ICE will alle Beamten mit Körperkameras ausstatten – doch über die Bilder entscheidet die Behörde selbst

Bis Ende August sollen sämtliche ICE-Beamten und Agenten im Außendienst Körperkameras tragen. Die Einwanderungsbehörde kündigt damit einen schnellen Ausbau an, der erstmals große Teile ihrer Einsätze auf Video festhalten könnte. Doch ausgerechnet bei schweren Verletzungen oder Todesfällen bleibt offen, ob die Öffentlichkeit diese Aufnahmen jemals zu sehen bekommt. Die ICE-Regeln erlauben der Führung, Material zurückzuhalten oder seine Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit zu verzögern. Besondere Aufmerksamkeit bekommt eine Vorschrift, nach der Aufnahmen nach schweren Verletzungen oder Todesfällen beschleunigt veröffentlicht werden können, wenn dies im „besten Interesse der Behörde“ liegt.
Der amtierende ICE-Direktor David J. Venturella verteidigt die Regelung und erklärt, sie solle laufende Ermittlungen und die Privatsphäre schützen und entspreche Bundesrecht sowie den Regeln anderer Bundesbehörden. Zugleich wirft er Journalisten vor, die Vorschriften falsch dargestellt zu haben. ICE sei Transparenz und Rechenschaft verpflichtet. Venturella irrt aber mit seiner Aussage. So konnten wir durch Recherchen belegen, dass die Beamten, zum Beispiel in Biddeford, Kameras trugen, als sie dort einen Mann erschossen, nur einschalten durften sie die Kameras nicht. Man muss sich das Bild vor Augen führen. Ein Beamter des Staates trägt eine Kamera auf der Brust, deren Auge mit einem Deckel verschlossen ist, während seine Waffe funktioniert. Der Grund für den verschlossenen Deckel liegt in einem zweiten Vertrag. Das Heimatschutzministerium bezieht seine Körperkameras nicht von Motorola, sondern über eine Vereinbarung mit der Firma Axon, einem Anbieter von Polizeitechnik. So besitzen die Beamten ein Gerät, das filmen könnte, dürfen es aber nicht als Kamera verwenden, weil die Kamera von einem anderen Zulieferer kommen soll. Ein Mann ist tot, ohne dass es ein Bild davon gibt.
Hier gelangen Sie zu unserem Artikel darüber: Recherchen belegen: Die Beamten trugen Kameras, als sie in Maine einen Mann erschossen, nur einschalten dürfen sie die Kameras nicht
Die Debatte kommt nach zwei tödlichen Einsätzen, bei denen eben genau jene Bilder fehlen, die jetzt für Transparenz sorgen sollen. Im Juli erschoss ein ICE-Beamter in Maine einen 25-jährigen Autofahrer. Wenige Tage zuvor wurde ein Hausbauer aus Houston auf dem Weg zur Arbeit von einem anderen ICE-Beamten erschossen. Keiner der beiden Einsätze wurde mit einer Körperkamera aufgezeichnet. Der kanadische Soziologieprofessor Christopher Schneider weist darauf hin, dass auch andere Polizeibehörden Aufnahmen gezielt veröffentlichen, eine solche Möglichkeit aber selten derart deutlich in den eigenen Regeln festgeschrieben werde. Seine Beschreibung trifft den Streit ziemlich genau: ICE sage damit gewissermaßen laut, was sonst leise bleibe. Dass Kameras allein keine Öffentlichkeit garantieren, zeigt auch die Schwesterbehörde Customs and Border Protection. Von der tödlichen Erschießung Alex Prettis im Januar in Minneapolis existieren Aufnahmen, veröffentlicht wurden sie bislang nicht. Behördenchef Rodney Scott erklärte gegenüber Abgeordneten, das Material sei Teil einer Untersuchung und werde öffentlich gemacht, „wenn es angemessen ist“. Ende August könnten damit überall Kameras laufen. Die entscheidende Frage bleibt trotzdem dieselbe: Wer kontrolliert die Bilder, wenn sie für ICE unangenehm werden?
Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig – US-Geheimdienste sehen einen russischen Geheimdienst hinter dem Angriff

Was in der Nacht zum 5. August am Flughafen Leipzig/Halle geschah, hätte mit einem Toten, einem zerstörten Flugzeug oder weit mehr enden können. Nach Einschätzung der US-Geheimdienste steckt einer der russischen Geheimdienste hinter der Sprengstoffdrohne, die am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde. Russland verfügt über mehrere Geheim- und Sicherheitsdienste, darunter den Militärgeheimdienst GRU und den Auslandsgeheimdienst SWR. Welchen davon die amerikanischen Behörden konkret verdächtigen und auf welche Erkenntnisse sie ihre Einschätzung stützen, wurde bislang nicht öffentlich gemacht. Die Bundesregierung hat Russland bisher nicht offiziell für den Vorfall verantwortlich gemacht.
Die Bundesregierung hat Russland bisher nicht offiziell verantwortlich gemacht, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht jedoch von einer „hybriden Attacke“, hinter der ausländische Kräfte stehen könnten. Entdeckt wurde die tief fliegende Drohne ausgerechnet von einem Fahrer eines Flughafenbusses. Der Mann trat nach dem Fluggerät und brachte es damit zu Boden. Eine Aktion, die lebensgefährlich war, möglicherweise aber einen Anschlag verhinderte. Die Drohne befand sich im Sicherheitsbereich des Flughafens, unmittelbar bei vier Frachtmaschinen der ukrainischen Antonov Airlines. Nach einem internen Polizeibericht war eine der dort abgestellten An-124 mit Munition beladen.
Welches Flugzeug oder welcher Bereich tatsächlich getroffen werden sollte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Drohne zur Explosion gebracht werden sollte. An Bord befanden sich professioneller Sprengstoff und ein Zünder. Nach Informationen deutscher Medien scheiterte die Explosion offenbar nur daran, dass sich der Zünder von der befestigten Sprengladung löste. Damit war der Vorfall allerdings noch nicht beendet. Nachdem eine Start- und Landebahn gesperrt worden war, brach eine DHL-Frachtmaschine ihren Landeanflug ab und kollidierte in der Luft mit einem unbekannten Gegenstand. Ermittler halten auch dieses Objekt für eine Drohne. Das Flugzeug wurde leicht beschädigt und landete anschließend sicher in Hannover, Verletzte gab es nicht. Leipzig/Halle ist für die NATO von erheblicher Bedeutung, denn der Flughafen ist der wichtigste Standort des SALIS-Programms, über das An-124-Frachtmaschinen Material zur Verstärkung der östlichen NATO-Staaten transportieren.
Bereits 2024 brannte dort im DHL-Logistikzentrum ein Paket mit einem Sprengsatz, das eigentlich in ein Flugzeug verladen werden sollte. Litauische Ermittler brachten eine Serie solcher Sendungen später mit dem russischen Militärgeheimdienst in Verbindung; gegen 15 mutmaßliche Beteiligte wurde Anklage erhoben. Hinzu kommen aktuelle Berichte über einen angeblich von russischen Diensten geplanten Anschlag auf den Chef des deutschen Drohnenherstellers Donaustahl, der die Ukraine beliefert. Die russische Botschaft in Berlin weist die Vorwürfe zurück, bezeichnet den Leipziger Vorfall als „eilig zusammengeschusterte Provokation“ und wirft Deutschland vor, „antirussische Hysterie“ zu schüren.
Trump und Musk wollen Bürgern ein Klagerecht nehmen, das Umweltgesetze seit Jahrzehnten durchsetzbar macht

Ein Verfahren wegen Abwasser in einem Bach in Tennessee und ein Streit um Elon Musks Gasturbinen bei Memphis könnten am Ende darüber entscheiden, ob Bürger, Organisationen und Kommunen in den USA weiterhin selbst gegen Verstöße gegen Bundesgesetze klagen dürfen. Genau dieses seit Jahrzehnten bestehende Recht wird inzwischen von konservativen Juristen, Unternehmen und Musks Firma xAI angegriffen, und die Trump-Regierung stellt sich auf ihre Seite. Ihre Begründung reicht weit über Umweltrecht hinaus.
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Nach dieser Auffassung sollen allein der Präsident und seine Bundesbehörden entscheiden, wie ein Bundesgesetz durchgesetzt wird oder ob sie einen Verstoß überhaupt verfolgen. Der Kongress hätte Bürgern dieses Recht deshalb nie geben dürfen. Solche Bürgerklagen finden sich jedoch seit Jahrzehnten in wichtigen Umweltgesetzen, weil Washington weder das Personal noch immer den Willen besitzt, jeden Verstoß selbst zu verfolgen, und manchmal der Staat selbst zu den Verursachern gehört. Auf diesem Weg wurden Millionen Dollar an Strafen gegen stark verschmutzende Öl- und Gasbetriebe verhängt, und nach der Wasserkrise in Flint wurde damit auch die Entfernung von Bleirohren durchgesetzt. Die Kläger kassieren diese Strafen nicht selbst, das Geld geht an die US-Staatskasse. Außerdem muss die Regierung vor einer Klage informiert werden und kann selbst tätig werden. Nun laufen vier Bundesverfahren, mit denen dieses Recht angegriffen wird. Eines davon betrifft Springfield nördlich von Nashville. Tennessee Riverkeeper wirft der Stadt vor, zu viel Abwasser aus ihrer Kläranlage in einen Bach geleitet und damit gegen das Gesetz zum Schutz sauberer Gewässer verstoßen zu haben.

Beispiel: Auf dem xAI-Rechenzentrum an der Riverport Road in Memphis, Tennessee, sind Gasturbinen sichtbar.
Unsere Recherchen zeichnen ein Bild, das für xAI zunehmend unangenehm wird. Geschwindigkeit wird über Vorsicht gestellt und Umwelt- sowie Sicherheitsfragen werden an den Rand gedrängt. Im Fokus stehen dabei auch die eingesetzten Systeme zur Emissionskontrolle und die Art des Betriebs in Southaven im Bundesstaat Mississippi. Die Diskussion reicht weit über Technikfragen hinaus. Feinstaub kann sich in Luft und Boden ablagern und wird mit Herz-Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht. Gasturbinen stoßen Kohlendioxid aus und tragen zur Erderwärmung bei. Hinzu kommen mögliche Methan-Leckagen bei Förderung und Transport von Erdgas, die kurzfristig stärkere Auswirkungen auf das Klima haben können als CO₂. Diskutiert werden außerdem Belastungen der Luftqualität in Wohngebieten, hoher Wasserverbrauch für Kühlsysteme, dauerhafter Lärm sowie zusätzlicher Druck auf Stromnetze und Infrastruktur.“
Die konservative Pacific Legal Foundation übernahm die Verteidigung und macht daraus eine Verfassungsfrage. Eine private Organisation nicht gewählter Aktivisten dürfe nicht immer wieder andere dazu zwingen, sich gegen solche Verfahren zu verteidigen, lautet ihre Argumentation. Noch größer ist der zweite Fall, weil Elon Musk und die Trump-Regierung unmittelbar darin stehen. Die Bürgerrechtsorganisation NAACP wirft Musks xAI vor, Dutzende Gasturbinen bei Memphis ohne vorherige Genehmigungen betrieben zu haben, um ein Rechenzentrum mit Strom zu versorgen. Die Anlagen gefährdeten durch ihre Luftverschmutzung die Menschen in der Umgebung, von denen viele Schwarze sind. Die NAACP verlangt, dass die Turbinen abgeschaltet bleiben, bis das Unternehmen das Gesetz einhält. xAI will die Klage loswerden, und die Trump-Regierung hilft dabei. Das Justizministerium argumentiert, eine Abschaltung der Stromversorgung für künstliche Intelligenz, die das Kriegsministerium unterstützt, könne der nationalen Sicherheit schaden. Weil die Regierung selbst die Klage nicht weiterverfolgt sehen will, soll nach ihrer Auffassung auch die NAACP daran gehindert werden. Laura Thoms von Earthjustice, die die NAACP vertritt, hält dagegen, Regierungen hätten sich früher in solche Verfahren eingeschaltet, um Gesetze durchzusetzen, nicht um einem Unternehmen zu erlauben, trotz eines möglichen Verstoßes weiterzumachen. Besonders gefährlich wird der Angriff auf das Klagerecht durch den heutigen Obersten Gerichtshof.
Bereits im Jahr 2000 hatte Richter Anthony Kennedy Zweifel daran geäußert, ob Bürgerklagen die Befugnisse der Exekutive unzulässig beschneiden. Antonin Scalia schrieb damals noch deutlicher, damit werde Privatpersonen die Aufgabe übertragen, Gesetze durchzusetzen. Heute ist das Gericht konservativer als zu Scalias Lebzeiten. Harvard-Professor Richard Lazarus sagt, Juristen in diesem Bereich hätten praktisch 26 Jahre darauf gewartet, dass dieser Streit zurückkehrt. Die Gegner müssen dafür zunächst vor unteren Gerichten gewinnen und möglichst unterschiedliche Urteile der Berufungsgerichte erreichen, damit der Oberste Gerichtshof den Fall übernimmt. Gerade jetzt wären die Folgen erheblich. Die Trump-Regierung hat Schutzvorschriften für Luft und Wasser zurückgenommen, fossile Energien gefördert und die Verfolgung von Umweltverstößen, die Energieprojekte bremsen könnten, auf besonders schwere Fälle beschränkt. Auch zahlreiche Bundesstaaten haben weniger Geld für die Kontrolle. Fällt zusätzlich das Recht der Bürger weg, selbst vor Gericht zu ziehen, entscheidet im Zweifel die Regierung, welcher Verstoß verfolgt wird und welcher nicht. Thoms warnt sogar davor, dass ein Präsident Gesetze zugunsten von Freunden faktisch unangewendet lassen könnte. Besonders betroffen wären arme Regionen und Gebiete mit vielen Minderheiten, deren Bundesstaaten nur schwachen eigenen Umweltschutz bieten. Rechtsprofessor David Adelman hätte einem solchen Angriff früher nahezu keine Chance gegeben. Beim heutigen Obersten Gerichtshof sieht er das anders. Das Gericht habe die Kontrolle der Exekutive über die Durchsetzung von Bundesrecht so stark geschützt, dass ein Erfolg nicht mehr ausgeschlossen werden könne. Dann hätte ein Präsident nicht einmal ein Umweltgesetz abschaffen müssen. Es könnte weiter im Gesetzbuch stehen, während ausgerechnet diejenigen ihr Recht verlieren, vor Gericht seine Einhaltung zu verlangen.
Die nächste rechte Regierung – Trump bekommt in Kolumbien einen Verbündeten und Washington gibt eine Milliarde Dollar

Kaum hat Abelardo de la Espriella das Präsidentenamt in Kolumbien übernommen, kündigen die USA rund eine Milliarde Dollar Unterstützung für seine Regierung an. Der neue Präsident wurde am Freitag in Cali vereidigt und wird das Land bis 2030 führen. De la Espriella steht politisch weit rechts, nennt sich selbst „El Tigre“, der Tiger, und hatte den linken Senator Iván Cepeda Ende Juni nur knapp in der Stichwahl geschlagen. Der Jurist kommt ohne politische Regierungserfahrung ins höchste Amt des Landes, versprach im Wahlkampf ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Gruppen, niedrigere Steuern und die Wiederbelebung der Öl- und Gasindustrie. Donald Trump hatte seine Kandidatur offen unterstützt, zur Amtseinführung erschien eine Delegation des Weißen Hauses. De la Espriella ließ anschließend keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll: Kolumbien werde mit Washington zusammenarbeiten „wie niemals zuvor“.
Das Geld aus den USA soll vor allem in Sicherheitsprogramme fließen. Kolumbien tritt außerdem der von Trump gegründeten südamerikanischen Sicherheitspartnerschaft „Schild Amerikas“ bei und soll Zugang zu moderner amerikanischer Technik zur Kriminalitätsbekämpfung erhalten. Gleichzeitig sollen das US-Militär und kolumbianische Sicherheitskräfte bei der Bekämpfung illegaler Migration und des Drogenhandels enger zusammenarbeiten. Damit endet auch außenpolitisch die Zeit von Gustavo Petro, der Trump scharf kritisiert hatte und von diesem wiederum als Drogenbaron beschimpft worden war. Petro und Cepeda hatten vor einer solchen Annäherung gewarnt und erklärt, Kolumbien dürfe nicht zu einem weiteren „Vasallen“ der Vereinigten Staaten werden. Brisant ist dabei, was bereits im Mai öffentlich wurde. 37 im Internet aufgetauchte Tonaufnahmen sollen auf Vorbereitungen für eine Aktion gegen linke Regierungen in Lateinamerika hingedeutet haben, besonders gegen Mexiko und Kolumbien. Auf den Aufnahmen soll ein Mann, den Ermittler als den früheren honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández identifizierten, über den Aufbau einer Medienstruktur in den USA gesprochen haben, die Kampagnen gegen die Regierungen von Claudia Sheinbaum und Gustavo Petro führen sollte. Hernández war nach seiner Verurteilung wegen Drogenhandels von Trump begnadigt worden.
Als möglicher Geldgeber dieser Kampagne wurde auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu genannt. Ob und in welchem Zusammenhang diese Aufnahmen mit der späteren politischen Entwicklung Kolumbiens stehen, ist damit nicht bewiesen. Fest steht dagegen, was jetzt offen geschieht: In Bogotá regiert ein von Trump unterstützter rechter Präsident, und Washington stellt seiner neuen Regierung unmittelbar nach Amtsantritt eine Milliarde Dollar sowie eine deutlich engere Sicherheitskooperation in Aussicht.
Mit 50 zu 49 Stimmen: Trumps früherer Strafverteidiger Todd Blanche übernimmt das Justizministerium

Todd Blanche ist nun offiziell Justizminister der Vereinigten Staaten. Der Senat bestätigte Donald Trumps früheren persönlichen Strafverteidiger in einer nächtlichen Abstimmung mit 50 zu 49 Stimmen, knapper hätte die republikanische Mehrheit ihren Kandidaten kaum durchbringen können. Sämtliche Demokraten stimmten gegen Blanche, dazu kamen die Republikanerinnen Susan Collins aus Maine und Lisa Murkowski aus Alaska. Entscheidend wurde Bill Cassidy aus Louisiana, der erst am Freitag seine Zustimmung erklärte. Cassidy sagte offen, Blanche sei „nicht perfekt“, doch ein anderer Kandidat müsse unter Trump keineswegs besser sein.

Murkowski begründete ihr Nein damit, das Land brauche einen Justizminister, der den schlimmsten Impulsen dieser Regierung Grenzen setze. Genau daran bestehen bei Blanche erhebliche Zweifel. Nach der Entlassung Pam Bondis im April führte er das Ministerium bereits kommissarisch und trieb Ermittlungen gegen Personen voran, die Trump als Gegner betrachtet. Seine Bestätigung stand trotzdem zeitweise vor dem Scheitern, weil selbst republikanische Senatoren nicht bereit waren, einen umstrittenen Vergleich mit der Steuerbehörde hinzunehmen. Vorgesehen war ein Entschädigungsfonds von 1,8 Milliarden Dollar für Menschen, die sich vom Strafrechtssystem ungerecht behandelt fühlten, darunter Verbündete Trumps und Beteiligte am Angriff auf das Kapitol vom 6. Januar 2021. Ein weiterer Teil der Vereinbarung sollte Trump und Mitglieder seiner Familie vor Steuerprüfungen schützen. Erst unter dem Druck republikanischer Senatoren sagte Blanche schriftlich zu, den Fonds aufzugeben und auch diesen Schutz vor Steuerprüfungen zurückzunehmen. Damit war der Weg durch den Justizausschuss und schließlich durch den Senat frei.
Blanche ist dabei keineswegs irgendein Trump-Vertrauter. Als früherer Bundesstaatsanwalt wechselte er auf die andere Seite des Gerichtssaals und wurde einer von Trumps wichtigsten Verteidigern, darunter im New Yorker Schweigegeldprozess und in den beiden Strafverfahren des Bundes gegen Trump. Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wurde Blanche zunächst stellvertretender Justizminister unter Bondi. Demokraten werfen ihm vor, seine Loyalität zu Trump über die Unabhängigkeit des Ministeriums zu stellen. Unter Bondi und Blanche verlor die Behörde durch Entlassungen, Kündigungen und freiwillige Abgänge Tausende Mitarbeiter. Kurz nachdem Blanche kommissarisch die Leitung übernommen hatte, versuchte das Ministerium zudem, den früheren FBI-Direktor James Comey wegen eines Fotos mit Muscheln anzuklagen, die als „86 47“ angeordnet waren und nach Auffassung der Regierung eine Drohung gegen den 47. Präsidenten darstellten. Comeys Anwälte verlangen die Einstellung des Verfahrens und werfen dem Ministerium unter anderem falsche Angaben gegenüber Richtern und das Zurückhalten wichtiger Tatsachen vor. Blanche setzte außerdem Joseph diGenova, einen früheren Staatsanwalt aus der Reagan-Zeit, auf eine Untersuchung in Florida an, die klären soll, ob frühere Strafverfolger und Geheimdienstmitarbeiter über Jahre gemeinsam daran gearbeitet hätten, Trump zu schaden.
Ob daraus jemals Strafanklagen entstehen, ist offen. Seine Unterstützer halten gerade Blanches Nähe zu Trump für einen Vorteil und argumentieren, der Präsident werde von seinem ehemaligen Anwalt eher rechtliche Grenzen akzeptieren als von anderen Ministern. Chuck Grassley erklärte vor der Abstimmung, Blanche habe das Ministerium ausgezeichnet geführt und sei die richtige Wahl. Ob er Trump tatsächlich Grenzen setzen wird, ist nun keine Frage mehr für seine Anhörung. Mit 50 Stimmen hat der Senat ihm die Macht über das Justizministerium gegeben, und Donald Trump seinem ehemaligen Strafverteidiger die Leitung jener Behörde, gegen die Blanche ihn noch vor kurzer Zeit vor Gericht verteidigte.
Auch in Deutschland verkauft: Die Uhr, die Kinder schützen soll, kann sie heimlich filmen, abhören und auf Schritt und Tritt verfolgen

Eine billige Kinderuhr am Handgelenk, gekauft für weniger als 30 Dollar, reicht aus, um zu zeigen, wie wenig Kontrolle Eltern über manche Geräte haben, mit denen sie ihre Kinder eigentlich schützen wollen. Die Sicherheitsforscher Vangelis Stykas und Felipe Solferini übernahmen eine solche GPS-Uhr aus der Ferne und verfolgten damit Journalisten durch New York. Selbst als das GPS zunächst nicht funktionierte, sendete die Uhr Kennungen der WLAN-Netze in ihrer Umgebung an einen entfernten Server. Daraus ließ sich bestimmen, auf welchem Häuserblock sich ihr Träger gerade bewegte. Im Büro ging es weiter. Stykas aktivierte die Kamera, fotografierte den Journalistenim Aufzug und später an seinem Schreibtisch. Anschließend wurde das Mikrofon eingeschaltet und ein Gespräch mit einem Kollegen übertragen. Auf der Uhr erschien dabei keine Warnung, kein Hinweis zeigte, dass Kamera oder Mikrofon liefen.
Das Problem betrifft keineswegs nur den amerikanischen Markt. Kinder-Smartwatches, die mit der in der Untersuchung betroffenen Plattform SETracker beziehungsweise SETracker 2 arbeiten, werden auch in Deutschland angeboten. Hinter unterschiedlichen Markennamen können dabei dieselben chinesischen Plattformen und Server stehen. Ob ein konkretes in Deutschland verkauftes Modell die von den Forschern gefundenen Sicherheitslücken besitzt, muss allerdings für das jeweilige Gerät geprüft werden.
Das getestete Gerät stammt vom chinesischen Hersteller YiQingTeng Electronics aus Shenzhen und arbeitet mit der Plattform SETracker. Das eigentliche Problem ist deshalb viel größer als diese eine Kinderuhr. Stykas und Solferini untersuchten mehr als 70 GPS-Uhren und Fahrzeuggeräte und stellten fest, dass ein großer Teil der vermeintlichen Marken auf nur wenige technische Plattformen aus China zurückgreift. Mehr als 30 Geräte verwenden Technik und Server von YiQingTeng, Wonlex, Shenzhen 3G Electronics oder SETracker, mehr als 30 weitere Marken hängen an der Plattform NewGPS2012. Zusammen mit SinoTrack kommen damit nach den Recherchen zig Millionen GPS-Geräte aus nur drei Lieferketten. Bei allen drei konnten schwere Sicherheitslücken festgestellt werden. Teilweise fehlte eine ausreichende Zugangskontrolle, sodass Fremde Geräte übernehmen konnten. Möglich waren das Verfolgen von Kindern, das Fälschen ihres Standorts, das Abfangen und Manipulieren von Text- und Sprachnachrichten, das Austauschen gespeicherter Notfallkontakte sowie heimliches Mithören. Geräte mit Kamera konnten zusätzlich unbemerkt Fotos und Videos liefern. Bei Fahrzeugtrackern ließen sich ebenfalls Standorte verfolgen und Nachrichten manipulieren, die möglicherweise sogar Fahrzeuge entriegeln oder außer Betrieb setzen könnten, was die Forscher allerdings nicht an echten Autos ausprobierten.
Noch schwerer wiegt, dass sie auch Schwachstellen auf den Servern fanden. Bei SinoTrack verschaffte ihnen eine eigentlich für Vorführungen vorgesehene Anmeldung Zugriffsmöglichkeiten auf Millionen Geräte. Eine weitere Sicherheitslücke legte Standorte, Passwörter und Fahrzeugdaten von Zehntausenden Geräten offen. Bei NewGPS2012 konnten die Forscher eigenen Programmcode auf den Servern ausführen und fanden Hinweise darauf, dass möglicherweise schon zuvor Unbefugte in das System eingedrungen waren. Die Unternehmen wurden nach Angaben der Forscher seit Monaten gewarnt. SETracker erklärte zunächst, die Probleme seien längst behoben.
Erst wenige Stunden vor der Präsentation der Ergebnisse auf der Sicherheitskonferenz Black Hat funktionierten die verwendeten Angriffsmethoden gegen SETracker plötzlich nicht mehr. Das Unternehmen erklärte anschließend, die Schwachstelle sei vollständig beseitigt. Bei SinoTrack und NewGPS2012 funktionierten die Angriffe aber weiterhin. Besonders bitter ist, dass dieses Problem seit Jahren bekannt ist. Bereits 2017 und 2018 gab es Warnungen vor unsicheren Kinderuhren, 2020 wurden bei fünf von sechs untersuchten Modellen schwere Sicherheitsprobleme gefunden. Eltern sehen im Geschäft oder im Internet Dutzende verschiedene Marken und glauben, zwischen unterschiedlichen Systemen zu wählen. Tatsächlich können zwei völlig verschieden benannte Kinderuhren ihre Standortdaten an denselben Server in China schicken. Wer seinem Kind eine solche Uhr ums Handgelenk legt, kann damit im schlimmsten Fall nicht nur selbst wissen, wo es gerade ist. Ein völlig Fremder kann es ebenfalls wissen, zuhören und zusehen, ohne dass das Kind oder seine Eltern auch nur bemerken, dass jemand längst mit im Gerät sitzt.
Sollten Sie sich beim Kauf einer solchen Uhr unsicher sein, können Sie sich gerne an uns wenden. Uns liegen umfangreiche Listen der betroffenen Marken, Modelle und Baureihen vor, sodass wir Ihnen bei der Einschätzung eines konkreten Geräts weiterhelfen können.
