Trumps Irrsinn von Texas: Weinende Anhänger, ein Krieg als Geldgeschäft, der selbst ernannte Retter des Christentums und ein tanzender Präsident

VonTEAM KAIZEN BLOG

28. Oktober 2026

Lubbock/Corpus Christi (KB) – Vor dem Veranstaltungszentrum in Lubbock stehen Menschen Schlange. Einige warten seit Stunden auf Donald Trump, andere kämpfen bei einer Befragung vor laufenden Kameras mit den Tränen. Sie wollen ihren Präsidenten sehen. Einen Mann, der an diesem Dienstag zwei Wahlkampfveranstaltungen in Texas absolviert und dafür von seinen Anhängern gefeiert wird, als hätte er eine außergewöhnliche menschliche Leistung vollbracht. Selbst Reporter, die halb so alt seien, könnten mit seiner Ausdauer kaum mithalten, schwärmen seine Bewunderer. Sieben Tage vor den Kongresswahlen weinen erwachsene Menschen vor Begeisterung, weil ein Politiker in ihre Stadt kommt. In Lubbock scheint die Verehrung inzwischen so weit fortgeschritten, dass seine Anwesenheit allein genügt. Die Frage, was Trump diesen Menschen tatsächlich bietet, hat zwischen all den Tränen offenbar keinen Platz mehr.

Wir haben Trumps beide Wahlkampfveranstaltungen vom 27. Oktober 2026 in Corpus Christi und Lubbock sowie die Befragungen seiner Anhänger vor Ort zusammengefasst. Die Aufnahmen zeigen, was der amerikanische Präsident an diesem Abend tatsächlich von sich gab und mit welcher Begeisterung seine Anhänger darauf reagierten. Zwei Veranstaltungen, ein Präsident und ein Abend voller politischem Irrsinn. Der Artikeltext ist in der Reihenfolge des Mitschnitts.

Während seine Anhänger in Lubbock noch warten, beginnt Trump seine erste Veranstaltung in Corpus Christi. „Hallo, Texas!“ Dann dauert es nur wenige Sekunden, bis der amerikanische Präsident erklärt, weshalb er so gern hierherkommt. Er habe Texas bei drei Präsidentschaftswahlen mit außergewöhnlich hohen Stimmenzahlen gewonnen. „Das ist gut für mein Ego“, verkündet er. Die Menge lacht. Wenigstens bei dieser Angelegenheit besteht kaum Anlass, an der Aufrichtigkeit des Präsidenten zu zweifeln. Andere Politiker geben sich gelegentlich Mühe, ihre öffentliche Bewunderung als Verpflichtung gegenüber den Wählern darzustellen. Trump erspart sich diese Umständlichkeit. Die Menschen kommen, um ihren Präsidenten zu feiern. Ihr Präsident kommt, um gefeiert zu werden. Dass sich die Interessen derart harmonisch ergänzen, dürfte ihn außerordentlich zufriedenstellen.

Später in Lubbock wird es erheblich düsterer. Trump spricht über den Krieg gegen Venezuela und die amerikanischen Ölgeschäfte. Schiffe brächten venezolanisches Öl in die Vereinigten Staaten, ohne dass die amerikanischen Steuerzahler dafür bezahlen müssten, behauptet er. Eine Lieferung von eine Million Barrel bezeichnet er als Geschenk. Dann stellt er eine Frage: „Was ist vor sieben Monaten passiert? Der Krieg.“ Die Antwort folgt unmittelbar. Amerika verdiene inzwischen ein Vermögen, mehr als jemals zuvor. Krieg als wirtschaftlicher Glücksfall. Menschen sterben, Familien verlieren ihre Angehörigen, und im amerikanischen Wahlkampf wird über Einnahmen gesprochen. Trump feiert die militärische Überlegenheit seines Landes und beschreibt die eingesetzte Technik mit sichtlichem Vergnügen. Der Präsident einer Weltmacht hat eine bemerkenswert einfache Vorstellung davon, wie sich militärische Gewalt rechtfertigen lässt. Sie muss sich offenbar nur ausreichend lohnen.

Zurück nach Corpus Christi. Dort nimmt Trump den demokratischen Politiker James Talarico auseinander, allerdings auf eine Weise, die mehr über den Präsidenten verrät als über seinen Gegner. Talarico wolle den Menschen das Fleisch wegnehmen, behauptet Trump. Dann beginnt eine groteske Nachahmung eines angeblichen Grillfestbesuchs: „Ich liebe Fleisch! Ahhhh! Ich liebe es, schaut!“ Dazu gestikuliert er wie ein schlechter Komiker, der fürchtet, sein Publikum könnte den Witz andernfalls übersehen. Trump behauptet, Talarico habe sich hinter einem Zelt übergeben müssen. Beweise für diese Geschichte liefert er nicht. Stattdessen erzählt er, Melania habe ihn bei der Aussprache des englischen Wortes für vegane Ernährung korrigiert. Die Anhänger lachen. Ein amerikanischer Präsident verwendet seine Redezeit darauf, einen politischen Gegner mit erfunden wirkenden Vorstellungen über dessen Essgewohnheiten lächerlich zu machen. Die wirklichen Probleme von Texas müssen sich gedulden.

Anschließend beschuldigt Trump Talarico, die Waffenrechte einschränken und Geschlechtsangleichungen bei kleinen Kindern ermöglichen zu wollen. Die Behauptungen werden vorgetragen, als seien sie längst bewiesen. Der Demokrat wird zum Feind alles Vertrauten erklärt, während die Menge ihre Ablehnung kundtut. Über die tatsächlichen politischen Vorhaben seines Gegners erfährt das Publikum wenig. Trump hat den Mann bereits als Kommunisten bezeichnet. Nun soll er offenbar auch noch für die Zerstörung des amerikanischen Familienlebens verantwortlich sein. Eine bequeme Art des Wahlkampfs: Der Gegner muss nur schlimm genug beschrieben werden, dann erübrigt sich die Beschäftigung mit seiner wirklichen Politik.

In Lubbock versucht Trump anschließend das traditionelle „Guns Up“-Handzeichen der Texas Tech University. Er hebt die Finger, zeigt die Geste und erhält den erwarteten Beifall. Der republikanische Senator Ted Cruz gehört zu seinen Unterstützern. Für einen Augenblick reduziert sich die Beziehung zwischen dem Präsidenten und dieser Region auf eine Handbewegung. Die Anhänger sind zufrieden. In Texas kann politische Nähe offenbar bereits mit zwei erhobenen Fingern ausreichend bewiesen werden.

Dann erscheint Marco Rubio. Der amerikanische Außenminister erhält Applaus und nutzt seinen Auftritt für eine erstaunliche Würdigung des Präsidenten. „Unsere Feinde sind schwächer, unser Land ist stärker und unsere Menschen sind sicherer, weil Donald J. Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist.“ Rubio spricht, als habe die Wirklichkeit diese Behauptung bereits abschließend bestätigt. Man muss es zweimal hören, um es zu glauben. Ein amerikanischer Außenminister erscheint wie ein Dackel auf Zuruf seines Herrn, liefert brav die verlangte Lobeshymne ab und verschwindet wieder. Für diesen Auftritt hätte vermutlich auch ein dressierter Pudel gereicht. Während amerikanische Soldaten in Kriegen eingesetzt werden, versichert der Außenminister seinem Präsidenten, die Bevölkerung sei sicherer geworden. Die Anhänger applaudieren. Ein Außenminister, dessen Aufgabe darin besteht, die Interessen seines Landes gegenüber anderen Regierungen zu vertreten, steht vor einem Wahlkampfpublikum und preist seinen Vorgesetzten. Trump hat sich die passende Umgebung für solche Liebeserklärungen geschaffen.

Für Rubio hält der Präsident allerdings noch eine besondere Aufgabe bereit. Man werde ihn einfach mit einem Fallschirm über Kuba abwerfen. „Wir fliegen ihn mit einem Fallschirm hinein, und er löst das Problem in ungefähr zwei Minuten.“ Kuba, ein Land mit Millionen Einwohnern und einer jahrzehntelangen politischen Geschichte, wird zum Gegenstand eines Scherzes über den Außenminister. Was Rubio dort innerhalb von zwei Minuten erledigen soll, verrät Trump nicht. Vermutlich genügt seine Anwesenheit. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Staaten, die seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt sind, lassen sich in der Vorstellung des Präsidenten offenbar mit einem Fallschirm und einer geeigneten Landestelle ordnen. Vielleicht sollte das Außenministerium künftig wenigstens die entsprechenden Flugzeuge bereithalten.

In Lubbock beansprucht Trump anschließend eine Rolle, die selbst für seine Verhältnisse gewaltig ausfällt. Er werde Amerika in eine neue Zeit des Christentums führen, die kein anderer Mensch ermöglichen könne. Der Präsident betrachtet damit offenbar auch die religiöse Zukunft als eine Frage seiner persönlichen Einzigartigkeit. Fast 2.000 Jahre Christentum, unzählige Gläubige und eine Geschichte voller religiöser Auseinandersetzungen reichen nach dieser Vorstellung nicht aus. Erst Donald Trump soll die entscheidende Veränderung ermöglichen. Seine Anhänger hören zu. Ein Mann, der kurz zuvor seinen politischen Gegner wegen dessen angeblicher Essgewohnheiten verspottet hat, erklärt sich nun zum außergewöhnlichen Wegbereiter christlicher Geschichte. Wie genau diese neue religiöse Zeit aussehen soll, bleibt ungeklärt. Über die unverzichtbare Rolle Donald Trumps besteht dagegen keinerlei Zweifel.

Kurz darauf entdeckt der Präsident die Windräder. „Nennen Sie mir ein Land, das viele Windräder hat und zahlungsfähig ist. Es gibt keines.“ Deutschland und Dänemark existieren weiterhin, betreiben zahlreiche Windkraftanlagen und sind zahlungsfähig. Trump hält seine Behauptung trotzdem für eine geeignete Erklärung europäischer Wirtschaftspolitik. Die Wirklichkeit muss sich in solchen Augenblicken dem Redner unterordnen. Er erklärt die Windenergie zum wirtschaftlichen Ruin und erspart seinem Publikum jede Untersuchung der tatsächlichen Verhältnisse. Selbst die Existenz zahlungsfähiger Staaten mit umfangreicher Windkraftnutzung scheint für seine Behauptung unerheblich zu sein. Seine Anhänger bekommen eine einfache Antwort. Die Zahlen wären nur störend.

Bei den Zöllen setzt Trump seine eigenwillige Wirtschaftslehre fort. Andere Länder müssten Amerika 650 Milliarden Dollar bezahlen, damit ihre Zölle gesenkt würden. Wie diese Summe zustande kommt, erläutert er nicht nachvollziehbar. Amerikanische Einfuhrzölle werden zunächst von den importierenden Unternehmen bezahlt. Die höheren Kosten können anschließend bei den Verbrauchern landen. Trump behandelt die Abgaben dagegen, als müssten ausländische Regierungen dem amerikanischen Staat einfach Geld überweisen. In seinen Reden wird aus einer Belastung für Unternehmen regelmäßig ein Geschenk des Auslands. An der Supermarktkasse dürfte diese Vorstellung wenig helfen. Dort werden Rechnungen gewöhnlich mit Geld bezahlt, dessen Herkunft sich nicht durch eine präsidiale Behauptung verändern lässt.

Jetzt geht es um den 3. November. Trump verlangt, dass Texas den Demokraten James Talarico besiegt. Gouverneur Greg Abbott und Vizegouverneur Dan Patrick sollen wiedergewählt werden. Ken Paxton erhält besonders ausgiebiges Lob. Dieser erzählt seinen Anhängern, Trump habe ihm erklärt, normalerweise veranstalte er für niemanden zwei Wahlkampfauftritte an einem Tag. Offenbar müsse er Paxton besonders mögen. „Herr Präsident, ich mag Sie auch sehr!“ Das Publikum applaudiert der gegenseitigen Zuneigung. Trump lobt außerdem die Beamten der Abschiebebehörde ICE und des Grenzschutzes als „Helden“. Er behauptet, 25 Millionen Menschen seien unkontrolliert in die Vereinigten Staaten gelangt. Nun müsse er sie wieder hinausbringen. Richter, die Abschiebungen verhindern, greift er an. Einen belastbaren Nachweis für seine Zahl liefert er in der übermittelten Aussage nicht.

Zum Abschied in Lubbock erklingt „YMCA“. Donald Trump tanzt. Der Mann, der den Krieg gerade noch als wirtschaftlichen Glücksfall gefeiert hat, bewegt die Arme zur Musik. Zuvor wollte er Marco Rubio mit einem Fallschirm nach Kuba schicken und hatte sich selbst eine einzigartige Rolle für die Zukunft des Christentums zugesprochen. Seine Anhänger jubeln, einige hatten vor seiner Ankunft geweint. Ein Präsident hat ihnen von seinem Ego erzählt, über angeblich unbezahlbare Windräder gesprochen und Milliardenbeträge aus seiner eigenen Zollrechnung präsentiert. Nun verlässt er tanzend den Saal. Draußen warten Menschen, die an diesen Mann glauben. Drinnen endet die Veranstaltung mit einem Lied, dessen ausgelassene Fröhlichkeit kaum grausamer zu den Worten passen könnte, die wenige Minuten zuvor gefallen sind.

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Esther Portmann
Esther Portmann
23 Stunden vor

Das ist einfach nur kranker Wahnsinn.
Euer Bericht beschreibt den ganzen Irrsinn sehr gut.

Rainer Hofmann
Administrator
22 Stunden vor
Antwort auf  Esther Portmann

…total krank sage ich dir und vielen Dank

Anja
Anja
22 Stunden vor

Dort scheint eine Massenhysterie ausgebrochen zu sein 🙈

Rainer Hofmann
Administrator
22 Stunden vor
Antwort auf  Anja

…einfach nur noch peinlich

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