Eine Journalistin steht im Oval Office, zurück aus dem Krieg, mit Beweisen in der Hand. Der mächtigste Mann der Welt hört ihr zu und erkundigt sich nach einer Seuche. Hariana Verás, angolanische Korrespondentin und erste afrikanische Journalistin mit Akkreditierung im Weißen Haus, wollte von Donald Trump wissen, was er gegen das Morden in der Demokratischen Republik Kongo unternimmt. Sie bekam eine Gegenfrage und danach die Tür vor der Nase.

Der Anlass war ein anderer. Trump hatte gerade den Bau eines riesigen Stahlwerks in Iowa verkündet, das größte seiner Art in der Geschichte, wie er betonte, und nahm dann Fragen entgegen. Schon bevor Verás sprach, stellte er sie vor wie ein Kuriosum. „Sie liebt Afrika, sie fragt immer nach Afrika. Über nichts anderes redet sie“, sagte er. „Gute Arbeit. Nur zu.“ Ein Lob, das nach Herablassung schmeckt. Zwischen einer Fabrik in Iowa und einem Krieg in Zentralafrika lag sein Interesse deutlich näher an der Fabrik. Verás blieb höflich. „Sie sind der Einzige, der begonnen hat, den 30 Jahre alten Krieg im Kongo zu beenden“, sagte sie und meinte den im Weißen Haus vermittelten Friedensvertrag zwischen Kongo und Ruanda von 2025. Der Osten des Landes ist reich an Bodenschätzen und arm an Frieden, seit Jahrzehnten. Der Frieden dort steht auf Papier, sonst nirgends.
Unterschrieben ist der Vertrag, umgesetzt kaum. Die Regierung in Kinshasa wirft dem Nachbarn Ruanda vor, die Rebellen der M23 zu stützen, im Osten fällt weiter Schuss um Schuss. Mehr als 7 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Verás sagte, Ruanda verletzt das Abkommen weiter, und fragte, ob Trump zu handeln bereit ist. Ein totes Abkommen, ein lebendiger Krieg, das eine trägt seinen Namen, das andere seine Gleichgültigkeit.
„Wir werden es stoppen, falls wir von einer Verletzung wissen“, antwortete er. „Wir haben den Krieg beendet, beide haben unterschrieben. Ich habe erst vor Kurzem davon gehört, falls es ein Problem gibt, kümmern wir uns darum.“ Von einem Vertrag, den er als sein Werk feiert, kennt er den Bruch nicht.
Sie war nicht gekommen, um zu loben, sie war gekommen, um zu warnen. „Ich komme gerade aus dem Kongo. Vor einem Monat war ich dort und habe gesehen, wie Ruanda weiter Kongolesen tötet“, sagte sie. „Und ich habe Beweise.“ Trump ging darauf nicht ein. „Wie steht es um Ebola?“, warf er dazwischen. „Wie läuft es mit Ebola?“ Eine Augenzeugin des Tötens im Oval Office, und der Präsident wechselt das Thema.
„Ebola ist unter Kontrolle“, entgegnete sie, „das Land braucht Hilfe dagegen, das größte Problem aber ist der Krieg.“ Auch das ließ er nicht gelten. „Ich sorge dafür, dass es klappt. Das ist es, was ich tue. Ich sorge dafür, dass die Dinge klappen.“ 3 Sätze, kein einziger Inhalt.
Die Gegenfrage nach der Seuche war keine Zerstreutheit, sie war Ausweichen mit System. Über eine Krankheit zu plaudern, erspart die Antwort auf ein Massaker. Macht, die nicht antworten will, stellt eine Frage.
Die Zahlen sind kein Stoff für eine beiläufige Frage. Die Vereinten Nationen zählen in den vergangenen Monaten 8.067 bestätigte Fälle und 3.901 Tote. Der Ausbruch wurde im Mai bekannt, kurz darauf warfen die Demokraten im Repräsentantenhaus dem Präsidenten in einer Mitteilung mit dem Titel „Trump schuf den perfekten Sturm für die rasche Ausbreitung von Ebola“ vor, die Katastrophe befördert zu haben. Seine Regierung zerschlug die Entwicklungsbehörde USAID und kürzte die Hilfe für die Region. Fachleute aus den Gesundheitsprogrammen verloren ihre Stellen.
Rosa DeLauro, ranghöchste Demokratin im Haushaltsausschuss, fand die Worte dafür. „Das ist keine Effizienz, das ist gefährliche Vernachlässigung“, sagte sie. Jahrelang hat Amerika Labore und Helfer vor Ort aufgebaut, die tödliche Krankheiten an ihrer Quelle stoppen, so DeLauro, und diese Regierung hat das Aufgebaute zerrissen. Erst reißt man ein, was schützt, dann erkundigt man sich freundlich nach der Seuche.
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