Ein Wort kann einen Krieg verewigen, wenn es ihn nur oft genug unterbricht. Das US-Verteidigungsministerium erwägt nach übereinstimmenden Quellen eine neue Linie gegenüber Iran: das Land periodisch zu bombardieren, damit die Öltanker weiter durch die Straße von Hormus fahren können. Ein Fachmann nennt das genau den ewigen Krieg, den Donald Trump einst zu vermeiden schwor. Periodisch klingt nach Maß und Ordnung und meint doch eine Gewalt ohne letzten Tag. Die Sprache der Regierung nennt Dauer ein Verfahren und macht aus dem Ausnahmefall den Betriebszustand. Trump hatte den Krieg als Sache weniger Wochen angekündigt, jetzt bekommt er einen Takt für unabsehbare Zeit. Ein Krieg, der als kurz verkauft wurde, kehrt so als feste Verabredung wieder.
Der Plan liegt in seiner eigenen Sprache offen. Amerikanische Beamte prüfen, Iran regelmäßig zu treffen, um täglich Dutzende Öltanker verhältnismäßig sicher aus dem Golf zu bringen. Kriegsminister Pete Hegseth, dessen Haus sich seit Trumps Umbenennung Kriegsministerium nennt, unterstütze das Vorhaben, sagten Vertreter der Regierung. Um einen Sieg über Iran geht es dabei nicht, es geht darum, den Verkehr im Golf am Laufen zu halten, Schlag um Schlag. Dutzende Tanker am Tag, das ist die Größe, an der sich der Dauerbeschuss bemisst. Ein Ziel, das sich täglich neu stellt, kennt keinen Schlusspunkt, denn morgen fahren wieder Tanker. Verteidigung wird so zum Dauerauftrag.

Trita Parsi, geschäftsführender Vizepräsident des Quincy Institute for Responsible Statecraft, hielt am Montagabend dagegen. Schon frühere Regierungen hatten versucht, einen Krieg gegen Iran zu verkaufen, und dabei selbst eingeräumt, dass Militärschläge das Atomprogramm nicht ausschalten würden, sondern regelmäßige neue Angriffe nötig wären, um es dauerhaft in Schach zu halten. Die USA hätten diesen Ansatz gerade deshalb abgelehnt, weil sie sich keinen dauerhaften Kriegszustand mit Iran wünschten. Ein Feuer, das man nie ausmacht und stattdessen immer wieder anfacht, war ihnen zu teuer. Was Washington damals verwarf, gilt der heutigen Regierung als Strategie, und ausgerechnet Trumps Kriegsminister treibe sie voran. Ein Programm zu bombardieren, das kein Schlag zerstört, führt zwangsläufig zur Wiederholung, und die Wiederholung ist der Krieg selbst.
Der Sinneswandel sei erstaunlich, so Parsi. Noch vor einer Woche habe Finanzminister Scott Bessent erklärt, Sanktionen machten einen Militärschlag überflüssig. 6 Tage später bombardierten die USA Iran erneut, und nun zeige sich, dass das Pentagon die Reihe periodischer Angriffe längst vorbereitet habe. Die Regierung gebe die militärische Lösung ebenso auf wie die wirtschaftliche. Die diplomatische habe sie ohnehin nie ernsthaft gesucht, und an ihre Stelle trete ein dauerhafter Krieg, der das Problem bloß verwaltet. Verwalten heißt hier, nie zu lösen und immer zu wiederholen. Die Reihenfolge verrät die Absicht: erst das Versprechen der Sanktionen, kurz darauf die Bomben. Selbst der Wechsel der Mittel führt immer zum selben Ziel, weiter zu bombardieren. Täuscht euch nicht, schrieb Parsi, ein Land periodisch zu bombardieren heißt, einen ewigen Krieg zu führen.
Auch die eigene Generalität warnt. Amerikas Militärführung erklärte, ein langes Fortführen großer Operationen gegen Iran sei nicht durchzuhalten, was kleinere Schläge wahrscheinlicher mache, allerdings ohne erkennbaren Zeitrahmen. Kein klarer Zeitrahmen heißt in der Praxis kein Ende. Ein Militär, das die eigene Erschöpfung meldet, wird nun zum Werkzeug einer Strategie ohne Ziellinie, und der Minister behält vorerst die Oberhand. Wenn die Uniform vor dem Dauerkrieg warnt und der Politiker ihn dennoch will, kippt das Verhältnis von Rat und Befehl.

Auf dem Boden eskaliert es bereits. Am Montag drohte Trump, Iran hart zu treffen, nachdem Iran mit Angriffen auf amerikanische Stützpunkte in Jordanien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf den US-Beschuss reagiert hatte. Vorausgegangen war der amerikanische Beschuss der Insel Larak, der erste Schlagabtausch seit Wochen in einem teuren und unpopulären Krieg, den Trump kurz genannt hatte und der sich ohne absehbares Ende zieht. Iran kündigte an, auf künftige Angriffe dutzendfach heftiger zu antworten; kein Ziel in der Region liege außerhalb seiner Reichweite. Der Generalstab der iranischen Streitkräfte erklärte, dem einmarschierten US-Militär bleibe nur der Abzug. Jede Drohung zieht die nächste nach sich, und der Kalender der Schläge liest sich schon wie der Kalender der Gegenschläge.
So bekommt ein Krieg, den niemand gewinnen und keiner beenden will, seinen Rhythmus. Bomben nach Fahrplan verwalten das Problem, das sie schaffen, und periodisch ist das Wort für einen Krieg ohne letzten Tag. Ein Feuer, das man einplant, statt es zu löschen, brennt am längsten. Die Enge von Hormus mit periodischen Schlägen offen zu halten, heißt einen Krieg auf unbestimmte Dauer zu unterschreiben. Aus den wenigen Wochen, die Trump versprach, wird die Ewigkeit, die er verschwor. Ein Krieg mit Terminen kennt kein Ende, nur den nächsten Termin, und Iran verspricht schon jetzt, dass die Rechnung mit jedem Takt wächst.
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