„Johnny MAGA“ – Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses hinter 280.000 Followern

VonRainer Hofmann

Februar 26, 2026

Der X-Account @johnnymaga gilt seit Jahren als lautstarke Pro-Trump-Stimme mit rund 280.000 Followern. Das Profil trat als unabhängiger, rechter kampagnennaher Account auf. Tatsächlich führen ausgewertete Datensätze und technische Zuordnungen zu Garrett Wade, 27 Jahre alt, Mitarbeiter im Weißen Haus. Er verdient laut veröffentlichten Gehaltsangaben 74.500 Dollar jährlich und betreut die Rapid-Response-Social-Media-Kanäle der Administration.

Die dem Account hinterlegte Telefonnummer soll Wade zugeordnet sein. Frühere Account-Namen enthielten offenbar sein Geburtsjahr. Eine Offenlegung seiner Regierungsfunktion erfolgte nie. Mehrere Medien nutzten Beiträge des Profils als Beleg für angebliche Basisunterstützung. Gleichzeitig verstärkte der Account regelmäßig Inhalte des Präsidenten, darunter Beiträge von Truth Social und Positionen zur harten Einwanderungspolitik.

Garrett Wade ist mit Allison Schuster verheiratet, einer Pressereferentin im Weißen Haus.

Besonders aufsehenerregend war ein Post, in dem ein Video, das Barack und Michelle Obama als Affen darstellt, als „Meisterwerk“ bezeichnet wurde. Das Video löste breite Kritik aus. Später hieß es aus dem Umfeld des Weißen Hauses, ein einzelner Mitarbeiter habe es veröffentlicht. Eine Entschuldigung des Präsidenten blieb aus.

Wade soll zuvor für die Digitalberatung Opinion Architects gearbeitet haben, die mehr als 325.000 Dollar von Make American Great Again Inc. für Beratungsleistungen erhielt. Auch Zahlungen über das Republican National Committee sind dokumentiert. Verheiratet ist er mit Allison Schuster, 26, ebenfalls Mitarbeiterin im Weißen Haus. Sie teilte mehrfach Beiträge des anonymen Accounts, darunter Lob für die Pressesprecherin Karoline Leavitt. Der Fall wirft eine grundlegende Frage auf: Wenn ein Regierungsmitarbeiter unter Pseudonym einen reichweitenstarken politischen Account betreibt, verschwimmen Amt und Aktivismus. Transparenz ist keine Nebensache, sondern Voraussetzung für Vertrauen.

Der Account beschränkte sich nicht auf Lob für den Präsidenten. Er griff gezielt politische Gegner an und kommentierte laufende Ereignisse scharf. Nach dem tödlichen Schuss eines ICE-Agenten in Minneapolis schrieb das Profil sinngemäß, man solle nicht glauben, dass es sich um ein unschuldiges Opfer gehandelt habe. Auch Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom wurde wiederholt persönlich attackiert. Die Inhalte wirkten nicht spontan, sondern wie durchgeplante Verstärkung offizieller Linien. Trotz dieser engen inhaltlichen Nähe zur Administration wurde die Verbindung zum Weißen Haus nie offengelegt. Weder Garrett Wade noch das Weiße Haus haben sich bislang öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

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