Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

Der Kaiser aus dem Bildgenerator und warum das so gefährlich ist

VonTEAM KAIZEN BLOG

2. August 2026

Im Bild recken Soldaten die Muskete in einen brennenden Himmel, Trump brüllt, oder singt, was auch immer, und um ihn her stürmen die Soldaten der Revolution, als hätte George Washington nie den Delaware überquert, sondern er. Es ist eine Fälschung, natürlich, aus derselben Maschine, die an diesem einen Nachmittag 15 Heiligenbilder seiner selbst ausgeworfen hat. Doch die Fälschung meint es ernst. Sie zeigt, wie ein Mann sich sehen will, und wer so gesehen werden will, sagt mehr über seine Absichten aus als jede Rede. Seine Ausflüge in die künstlerische Umnachtung haben wir in Grafiken gebündelt, damit Sie nicht jeden Post von diesem Wochenende einzeln durchleiden müssen.

Ein Denker der Aufklärung schrieb, kein Mensch dürfe dem anderen bloß als Mittel dienen, jeder trage einen Wert in sich, den kein Preis aufwiegt. Genau diesen Satz stellt der Bildersturm auf den Kopf. Hier ist der Einzelne alles und die Vielen nichts, Kulisse für sein Antlitz, Beifall spendende Statisten an gedeckten Tischen unter einem Sternenhimmel, den ein längst toter Maler erfand. Aus dem Bürger wird Dekoration, aus dem Präsidenten ein Gott, der sich selbst die Kerzen anzündet.

Man könnte es für Karneval halten, für die Marotte eines eitlen alten Mannes, der sich als Elvis verkleidet und als Ölkönig. Wäre da nicht der Ernst hinter zwei dieser Bilder. „Hello, Greenland“, schreibt er über eine Insel, die keine Ware ist, sondern Heimat von Menschen und Gebiet eines Bündnispartners, und der riesige Kopf über den bunten Häusern ist keine Begrüßung, sondern eine Hand, die nach fremdem Boden greift. Daneben Venezuela, kurzerhand zum 51. Staat erklärt und mit dem Sternenbanner überzogen. Das ist die Sprache der Einverleibung, freundlich lackiert, und wer sie für Spaß nimmt, hat die Landkarten vergessen, auf denen solche Sätze schon einmal endeten.

Bezeichnend ist, was fehlt. An diesem Sonntag fällt kein Satz über einen Menschen außer ihm und keine Zahl, die nicht seine Größe belegen soll. Selbst der Glaube wird Requisite, wenn er den goldenen Christus küsst und sich neben den Gekreuzigten rückt, „es liegt in seiner DNA“. Und selbst das Recht wird zum Feind, wenn er das in den Rasen gebrannte Kürzel gegen die eigene Staatsanwältin zu bloßem Vandalismus umdeutet. Wo alles auf ihn zeigt, zeigt nichts mehr auf die Wirklichkeit.

Man muss diese Diagnose nüchtern aussprechen, denn er ist ernster als der Spott, den er verdient. Ein Amtsträger, der die Grenze zwischen dem Gemeinwesen und dem eigenen Spiegelbild nicht mehr zieht, wird zur Gefahr, sobald er reale Grenzen anderer verschiebt. Grönland ist keine Bildunterschrift, Venezuela kein Motiv. Es sind Länder, und die Drohung, die zwischen zwei Selbstporträts eingelassen ist, wiegt schwerer als beide.

Deshalb genügt das Lachen nicht länger. Wer die Freiheit anderer für ein Requisit seiner Selbstfeier hält, gehört nicht bewundert, sondern in die Schranken gewiesen, mit den Mitteln, die eine Demokratie dafür kennt, dem Recht und der Wahl. Es geht nicht mehr allein um ein Land, das seinen Präsidenten erträgt. Es geht um jene jenseits seiner Grenzen, die auf keinem seiner Bilder vorkommen und die er dennoch schon eingezeichnet hat. Sie zu schützen, beginnt damit, die Bilder nicht für harmlos zu halten.

Warum wir das tun

Was wir tun, ist schnell gesagt. Wir stellen uns dagegen, mit den Mitteln, die uns für den Erhalt der Freiheit bleiben. Wir bereiten Gerichtstermine vor, wir recherchieren und dokumentieren, wir stehen den Opfern der ICE und den Inhaftierten bei, wir legen Korruption offen. Das kostet uns etwas, und wir zahlen es, ohne daraus eine Tugend zu machen.

Neben der Geschichte steht niemand

Viele denken, es betrifft sie nicht. Doch neben der Geschichte steht niemand, wir alle sind längst in ihr. Und er postet das nicht einmal, sondern jede Woche. Darin liegt die Absicht. Wer die Menschen mit Bildern seiner Größe überschüttet, dressiert sie auf Gewöhnung, und die Gewöhnung schließt das Lachen ein. Man spottet über den Kaiser im Kostüm, man teilt es, man hakt es ab, und mit jedem Mal sinkt die Schwelle, ab der man erschrickt. So wird das Ungeheure zur Tapete. Und wenn es dann geschieht, wenn aus der Bildunterschrift Grönland ein Anspruch wird und aus dem Motiv Venezuela ein Befehl, haben sich alle längst daran gewöhnt, es kommen zu sehen, ohne es kommen zu glauben, weil es so lustig war.

Hier geht es zu unserem Faktencheck: Ceuta, oder die Kunst, aus einem Andrang eine Erzählung zu machen

Es müssen nicht immer Verzweifelte sein, die einem Bild aus dem Netz folgen und losziehen. Manchmal tragen die, die einem Bild folgen, Uniform, und das Bild zeigt eine Insel.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
2 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Wolfgang Sikula
Wolfgang Sikula
18 Minuten vor

Frage an die Redaktion: Warum ist es für die Amerikaner so schwierig, diesen Wahnsinnigen aus seinem Amt zu hebeln? Liegt’s am amerikanischen Wahlsystem oder einfach nur an der Unaufgeklärtheit der Amerikaner?

Rainer Hofmann
Administrator
11 Minuten vor
Antwort auf  Wolfgang Sikula

Es liegt vor allem am politischen System. Ein US-Präsident, selbst dieser, lässt sich nicht durch Proteste oder schlechte Umfragewerte aus dem Amt entfernen. Dafür kennt die Verfassung nur wenige Wege: ein erfolgreiches Amtsenthebungsverfahren, also ein Impeachment mit anschließender Verurteilung durch eine Zweidrittelmehrheit im Senat, eine festgestellte Amtsunfähigkeit nach dem 25. Verfassungszusatz, oder die Abwahl bei der nächsten Präsidentschaftswahl. Solange der Präsident den Rückhalt eines großen Teils seiner Partei behält, sind die ersten beiden Wege politisch kaum zu beschreiten.
Hinzu kommt die tiefe Spaltung der Gesellschaft.

Viele Wähler deuten dieselben Ereignisse gegensätzlich und beziehen ihr Wissen aus getrennten Medienwelten, in denen sich kaum noch eine gemeinsame Faktenlage bildet. Deshalb greift die Erklärung einer angeblichen Unaufgeklärtheit der Amerikaner zu kurz. Was ihn im Amt hält, ist das Zusammenspiel dreier Kräfte, eines sehr stabilen Verfassungssystems, das gegen rasche Stürze gebaut wurde, einer noch parteipolitischen Loyalität, die über die Sache gestellt wird, und einer Gesellschaft, die sich nicht mehr auf gemeinsame Tatsachen einigt.

2
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!