Trump nennt Norwegen ein Drecksland, Norwegen bittet ihn höflich aufs schönste Klo der Welt

VonTEAM KAIZEN BLOG

31. Oktober 2026

Die Würde eines Landes zeigt sich selten in seinen Palästen. Eher in dem Raum, den jeder irgendwann aufsuchen muss. An einer Felskante über dem Aurlandsfjord, am Aussichtspunkt Stegastein, steht ein kleines Gebäude mit einem großen Fenster. Drinnen blickt der Gast weit über das Wasser, von draußen sieht niemand hinein. Aussicht schenken, ohne den Menschen bloßzustellen, ist eine Kunst, die man in Norwegen sogar beim Toilettenbau beherrscht. In Washington ist sie gerade aus der Mode. Der Eintritt kostet nichts. 2015 setzte ein Architekturportal diese Toilette auf Platz 1 seiner Liste der 10 schönsten öffentlichen Toiletten der Welt. Hier also beginnt die norwegische Antwort auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Am Sonntag, den 25. Oktober, stand Donald Trump in Port Huron, Michigan, vor seinen Anhängern und stellte fest: „Norwegen ist inzwischen tatsächlich ein Drecksland.“ Was das Land verbrochen hat, liegt einige Wochen zurück. Anfang Oktober ging der Friedensnobelpreis an die internationale Juristin Navi Pillay. Trump hatte den Preis für sich beansprucht und wiederholt bezweifelt, dass das norwegische Nobelkomitee ihn jemals auszeichnen werde. Dass dieses Komitee unabhängig von der Regierung in Oslo entscheidet, hat seine Wortwahl kaum gebremst. Eine Kränkung braucht keine Zuständigkeit. Sie sucht sich einfach den größten verfügbaren Empfänger, notfalls ein ganzes Land. Ein Preis, den man öffentlich einfordert, ist allerdings schon verloren, bevor das Komitee überhaupt tagt. Frieden lässt sich schwer erzwingen. Eine Auszeichnung dafür offenbar auch.

Kein Friedensnobelpreis für Trump: Jetzt beschimpft er Norwegen als „Drecksland“ Donald Trump bezeichnete Norwegen bei einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan als „Drecksland“ und erklärte, er wolle keine norwegischen Einwanderer mehr in den USA haben, weil er den Friedensnobelpreis nicht erhalten habe. Norwegens Außenminister Espen Barth Eide erinnerte den Präsidenten daran, dass das Nobelkomitee unabhängig entscheide. Eine Änderung der Einwanderungspolitik wurde bislang nicht angekündigt.

Norwegen hätte eine Protestnote schicken können. Es schickte Toiletten.

Die staatliche Tourismusagentur nahm den Präsidenten beim Wort und taufte ihre Antwort in seiner eigenen Sprache: „Norway makes shithouses great again“. Norwegen macht Scheißhäuser wieder großartig. Dazu zeigte sie eine Auswahl öffentlicher Toiletten, die zwischen Fjorden und Bergen längst Sehenswürdigkeiten sind. Manche tragen internationale Auszeichnungen. Von anderen sieht man das Nordlicht. Man habe einiges über ein „Drecksland“ gehört, ließ die Agentur sinngemäß wissen. Was solle man sagen? Norwegen besitze nun einmal einige der schönsten und spektakulärsten Toiletten der Welt.

Neu erfinden musste dafür niemand etwas. Bilder und Texte stammten aus einer Kampagne, die vor einigen Jahren für den Welttoilettentag entstanden war, der jedes Jahr am 19. November begangen wird. Evgenia Egorova, bei der Agentur für die sozialen Netzwerke zuständig, erklärte, ihre Abteilung habe das Material mit Vergnügen wiederverwendet. Die Reaktionen seien überwiegend positiv. Ein Präsident liefert die Beleidigung, ein Land holt die Antwort aus dem Archiv. Nachhaltiger kann man sich gegen Schmutz kaum wehren.

Auf der Insel Senja steht seit 2014 die „Gulldassen“, ein dreieckiges goldenes Häuschen und beliebter Halt für Reisende. Während Trump Norwegen sprachlich in die Gosse schickt, sitzen dessen Gäste auf Gold über dem Fjord. Die Fallhöhe hat selten so genau gestimmt. Erstaunlich beweglich ist dabei die präsidiale Landkarte der Verachtung. 2018 nannte Trump Haiti und afrikanische Staaten „Dreckslochländer“ und erklärte, Einwanderer aus Ländern wie Norwegen seien ihm lieber. Damals war Norwegen das Gegenbild zum Dreckloch. Heute ist es selbst ein Drecksland. Verändert hat sich in der Zwischenzeit wenig an den Fjorden. Verändert hat sich die Liste der Nobelpreisträger. Die Maßstäbe eines Mannes, der Länder nach ihrer Dankbarkeit sortiert, halten ungefähr so lange wie seine letzte Enttäuschung.

Goldene Toiletten verfolgen ihn ohnehin. Anfang 2026 stellte eine Protestgruppe auf der National Mall in Washington ein goldenes Klosett auf, um gegen seine Umbauten am Weißen Haus zu demonstrieren. Schon in seiner ersten Amtszeit wollte das Weiße Haus ein Gemälde von Vincent van Gogh aus einem New Yorker Museum ausleihen. Die leitende Kuratorin des Guggenheim-Museums bot stattdessen „America“ an, eine voll funktionsfähige Toilette aus 18-karätigem Gold des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan, ein Werk, das übertriebenen Reichtum verspottete. Später stand es im Blenheim Palace, dem Geburtshaus Winston Churchills. 2019 wurde es bei einem Einbruch gestohlen. Zwei der Diebe wurden im vergangenen Jahr verurteilt. Die Toilette blieb verschwunden.

Norwegen dagegen besitzt seine Toiletten noch alle. Ausleihen muss es sie niemandem.

Am 19. November steht der nächste Welttoilettentag an. Die passende Werbung kam schon Ende Oktober, kostenlos geliefert aus Port Huron. Der Präsident wollte ein Land erniedrigen und hat ihm eine Reklame geschenkt, die kein Werbebudget hätte kaufen können. Die Norweger danken auf ihre Weise. Sie halten ihm die Tür auf, zu einem stillen Örtchen mit Blick auf den Fjord, wo man eine Weile sitzen und darüber nachdenken kann, wer hier den Dreck mitgebracht hat.

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