Schüsse vor dem Weißen Haus – Täter erschossen, dritter bewaffneter Vorfall in einem Monat und neue Fragen zur Sicherheit in Washington

VonRainer Hofmann

Mai 24, 2026

Washington D.C. – Der Samstagabend in Washington sollte ursprünglich anders verlaufen. Donald Trump hatte zunächst geplant, das Wochenende in seinem Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey zu verbringen. Die Reise wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Stattdessen blieb Trump in Washington und führte nach Angaben aus dem Weißen Haus weitere Gespräche im Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen rund um Iran. Vizepräsident JD Vance und weitere Mitglieder des Kabinetts waren ebenfalls ins Weiße Haus gerufen worden. Während im Oval Office über Krieg, Waffenruhe und diplomatische Möglichkeiten gesprochen wurde, fielen wenige Meter entfernt plötzlich Schüsse.

Kurz nach 18 Uhr Ortszeit näherte sich nach Angaben des Secret Service eine Person einem Sicherheitskontrollpunkt an der Kreuzung von 17th Street und Pennsylvania Avenue. Der Bereich liegt unmittelbar neben dem Eisenhower Executive Office Building und praktisch im direkten Sicherheitsbereich des Weißen Hauses. Nach ersten Ermittlungen soll der Mann eine Waffe aus seiner Tasche gezogen und sofort auf die eingesetzten Beamten geschossen haben.

Die Sicherheitskräfte eröffneten daraufhin das Feuer. Der Verdächtige wurde getroffen und in ein Krankenhaus gebracht, wo er später starb. Später wurde er als der 21 Jahre alte Nasire Best identifiziert. Nach Angaben eines Ermittlers soll der Mann den Behörden bereits bekannt gewesen sein und als psychisch belastete Person gegolten haben. Zu einem möglichen Motiv machten die Behörden zunächst keine Angaben.

Nasire Best

Neben dem Angreifer wurde auch ein unbeteiligter Mensch getroffen. Genau dieser Punkt sorgte zunächst für zusätzliche Unsicherheit. Die Ermittler konnten zunächst nicht sagen, ob die Person durch die ersten Schüsse des Angreifers oder durch Kugeln während des Schusswechsels verletzt wurde. Informationen zum Gesundheitszustand wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Donald Trump selbst blieb unverletzt. Der Secret Service erklärte, der Präsident sei durch den Vorfall nicht beeinträchtigt worden. Verletzte unter den Sicherheitskräften gab es ebenfalls nicht. Auf dem Gelände selbst entwickelte sich die Situation jedoch innerhalb weniger Sekunden zu einem Notfall.

Journalisten, die sich auf dem Gelände befanden, berichteten von mehreren schnell aufeinanderfolgenden Schüssen. Reporter wurden angewiesen, sofort Schutz zu suchen und sich in den Pressebriefingraum zurückzuziehen. ABC-Korrespondentin Selina Wang veröffentlichte später ein Video, das den Moment unmittelbar vor dem Schusswechsel zeigen soll. Sie hatte gerade eine Aufnahme für soziale Medien gemacht und sprach über Trumps Aussagen zu den Iran-Verhandlungen. Dann waren plötzlich Schüsse zu hören. Ihre Augen weiteten sich sichtbar und wenige Sekunden später duckte sie sich in Deckung.

Die Bilder aus Washington zeigten später ein ungewöhnliches Bild selbst für die amerikanische Hauptstadt. Große Sicherheitsgitter blieben verschlossen. Mitglieder der Nationalgarde standen an Zugängen für Mitarbeiter und Besucher. Einsatzkräfte sicherten Straßenabschnitte rund um das Gelände. Gelbe Absperrbänder zogen sich über Gehwege und Fahrbahnen. Ermittler platzierten zahlreiche orangefarbene Markierungen auf dem Boden. Auf Bildern waren Handschuhe von Rettungskräften, medizinisches Material und Spuren der ersten Versorgung zu sehen.

Neben dem Secret Service rückten weitere Behörden an. FBI, Nationalgarde und Polizeieinheiten aus Washington beteiligten sich an der Sicherung des Bereichs. FBI-Direktor Kash Patel erklärte, dass das FBI den Einsatz unterstütze und weitere Informationen veröffentlicht würden, sobald diese vorliegen. Der Vorfall bekommt zusätzlich Gewicht, weil er nicht isoliert steht. Es war bereits der dritte Schusswaffenzwischenfall in unmittelbarer Nähe des Präsidenten innerhalb nur eines Monats.

Ende April kam es während des Abendessens der White House Correspondents‘ Association zu einem bewaffneten Zwischenfall. Ermittler warfen Cole Tomas Allen aus Torrance in Kalifornien später vor, versucht zu haben, Trump zu töten. Er bekannte sich nicht schuldig und befindet sich weiterhin in Bundesgewahrsam.

Cole Tomas Allen

Am 4. Mai folgte ein weiterer Vorfall in der Nähe des Washington Monument. Damals beobachtete ein Agent des Secret Service entlang des Konvois von JD Vance einen Mann, der offenbar eine Waffe am Körper versteckte. Der Verdächtige Michael Marx aus Midland in Texas soll geflüchtet sein und anschließend auf Beamte geschossen haben. Die Sicherheitskräfte eröffneten ebenfalls das Feuer. Bei diesem Vorfall wurde ein jugendlicher Unbeteiligter verletzt. Noch weiter zurück reichen die Ereignisse des Jahres 2024. Im Juli wurde Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung nahe Butler in Pennsylvania am Ohr verletzt, nachdem ein Schütze das Feuer eröffnet hatte. Ein Besucher starb damals, zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Im September entdeckten Sicherheitskräfte einen Mann mit einem vorbereiteten Scharfschützenversteck in der Nähe von Trumps Golfanlage in Florida. Monate später wurde dieser Mann zu lebenslanger Haft verurteilt.

Jeder dieser Fälle besitzt andere Hintergründe, andere Täter und andere Abläufe. Die Zahl der Vorfälle rund um den Präsidenten fällt dennoch auf. Das Weiße Haus gehört zu den am stärksten überwachten Orten der Welt. Wenn sich dort innerhalb weniger Wochen mehrfach Schüsse lösen, dann richtet sich der Blick irgendwann nicht mehr nur auf den einzelnen Täter. Jeder dieser Fälle hat eigene Hintergründe und eigene Täter. Auffällig bleibt dennoch, dass sich innerhalb weniger Wochen mehrere bewaffnete Zwischenfälle in unmittelbarer Nähe von Trump ereigneten.

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Ela Gatto
Ela Gatto
7 Stunden vor

Trump steht doch auf Superlative.
Er ist definitv der Präsident, auf den am häufigsten geschissen wurde (oder in seinem direkten Umfeld) ….sorry, das musste ich schreiben.

Für MAGA natürlich wieder Wasser auf den Mühlen.
Die Midterms stehen an und schon verbreitet sich schnell (wieder einmal), dassdie Leftist, due Woken , die DemRats dahinter stecken.

Der Attentäter ist tot.
Seine Seite werden wir nie erfahren.
Hoffentlich kreirt man icht (wieder) ein Szenario, dass zum Narrativ der MAGA passt.

Mir tut der unbeteiligte leid, der dabei verletzt wurde. 😞

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