Donald Trump hat einen Kandidaten für das höchste diplomatische Amt der Welt. Gianni Infantino, Präsident des Fußballverbandes FIFA, soll nach dem Willen des Präsidenten der nächste Generalsekretär der Vereinten Nationen werden. Infantino werde von allen auf der Welt geachtet, heißt es aus dem Weißen Haus, und besitze die besondere Gabe, Menschen zusammenzuführen. Diese Gabe hat zuletzt eine ganze Weltmeisterschaft in Verruf gebracht. Man stelle sich vor, was sie mit dem Weltfrieden anrichtet.

Die Freundschaft der beiden Männer ist jung und von rührender Gegenseitigkeit. Im Dezember verlieh Infantino dem Präsidenten den ersten FIFA-Friedenspreis, eine Auszeichnung, die es nie gegeben hatte und die man eigens erfand, um sie einem Mann umzuhängen, den das Nobelkomitee Jahr für Jahr übergeht. Ein Preis nach Maß, für einen Empfänger, der keinen fand. Dann klingelte im Sommer das Telefon. Trump bat, die rote Karte gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun zu kippen, und Infantino kippte sie, ein Bruch mit jeder Regel, mitten im Turnier. Belgien gewann das Spiel darauf mit 4:1 und äffte hinterher Trumps Tanzschritte nach. Die Gefälligkeit hatte nicht einmal genützt. Aber sie war angekommen.


Nun also die Belohnung. Paolo Zampolli, Trumps Sonderbeauftragter für globale Partnerschaften, lieferte die Begründung, und sie ist nicht zu übertreffen. Nur Präsident Trump könne eine so geniale Idee haben. Es gebe eine gewisse Ähnlichkeit zwischen beiden Ämtern. Bei den Vereinten Nationen habe man 193 Mitgliedstaaten, bei der FIFA über 200, und Infantino wisse zu verwalten. 193 hier, 211 dort, wo also liege der Unterschied. Dass die einen Kriege verhüten sollen und die anderen Freundschaftsspiele ansetzen, ist in dieser Rechnung ein Rundungsfehler.
Es ist die Weltsicht eines Mannes, dem alles ein Markt ist und jeder Markt einen Manager braucht. Wer lange genug so denkt, hält am Ende auch den Frieden für eine Frage der Organisation. Man verwechselt das Zusammenführen von Sponsoren mit dem Versöhnen von Völkern, weil beides in der Sprache der Verträge geschieht. Nur endet ein Krieg nicht, weil jemand ihn gut moderiert, und ein Waffenstillstand ist kein Sponsorenpaket. Der Fehler steckt schon in Zampollis Wort von der Ähnlichkeit, und es ist derselbe Fehler, der die ganze Regierung trägt, die Verwechslung von Macht mit Verwaltung.

Eine Zahl in dieser Geschichte ist ehrlich, und es ist die einzige. Infantino verdient bei der FIFA rund 6 Millionen Dollar im Jahr. Das Amt des Generalsekretärs bringt 418.000. Der Weltfrieden zahlt also ein Vierzehntel dessen, was der Fußball zahlt. Man ahnt, welchen der beiden Posten die Welt für den wichtigeren hält. Es überrascht wenig, dass Infantino bereits für eine dritte Amtszeit bei der FIFA kandidiert und zu Trumps Angebot bislang schweigt. Sechs Millionen Gründe sprechen für sich.
Der Weg ins Amt wäre ohnehin verstellt. Der Portugiese António Guterres räumt den Posten Ende Dezember, sein Nachfolger braucht die Zustimmung des Sicherheitsrats, in dem 5 Mächte ein Veto halten, und danach die der Vollversammlung. Infantino müsste sich gegen ernsthafte Bewerber durchsetzen, gegen die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und gegen Rafael Grossi, den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde. Menschen, die Regierungen geführt und Atomanlagen inspiziert haben, gegen einen, der Anstoßzeiten koordiniert. Zudem stünde ihm die stille Übereinkunft im Weg, dass diese Runde einem Lateinamerikaner zusteht, einer Region, die den Posten zuletzt vor mehr als 30 Jahren stellte.
Dass es Trump nicht um die Vereinten Nationen geht, sondern gegen sie, verrät er selbst. Er hat ihre Beiträge gekürzt und das Land aus der Weltgesundheitsorganisation, der UNESCO und dem Menschenrechtsrat abgezogen. Er hat einen eigenen Friedensrat gegründet, den manche für den Beginn einer Konkurrenzveranstaltung halten. Wer ein Haus erst leerräumt und dann seinen Freund als Hausmeister vorschlägt, plant keinen Einzug, sondern die Schlüsselübergabe. Infantino wäre nicht der Reformer, als den Zampolli ihn preist, sondern ein dankbarer Mann an einer entkernten Stelle, und Dankbarkeit ist genau die Eigenschaft, die Trump an Personal am meisten schätzt.
Am Ende meldet sich ein Zeuge, den man in dieser Sache nicht erwartet hätte. Sepp Blatter, der wegen eines Bestechungsskandals gestürzte frühere FIFA-Chef, fordert inzwischen Infantinos Absetzung. Wenn ausgerechnet dieser Mann den Finger hebt, ist um die Eignung des Kandidaten alles gesagt. Vielleicht ist der Vorschlag ehrlicher, als Trump es wollte. Er zeigt, wofür ihm die Vereinten Nationen noch taugen, für einen weiteren goldenen Pokal im Regal eines Mannes, der sie nie gebraucht zu haben glaubte. Der Friedenspreis steht schon dort. Jetzt fehlt nur noch der Rest der Welt.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Hat Trump nicht dafür gesorgt, dass Melania den Sitz für die USA bei der UN bekleidet?
Infantino wäre für Trump perfekt.
Ein Schoßhund, der nach seiner Pfeife tanzt.
Es ist schon schlimm genug, dass Infantino sehr wahrscheinlich FIFA Präsident bleibt, weil Niemand genug Rückgrat hat um ihn abzusägen.
Aber in der UN, hat er gar nichts, rein gar nichts zu suchen.
Aich nicht, obwohl die UN nur noch ein zahnloser Papiertiger ist.
…da wird er auch nicht hinkommen, aber alleine der gedanke ist schon …..