Trump lässt die Presse verprügeln und nennt es wunderschön: Die rechtsextremen Verbindungen hinter dem Gewaltvideo

VonTEAM KAIZEN BLOG

8. November 2026

Eine Frage ist die leiseste Form von Macht. Sie hat keine Fäuste, nur einen Satz, der auf eine Antwort wartet.

Im Pressesaal des Weißen Hauses steht Dana White am Rednerpult. Hinter ihm hängen amerikanische Flaggen, neben ihm stehen Käfigkämpfer mit verschränkten Armen. Vor ihm sitzen Journalisten und stellen Fragen. Wenige Augenblicke später liegen Menschen am Boden, Fäuste treffen Reporter. Der Amtssitz des Präsidenten dient als Kulisse einer Prügelei. Das alles geschieht in einem Zeichentrickfilm von 62 Sekunden, den Donald Trump auf seinem offiziellen Konto bei Truth Social veröffentlicht hat, dem Kanal, über den der Präsident der Vereinigten Staaten zu seinem Land spricht. Die Figuren sind künstlich erzeugt. Die Gewalt ist erfunden. Ihr Absender führt die Vereinigten Staaten. Aus der schmutzigen Idee, Journalisten für unbequeme Fragen zu verprügeln, wird damit eine Botschaft des Amtes.

Der moralische Abgrund dieses Präsidenten ist längst bodenlos. Dass er seine charakterliche Verwahrlosung inzwischen auch noch öffentlich zelebriert, spricht für sich.

Schon am Samstag hatte Trump erklärt, er habe Dana White, dem Chef der Kampfsportorganisation UFC, den Posten des Pressesprechers angeboten. Er pries ihn als gewalttätigen Kämpfer und Krieger. White solle sechs bekannte Käfigkämpfer mitbringen. Islam Makhachev und Khabib Nurmagomedov standen auf der Liste. Justin Gaethje und Daniel Cormier ebenfalls. Amanda Nunes und Kayla Harrison vervollständigten die Mannschaft, wobei sich Trump bei den Namen selbst verschrieb. Man brauche diese Leute zur Verteidigung gegen die verrückte Linke, ließ der Präsident wissen. Ein Pressesprecher also, dessen Eignung in seiner Nähe zum Berufskampfsport liegen soll. Das Präsidentenamt hatte schon würdevollere Vorstellungen von öffentlicher Rede. Künftig werden Fragen vermutlich nach Gewichtsklasse beantwortet.

Der Film denkt den Gedanken zu Ende. Die künstliche Figur Whites verkündet, Trump habe ihn zum Pressesprecher gemacht, und er habe Verstärkung mitgebracht. Ein Journalist fragt, ob Trump eine Gefahr für die Demokratie sei. Dann beginnt das Possenspiel. Auf die Frage nach Trumps Pronomen lautet die Antwort „Frauen“. Ein Reporter sagt, er fühle sich nicht sicher. Die gezeichneten Kämpfer übernehmen nach und nach den Saal. Als jemand nach einer möglichen Kandidatur Michelle Obamas für 2028 fragt, behauptet eine Figur, sie sei ein Mann. Eine längst widerlegte Lüge wird zum Scherz vor dem Pult des Präsidenten. Der Film besitzt ein feines Gespür, allerdings nur für die Erniedrigung derer, die fragen.

Zwischendurch werden Journalisten geschlagen. Einer fliegt durch den Raum, ein anderer landet am Boden. Später liegen mehrere Figuren zwischen den Stuhlreihen, und vorn hängt weiter das Wappen des Präsidenten, ungerührt wie ein Kirchenfenster über einer Wirtshausschlägerei. Eine Figur ruft, das sei Faschismus. Die Zeichentrickwelt antwortet mit weiterer Gewalt. Am Schluss will jemand wissen, wie die Pressekonferenz verlaufen sei. „Feurig, aber überwiegend friedlich“, heißt es. Die Formel stammt aus dem Streit um die Berichterstattung über Proteste, nun dient sie dazu, verprügelte Reporter zu verhöhnen. Das letzte Wort lautet „Wunderschön“. Selten hat ein Präsident sein Verständnis von Pressefreiheit in einer derart grotesken Bildfolge vorgeführt.

Trump hat diesen Film auf seinem offiziellen Konto veröffentlicht. Das genügt. Was dort erscheint, spricht mit der Stimme des Amtes. Ein Präsident hat viele Wege, die Presse zu kritisieren. Er kann Behauptungen zurückweisen und Journalisten widersprechen. Trump greift zur Faust, gezeichnet zwar, aber mit voller Absicht ins Schaufenster der Präsidentschaft gestellt. Das Fragerecht der Presse wird darin buchstäblich mit Schlägen beantwortet, und der mächtigste Mann der Welt verteilt die Bilder. Wo der politische Spott endet und die vorgeführte Verachtung beginnt, zeigt ein gezeichneter Körper, der auf dem Teppich liegt.

Die Veröffentlichung fällt in angespannte Tage. Nach den verlorenen Zwischenwahlen müssen die Republikaner beide Kammern des Kongresses abgeben. Das Weiße Haus sucht einen neuen Pressesprecher. Karoline Leavitt ist ausgeschieden, ihre Nachfolgerin Katie Zacharia hielt sich gerade einmal fünf Tage im Amt. Ein amerikanischer Nachrichtensender berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, White habe Trumps Angebot abgelehnt. Er selbst bestätigte das zunächst nicht. Stattdessen verbreitete er ein künstlich erzeugtes Bild von sich am Rednerpult des Weißen Hauses und kündigte für Montag ein Treffen mit Trump an. Die Personalfrage bleibt offen. Die Gewaltfantasie des Präsidenten zirkuliert längst.

Hinter dem von Donald Trump verbreiteten Zeichentrickfilm, in dem Journalisten im Weißen Haus verprügelt werden, steht ein Produzent namens „Dr. Clown, PhD“, dessen Konto rund 369.000 Menschen folgen. Sein öffentlich ausgewiesener Sponsor ist Rainbet, ein international tätiges Kryptowährungs-Casino mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen. Als Betreiber wurde die auf Curaçao registrierte Gesellschaft RBGAMING N.V. genannt, während neuere Geschäftsbedingungen die Rain Group Ltd mit Sitz auf der Komoreninsel Anjouan ausweisen. Als Geschäftsführer und Mitgründer wird John Evans genannt, dessen tatsächliche berufliche Vergangenheit bislang nicht unabhängig geklärt werden konnte. Bei einer Boxveranstaltung stellte Adin Ross den Rainbet-Gründer erstmals öffentlich vor.

Ross und Evans bei einer Boxveranstaltung im März 2026, bei der Ross den Rainbet-Gründer erstmals öffentlich vorstellte.

Auch der berufliche Hintergrund des operativen Geschäftsführers Guilherme Fideles wirft Fragen auf: Er war zuvor für mehrere inzwischen geschlossene Glücksspielplattformen tätig, darunter MMO GAMES LP, MaisBet-BoglaGold und Tokenbets. Rainbet bezahlt außerdem Adin Ross, einen der bekanntesten Personen aus Trumps MAGA-Umfeld. Ross unterstützte Trump im Präsidentschaftswahlkampf, empfing ihn zu einer gemeinsamen Übertragung und überreichte ihm einen Tesla Cybertruck mit Trump-Bildern sowie eine Rolex. Er verfügt über direkten Zugang zum Präsidenten. Ross unterhält zudem Kontakte zum Rechtsextremisten und Holocaustleugner Nick Fuentes sowie zu Andrew Tate.

Besonders aufschlussreich sind Rainbets eigene Geschäftsbedingungen. Unter Abschnitt 4.1.3 untersagt das Glücksspielunternehmen ausdrücklich die Nutzung seiner Plattform aus den Vereinigten Staaten und zahlreichen europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Auch Australien gehört zu den ausgeschlossenen Staaten. Gleichzeitig bezahlt Rainbet den amerikanischen Internetstar Adin Ross für seine Glücksspielwerbung und erreicht über solche Partnerschaften ein Millionenpublikum. Ein Unternehmen, das ganze Länder von seinem Angebot ausschließt, lässt seine Werbung ausgerechnet durch einen der bekanntesten amerikanischen Internetunterhalter verbreiten. Rainbet baut damit ein millionenschweres Werbegeschäft rund um Märkte auf, die es seinen Kunden nach eigenen Vertragsbedingungen versperrt. Die Verbotsliste steht schwarz auf weiß im Kleingedruckten. Die Glücksspielwerbung läuft vor Millionen Zuschauern.

Weiter ergaben unsere Recherchen, dass Adin Ross in einer seiner Sendungen zunächst Filmmaterial einer Veranstaltung mit rechtsextremen Darstellungen ansah und anschließend auf Rainbet spielte. Während dieser Übertragung sank sein angezeigtes Spielguthaben von rund 144.295 auf 45.203 Dollar. Rechtsextreme Inhalte und kommerzielle Glücksspielunterhaltung fanden damit innerhalb derselben Sendung statt. Besonders aufschlussreich ist auch Rainbets Zusammenarbeit mit Harrison Sullivan, bekannt als HS TikkyTokky, dessen frauenfeindliche und homophobe öffentliche Äußerungen ebenfalls dokumentiert sind. Berichten zufolge wurde Sullivan ein Jahresvertrag über 15 Millionen Dollar angeboten. Rainbet unterstützte außerdem eine Veranstaltung seines Boxunternehmens Unhinged Promotions in Dublin.

Donald Trump, Adin Ross

Bereits seit September 2026 recherchieren wir, wie Kryptowährungs-Casinos über bezahlte Internetinfluencer ein junges Publikum erreichen und dabei auch rechtsextreme Inhalte Verbreitung finden. Rainbet taucht dabei immer wieder auf. Ross bezifferte seinen Rainbet-Vertrag selbst auf 100 Millionen Dollar. Hier kreuzen sich ein Glücksspielgeschäft mit enormen Werbeausgaben, rechtsextreme Internetmilieus und der persönliche Zugang zum amerikanischen Präsidenten. Rainbet sponsert den Produzenten des Videos und arbeitet zugleich mit Ross zusammen. Trump verbreitet die Zeichentrick-Prügelei gegen Journalisten eigenhändig. Die öffentlich sichtbaren Verbindungen sind bereits erschreckend genug: Ein Präsident macht sich zum Verbreiter einer Gewaltfantasie gegen die Presse, während die Urheber seine Reichweite mit der Werbung eines Glücksspielunternehmens vermarktet.

Zurück nun zu Donald Trump: „Dieser Präsident braucht psychologische Hilfe und ist untragbar.“ Der Satz drängt sich auf, und er ist noch höflich. Politisch liegt etwas Handfesteres auf dem Tisch. Der Präsident der Vereinigten Staaten veröffentlicht eine Darstellung, in der Journalisten für ihre Fragen Schläge einstecken und die Verantwortlichen darüber lachen. Die Presse soll der Regierung auf die Finger schauen. In diesem Film zeigt man ihr die Faust.

Vor den amerikanischen Flaggen steht ein Mann am Rednerpult. Zwischen den Stühlen liegt ein Reporter. Der Mann fragt, ob noch jemand eine Frage habe.

Die nächste Recherche folgt …

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