Eine Ehrung wiegt so viel wie die Freiheit dessen, der sie vergibt. Am Donnerstagabend, dem 22. Oktober, stand auf dem Flugfeld des Sioux Gateway Airport in Sioux City ein junger Mann, der diese Freiheit gar nicht erst mitgebracht hatte. Joe Mitchell ist 29 und will in den Kongress. Früher saß er im Landesparlament von Iowa, danach diente er Trumps Regierung im Wohnungsbau. Jetzt bewirbt er sich um den 2. Kongresswahlbezirk im Nordosten des Bundesstaates. Am Ende seiner Rede hob er einen goldgerahmten Schein in die Höhe.

„Mann des Jahrhunderts“. Ausgedacht hatte er sich den Preis selbst.
Jenseits jeder Satire: Der republikanische Kongresskandidat Joe Mitchell aus Iowa überreichte Trump gestern Abend die Auszeichnung „Mann des Jahrhunderts“ und erklärte, Trump habe „mehr für die Menschheit und für Amerika getan als jeder andere Präsident jemals zuvor“.

Zach Lahn ist der republikanische Kandidat für das Gouverneursamt im US-Bundesstaat Iowa und tritt bei der Wahl am 3. November 2026 gemeinsam mit Derek Wulf als Kandidaten für das Amt des Vizegouverneurs an.
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Die Begründung lieferte er gleich mit, frei Haus. Den Friedensnobelpreis habe man Trump nie gegeben, eine Schande sei das, also habe er eben einen neuen Preis erfunden. Dieser Mann habe mehr für die Menschheit und für Amerika getan als jeder Präsident vor ihm. Sicherer habe keiner das Land gehalten. Und weil ein Superlativ allein im Wind von Iowa leicht verweht, schob Mitchell noch einen hinterher: der größte Präsident, den man je gehabt habe.
Trump nahm die Urkunde entgegen und reichte sie an einen Mitarbeiter. Dann sprach er einfach fort. So schnell hat noch kein Jahrhundert den Besitzer gewechselt.
Vorher hatte sich Mitchell durch die Hauptstadt gedankt. Washington sei endlich wieder eine respektable Stadt, Trump habe dort aufgeräumt. Sicher sei sie jetzt, und sauber obendrein. Gott sei Dank baue er den Ballsaal, Gott sei Dank verschwänden diese grässlichen Fahrradwege. Dann kam der Scherz, der ihm noch lange hinterherrollen wird: In Iowa fahre man kein Fahrrad, in Iowa fahre man Harley-Davidson, oder etwa nicht?
Joe Mitchell: „Gott sei Dank, dass Sie den Ballsaal bauen. Gott sei Dank, dass Sie diese schrecklichen Fahrradwege abschaffen. Wir fahren in Iowa keine Fahrräder.“
Iowa richtet jeden Sommer RAGBRAI aus, die älteste mehrtägige Radtour der Welt. Länger ist keine, größer auch nicht. Zehntausende Radfahrer und Zuschauer ziehen dabei von Westen nach Osten durch den Bundesstaat, durch eine Kleinstadt nach der anderen. Ein Land, das man auf zwei Rädern durchqueren kann, lässt sich schlecht wegreden. Die Harley hat übrigens auch nur zwei Räder.

Lindsay James, seine demokratische Gegnerin, antwortete im Netz. Sie sitzt im Landesparlament, wo er einst saß, und dient als presbyterianische Seelsorgerin. Sie wisse ja, dass Joe zuletzt viel Zeit in Mar-a-Lago verbracht habe, schrieb sie, aber hier in Iowa sei man ziemlich stolz auf seine Räder. Er möge sich doch gleich als Helfer bei RAGBRAI melden. Am Freitag legte sie in einer Bitte um Wahlkampfspenden nach. Der Preis sei eine Fälschung, ein bloßer Fototermin mit Donald Trump. Daran sehe man, wo Mitchells Prioritäten lägen: Großspender und die Größen der Bundespolitik seien ihm näher als die Familien im Nordosten Iowas.
Mitchell ließ am Freitagmorgen ausrichten, manche Leute hätten ihren Humor verloren. Über Humor belehrt zu werden, ausgerechnet von dem Mann mit dem Goldrahmen, hat einen eigenen Reiz.

Der Sitz gehört bislang der Republikanerin Ashley Hinson, seit 3 Amtszeiten im Repräsentantenhaus, nun auf dem Weg in den Senat. Trump warb auf dem Flugfeld für Mitchell, seine Partei will den Bezirk unbedingt halten. Wahlforscher führen das Rennen als völlig offen, einer sieht die Demokratin inzwischen leicht vorn. Viele Republikaner halten Trump in diesem Herbst auf Abstand. Mitchell lief ihm in einem der umkämpftesten Bezirke des Landes mit offenen Armen entgegen.
Die Preise, die Trump begehrt, bekommt er nicht. Die anderen fallen ihm zu wie Laub. Kaum hatte er die Wahl 2020 verloren, erfand das Wahlkampfkomitee der Republikaner für den Senat, das National Republican Senatorial Committee, für ihn eine Auszeichnung als Vorkämpfer der Freiheit. Als der Nobelpreis trotz allen Bettelns ausblieb, bastelte der Weltfußballverband FIFA einen eigenen Friedenspreis, damit es dem Präsidenten besser gehe.
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Anfang dieses Jahres traten Kohlebosse mit Bergleuten in Schutzhelmen vor ihn und überreichten einen Pokal. Darauf stand, er sei der unangefochtene Meister der schönen, sauberen Kohle. 1 Monat später rief der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, den America First Award ins Leben, ebenfalls frisch erfunden. Erster Preisträger wurde Trump, er erhielt eine riesige Adlerstatue.

Die Lehre für jeden Bittsteller am Hof liegt auf der Hand. Bevor man ins Weiße Haus reist, geht man in den Pokalladen um die Ecke.
Lob aus einem Mund, der nur loben darf, bleibt ein Echo. Im Goldrahmen sieht es nach mehr aus.
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da kommt man sich vor wie im Gruselkabinett lauter hungrige Mäuler die nach braunem Saft lecken! Wann endlich ist diese unwürdige, kindische aber brandgefährliche Posse vorbei?