Jeffrey Epstein – Recherchen zeigen: Bitcoin, Thiel, Burns und die Schattenkanäle nach Teheran

VonTEAM KAIZEN BLOG

Mai 9, 2026

Im Sommer 2014 saß Jeffrey Epstein nicht irgendwo auf seiner Insel oder in einem luxuriösen Apartment in Manhattan. Er lief durch Washington, traf Beamte des US-Finanzministeriums, sprach über Kryptowährungen, Iran-Sanktionen, Terrorfinanzierung und internationale Geldströme. Jahre später wirkt genau das wie eine jener Geschichten, die damals kaum jemand ernst nahm und die heute plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Denn während amerikanische Kriegsschiffe inzwischen Tanker vor Iran stoppen, Wallets beschlagnahmt werden und Milliardenbeträge über Kryptowährungen durch den Nahen Osten laufen, zeigen veröffentlichte E-Mails und interne Unterlagen, dass Epstein schon vor über zehn Jahren mitten in Gesprächen über genau diese Entwicklung auftauchte.

Im August 2014 reiste Epstein nach Washington. Laut seinen Unterlagen traf er Vertreter des Office of Terrorist Financing and Financial Crimes im US-Finanzministerium. Mit dabei war Philip West von der Kanzlei Steptoe, die sich intensiv mit internationalen Sanktionsfragen beschäftigte. Die Beamten wollten verstehen, wie Bitcoin und andere digitale Währungen künftig genutzt werden könnten, um Sanktionen zu umgehen, Waffenlieferungen zu bezahlen oder Geld außerhalb klassischer Bankenstrukturen zu bewegen.

Damals stand Iran massiv unter Druck. Die Obama-Regierung versuchte, Teheran wirtschaftlich weiter einzuengen und gleichzeitig die Atomverhandlungen voranzutreiben. Genau in dieser Phase begannen amerikanische Sicherheitsbehörden zu begreifen, dass Kryptowährungen irgendwann zu einem Problem für die globale Finanzmacht Washingtons werden könnten.

Auch Iran beobachtete die Entwicklung aufmerksam. In Teheran herrschte damals Misstrauen gegenüber Bitcoin. Manche Funktionäre hielten die Technologie sogar für eine mögliche amerikanische Falle oder ein Instrument westlicher Geheimdienste. Trotzdem begann Iran 2014 damit, Kryptowährungen regulatorisch zu erfassen, weil die Sanktionen den Zugang zum internationalen Finanzsystem immer stärker abschnitten.

Epstein bewegte sich zu diesem Zeitpunkt längst in Kreisen, in denen Geheimdienste, Finanzwelt, Waffenhandel und internationale Politik ineinanderliefen. Bereits in den achtziger Jahren hatte er Verbindungen zu Adnan Khashoggi und Stan Pottinger. Khashoggi war tief in internationale Waffengeschäfte verwickelt und spielte eine Rolle im Iran-Contra-Komplex. Pottinger arbeitete mit Konstruktionen rund um Offshore-Firmen, Embargoumgehungen und verdeckte Finanzstrukturen. Epstein kannte diese Welt nicht aus Aktenordnern, sondern aus persönlichem Kontakt.

Nach seinem Treffen im Finanzministerium schrieb Epstein an Joi Ito vom MIT Media Lab. Die Beamten seien „nicht besonders intelligent“ und extrem überzeugt von sich selbst. Später beschwerte er sich bei Kathryn Ruemmler, der früheren Rechtsberaterin Barack Obamas, das Gespräch habe sich angefühlt wie eine Vorlesung an einem Community College.

Trotzdem blieb er eng an den Vorgängen dran. Direkt nach dem Treffen im Finanzministerium sprach Epstein privat mit William Burns. Burns war damals einer der wichtigsten Unterhändler der Obama-Regierung im Konflikt mit Iran und führte die Gespräche über das iranische Atomprogramm. Jahre später wurde er CIA-Direktor unter Joe Biden.

Genau hier wird die Geschichte besonders brisant. Denn einen Tag nach dem Treffen schrieb Epstein an Peter Thiel. Er bot an, ein Treffen zwischen Burns und Thiel zu organisieren. In der Nachricht bezeichnete Epstein Burns als den „besten und angesehensten Diplomaten der Regierung“. Während Washington also versuchte, Iran mit neuen Sanktionen unter Druck zu setzen, bewegte sich Epstein gleichzeitig zwischen dem führenden Iran-Unterhändler der USA und einem der mächtigsten Männer des Silicon Valley.

Peter Thiel war zu diesem Zeitpunkt längst weit mehr als nur ein Investor. Über Palantir, Sicherheitskontakte und seine Verbindungen in die amerikanische Technologiewelt bewegte er sich selbst nahe an Geheimdienst- und Sicherheitsstrukturen. Dass Epstein versuchte, Burns und Thiel zusammenzubringen, zeigt, wie eng Diplomatie, Technologiebranche und Finanzfragen damals bereits ineinandergriffen. Dass Epstein ausgerechnet während der laufenden Iran-Verhandlungen versuchte, William Burns und Peter Thiel zusammenzubringen, wirft deshalb bis heute Fragen auf. Denn genau in dieser Phase begann Washington zu begreifen, dass Kryptowährungen und neue Finanztechnologien langfristig auch geopolitische Machtverhältnisse verändern könnten.

Lesen Sie auch unsere Recherche: Die Architektur der Kontrolle: Wie Peter Thiels Datenmacht und das politische Netzwerk Rockbridge die Demokratie untergraben

Nur wenige Tage nach Epsteins Washington-Besuch kündigten die USA neue Sanktionen gegen iranische Firmen, Banken und Schiffe an. Kurz darauf reiste Burns erneut zu Gesprächen mit iranischen Vertretern nach Genf. Wenig später traf Burns Epstein laut den veröffentlichten Unterlagen nochmals in New York. Burns erklärte inzwischen über einen Sprecher, er habe Epstein nur kurz getroffen und nichts über dessen Hintergrund gewusst. Sobald er mehr erfahren habe, habe er den Kontakt beendet. Über Kryptowährungen oder Iran habe man nicht gesprochen.

Parallel dazu vertiefte Epstein seine Kontakte in die frühe Kryptoszene. Schon Jahre zuvor hatte er begonnen, sich mit Entwicklern, Hackern und Investoren auszutauschen, die an Bitcoin arbeiteten. Bereits 2011 schrieb er dem britisch-iranischen Entwickler Amir Taaki, die Idee hinter Bitcoin sei brillant, habe aber gefährliche Seiten.

Besonders bemerkenswert waren seine Gespräche mit dem italienischen Hacker Vincenzo Iozzo. Beide diskutierten darüber, wie Kryptowährungen anonym bleiben und trotzdem von Banken und Regierungen akzeptiert werden könnten. Iozzo warnte Epstein damals ausdrücklich davor, die Anonymität von Bitcoin zu zerstören. Für Washington war genau das damals der Albtraum. Denn je anonymer Kryptowährungen funktionierten, desto schwieriger wurde es, Sanktionen gegen Staaten wie Iran technisch durchzusetzen oder Geldströme nachzuverfolgen.

Sobald jede Transaktion vollständig nachvollziehbar werde, könne irgendwann jeder sehen, wer was kaufe, bezahle oder besitze, schrieb Iozzo. Für Werbefirmen sei das der perfekte Traum. Für normale Menschen dagegen der schlimmste Albtraum. Die Aussage wirkt heute fast unheimlich aktuell, während Staaten, Konzerne und Sicherheitsbehörden weltweit versuchen, digitale Zahlungsströme immer stärker zu überwachen.

Zur gleichen Zeit erschütterte der Fall Silk Road die Kryptoszene. Die Plattform nutzte Bitcoin für anonymen Drogenhandel und illegale Geschäfte. Nach der Festnahme von Ross Ulbricht tauschte sich Epstein mit Boris Nikolic, einem engen Berater von Bill Gates, über die Ermittlungen aus. Epstein zeigte sich dabei weniger schockiert über die Straftaten als über die Fehler der Beteiligten.

2014 begann Epstein dann massiv in die Infrastruktur hinter Bitcoin zu investieren. Gemeinsam mit Joi Ito beteiligte er sich an Blockstream, einem Unternehmen, das die technische Zukunft des Bitcoin-Netzwerks mitgestaltete. Kurz darauf knüpfte Epstein Kontakte zu Brock Pierce, einem Mitgründer von Tether. Während die Obama-Regierung versuchte, Iran wirtschaftlich weiter unter Druck zu setzen, entstand parallel eine digitale Finanzwelt, die klassische Sanktionsmechanismen zunehmend umgehen konnte.

Wenige Wochen später begann Epstein bereits damit, seine eigenen Finanzstrukturen konkret auf Kryptowährungen auszurichten. In einer E-Mail an seine Anwältin Erika Kellerhals schrieb er, die Bankzertifikate müssten geändert werden, damit man Bitcoin nutzen könne. Die Nachricht zeigt, dass Epstein Kryptowährungen längst nicht mehr nur als theoretisches Thema betrachtete. Während Washington noch versuchte zu verstehen, wie digitale Währungen für Sanktionen, Waffenhandel oder Terrorfinanzierung eingesetzt werden könnten, arbeitete Epstein bereits daran, eigene Bank- und Zahlungsstrukturen dafür vorzubereiten.

Epstein blieb auch nach seinem Treffen im Finanzministerium eng mit den zuständigen Stellen in Kontakt. Besonders auffällig war sein Austausch mit Anne Shere Wallwork, einer hochrangigen Mitarbeiterin des Office of Terrorist Financing and Financial Crimes. In E-Mails kündigte Epstein an, gemeinsam mit Joi Ito weitere Gespräche mit dem Finanzministerium zu führen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass auch Larry Summers Teil dieses Umfelds sei. Summers war nicht irgendwer. Er hatte unter Bill Clinton das US-Finanzministerium geleitet und gehörte zu den einflussreichsten Wirtschaftspolitikern der Vereinigten Staaten. Damit bewegte sich Epstein plötzlich mitten in einem Netzwerk aus früheren Spitzenbeamten, Kryptoinvestoren, Technologieentwicklern und den Behörden, die damals versuchten zu verstehen, wie digitale Währungen künftig Sanktionen und internationale Finanzstrukturen verändern könnten.

Damals hieß Tether noch Realcoin und war ein kleines Projekt. Heute gehört die Stablecoin zu den mächtigsten Instrumenten des globalen Kryptomarktes. Tether verbindet klassische Dollarreserven mit digitalem Zahlungsverkehr außerhalb normaler Bankennetze.

Genau dieses System spielt heute eine zentrale Rolle im Konflikt mit Iran. Während die USA versuchen, iranische Kryptowallets zu beschlagnahmen und digitale Finanzstrukturen zu blockieren, nutzt Teheran Kryptowährungen inzwischen aktiv zur Umgehung amerikanischer Sanktionen. Milliardenbeträge laufen über Kryptobörsen und Plattformen wie Binance. Ölgeschäfte, Transportzahlungen und internationale Transfers werden zunehmend digital abgewickelt.

Laut mehreren Informationen zahlen manche Reedereien inzwischen sogar Kryptogebühren für die Passage durch die Straße von Hormus. Iran versucht dadurch, Zahlungen vor amerikanischem Zugriff zu schützen. Gleichzeitig beschlagnahmt das US-Finanzministerium Wallets und digitale Vermögenswerte, die mit Iran verbunden sein sollen.

Mitten in dieser Entwicklung taucht erneut ein alter Epstein-Kontakt auf – Howard Lutnick. Der heutige US-Handelsminister war nicht nur Nachbar und Geschäftspartner Epsteins. Seine Firma Cantor Fitzgerald verwaltet heute große Teile der amerikanischen Staatsanleihenreserven von Tether.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Recherchen zeigen auf: US-Handelsminister Howard Lutnick log: Sechs Jahre Geschäfte mit Epstein

Laut Unternehmensangaben liegen dort Treasury-Bestände von mehr als 140 Milliarden Dollar. Damit ist Cantor Fitzgerald direkt mit jener Stablecoin verbunden, die heute eine zentrale Rolle im internationalen Kryptomarkt spielt. Lutnick behauptete später öffentlich, er habe Epstein bereits 2005 den Rücken gekehrt. Dokumente des US-Justizministeriums und Recherchen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Sie zeigen Kontakte bis mindestens 2018. Darunter Treffen auf Epsteins Privatinsel und gemeinsame Projekte im Zahlungsbereich. In einer Anhörung vor dem Kongress räumte Lutnick inzwischen selbst ein, 2012 auf Epsteins Insel gewesen zu sein.

Besonders auffällig ist rückblickend, wie früh Epstein verstand, dass Kryptowährungen irgendwann weit mehr werden würden als ein Spielzeug für Technikforen oder Spekulanten. Schon Jahre bevor Regierungen offen über Stablecoins, digitale Zentralbankwährungen oder Kryptosanktionen diskutierten, bewegte er sich zwischen Diplomaten, Hackern, Wall Street, Silicon Valley und Regierungsbeamten.

Heute stehen genau diese Themen mitten im globalen Machtkampf zwischen Washington, Iran, China und Russland. Kryptowährungen spielen längst eine Rolle bei Sanktionen, Ölhandel, Waffenbeschaffung und internationalem Zahlungsverkehr. Und mitten in den frühen Gesprächen darüber taucht immer wieder derselbe Name auf – Jeffrey Epstein.

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Esther Portmann
Esther Portmann
4 Tage vor

Es schockiert mich immer wieder, wie das Netzwerk der Boshaftkeit sich ausweitet.

Ela Gatto
3 Tage vor

Epstein reicht so weit in die Wirtschaft, zu Kontakten mit wichtigen Entscheidungsträgern.

Allen gemein ist, dass sie angeblich alle nur mal kurz Kontakt mit Epstein hatten.
Alle leiden wohl diesbezüglich unter kollektiver Anmesie.

Diese Recherche zeichnet ein ganz anderes Bild.
Sie belegt, wer wann welche Kontakte mit Epstein hatte.

Viele bekannte Namen tauchen auf.
Manchmal nur als Arbeitgeber eines Epstein Kontaktes, manchmal als direkter Kontakt

Es ist ein Treibsandsumpf.
Ein Fakt taught auf.
100 Fragen hängen dran.
Legt man eine Sache frei, hängt ein ganzer Rattenschwanz mit dran.

Alleine Epstein kann 100 Menschen für Jahre zur Offenlegung einbinden.

Danke, dass Ihr da dran bleibt.

Ist etwas dran am CNN Bericht, dass Mitgefangene von Ghislaine Maxwell best raft werden, wenn sie sich schlecht über Maxwell äußern?
War gestern ein Bericht bei CNN

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