Das Pentagon zieht Konsequenzen aus einer Niederlage vor Gericht – aber nicht so, wie es viele erwartet hatten. Statt Journalisten wieder vollständig Zugang zu gewähren, verlegt das Verteidigungsministerium sie aus dem Gebäude heraus. Der sogenannte „Correspondents’ Corridor“, über Jahrzehnte Arbeitsplatz der Presse im Inneren des Pentagon, ist geschlossen. Künftig sollen Journalisten in einer externen Einrichtung auf dem Gelände arbeiten. Wann diese fertig ist, sagt niemand.
Auslöser ist ein Urteil von Bundesrichter Paul L. Friedman. Er hatte entschieden, dass die neue Medienpolitik des Verteidigungsministeriums gegen die Pressefreiheit und rechtsstaatliche Grundsätze verstößt. Betroffen waren unter anderem die New York Times und viele Journalisten anderer Medien. Das Gericht ordnete an, den Zugang wiederherzustellen. Genau das passiert jetzt nicht in der bisherigen Form.

Dutzende Journalisten gaben am 16. Oktober 2025 ihre Zugangsausweise ab und verließen das Pentagon – aus Protest gegen neue Regierungsauflagen, die ihre Arbeit künftig einschränken sollte.
Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte, man werde das Urteil umsetzen, gleichzeitig aber Berufung einlegen. Zugleich schob er Sicherheitsbedenken nach. Das Gebäude könne nicht ausreichend geschützt werden, wenn Journalisten dort arbeiten. Deshalb die Entscheidung, die Presse auszulagern. Der Zugang zum Pentagon selbst wird zusätzlich eingeschränkt. Wer hinein will, braucht künftig eine Begleitung durch autorisierte Mitarbeiter, und zwar außerhalb geplanter Termine wie Pressebriefings oder Interviews.
Die neue Regelung trifft auf massiven Widerstand. Die Pentagon Press Association spricht von einem klaren Verstoß gegen Wortlaut und Geist des Urteils. Gerade in einer Phase, in der die USA militärisch aktiv sind – mit Blick auf Venezuela und den Krieg gegen Iran – sei freier Zugang zu Informationen entscheidend. Auch die New York Times kündigt an, erneut vor Gericht zu ziehen. Sprecher Charlie Stadtlander macht deutlich, dass die neuen Maßnahmen weiterhin verfassungswidrige Einschränkungen darstellen.

Der Auszug der Medien am 16. Oktober 2025
Der Konflikt geht auf eine im Oktober eingeführte Regel zurück. Journalisten sollten unterschreiben, dass ihnen die Akkreditierung entzogen werden kann, wenn sie Informationen einholen, die nicht zur Veröffentlichung freigegeben sind – selbst wenn diese nicht als geheim eingestuft sind. Viele große Medienhäuser, darunter die New York Times und die Washington Post, verweigerten die Unterschrift und gaben ihre Ausweise zurück. Andere, überwiegend konservative Medien, akzeptierten die Bedingungen.
Der neue Alltag im Pentagon: Konservative und rechtsextreme Journalisten im Pentagon für die Weltberichterstattung, wie Laura Loomer oder Vertreter des deutlich rechten America-Voice-Mediums, um nur einige zu nennen. Viele internationale Medien haben das nicht in gleichem Maß gemacht. Sie sind oft pragmatischer geblieben, haben sich gebeugt, um Zugang und Häppchen zu behalten. Das stieß auf große Kritik bei amerikanischen und investigativen Journalisten.
Aus Sicht von Journalisten vor Ort ist das Sicherheitsargument vorgeschoben. James LaPorta von CBS News weist darauf hin, dass Hintergrundüberprüfungen längst Standard sind und das Gericht dem Verteidigungsministerium keineswegs die Möglichkeit genommen hat, echte Risiken auszuschließen. Meghann Myers von Defense One formuliert es noch deutlicher: Journalisten wurden nicht wegen Sicherheitsproblemen eingeschränkt, sondern weil sie versucht haben, an Informationen zu kommen, die über offizielle Verlautbarungen hinausgehen.
Das Ergebnis ist eine Verlagerung, die formal wie ein Kompromiss aussieht, praktisch aber den Zugang weiter verengt. Journalisten bleiben auf dem Gelände, aber nicht mehr im Zentrum der Macht. Wege werden länger, Kontakte indirekter, Kontrolle enger. Das Urteil hat die Tür geöffnet. Das Pentagon hat sie nicht zugeschlagen – aber einen neuen Rahmen darum gebaut.
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Es war ein gutes Urteil. Ein wichtiges Urteil.
Aber wie so oft findet Trump einen Weg es zu umgehen.
Bis vor einem dreivierteljahr gab es im Pentagon nie echte Sicherheitsbedenken bezüglich des Pressecorps.
Aber jetzt ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet? Was für ein Unfug.
Und die Presse soll außerhalb arbeiten? In einem Gebäude was bicht fertig ist?
Gilt das dann für alle Medien?
Oder nur die nicht Genehmen?
Das Widerspruch eingelegt wird, war klar.
Wahrscheinlich geht auch das bis zum Supreme Court.
Und bis dahin stehen die Journalisten im Regen, im wahrsten Sinne des Wortes.