Waffenstillstand um Mitternacht – und Beirut schießt in den Himmel

VonTEAM KAIZEN BLOG

April 17, 2026

Beirut – Kurz vor Mitternacht Ortszeit heulten noch Sirenen in nordisraelischen Ortschaften. Die israelische Armee meldete, sie schlage Hisbollah-Raketenwerfer ab. Ein 25-jähriger Mann wurde in Karmiel schwer verletzt, wahrscheinlich durch Trümmer eines abgefangenen Geschosses. Dann, um Mitternacht, trat der Waffenstillstand in Kraft.

Beirut

In Beirut antwortete die Stadt mit Schüssen in die Luft. Leuchtspurgeschosse zogen über den Nachthimmel, Feuerwerkskörper mischten sich darunter, Panzerfaust-Abschüsse hallten durch die Straßen. Mehr als eine Million Libanesen sind während dieses Krieges vertrieben worden. Hisbollah und die libanesische Armee warnten beide, nicht sofort zurückzukehren – die Lage sei noch nicht klar genug. Und trotz der Warnungen, setzten sich vertriebene Familien in Bewegung. In Richtung Süden. Nach Hause, oder was davon noch übrig ist.

Beirut

Der Waffenstillstand gilt zehn Tage. Er kann verlängert werden, wenn Fortschritte in den Gesprächen erkennbar sind und der Libanon seine Souveränität wirksam durchsetzt, wie das US-Außenministerium erklärt. Israel darf sich jederzeit gegen geplante oder laufende Angriffe verteidigen. Hisbollah hat bereits angekündigt, auf jeden israelischen Angriff zu reagieren. Der israelische UN-Botschafter Danny Danon nennt den Waffenstillstand schwierig – wegen Hisbollah, das nach der Ankündigung erklärte, die anhaltende israelische Besatzung gebe dem Libanon das Recht auf Widerstand. Netanyahu hat angeboten, nach Washington zu reisen, um die Verhandlungen fortzusetzen.

Beirut

Wie es dazu kam: Die Botschafter beider Länder trafen sich Dienstag in Washington. Danach telefonierte Trump Mittwochabend mit Netanyahu, der unter bestimmten Bedingungen zusagte. Marco Rubio rief den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun an, der einwilligte. Trump sprach dann selbst mit Aoun und erneut mit Netanyahu. Das Außenministerium formulierte parallel ein gemeinsames Dokument. UN-Generalsekretär António Guterres lobte die Vereinigten Staaten für ihre Vermittlung und rief alle Seiten auf, den Waffenstillstand einzuhalten.

Während Beirut feierte, sprach Trump vor Journalisten auf dem Südrasen des Weißen Hauses, bevor er nach Las Vegas flog. Er behauptete, Iran habe zugestimmt, angereichertes Uran zurückzugeben – jenes Material, das nach amerikanischen Bombenangriffen mit B-2-Bombern tief unter iranischen Atomanlagen liegt. Keiner der Vermittler, keiner der Beteiligten hat diese Aussage bestätigt. Das Weiße Haus antwortete nicht auf Nachfragen. Trump hatte früher schon Behauptungen über Irans Atomprogramm gemacht, die sich als ungenau herausstellten. Auf die Frage, worauf er noch warte, sagte er, es sei sehr kompliziert. Dann sagte er, er denke nicht, dass man warte. Es könne schnell gehen.

Irans UN-Botschafter Amir Saeid Iravani sagte vor der UN-Generalversammlung, sein Land sei trotz tiefen Misstrauens gegenüber den USA in gutem Glauben in die Verhandlungen gegangen und bleibe vorsichtig optimistisch. Wenn Washington einen vernünftigen Ansatz wähle und keine Forderungen stelle, die dem Völkerrecht widersprechen, könne etwas Sinnvolles entstehen. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Qalibaf, sagte nach seinem Treffen mit dem pakistanischen Armeechef Asim Munir in Teheran, ein Waffenstillstand im Libanon sei ein untrennbarer Teil eines regionalen Waffenstillstands – und eine der iranischen Bedingungen in den Gesprächen mit Washington.

Trump sagte, wenn ein Abkommen mit Iran in Islamabad unterzeichnet werde, könnte er selbst hinreisen. Er lobte Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir. „Der Feldmarschall war großartig. Der Premierminister war wirklich großartig. Sie wollen mich dort.“

Der Anführer der Emirate, Anwar Gargash, diplomatischer Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, sagte unterdessen offen, was in den Golfstaaten viele denken: Iran sei der Hauptfeind – nicht Israel. Tausende Raketen und Drohnen hätten die Golfstaaten getroffen. Das Vertrauen sei weg. Die Emirate wollen Garantien, dass solche Angriffe nicht wiederkommen, genauso wie Iran Garantien und Wiedergutmachung fordert.

In Tel Aviv äußerten sich Bewohner mit Hoffnung und Skepsis zugleich. In Beirut schossen sie in den Himmel. Beides ist verständlich. Beides ist wahr.

Etwa eine halbe Stunde nach Inkrafttreten des Waffenstillstands meldete die libanesische Staatsagentur israelischen Beschuss in Khiam und Dibbine. Die libanesische Armee wiederholte ihre Warnung an Vertriebene, nicht zurückzukehren. Die israelische Armee sagte, man prüfe die Berichte. Die Bedingungen des Waffenstillstands verbieten Israel offensive Militäroperationen im Libanon. Sie lassen jedoch Raum für Selbstverteidigung – gegen geplante, bevorstehende oder laufende Angriffe. Wie viel Raum genau, das entscheidet derjenige, der schießt.

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