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Zwei Ex-Frauen, ein Schulfreund – warum sah niemand hin, bevor in Biddeford ein Mann starb – Sein Spitzname war: „White Boy David“

VonTEAM KAIZEN BLOG

19. Juli 2026

Am vergangenen Montag erschoss ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE in Biddeford im Bundesstaat Maine einen 25-jährigen Familienvater namens Johan Sebastián Durán Guerrero. Der Schütze heißt David Michael Brouillette, ist 37 Jahre alt und war früher so einiges. Was seither über ihn ans Licht kommt, stammt nicht von politischen Gegnern, sondern aus Recherchen und von den Menschen, die ihn am längsten kannten, und es zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Umfeld die Katastrophe kommen sah.

David Michael Brouillette

Am Samstag wandte sich seine zweite Ex-Frau, Lucinda Brouillette, mit einer schriftlichen Erklärung an die Presse. Ob sie ihn für fähig halte zu einer Gewalt dieses Ausmaßes, fragte sie darin selbst, und ihre Antwort ließ keinen Zwischenraum. Uneingeschränkt ja. Dieser Glaube beruhe nicht auf Spekulation, sondern auf dem, was sie über viele Jahre selbst erlebt habe. Sie habe lange gefürchtet, dass seine Wut und seine sich steigernde Aggression irgendwann in schwere, lebensbedrohliche Gewalt münden würden, und oft geglaubt, sie selbst werde am Ende die Empfängerin sein.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: ICE: Sie wussten ganz genau, wen sie bewaffnen. Sie taten es trotzdem

Es ist eine Erklärung, die sich ihrer eigenen Zurückhaltung bewusst ist. Lucinda betont mehrfach, sie sei nicht dabei gewesen und wolle nicht über die Tat mutmaßen, die Fakten müssten Ermittler und Justiz feststellen, nicht die öffentliche Meinung. Was sie schildern könne, sei allein ihre eigene Erfahrung. Und diese Erfahrung reicht weit zurück. Sie sei während seiner gesamten militärischen Laufbahn mit ihm verheiratet gewesen und habe während dieser Jahre und lange danach ein anhaltendes Verhalten aus Einschüchterung, Manipulation und Kontrolle erlebt. Seine körperlichen Übergriffe seien mehrfach von Freunden und Angehörigen beobachtet worden.

Diese Woche beantragte Lucinda vor Gericht eine Schutzanordnung und bat einen Richter, ihr das alleinige Sorgerecht für die gemeinsame 11-jährige Tochter vorläufig zu übertragen. Es ist nicht das erste Mal. Frühere Gerichtsakten zeigen, dass sie ihm vorwarf, ihre Tür eingetreten und sie wiederholt zu Unrecht der Drogensucht bezichtigt zu haben, um ihre Glaubwürdigkeit vor Gericht zu untergraben. Er habe zudem intime Aufnahmen von ihr an Dritte verschickt. Am Donnerstag lehnte eine Bezirksrichterin in Kennebec County den Erlass einer einstweiligen Schutzanordnung ab, nach einer Anhörung, an der Brouillette teilnahm. Von den früheren Anträgen des Paares wurde nur ein einziger dauerhaft gewährt, jener aus dem Jahr 2019, dem Jahr der Scheidung. Alle übrigen wurden binnen Wochen abgewiesen.

Hier liegt der wunde Punkt, den Lucinda mit ruhiger Bitterkeit benennt. Über Jahre habe sie ihre Sorgen zur Polizei getragen, vor die Gerichte und zur Gesundheits- und Sozialbehörde. Sie habe zu erklären versucht, was sie für ein langjähriges Verhalten aus Missbrauch und Kontrolle hielt, weil sie ernstlich fürchtete, wohin es führen könne. Aus ihrer Sicht hätten diese Warnungen nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient hätten. Ungehört zu bleiben und zugleich Vergeltung zu fürchten, sei eine der einsamsten Erfahrungen ihres Lebens gewesen. An dieser Stelle drängt sich ein Gedanke auf, den der Philosoph Günther Anders geprägt hat. Er sprach vom Menschen, der unfähig sei, die Folgen seines Tuns in dem Maße zu empfinden, in dem er sie herzustellen vermag, und nannte diese Kluft das prometheische Gefälle. Übertragen auf einen Apparat aus Gerichten und Behörden bedeutet es, dass ein System Warnungen empfangen kann, ohne sie zu fühlen, dass es eine Akte anlegt, wo ein Mensch um Hilfe ruft, und dass zwischen dem Aktenzeichen und dem Toten von Biddeford eine Distanz liegt, die niemand mehr überbrücken wollte. Die Warnung war da. Gehört wurde sie nicht.

Brouillettes Werdegang gibt der Sache ihr Gewicht. Er diente von 2007 bis 2010 in der Nationalgarde von Maine und von 2010 bis 2015 in der US-Armee als Aufklärer. Von Mai 2012 bis Februar 2013 war er in Afghanistan stationiert und verließ die Armee im Rang eines Sergeanten. Danach hatte er zahlreiche Stellen in der Strafverfolgung und im öffentlichen Sicherheitsdienst von Maine inne. Über sein nachrichtendienstliches Können, so Lucinda, habe er oft gesprochen. Er habe sich gern als jemanden dargestellt, der Menschen manipulieren, andere täuschen und in schwierigen Lagen die Kontrolle behalten könne. Ob diese Sätze der Wirklichkeit entsprachen oder nur einschüchtern sollten, sie schufen ein Klima der Angst.

Ashley Brouillette

Auch die erste Ex-Frau, Ashley Brouillette, von der er sich 2010 scheiden ließ, trat am Donnerstag an die Öffentlichkeit und erhob ähnliche Vorwürfe. Ihr wichtigster Zeuge aber war kein Angehöriger, sondern Brouillettes bester Freund aus der Schulzeit in Maine. Scott Collins sagte in Ashleys Scheidungsverfahren gegen den Mann aus, mit dem er einst am engsten verbunden war, und was er beschrieb, wiegt gerade deshalb schwer, weil ihm das Motiv der Rache fehlt, das man einer verlassenen Partnerin unterstellen könnte. Brouillette habe einen schlechten Hang gehabt, Streit zu suchen. Habe er online etwas gesehen, das ihm missfiel, geäußert von jemandem, den er kannte, so sei er losgezogen und habe den Streit begonnen. Collins sagte zudem, Brouillette habe in der Schulzeit rassistische Beschimpfungen gegen Schwarze benutzt. Brouillettes Anwälte hielten dem entgegen, die beiden seien einst Freunde gewesen, das Verhältnis aber zerbrochen, weil Collins auf die erfolgreiche Laufbahn ihres Mandanten neidisch gewesen sei. So wird aus dem Zeugen ein Neider. Der bequemste Weg, eine Aussage zu entkräften, ist noch immer der, den Aussagenden zu beschädigen.

Ashley fügte hinzu, was den Verdacht formt, den viele mitdenken und den niemand beweisen kann. Er habe Rassismus gezeigt, sagte sie, sein Spitzname in der Schule sei White Boy David gewesen, weißer Junge David, wenn das etwas zu erkennen gebe. Sie sorge sich, dass Rassismus beim Tod von Durán Guerrero eine Rolle gespielt haben könnte. Es ist juristisch als eine Vermutung zu betrachten und bleibt es, bis die Ermittlungen weitere Erkenntnisse zutage fördern.

Lucinda schließt ihre Erklärung mit einer Bitte, die den moralischen Grund des ganzen Vorgangs trifft. David Brouillette sei die Person, gegen die ermittelt werde, nicht sie, nicht die Kinder, nicht ihre Familie. Man habe sich diese Lage nicht ausgesucht und dürfe nicht für die mutmaßlichen Taten eines anderen verurteilt, bedroht oder behelligt werden. Ihre Kinder verdienten es, aufzuwachsen, ohne das Gewicht von Umständen zu tragen, die sie nicht geschaffen hätten. Sie hoffe, die Ermittlung bringe die Wahrheit ans Licht und die Justiz spreche Recht, damit für alle Betroffenen Heilung beginnen könne.

Joan Sebastian Guerrero, seine Ehefrau Karolina Rojas und ihre Tochter

Alle Erkenntnisse, alle Bekundungen, alle Warnungen und jede Recherche ändern nichts an der einen, unausweichlichen Wahrheit: Johan Sebastián Durán Guerrero wird nicht zurückkehren. Das ist die härteste Realität dieses Falls.

Lesen Sie auch unseren Artikel: „Pass auf uns auf“ – Amerika, wie tief bist du gesunken

Was bleibt, ist ein Toter, ein Beschuldigter und die schwer erträgliche Erkenntnis, dass die Zeichen jahrelang vorlagen und gelesen werden konnten. Ein Mann, der sich rühmte, Menschen zu durchschauen, trug eine Waffe im Dienst eines Staates, dessen Gerichte die Warnungen zweier Frauen binnen Wochen zu den Akten legten.

Fortsetzung folgt …

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Ela Gatto
6 Stunden vor

Hier zeigt sich leider ein Muster, dass oft als krankhafter Feminismus bezeichnet wird.

Frauen wird bei Gewalt nicht geglaubt.
Zig Anzeigen, zig Verletzungen und ein Richter erlässt nicht einmal eine Schutzanordnung.

Vielleicht hätte der Mord an Guerrero verhindert werden konnen.
Wenn die Strafverfolgung die Anzeigen und Anschuldigungen ernst genommen hätten.

Aber stattdessen wird dem Umfeld auch jetzt noch Schutz verwehrt.

Dieser Mord zeigt zusätzlich, was im Strafsystem bicht stimmt.
Frauen werden kaum geschützt.
Opfer müssen bis ins Kleinste beweisen, dass sie Opfer sind.
Täter Opfer Umkehr

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