung geregelt, die deren Leben bedrohe. Die Menschen im Iran würden von allen Seiten im Stich gelassen, von ihrer eigenen autoritären Führung ebenso wie von einem Land, das sich ihnen als Freund gebe und zugleich Tausende Bomben auf sie werfe. Dieselbe Politik versperre ihnen den amerikanischen Weg und treibe sie in Armut. Der Mann, der aus Versehen in die Maschine geriet, kam trotzdem an.
Wir werten derzeit mehr als 800 E-Mails und weitere interne Unterlagen aus und rekonstruieren Flug für Flug, wie Menschen in ein mögliches Verderben geschickt wurden. Diese Geschichte setzt sich Stück für Stück zusammen. Wir hören nicht auf, bis sichtbar wird, wer was wusste und wer entschied. Und bis benannt ist, wer diese Flüge möglich machte. Übergeben werden die Menschen einem Regime, dem Washington selbst den Mord an den eigenen Bürgern vorwirft, einem Staat, der foltert und ohne Verfahren wegsperrt. Unter ihnen sind Minderheiten und Andersdenkende, die nach der Ankunft mit gutem Grund Verfolgung fürchten.
Fortsetzung folgt …
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